Amadeu Antonio Stiftung

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Amadeu Antonio Stiftung
Logo der Amadeu Antonio Stiftung.svg
Rechtsform gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts
Gründung 1998
Gründer Anetta Kahane
Sitz Heidelberg / Berlin
Personen Anetta Kahane (Vorstand), sechsköpfiger Stiftungsrat
Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Stärkung der Zivilgesellschaft gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus
Methode Projekte, Aktionen, Aufklärungsmittel
Angestellte 30 (2016)
Motto Ermutigen, Beraten, Fördern
Website www.amadeu-antonio-stiftung.de

Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine gemeinnützige deutsche Stiftung bürgerlichen Rechts. Sie wurde 1998 von Anetta Kahane gegründet und nach Amadeu Antonio Kiowa benannt, einem der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland nach der Wiedervereinigung. Die Stiftung will die Zivilgesellschaft in Deutschland gegen Antisemitismus (auch in Form von Antizionismus), Rassismus und Rechtsextremismus stärken. Dazu unterstützt sie über 1000 lokale Initiativen und Projekte in Jugendkultur, Schulen, Opferschutz, Flüchtlingsinitiativen oder Demokratieprojekte finanziell, durch Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und kommunale Netzwerke. Ferner unterstützt sie Hilfsangebote für Aussteiger/innen aus der Neonazi-Szene.

Leitung, Mitarbeiter, Partner

Stifter war Karl Konrad von der Groeben. Schirmherr ist Wolfgang Thierse, der frühere Präsident des Deutschen Bundestages.[1] Die Gründerin Anetta Kahane ist auch Vorstandsvorsitzende. Der Stiftungsrat besteht aus sechs Personen (Stand Juli 2016): Andreas Zick (Vorsitzender), Andrea Böhm, Stephan J. Kramer, Uta Leichsenring, Petra Lidschreiber und Christian Petry. Der Rat hat die Geschäftsführung inne, wacht über die Einhaltung des Stifterwillens, entscheidet in Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung und berät den Vorstand.[2] Die Stiftung wird von der Stiftungs- und Forschungsgruppe Modellprojekte GmbH (SFGM) verwaltet. Den Kreis der Freunde und Förderer der Stiftung vertritt Ria Gräfin von der Groeben. Zur Zeit beschäftigt die Stiftung 30 Personen haupt- oder nebenamtlich.[3]

Die Stiftung hat hunderte von Partnern in Deutschland, darunter viele kleine Projekte und lokale Initiativen. Es besteht eine strategische Partnerschaft mit der Freudenberg Stiftung und der Zeitschrift Stern. Die Stiftung unterstützt die Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Auf europäischer und internationaler Ebene arbeitet sie unter anderen mit dem WINGS-Netzwerk (Worldwide Initiatives for Grantmaker Support) zusammen.[4]

Projektförderung

Von rund 1,6 Millionen Euro Einnahmen der Stiftung im Jahr 2014 stammten rund 721.000 Euro aus Spenden, rund 870.000 Euro aus staatlichen Zuschüssen. Davon wurden rund 963.000 Euro für Projekte und Projektförderung ausgegeben; der Rest waren Personalkosten.[5]

Bis 2016 förderte die Stiftung in ganz Deutschland über 1000 lokale Initiativen und Projekte in demokratischer Jugendkultur, Schulen, kommunalen Netzwerken, für Opferschutz und Opferhilfe und für Aussteiger aus der Naziszene finanziell, ideell und durch Öffentlichkeitsarbeit.[6] Die Stiftung sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, Projekte nicht nur zu fördern, sondern auch zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken und sie zu vernetzen. Die Projekte werden aus Spendenmitteln und den Erträgen des Stiftungskapitals gefördert. 2009 wurden etwa 600.000 von 900.000 Euro des Jahresbudgets für operative Projekte verwendet, die über Programme der Bundesregierung und anderer Stiftungen finanziert werden. Die Stiftung arbeitet operativ und überregional mit eigenen Projekten in der Kinder- und Menschenrechtsbildung, bei der Entwicklung und Fortbildung von Projekten gegen aktuellen Antisemitismus, in Kooperation mit antirassistischen Projekten gegen Alltagsrassismus und bei der Förderung und Vernetzung von Bürgerstiftungen, die sich für demokratische Kultur engagieren.

