Alwin Wagner

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Alwin Wagner Leichtathletik

Alwin Wagner
Alwin Wagner (1985)

Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag 11. August 1950 (67 Jahre)
Geburtsort MelsungenDeutschland
Beruf Polizist
Karriere
Verein USC Mainz
PSV Grün-Weiß Kassel
MT Melsungen
Medaillenspiegel
Deutsche Meisterschaften 5 × Gold 1 × Silber 4 × Bronze
Deutsche Meisterschaften
0Bronze0 Hannover 1974 Diskuswurf
0Bronze0 Hamburg 1977 Diskuswurf
0Silber0 Stuttgart 1979 Diskuswurf
0Gold0 Gelsenkirchen 1981 Diskuswurf
0Gold0 München 1982 Diskuswurf
0Gold0 Bremen 1983 Diskuswurf
0Gold0 Düsseldorf 1984 Diskuswurf
0Gold0 Stuttgart 1985 Diskuswurf
0Bronze0 Berlin 1986 Diskuswurf
0Bronze0 Frankfurt 1988 Diskuswurf
letzte Änderung: 24. Mai 2016

Alwin Wagner (* 11. August 1950 in Melsungen) ist ein deutscher Diskuswerfer und Schleuderballwerfer. Im Schleuderball stellte er am 21. August 1982 mit einer Weite von 86,92 m den noch heute gültigen Weltrekord auf und war fünfzehnmal deutscher Meister und sechsmal Deutscher Turnfestsieger in dieser Disziplin.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Polizeibeamte a. D. begann seine sportliche Laufbahn mit den Ballsportarten. Er spielte zunächst Fußball, anschließend Handball und wechselte 1965 zu Leichtathletik. Zwei Jahre später wurde er in den Bundeskader berufen. Noch als 16-Jähriger warf er die 2-kg-Scheibe über 42 m. 1971 wurde er hinter Ralf Reichenbach mit 54,16 m deutscher Vizemeister bei den Junioren (U22). 1973 warf er zum ersten Mal im Wettkampf den Diskus über die 60-m-Marke. 1976 wurde er vom Verband nicht zu den Olympischen Spielen in Montreal nominiert. Wagner hatte mit 61,88 m zwar die IAFF-Norm von 61,00 m übertroffen, erfüllte aber nicht die vom Deutschen Leichtathletik-Verband geforderte Norm von mindestens 64 m. Man sah für die Olympischen Spiele keine Endkampf-Chance und keine Medaillenchance. 1978 nahm Alwin Wagner an den Europameisterschaften in Prag teil und belegte den 6. Platz. Beim Europa-Cup-Finale 1979 in Turin sicherte sich Wagner hinter Wolfgang Schmidt (DDR) den zweiten Platz. Von 1981 bis 1985 wurde der für den USC Mainz startende Leichtathlet fünfmal in Folge Deutscher Meister im Diskuswerfen. 1982 nahm er an den Europameisterschaften in Athen teil und startete ein Jahr später bei den ersten Weltmeisterschaften in Helsinki. Beim Europa-Cup Finale 1983 in London belegte Wagner hinter Jürgen Schult (DDR, 64,96 m) mit 64,14 m den zweiten Platz. Bei den Olympische Sommerspiele 1984 in Los Angeles krönte er seine sportlichen Leistungen mit dem sechsten Platz. 1986 nahm Alwin Wagner zudem an der Europameisterschaft in Stuttgart teil. Am 1. Juli 1987 erreichte er im Diskuswurf mit 67,80 m seine persönliche Bestweite.

Alwin Wagner war auch nach seiner Zeit als Leistungssportler aktiv. Er startete für die MT Melsungen in den Seniorenklassen und übernahm das Amt des sportlichen Leiters. 2005 wurde Alwin Wagner in San Sebastian Senioren-Weltmeister im Diskuswerfen und 2006 gewann er in Posen den Titel des Senioren-Europameisters. Im März 2007 siegte Alwin Wagner in Helsinki bei den Senioren-Hallenmeisterschaften, wo erstmals das Diskuswerfen in einer Halle ausgetragen wurde.

Seit 1995 hält Alwin Wagner Anti-Doping-Vorträge in den Oberstufen von Gymnasien, um Schüler über die sog. „Goldene Dekade“ des hemmungslosen Dopings (1978–1988) zu aufzuklären und sie vor der Einnahme leistungssteigernder Substanzen zu warnen.

Kritik an der Doping-Praxís[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alwin Wagner wies bereits während seiner aktiven Zeit auf Doping der deutschen Leichtathleten hin.[1][2]

In der Bild-Zeitung wurde er im November 1981 zitiert: „Wir müssen immer mehr Pillen schlucken, um die Norm für die internationalen Meisterschaften zu erfüllen“.

Ende 1990 brachte Wagner den Deutschen Leichtathletik-Verband in Bedrängnis, als er umfassend zur Dopingpraxis aussagte und dies schriftlich an die Staatsanwaltschaft weitergab. Dadurch kam u.a. heraus, dass in der Freiburger Mooswald-Klinik geschluckt, gespritzt, betrogen und vertuscht wurde.[3][4]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner ist bekennender katholischer Christ, Vater von vier Kindern und lebt mit seiner Frau in Melsungen.[5]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 belegte Wagner bei der Leserumfrage (hessische) „Jahrhundert-Sportler“ der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (HNA) hinter dem Skilangläufer Jochen Behle den zweiten Platz. 2005 wurde er zum Polizeisportler des Jahres gewählt. Nach seiner aktiven Zeit war Wagner sechzehn Jahre lang im Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV) Trainer für Kugelstoßen und Diskuswerfen. Als Funktionär war er im Verband viele Jahre Wettkampfwart und stellvertretender Vorsitzender des HLV. Als Schiedsrichter für Wurf und Stoß wurde er für das Europa-Cup-Finale 2001 berufen und wurde ein Jahr später bei den Europameisterschaften in München als Schiedsrichter für das Diskusfinale der Männer und Frauen berufen.

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fünffacher Deutscher Meister im Diskuswerfen in Folge (1981–1985)
  • Teilnehmer der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984
  • Teilnehmer an den Europameisterschaften in Prag (1978), Athen (1982) und Stuttgart (1986)
  • Welt- und Europameister im Diskuswerfen der Senioren
  • Weltrekordhalter im Schleuderballwerfen mit 86,92 m
  • 25 × Deutscher Seniorenmeister im Diskuswerfen
  • 15 × Deutscher Meister im Schleuderballwerfen
  • 06 × Deutscher Turnfestsieger im Schleuderballwerfen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Amrhein: Biographisches Handbuch zur Geschichte der Deutschen Leichtathletik 1898–2005. 2 Bände. Darmstadt 2005 publiziert über Deutsche Leichtathletik Promotion- und Projektgesellschaft.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Singler, Gerhard Treutlein: Doping im Spitzensport. Sportwissenschaftliche Analysen zur nationalen und internationalen Leistungsentwicklung. Aachen 2007, ISBN 978-3-89899-192-6, S. 157
  2. Ex-Diskuswerfer Wagner über Doping "Dreimal täglich Anabolika", SPIEGEL Online, 4. April 2017
  3. "Die Cocktail-Party des Westens" SPIEGEL Online, 4. April 2017
  4. Lars Spannagel: Geduldet und gedeckt. In: Der Tagesspiegel, 27. März 2017
  5. Matthias Lohr: Diskuswurf-Legende Alwin Wagner: "Ich hatte Angst, dass wir den Unfall nicht überleben". In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Verlag Dierichs GmbH & Co KG, 1. März 2017, abgerufen am 5. Mai 2017.