Am Abend aller Tage

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Filmdaten
Deutscher TitelAm Abend aller Tage
OriginaltitelAm Abend aller Tage
ProduktionslandDeutschland
Originalsprachedeutsch
Erscheinungsjahr2017
Länge89 Minuten
Stab
RegieDominik Graf
DrehbuchMarkus Busch
ProduktionMarkus Gruber, Michael Hild, Bernd Schlötterer
MusikFlorian van Volxem, Sven Rossenbach
KameraMartin Farkas
SchnittClaudia Wolscht
Besetzung

Am Abend aller Tage ist ein deutscher Fernseh-Thriller[1] des Regisseurs Dominik Graf aus dem Jahr 2016. Das Drehbuch Markus Buschs basiert auf Henry James’ Novelle The Aspern Papers (deutsch Die Aspern-Schriften) aus dem Jahr 1888 und überträgt dessen Fiktion auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund der Sammlung Gurlitt aus dem „Schwabinger Kunstfund“ im Jahr 2012. Der Film wurde am 31. Mai 2017 im ARD-Programm Das Erste erstmals ausgestrahlt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offenbar direkt aus einem Liebesabenteuer lässt sich Philipp Keyser zum Termin nach Büroschluss in einem Frankfurter Hochhaus chauffieren. In der dort residierenden Anwaltskanzlei beauftragt eine Runde älterer Damen und Herren den Kunsthistoriker ohne Abschluss mit einem außergewöhnlichen Fall: Suche und Ankauf eines verschollenen Gemäldes „des (fiktiven) Expressionisten Ludwig Glaeden mit dem Namen ‚Die Berufung der Salomé‘.“[2] Es existiert nur als Staubabdruck auf einem alten Wohnzimmerfoto sowie als Leerstelle in einem Katalog. Doch Philipp verehrt Glaeden und braucht auch das Geld, das offenbar viel weniger eine Rolle spielt, als „die Zeit, die den Herrschaften und mir (…) nicht mehr allzu endlos bemessen sein wird“,[1] wie die namenlose Wortführerin betont, nachdem sie einen großzügigen ersten Scheck ausstellte. Einziger Tipp ist das Gerücht, jetziger Besitzer sei der Erbe des berühmten Kunsthändlers Eckhart Dutt, Magnus Dutt in München.

Dort gibt er sich in einer Galerie als Journalist und Doktorand über Glaeden aus, um über Dutts Großnichte Zutritt zu dessen unzugänglichem Anwesen zu erhalten. Alma ist selbst Malerin, bestreitet ihren Lebensunterhalt jedoch profan in einer Großwäscherei und weist Philipp spontan zurück. Ohne Skrupel verführt Philipp zunächst Sabine, Almas junge Kollegin, bevor sie selbst sich Philipp doch mehr und mehr öffnet und sich bald eine Romanze entspinnt. Effektvoll Dutts verkümmerten Garten beackernd kommt Philipp endlich auch diesem näher.

Schließlich entdeckt Philipp während einer von Dutts vielen Abwesenheiten das gesuchte Ziel mit Almas Hilfe im großen, völlig ungeordneten Kunstschatz in dessen Keller. Für Philipps Ansinnen des Kaufs jedoch erweist sich Dutt als vollkommen unzugänglich, da er die Behandlung von Kunstwerken als Wirtschaftsgut und somit deren „Besitz“ grundsätzlich ablehnt: Kunst gehöre nur sich selbst.

Am Ende verschafft sich Philipp das Bild gegen Dutts Willen hinweg mit körperlicher Gewalt. Dutt bleibt gestürzt im Kellergang zurück, dann wird ein Bild verbrannt „und zwei Liebende halten sich in den Armen, so fest umklammert, als könnten sie doch tatsächlich ineinander Halt finden.“[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Drehbuch ist stark inspiriert vom Fall des Münchener Kunstsammlers Cornelius Gurlitt. An diesen lehnt sich die Person Magnus Dutt ebenso an wie dessen „Vater“ Eckhart Dutt an Cornelius Gurlitts Vater Hildebrand Gurlitt und wie an Gurlitts Anwesen die ersten Bilder des verwunschenen Grundstücks, die sich Protagonist Philipp im Film hinter dem kaum lesbaren Klingelschild bieten.