Projekte gegen Antisemitismus

Seit 2003 entwickelt und erprobt die Stiftung Konzepte gegen aktuelle Formen des Antisemitismus, die sie auf einer Website vorstellt. Seit 2006 veranstaltet sie mit vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen jährliche bundesweite Aktionswochen gegen Antisemitismus.[7] Aus Anlass des 70. Jahrestags der Novemberpogrome 1938 organisierte sie 2008 die Ausstellungen „Antisemitismus in der DDR“ und „Das hat's bei uns nicht gegeben“ in über 250 Orten.[8] Im Februar 2015 gründete die Stiftung zusammen mit Antisemitismusforschern das „Netzwerk zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus“ (NEBA).[9]

Das Projekt ju:an (Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit) vermittelt Pädagogen und Fachkräften der offenen Jugendarbeit Beratung, Coaching und Fortbildung zur pädagogischen Bearbeitung von Antisemitismus und Rassismus. Es verbindet die Themen Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von Jugendlichen in verschiedenen Formen.[10]

Projekte gegen Rechtsextremismus

Mut gegen rechte Gewalt

Aus Anlass vermehrter Angriffe gegen Zuwanderer begann die Zeitschrift Stern im Jahr 2000 die Aktion Mut gegen rechte Gewalt, zunächst mit einer Reihe von Rock gegen Rechts-Konzerten. Dabei rief der Stern zu Spenden an die Amadeu-Antonio-Stiftung auf. Damit konnten diese und das Zentrum für demokratische Kultur des Kriminologen Bernd Wagner im Herbst 2000 das bundesweite Aussteigerprojekt Exit Deutschland gründen. Im April 2003 entstand aus der Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Stern das Internetportal mut-gegen-rechte-gewalt.de, das umfassende Informationen über Rechtsextremismus anbietet.[11] Die Träger erhielten für das Portal 2007 den alternativen Medienpreis.[12]

Die Stiftung trägt seit 2005 die Konzerte der Aktion „Laut gegen Nazis“ mit[13] und gab ein Hörbuch dazu heraus. Nachdem 2011 die Mordserie der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bekannt wurde, organisierte die Stiftung im Dezember zusammen mit Udo Lindenberg, Peter Maffay und anderen Musikern ein großes „Rock gegen Rechts“-Konzert in Jena.[14]

Gender

Gender und Rechtsextremismus gehört zu den Themenschwerpunkten der Stiftung.[15] Die gleichnamige Fachstelle erforscht neonazistische und rechtsextreme Geschlechtsbilder sowie Erziehungsideale. Vor allem die Rolle der Frau innerhalb des Neonazismus als Multiplikator und Türöffner in die Gesellschaft wird verstärkt beleuchtet, da Rechtsextremismus bisher primär als eine männliche Domäne wahrgenommen wird. Gleichzeitig werden Strategien für Pädagogen, Sozialarbeiter und Erzieher entwickelt, die diese in ihrer Arbeit mit rechtsextrem erzogenen Kindern und deren Eltern unterstützen sollen. Mit der pädagogischen Beratung geht auch eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit einher.[16]

Regionale Projekte

Das Stiftungsprojekt Kein Ort für Neonazis besteht seit 2009. Damit wird versucht, vor Landtags- und Kommunalwahlen die Problematik rechtsextremer Parteien in Landesparlamenten und Kreistagen bewusst zu machen, lokale Akteure dagegen zu vernetzen und lokalen Bürgerprojekten bei der Aufklärung über rechtsextreme Propaganda zu helfen.[17] Teil der Kampagne ist auch die Mobilisierung gegen regionale und bundesweite Neonaziaufmärsche, Konzerte und Veranstaltungen. 2008 arbeitete die Stiftung dabei erstmals mit dem Aktionsbündnis Brandenburg im Landkreis Barnim zusammen, 2009 in Thüringen, 2010/2011 in Mecklenburg-Vorpommern.[18]

Lola für Lulu ist ein langfristig angelegtes Projekt der Stiftung im Landkreis Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern). Es soll dort lebende Frauen und Mädchen für Rechtsextremismus und rechtsextreme Rollenbilder sensibilisieren, zu Widerspruch dagegen befähigen und für eine geschlechtergerechte demokratische Kultur aktivieren. Dazu gehören Workshops, Beratung und Förderung lokaler Projekte.[19]

