Amöneburg (Berg)

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Amöneburg
Amöneburg Panorama Westseite 02.jpg

Ansicht von Westen, rechts der Wenigenberg.
Bei vergrößerter Ansicht sind auf dem Gipfel das Rabanushaus der Stiftsschule, die Burgruine und die Pfarrkirche gut erkennbar.

Höhe 365 m ü. NHN [1]
Lage Amöneburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Hessen (Deutschland)
Gebirge Inselberg
Dominanz 6,6 km → Vorderer Vogelsberg
Schartenhöhe 157 m ↓ Nähe Abzweig Kleinseelheim von der L 3048 (zu den Lahnbergen)
Koordinaten 50° 47′ 48″ N, 8° 55′ 18″ OKoordinaten: 50° 47′ 48″ N, 8° 55′ 18″ O
Topo-Karte LAGIS Hessen
Amöneburg (Berg) (Hessen)
Gestein Basalt
Besonderheiten Burg Amöneburg
Amöneburg von SO (3).jpg

Ansicht von Südosten mit Unter- und Oberstadt

Vorlage:Infobox Berg/Wartung/BILD1
Vorlage:Infobox Berg/Wartung/TOPO-KARTE

Die Amöneburg ist ein etwa 365 m hoher[1] Basaltkegel(stumpf) und Singularität[2] des nach ihr benannten, ansonsten flachwelligen Amöneburger Beckens im Osten des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Mittelhessen. Auf ihrem Gipfel liegt die Altstadt Amöneburgs, an ihrem Südosthang und -fuß liegt die restliche Kernstadt. Während nur ein kleinerer Teil der rund 1500 Einwohner der Kernstadt auf dem Gipfelplateau wohnt, werden an der dortigen Stiftsschule St. Johann 800 Schülerinnen und Schüler von rund 70 Lehrkräften unterrichtet. Unmittelbar im Gipfelbereich liegen die Burg Amöneburg und die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer. Ringförmig um die Altstadt und von dort nach Süden zur Wenigenburg (317 m)[3] zieht sich das Naturschutzgebiet Amöneburg.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amöneburg liegt im gleichnamigen Stadtgebiet etwa 2,7 km südlich der Innenstadt von Kirchhain und etwa 11 km ostsüdöstlich der von Marburg. 2,7 km westnordwestlich liegt Kleinseelheim (zu Kirchhain), die Stadtteile Roßdorf (Südsüdwesten) und Mardorf (Süden) sind rund 3,5 km entfernt, der Stadtteil Rüdigheim liegt 2,8 km südöstlich; die Brücker Mühle liegt nur 1,1 km südsüdöstlich des Gipfels und rund 170 m tiefer an der Ohm.[4]

Dominanz und Prominenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amöneburg ist zwar weithin der markanteste Berg, jedoch sind die Randhöhenzüge des Amöneburger Beckens alle noch etwas höher. Die Dominanz des Bergs beträgt etwa 6,6 km; in dieser Entfernung nach Süden wird am Vorderen Vogelsberg, an den nördlichen Vorhöhen der Mardorfer Kuppe (406,8 m) seine Höhe überschritten. In Richtung Norden muss man sich hingegen rund 8,2 km entfernen, um am Burgholz (379 m) im Südwesten der Gilserberger Höhen diese Höhe zu überschreiten, ähnlich weit ist die Dominanz nach Westen zu den Lahnbergen (bis gut 380 m).

Die Prominenz der Amöneburg beträgt rund 157 m, die Scharte auf dem Weg zum Sennberg (383 m) im Vorderen Vogelsberg oder zu Stempel (365,4 m) und Lichtem Küppel (368,3 m) in den südlicheren Lahnbergen liegt nah dem Abzweig nach Kleinseelheim von der Landesstraße 3048 RoßdorfKirchhain auf rund 208 m.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufschluss mit typisch säulig geklüftetem „Basalt“

Die Amöneburg gilt als der nordwestlichste geomorphologisch in Erscheinung tretende Ausläufer des Vogelsberg-Vulkanismus. Das basaltoide Gestein der Amöneburg repräsentiert den Förderschlot eines tief erodierten, miozänzeitlichen Vulkans. Teilweise kommen Tuffe in der Schlotfüllung vor, was darauf schließen lässt, dass der „Amöneburg-Vulkan“ zumindest hin und wieder einen explosiven Charakter hatte. Die jüngsten von dem Schlot durchschlagenen Ablagerungen finden sich im Umland des Berges. Es handelt sich dabei um Tone, Schluffe und Sand(stein)e der tertiärzeitlichen Hessischen Senke, die im Zeitraum vom Ober-Eozän (Priabonium) bis zum Unter-Oligozän (Rupelium) abgelagert wurden.[5][6][7] Diese Ablagerungen sind allerdings größtenteils von mehrere Meter mächtigem pleistozänem Löss überdeckt. Das Tertiär und nicht selten auch direkt das Quartär lagern wiederum Schichten des Buntsandsteins auf (erbohrt in mindestens ca. 10 Metern Teufe), die weiter westlich und nördlich in den Lahnbergen und dem Burgwald großflächig zutage treten.[8][9]

An den oft steilen Hängen finden sich zahlreiche Aufschlüsse des basaltoiden Vulkangesteins. Besonders markant und formenreich sind die Basaltsäulen am Bilstein am Osthang.

Naturschutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naturschutzgebiet Amöneburg wurde bereits am 16. Juni 1927 ausgewiesen und ist damit laut der Stadt Amöneburg das älteste Naturschutzgebiet Hessens,[10] allerdings ist das NSG Teufelsloch und Almosenwiese bei Steinau an der Straße im Main-Kinzig-Kreis noch gut drei Jahre älter.[11]

Das NSG hatte ursprünglich eine Fläche von 27 ha und war zweiteilig,[10] heute ist es mit 32,09 ha[4] nur minimal größer und zusammenhängend, jedoch nicht einfach zusammenhängend, da die nicht geschützte Altstadt es zu einem Ring macht, von dem aus eine deutliche Nase nach Süden zur Wenigenburg reicht. Die Grünflächen werden seit 2008 extensiv mit Ziegen beweidet,[10] um eine typische Magerrasenflora zu erreichen, die insbesondere seltene Schmetterlingsarten fördert.

An seltenen Pflanzen finden sich insbesondere Kleinblütige Rose (s. Hundsrosen), Streifen- und Hasen-Klee, Trespen-Federschwingel (s. Schwingel), Schwielen-Löwenzahn (s. Löwenzahn), Tausendgüldenkraut, Heide-Nelke und Knöllchen-Steinbrech, Gewöhnliches Filzkraut, Silber-Fingerkraut, Reiherschnabel und Natternkopf.[12]

Seltene Insekten im NSG sind insbesondere die Schmetterlinge Schwalbenschwanz, Goldene Acht, Mauerfuchs, Kleiner Würfel-Dickkopffalter und Mattscheckiger Braun-Dickkopffalter sowie die Westliche Beißschrecke. An seltenen Vögeln finden sich insbesondere Rebhuhn, Wendehals, Grauspecht, Baumfalke, Rotmilan, Steinkauz, Schleiereule, Neuntöter und Steinschmätzer.[12]

Derzeit (2020) finden sich noch zahlreiche Robinien im Bereich des NSG, die zum Teil als Alleebäume am Rundweg angepflanzt worden waren. Da sie eigentlich nicht heimisch sind, wird ihre Verjüngung durch Wurzelableger und Keimlinge von Hand unterbunden.[12]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreisstraße 30 führt von der abschnittsweise autobahnähnlichen Bundesstraße 62 MarburgKirchhain im Norden direkt auf den Berg und an der Südostseite in Richtung Brücker Mühle wieder herunter, wo z. B. die Landesstraße in Richtung Homberg (Ohm) erreicht werden kann. Jedoch führt sie in der Altstadt durch relativ enge Gassen, weshalb die regelmäßig 13 Busse, die die Schüler zur Stiftsschule und zurück karren, in genau koordinierten Schichten zu je 3 Bussen nur jeweils von Norden kommend eine Schleife durch die Altstadt fahren und sich in Richtung Norden wieder entfernen.

Nördlich unmittelbar vor der Stadtmauer befinden sich Parkplätze am „Kuhberg“ in Hanglage, von denen aus der Berg umwandert werden kann. An Elternsprechtagen der Stiftsschule wird regelmäßig die Festwiese westlich der Burgruine zum Parken freigegeben.

Aussicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amöneburg bietet eine weite Aussicht in alle Richtungen, jedoch gibt es keinen Punkt mit 360° oder auch nur 180° Rundumsicht. Bei einer Wanderung um den Gipfel im Gegenuhrzeigersinn, beginnend im Norden, stechen insbesondere hervor (siehe Udeuschle unter #Weblinks):[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Amöneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Mainzische Burg Amöneburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 12. Juni 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 19. August 2020.
  2. Gerhard Sandner: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 125 Marburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1960. → Online-Karte (PDF; 4,9 MB)
  3. Wenigenburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 14. August 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 19. August 2020.
  4. a b c Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. Geologische Karte Hessens (GÜK 300), Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (PDF; 14,1 MB)
  6. GeoViewer der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hinweise)
  7. Geotop Amöneburg. Geopark Vulkanregion Vogelsberg, abgerufen am 23. August 2020
  8. Geologieviewer des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (Hinweise)
  9. Jutta Klug: Die vorgeschichtliche Besiedlung des Amöneburger Beckens und seiner Randgebiete (= Archäologische Berichte. Band 2). Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V., Bonn 1989, S. 11 f. (Digitalisat).
  10. a b c Naturschutzgebiet (NSG) Amöneburg auf Amöneburg.de
  11. Siehe Referenzierung in Teufelshöhle (bei Steinau).
  12. a b c Amöneburg, Infos zum NSG vom Regierungspräsidium Gießen