Amadeus V. (Savoyen)

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Amadeus V. von Savoyen, genannt der Große (* 1252 oder 1253; † 16. Oktober 1323 in Avignon), war Graf von Savoyen von 1285 bis 1323. Er war der jüngste Sohn von Thomas II.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amadeus V. heiratete am 5. Juli 1272 Sibylle von Bâgé (auch Sibylle von Baugé genannt). Von ihr erhielt er die Landschaft Bresse nördlich von Lyon zwischen den Flüssen Saône und Ain.

Die erste politische Handlung Amadeus V. als Graf von Savoyen war die Eindämmung der Ambitionen seines Bruders Ludwig und die seines Neffen Philipp. Dafür übergab er ihnen bedeutende Teile des savoyardischen Machtbereiches zu ihrer Verwaltung: Ludwig erhielt das Waadtland, Philipp die piemontesischen Städte Turin und Pinerolo sowie die Ebene zwischen den Flüssen Po und Dora Riparia.

Amadeus V. sicherte sich die Gebiete der Grafen von Genf, indem er am 1. Oktober 1285 einen Vertrag mit dem Bischof von Genf abschloss und sich zum Beschützer von Genf erklären ließ. Im Vertrag von Annemasse von 1287 erkannten der Graf von Genf und der Dauphin von Viennois die Oberherrschaft Savoyens an.[1] 1301 verhandelte Amadeus mit dem Bischof Bonifaz von Challant von Sion, um die Streitigkeiten mit dem Wallis zu beenden.

Amadeus unterstützte offen die Städte in der Westschweiz, die gegen den römisch-deutschen König Rudolf von Habsburg Widerstand leisteten. Er schloss sich dem König von Frankreich Philipp IV. an und erhielt 1304 nach einem erfolgreichen Feldzug in Flandern (→ Schlacht von Mons-en-Pévèle) die Grafschaft Maulévrier in der Normandie. In seinem Pariser Stadtpalast, dem Hôtel du comte de Savoie an der Porte Saint-Marcel (am südlichen Ende der heutigen Rue Descartes) wurden im Jahr 1309 siebzehn Tempelritter verhört.[2]

Da Savoyen Teil des römisch-deutschen Reiches war, näherte sich Amadeus nach dem Tod Königs Albrecht I. von Habsburg 1308 dem neuen König und späteren Kaiser Heinrich VII. von Luxemburg an, mit dem Amadeus verschwägert war. Gegen die Politik des französischen Königs Philipp IV., der 1310 Lyon besetzen ließ, nahm Amadeus Partei für Heinrich. Wegen der machtpolitischen Verhältnissen verlor Savoyen den Einfluss auf Lyon und gab die Expansion nach Westen in Richtung Frankreich auf.

Amadeus V. begleitete Kaiser Heinrich VII. nach Italien (Romzug von Oktober 1310 bis August 1313, siehe auch Kaiser Heinrichs Romfahrt) und erhielt zum Dank 1313 den Titel eines Reichsgraf und die Herrschaft über die Lehen Asti und Ivrea.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der 1272 mit Sibylle von Baugé geschlossenen Ehe gingen fünf Kinder hervor:

Nach dem Tod von Sibylle heiratete Amadeus V. 1297 Marie von Brabant. Mit ihr hatte er vier Töchter:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marie José: Das Haus Savoyen. Von den Ursprüngen bis zum roten Grafen. Stiftung Pro Castellione, Niedergesteln 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nicolas Carrier und Mathieu de la Corbière: Entre Genève et Mont-Blanc au XIV siècle, S. XV. Société d'histoire et d'archéologie de Genève, Genf 2005.
  2. Das Hôtel du comte de Savoie ist nicht zu verwechseln mit dem Stadtpalast von Peter IV. von Savoyen, Erzbischof von Lyon, wo die Untersuchungskommission tagte und das dem Kloster der Minderen Brüder gegenüberlag.
  3. Namensform Katharina z. B. angegeben in Brigitte Hamann (Hrsg.): Die Habsburger. Ueberreuter, Wien 1988, ISBN 3-8000-3247-3, S. 233; falsche Namensform Elisabeth in Wurzbach: Habsburg, Elisabeth von Savoyen. Nr. 58. In: Biographisches Lexikon. 6. Theil. Wien 1860, S. 164 (Digitalisat).
Vorgänger Amt Nachfolger
Philipp I. Graf von Savoyen
1285–1323
Eduard