Das Modellprojekt Region in Aktion reagiert auf Wahlerfolge rechtsextremer Parteien im ländlichen Raum, vor allem in Zossen (Brandenburg) und Vorpommern. Gesucht und erprobt werden Möglichkeiten, gerade dort die Zivilgesellschaft zu unterstützen und zu erweitern: etwa durch Kommunikationsprozesse, die die Akteure vor Ort miteinander vernetzen, mehr Personen für zivilgesellschaftliches Engagement gewinnen und die Kooperation zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft verbessern.[20]

Von 2001 bis 2006 setzte die Stiftung zusammen mit der Stiftung Demokratische Jugend das vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Fünfjahresprojekt CIVITAS um, das sich schwerpunktmäßig gegen Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern richtete. 2002 ermöglichte die Stiftung dem „Netzwerk für Demokratische Kultur“ (NDK) in Wurzen (Sachsen) mit Spenden und Zuschüssen den Kauf eines Hauses, das zum Demokratiezentrum gegen rechtsextreme Tendenzen vor Ort ausgebaut und 2006 eröffnet wurde. Im selben Jahr veranstaltete die Stiftung mit afrodeutschen Musikern der Brothers Keepers eine Tour durch von Rechtsextremisten dominierte Orten, um in dortigen Schulklassen über Alltagsrassismus und rechte Gewalt zu diskutieren.[13] 2003 unterstützte die Stiftung die Gründung der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark (Brandenburg), die das Engagement für demokratische Kultur in ihrer Satzung festschrieb.[21] Seit 2007 vergibt die Stiftung zusammen mit der Dresdner Bank, der Stiftung Frauenkirche Dresden und der Freudenberg Stiftung den Sächsischen Förderpreis für Demokratie.[22]

Internet

Von 2006 bis 2010 erstellte die Stiftung zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung Informationsseiten im Internet zum Thema Rechtsextremismus.[23] Seit 2009 betreibt die Stiftung zusammen mit der Wochenzeitung Die Zeit das Internetportal Netz gegen Nazis. Dort gibt es eine Wissensdatenbank, Informationen über Aktivitäten von Neonazis im Internet und Beratungsangebote zum Umgang mit Rechtsextremisten. Im Oktober 2010 gründete die Stiftung zusammen mit über 60 Netzwerken gegen zunehmende Hassrede im Internet die Aktionswoche Soziale Netzwerke gegen Nazis.de.[24] Daraus entstand 2011 das pädagogische Projekt no-nazi.net.[25] Es soll Jugendliche gegen rechtsextreme Propaganda in sozialen Netzwerken sensibilisieren, Ideen für Gegenmaßnahmen sammeln und wirkungsvolle Gegenstrategien entwickeln.[26] 2012 gründete die Stiftung das Internetportal Fussball-gegen-Nazis.de gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie im Fußball und in der Ultra-Bewegung.[27]

Seit der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 haben Hassrede und flüchtlingsfeindliche Angriffe in der Bundesrepublik Deutschland enorm zugenommen. Darum beteiligt sich die Stiftung an der im Dezember 2015 gegründeten Arbeitsgruppe des Bundesjustizministeriums „Gemeinsam gegen Hassbotschaften“[28] und an der im Januar 2016 gegründeten „Initiative für Zivilcourage Online“ von Facebook, die Gegenrede fördern soll. Die Initiative ergänzt die Selbstverpflichtung von Facebook vom September 2015, in Deutschland strafbare und gemeldete Hassbeiträge binnen 24 Stunden zu prüfen und gegebenenfalls zu löschen.[29] Im Juni 2016 gab die Stiftung die von fünf Mitarbeitern verfasste Broschüre „Hetze gegen Flüchtlinge in sozialen Medien“ heraus. Diese erläutert verschiedene Möglichkeiten, Hassrede im Internet zu erkennen, zu melden und anzuzeigen, sich selbst davor zu schützen und darauf aufmerksam zu machen. Die Broschüre wurde vom Bundesjustizministerium und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell gefördert.[30]