Auch spielt die Frage der Auftraggeber, ob er Jude sei, auf das Problem der NS-Raubkunst an, die wegen Cornelius’ Vater Hildebrand Gurlitt mit der „Sammlung Gurlitt“ von Beginn an verbunden war, sich aber letztlich nur in sehr wenigen Fällen als zutreffend erwies.

Der schillernden Persönlichkeit Alma Mahler-Werfel ist der Rollenname der Alma gewidmet. Ihr auf Vergänglichkeit angelegtes Kunstschaffen und ihre Weigerung im Dialog mit Philipp, dies zu ändern, bildet den greifbaren Gegenpol zur Ökonomisierung der Kunst, die der Film auf einer tieferen Ebene behandelt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstsendung am 31. Mai 2017 sahen 3,23 Mio. Zuschauer, was einem Marktanteil von 12,1 % entspricht. Am 7. und 8. Juni 2017 wurde der Film auf One noch drei weitere Male im deutschen Fernsehen gezeigt.[4]

Die Kritik bewertete den Film überwiegend positiv bis herausragend. So vergab Rainer Tittelbach fünfeinhalb von sechs Punkten für die „feinsinnige, anspruchsvolle Betrachtung über Liebe & Kunst (…). Ein Film gegen Sehgewohnheiten. Ein Film für Auge, Kopf und Seele.“ Zugleich befürchtet er, dass dieser „dem Auge und der Seele der ‚Masse‘ wohl verschlossen bleiben wird. Sie wird diesen Film nicht ‚erkennen‘ im Sinne der Liebe. Denn (…) der Film (…) besitzt mit seiner beobachtend-distanzierten Erzählhaltung eine stärker poetische als dramatische Note.“ Jacobis Darstellung nennt er „gewohnt eindrucksvoll“.[4]

Wie Tittelbach lobte auch Heike Hupertz für die Frankfurter Allgemeine Zeitung Dominik Grafs Inszenierung des Cornelius Gurlitt nicht als wunderlichen Sonderling, sondern als „klugen Mann“[4] und „als intellektueller Erbe der Kunstreligion des neunzehnten Jahrhunderts (…) und als großer Liebender.“ Und auch sie empfindet den Film als einen, „der Konzentration einfordert und vielleicht sogar Hingabe verlangt“, doch sei er „verschwenderisch gefilmt (…) und hinreißend geschrieben“, insgesamt „meisterlich“.[2]

Und für den Spiegel subsumierte Christian Buß wohlwollend: „Rausch und Reflexion, Anmaßung und Analyse, es geht in diesem jazzgetriebenen Malerspektakel mit seinen blutenden Leinwänden und tropfende Farbtöpfen drunter und drüber. Wem gehört die Kunst? (…) Für einen juristischen oder moralischen Kommentar zum Umgang mit NS-Raubkunst taugt der Film überhaupt nicht. Als Thriller über die Macht der Kunst über das Leben umso mehr.“[1]

Auch David Denk erkennt für die Süddeutsche Zeitung an, es sein „ein vielschichtiger, zu Interpretationen einladender, aber (…) keineswegs gefälliger (…) Film.“ Nur relativiert er zugleich, auch wenn „klar ist: Das Fernsehen hierzulande könnte mehr solche Filme mit Anspruch gebrauchen – so wenig um Zugänglichkeit bemüht wie Am Abend aller Tage sollten sie aber vielleicht auch nicht alle sein.“[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Christian Buß: Blutende Leinwände. In: Spiegel Online. 31. Mai 2017, abgerufen am 5. Juni 2017.
  2. a b Heike Hupertz: In der Malerei und in der Liebe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 31. Mai 2017, abgerufen am 5. Juni 2017.
  3. a b David Denk: Böser Blick. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Mai 2017, abgerufen am 5. Juni 2017.
  4. a b c Rainer Tittelbach: Fernsehfilm „Am Abend aller Tage“. Tittelbach.tv, abgerufen am 5. Juni 2017.