Am Turme

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Das Gedicht „Am Turme“ von Annette von Droste-Hülshoff aus dem Jahr 1842 ist dem Biedermeier bzw. der Romantik zuzuordnen.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gedicht beginnt mit den folgenden Versen:

Ich steh' auf hohem Balkone am Turm,
Umstrichen vom schreienden Stare,
Und lass' gleich einer Mänade den Sturm
Mir wühlen im flatternden Haare;
O wilder Geselle, o toller Fant,
Ich möchte dich kräftig umschlingen,
Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand
Auf Tod und Leben dann ringen!

Das Gedicht behandelt die Sehnsucht einer jungen Frau, die sich nach dem abenteuerlichen Leben in der weiten Welt sehnt. Auf Grund der zu ihrer Zeit nicht vorhandenen Gleichberechtigung und Emanzipation der Frau bleibt dem lyrischen Ich in diesem Gedicht dieser Wunsch jedoch verwehrt. Besonders hervorzuheben ist der durchgängige Knittelvers mit doppeltem Kreuzreim. Weiterhin zeigt sich in jeder Strophe der konjunktivische Schreibstil der Autorin (Wäre ich ein Mann, Wäre ich ein Jäger). Das Gedicht besteht aus 4 Strophen, die wiederum aus 8 Versen bestehen; es wechseln sich männliche und weibliche Kadenzen ab. Strukturell kann man nach der dritten Strophe eine Zäsur erkennen, da die ersten drei Strophen miteinander verbunden sind: Die zweite und dritte Strophe beginnen jeweils mit einem „Und“ und schließen somit an die Vorhergehende an. Außerdem beginnt der fünfte Vers der ersten drei Strophen jeweils mit einem „O“; die vierte Strophe jedoch beginnt weder mit einem „Und“ noch ist in ihr das „O“ zu finden, welches die vorherigen Strophen miteinander verbindet. In dem Gedicht sind vielfach symbolische Handlungen zu finden, wie zum Beispiel das Lösen der Haare: Man hatte in der Zeit von Annette von Droste-Hülshoff eine strenge Vorstellung, wie die Frisur einer Frau auszusehen hatte – die Missachtung dieser Normen galt als etwas Rebellisches („Und darf nur heimlich lösen mein Haar / Und lassen es flattern im Winde“, 4, 7)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]