Ebenfalls im Juni 2016 warnte die Stiftung: Soziale Medien im Internet hätten Rechtsextremisten völlig neue Zielgruppen erschlossen. So erhielten lokale Gegner einer Flüchtlingsunterkunft über rechtsextreme „Nein-zum-Heim“-Seiten auf Facebook Zugang zu verschwörungstheoretischen Welterklärungsmustern, etwa zur These der Reichsbürgerbewegung von der „BRD GmbH“ oder der These einer „Migrationswaffe“, mit der kleine Eliten „das deutsche Volk“ angeblich gegen Einwanderer „austauschen“ wollten. Diese rechtsextremen Denkansätze trügen die Hetze gegen Flüchtlinge, hätten ihr enormen Zulauf verschafft und seien auch in das Parteiprogramm der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) eingedrungen.[31]

Opferschutz und Opferhilfe

Der Opferfonds Cura entstand aus der Aktion Cura, die seit dem Brandanschlag von Mölln 1993 zu Spenden für Opfer rechtsextremer Gewalt aufrief. 2004 übernahm die Stiftung seine Trägerschaft.[32] Der Opferfonds dokumentiert weit mehr Opfer rechter Gewalt als die Bundesregierung, unter anderem weil er nicht nur ausländische, sondern auch behinderte, obdachlose und sozial randständige Opfer einbezieht.[33]

2015 gründete die Stiftung die Aktion Schutzschild für Geflüchtete und Asylsuchende, die besonders in ländlichen Regionen Ostdeutschlands von rassistischer Hetze, Gewalt und Missachtung vieler ihrer grundlegenden Rechte bedroht sind. Die Aktion soll Selbstorganisationen von Zuwanderern und Geflüchteten stärken und ihre Alltagsprobleme und Perspektiven bekannter machen, damit kommunale Verantwortungsträger und Willkommensinitiativen sie gleichberechtigt einbeziehen. Das soll langfristig zur Integration Geflüchteter in die aktive Zivilgesellschaft beitragen.[34] Zusammen mit Pro Asyl erstellt die Stiftung seit 2015 eine Jahreschronik über flüchtlingsfeindliche Vorfälle in Deutschland.[35]

Auszeichnungen

Im September 2015 zeichneten der Landtag Baden-Württemberg und die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg die Stiftung mit der Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Medaille aus.[36] Im November 2015 erhielt die Stiftung den Lothar-Kreyssig-Friedenspreis für ihr Engagement für Migration, Einwanderung und eine gelingende Willkommenskultur.[37]

Die Stiftung selbst vergab im Dezember 2015 erstmals den von ihr ausgelobten Amadeu Antonio Preis. Preisträger waren die Bühne für Menschenrechte, die Antilopen Gang und das Zentrum für politische Schönheit.[38]

Angriffe auf die Stiftung

Seit 2016 greifen Rechtsextremisten die Stiftung und einige ihrer Mitarbeiter gezielt mit Diffamierungen, Hassrede, Hassmails, Gewaltaufrufen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen an. Im Februar rief das rassistische Anonymous.Kollektiv dazu auf, die Stiftung lahmzulegen. Das rechtspopulistische Magazin Compact veröffentlichte den Aufruf. Bald darauf kam es zu einer DDoS-Attacke auf die Stiftungswebseiten. Im März veröffentlichte Compact einen diffamierenden Artikel über Anetta Kahane und die Stiftung. Am 18. April blockierten Identitäre das Berliner Stiftungsbüro und diffamierten einige Mitarbeiter namentlich als Spitzel eines „Überwachungsstaats“ analog zum Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Am 21. April wurde auf rechten Facebook-Seiten ein Bild des Stiftungsteams verbreitet und dazu aufgerufen, die Wohnadressen der Mitarbeiter zu ermitteln, um sie zu bedrohen. Die Angreifer behaupten entgegen den Tatsachen stets, die Stiftung übe im Auftrag des Bundesjustizministers Zensur über soziale Netzwerke aus, gebe Löschaufträge an deren Betreiber und schränke so aktiv die Meinungsfreiheit ein.[39]

Am 25. April erklärte die Stiftung dazu: Die Angriffe sollten die aktuelle Bemühung, Hassrede im Internet einzudämmen, verhindern. Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch deren Helfer würden zunehmend bedroht. Man werde Diffamierung und Bedrohung konsequent mit rechtsstaatlichen Mitteln entgegentreten. Gegen Compact sei erfolgreich eine einstweilige Verfügung beantragt worden.[40]

