Amadeus IT Group

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Amadeus IT Holding SA
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN ES0109067019
Gründung 17. Juni 1987
Sitz Madrid, Spanien
Leitung Luis Maroto (CEO)
Mitarbeiter 12.807 (2015)[1]
Umsatz 3,91 Mrd. EUR (2015)[1]
Branche Softwareunternehmen für Reisevertriebssoftware
Website www.amadeus.com

Amadeus ist ein europäisches Softwareunternehmen, das das gleichnamige Computerreservierungssystem (CRS) vertreibt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugreservierungssystem Amadeus entstand Ende der 1980er-Jahre: Am 17. Juni 1987 unterzeichneten Air France, Iberia, SAS und die Deutsche Lufthansa in Paris Verträge zur Gründung des CRS Amadeus, nach der ein international vermarktungsfähiges CRS auf europäischer Basis entwickelt werden sollte, um die US-amerikanische Vormachtstellung zu brechen, die unter anderem durch das CRS Sabre bestimmt wurde. Die erste Phase der Systementwicklung war 1991 abgeschlossen, die erste Buchung mit Amadeus erfolgte am 7. Januar 1992. 1995 wurde der amerikanische Konkurrent System One, eine Tochter der Fluggesellschaft Eastern Air Lines, übernommen. Im Jahr 2002 stieg Amadeus zum Weltmarktführer der Flugreservierungssysteme auf. 2005 wurde eine strategische Neuausrichtung eingeleitet. Amadeus strebt an, zum weltweit führenden Anbieter von IT-Lösungen für Airlines und die gesamte Touristikindustrie zu werden.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmenszentrale (Madrid).
Rechenzentrum in Erding

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsitz des Unternehmens ist Madrid, von wo aus auch das Marketing geleitet wird. Der Standort Sophia Antipolis bei Nizza ist unter dem Namen Amadeus S.A.S für die Entwicklung und den Vertrieb der Software zuständig. Das Rechenzentrum namens Amadeus Data Processing GmbH befindet sich in Erding bei München. Weitere wichtige Standorte von Abteilungen und Tochterunternehmen sind Bad Homburg vor der Höhe, Miami, Bangkok, Bangalore, London, Buenos Aires und Sydney.

Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2005 wurde Amadeus mit einer fremdfinanzierten Übernahme weitestgehend (99,0 %) an die neu gegründete Gesellschaft WAM Acquisition SA verkauft. Diese Gesellschaft ist im Mehrheitsbesitz der Amadelux Investment SA (54,24 %) (BC Partners/Cinven), bei einer Minderheitsbeteiligung von Air France (22,88 %), Iberia (11,44 %) und Lufthansa (11,44 %). Amadeus war seitdem nicht mehr an den Börsen von Madrid, Paris und Frankfurt notiert.

Im April 2010 brachte die WAM Acquisition SA einen Teil von Amadeus zurück an die Madrider Börse. Die erste Tranche des Börsengangs, der vierfach überzeichnet war, brachte ca. 1,3 Milliarden Euro ein,[2] wovon knapp eine Milliarde zur Schuldentilgung eingesetzt werden soll.[3] Während Lufthansa und Air France ihre Anteile ebenfalls an die Börse bringen wollen, will Iberia den eigenen Anteil behalten.[4]

Die Lufthansa hat am 13. November 2012 bekanntgegeben, 3,61 % der dort verbliebenen 7,61 % verkaufen zu wollen.[5]

Dependancen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den einzelnen Ländern sind Amadeus Commercial Organisations (ACOs) für die Betreuung der Reisebüros und der Veranstalter zuständig. Die ACOs sind eigenständige Gesellschaften, die sich aber oft im Besitz von Amadeus befinden. Die für Deutschland zuständige ACO ist Amadeus Germany in Bad Homburg bei Frankfurt am Main. Die deutsche ACO nimmt eine Sonderstellung ein, da sie zusätzlich zu regionalen auch globale Aufgaben übernommen hat, wie etwa den weltweiten zentralen Einkauf, Entwicklung oder Security-Dienste.

Der Entwicklungsstandort Frankfurt ist eng mit Sofia Antipolis und Antwerpen vernetzt. In Bad Homburg finden zum einen Entwicklungen für das frühere Start – jetzt German Backend System statt. Zum anderen sind hier die globalen Entwicklungsabteilungen für die Amadeus Selling Platform sowie das Mid- und Backoffice situiert.

Sicherheitslücken des AMADEUS-Buchungssystems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass Forscher des Berliner Unternehmens „SRLabs“ („Security Research Labs“) Sicherheitslücken im AMADEUS-Buchungssystem gefunden hatten, wobei auch gleichartige Sicherheitslücken in den Systemen von Sabre oder hauseigenen Systemen von Airlines gefunden wurden, die deutsche Presse sich bei der Berichterstattung aber nur auf Amadeus fixierte.[6] Dabei war durch eine unzureichende Absicherung der „CheckMyTrip“ Website ein systematisches Ausprobieren der Kombination aus Buchungsnummer und Nachname des Reisenden möglich. Ist diese Kombination bekannt, ist es einfach über die Website oder die Support-Hotline der Airlines oder Reiseveranstalter Details der Buchung (u.a. auch Vielfliegernummern) unbemerkt bösartig zu ändern.[7] Nach der Veröffentlichung des Berichtes wurde die Website durch restriktiveres Rate Limiting gesichert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Amadeus IT Holding, S.A. and Subsidiaries Consolidated Annual Accounts and Directors’ Report for the year ended December 31, 2015 auf www.investors.amadeus.com, abgerufen am 6. November 2016
  2. Größter europäischer Börsengang gelungen. In: manager-magazin.de. 29. April 2010, abgerufen am 28. August 2010.
  3. IPO-Börsenprospekt von Amadeus ist genehmigt. In: boerse-express.com. 28. April 2010, abgerufen am 28. August 2010.
  4. Amadeus-IPO bringt 1,3 Mrd. Euro ein. In: boerse-express.com. 28. April 2010, abgerufen am 28. August 2010.
  5. Lufthansa bietet Amadeus-Anteile zum Verkauf an. In: investor-relations.lufthansa.com. 13. November 2012, abgerufen am 14. November 2012.
  6. Betrug mit Buchungscodes ist zu einfach. In: zeit.de. 26. Dezember 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  7. Legacy booking systems disclose travelers’ private information. In: SRLabs. Dezember 2016, abgerufen am 18. Februar 2017.