Danach griffen auch konservative oder rechtspopulistische Journalisten, Kolumnisten und Blogger die Zensurbehauptung der Rechtsextremisten auf, darunter Roland Tichy, Bettina Röhl, Philipp Lengsfeld, der Blog Die Achse des Guten, der FAZ-Journalist Rainer Meyer (unter dem Pseudonym „Don Alphonso“), die Junge Freiheit, der Kopp Verlag[41] und der ZDF-Moderator Achim Winter in der Sendung „Heute in Deutschland“. Er hatte zuvor antimuslimische Hasskommentare auf Twitter mit verbreitet. Auf ein Protestschreiben von Stiftungsrat Andreas Zick hin distanzierte sich das ZDF von Winters Meinung, lehnte die geforderte Löschung seines Beitrags jedoch ab.[42] Am 16. August 2016 kritisierte Rainer Meyer die Stiftungsseite „neue-rechte-net“ als intransparenten „Internet-Pranger“, der die CDU in die Neue Rechte einordne.[43] Die Stiftung wies Meyers Falschbehauptung am 17. August zurück: Die CDU sei nur im Stichwortregister aufgetaucht, weil vier Vertreter der Neuen Rechten früher CDU-Mitglieder waren.[44] Am 18. August forderte Peter Tauber (CDU), die CDU nicht auf „neue-rechte-net“ zu erwähnen. Der Mainzer Junge Union-Vertreter Felix Leidecker startete eine Petition, der Stiftung alle staatlichen Zuschüsse zu streichen.[45] Am 31. August griff der Leipziger Bundestagsabgeordnete Thomas Feist (CDU) diese Forderung in einem offenen Brief an Familienministerin Manuela Schwesig auf. Er behauptete, Stiftungswebseiten seien eine „Plattform für Linksradikale“, wo zu Gewalt aufgerufen werde. Belege nannte er nicht.[46] Am selben Tag forderte auch Beatrix von Storch, Vertreterin der AfD, staatliche Geldmittel für die Stiftung zu streichen.[47]

Weiterführende Informationen

Veröffentlichungen

Die Stiftung veröffentlicht Flugblätter, Broschüren, Analysen, Monographien und Sammelbände.

  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Von Mauerfall bis Nagelbombe – Der NSU-Anschlag auf die Kölner Keupstraße im Kontext der Pogrome und Anschläge der neunziger Jahre, Berlin 2014, ISBN 978-3-940878-16-8
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Region in Aktion – Wie im ländlichen Raum demokratische Kultur gestaltet werden kann, Berlin 2013, ISBN 978-3-940878-15-1
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Staatsversagen – Wie Engagierte gegen Rechtsextremismus im Stich gelassen werden. Ein Report aus Westdeutschland, Berlin 2013, ISBN 978-3-940878-14-4
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Liken. Teilen. Hetzen. Neonazi-Kampagnen in Sozialen Netzwerken, Berlin 2012, ISBN 978-3-940878-13-7
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Geteilte Erinnerung? Zum Umgang mit Nationalsozialismus in Ost und West, Berlin 2011, ISBN 978-3-940878-10-6
  • Peter-Georg Albrecht: Von früher lernen heißt…? Zivilgesellschaftliches Engagement älterer Menschen gegen Rechtsextremismus, Berlin 2011, ISBN 978-3-940878-05-2
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Living Equality – Gleichwertigkeit leben, Interventionen gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Berlin 2009, ISBN 978-3-940878-04-5
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): „Die Juden sind Schuld“ – Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus, Berlin 2009, ISBN 978-3-940878-03-8
  • Bianca Richter: Rechter Alltag – Ein Bericht über die „deutschen Zustände“ in Reinhardtsdorf-Schöna und Kleingießhübel, Berlin 2008
  • Albert Scherr, Barbara Schäuble: „Ich habe nichts gegen Juden aber…“ – Ausgangsbedingungen und Perspektiven gesellschaftspolitischer Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, Berlin 2007
  • Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Fundraising für demokratische Kultur – Mittelbeschaffung für zivilgesellschaftliche Initiativen, Berlin o.J.[48]

Literatur

  • Timo Reinfrank, Jan Riebe: Praxisprojekte der Amadeu Antonio Stiftung gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In: Kemal Bozay, Dierk Borstel (Hrsg.): Ungleichwertigkeitsideologien in der Einwanderungsgesellschaft: Ursachen, Hintergründe und Ideen für die pädagogische und politische Praxis. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-14245-2, S. 351 ff.

Einzelnachweise

  1. Der Spiegel, 14. August 2000: Mut braucht Geld: Wie Bürgerinitiativen trotz Angst und knapper Mittel Rechtsradikalismus bekämpfen
  2. Amadeu Antonio Stiftung: Die Gremien der Stiftung
  3. Amadeu Antonio Stiftung: Team
  4. Amadeu Antonio Stiftung: Die Partnerinnen und Partner der Stiftung
  5. Amadeu Antonio Stiftung Heidelberg: Ergebnisrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2014
  6. Amadeu Antonio Stiftung: Die Amadeu Antonio Stiftung stellt sich vor
  7. Dagmar Rubisch, Horst Helas (Hrsg.): Rechtsextremismus in Deutschland: Analysen, Erfahrungen, Gegenstrategien. Dietz, Berlin 2006, ISBN 3320029096, S. 76; Amadeu Antonio Stiftung: Aktionswochen gegen Antisemitismus
  8. Expertenkreis Antisemitismus: Antisemitismus in Deutschland: Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze: Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus. Bundesministerium des Innern, Berlin 2011, S. 25
  9. Martin Krauss (Jüdische Allgemeine, 5. März 2015): Gründung: „Einen anderen Akzent setzen“. Neues Netzwerk will Antisemitismus erforschen und bekämpfen
  10. Amadeu Antonio Stiftung: Praxisstelle Antisemitismus- und Rassismus-kritische Jugendarbeit: Ziele
  11. Britta Kollberg, Cordula Mäbert, Herbert Weber: „- dann hab' ich mir das Hitlerbärtchen abrasiert“: Exit - Ausstieg aus der rechtsextremen Szene. Klett, 2002, ISBN 3120602027, S. 5; Der Stern, 16. Juli 2013: Mut gegen rechte Gewalt.
  12. Laudatio auf Preisträger 2007 (Stand 3/2014; PDF; 11 kB)
  13. a b Spiegel, 18. Oktober 2004: „Laut gegen Nazis“: Pop, Politik und scharfe Töne
  14. Uli Hauser (Stern, 29. November 2011): Udo Lindenberg im stern.de-Gespräch: „Neonazis? Das sind Kriminelle!“; Jena.de, 30. November 2011: Rock-Konzert gegen Rechts mit Udo Lindenberg: Ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit
  15. Wolfgang Frindte, Daniel Geschke, Nicole Haußecker, Franziska Schmidtke (Hrsg.): Rechtsextremismus und „Nationalsozialistischer Untergrund“: Interdisziplinäre Debatten, Befunde und Bilanzen. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-09997-8, S. 305
  16. Heike Radvan: Gender und Rechtsextremismusprävention. Amadeu Antonio Stiftung, Berlin 2013; Ursula Birsl (Hrsg.): Rechtsextremismus und Gender. Barbara Budrich, 2011, ISBN 3866493886, S. 22
  17. Gideon Botsch, Josef Haverkamp (Hrsg.): Jugendbewegung, Antisemitismus und rechtsradikale Politik: Vom „Freideutschen Jugendtag“ bis zur Gegenwart. Walter de Gruyter / Oldenbourg, München 2014, ISBN 3110306220, S. 69
  18. Marius Koity (Ostthüringer Zeitung, 31. August 2010): Neonazis sagen ihr „Fest der Völker“ in Pößneck ab.
  19. Ursula Birsl (Hrsg.): Rechtsextremismus und Gender. 2011, S. 316 ff.
  20. Laendlicher Raum.info: Region in Aktion - Partner
  21. BBE-Newsletter 15/2008: Die Bürgerstiftung Barnim-Uckermark. Interview mit André Koch
  22. Blick nach Rechts, August 2011: Vierter Sächsischer Förderpreis für Demokratie
  23. Bundeszentrale für politische Bildung, 19. Juli 2013: Redaktion
  24. Die Zeit /Störungsmelder, 19. Oktober 2010: Soziale Netzwerke gegen Nazis – ein Fazit
  25. Markus Ehrenberg, Kurt Sagatz (Die Zeit, 23. November 2011): Rechtsradikale: Neonazis indoktrinieren Facebook-Mitglieder
  26. Alice Lanzke: Viraler Hass: Rechtsextreme Wortergreifungsstrategien im Web 2.0. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe - Analysen - Antworten. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-01984-6, S. 623, Fn. 2; Eike Kühl (Die Zeit, 28. August 2015): Melden, anzeigen, anprangern
  27. Klaus Blume: Tatort Fankurve: Fussball, Gewalt und Rechtsextremismus. Rotbuch, 2013, ISBN 9783867895767, S. 114
  28. BMJV, 15. Dezember 2015: Gemeinsam gegen Hassbotschaften – Task Force stellt Ergebnisse vor
  29. Astrid Ehrenhauser (taz, 19. Januar 2016): Initiative gegen Hasskommentare: Zivilcourage statt Zensur auf Facebook
  30. Nicole Storch (Helferzentral.org, 27. Juni 2016): Broschüre: „Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Medien – Handlungsempfehlungen“; Amadeu Antonio Stiftung, Juni 2016: Hetze gegen Flüchtlinge in sozialen Medien. Handlungsempfehlungen.
  31. Martín Steinhagen (Frankfurter Rundschau, 29. Juni 2016): Amadeu-Antonio-Stiftung: Verschwörungstheorien boomen
  32. Orkan Kösemen, Britta Schellenberg (Hrsg.): Strategies for Combating Right-Wing Extremism in Europe. Bertelsmann Stiftung, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86793-260-8, S. 200
  33. Fabian Virchow, Martin Langebach, Alexander Häusler (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus, Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-531-19085-3, S. 495 f.
  34. Konstanze Ameer (Kommunale Koordinierung.de): Faktencheck: Übergriffe auf Geflüchtete: „Aktion Schutzschild“
  35. Der Stern: Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle
  36. Jüdische Allgemeine, 22. September 2015: Auszeichnung mit einem guten Namen; Evangelisch.de, 21. September 2015: Amadeu Antonio Stiftung erhält Preis gegen Minderheitenfeindlichkeit
  37. MDR, 7. November 2015: Preisverleihung in Magdeburg: Amadeu Antonio Stiftung geehrt
  38. Rbb, 4. Dezember 2015: ‚Eine Bühne für Flüchtlinge‘ - ‚Bühne für Menschenrechte‘ bekommt Amadeu-Antonio-Preis
  39. Süddeutsche Zeitung, 26. April 2016: Wenn Helfer Opfer rechter Übergriffe werden
  40. Pressemitteilung der Amadeu Antonio Stiftung, 25. April 2016: Rechtsextreme Bedrohungskampagne - Amadeu Antonio Stiftung geht mit juristischen Mitteln in die Offensive
  41. Matthias Meißner (Tagesspiegel, 3. August 2016): Angriffe gegen Amadeu-Antonio-Stiftung: Volle Kanne Hass
  42. Tilman Steffen (Die Zeit, 13. Juli 2016): ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich
  43. Rainer Meyer (FAZ, 16. August 2016): FAZ.net: Denn sie wissen, wer zur „Neuen Rechten“ gehört
  44. Amadeu Antonio Stiftung, 17. August 2016: Klarstellung zum FAZ-Artikel vom 16. August 2016 (PDF); Simone Raphael (Netz-gegen-Nazis, 17. August 2016): Klarstellung: Was sagt die Amadeu Antonio Stiftung?
  45. Epoch Times, 18. August 2016: CDU sauer: Amadeu Antonio Stiftung soll Vergleich mit Rechten unterlassen – keine staatliche Unterstützung mehr
  46. Leipziger Volkszeitung, 31. August 2016: Leipziger Abgeordneter Feist will Amadeu-Antonio-Stiftung Bundesmittel streichen
  47. New York Times/ Associated Press, 31. August 2016: German Nationalist Lawmaker Lashes Out at Jewish Activist
  48. Amadeu Antonio Stiftung: Publikationen