Amazonasdelfin

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Amazonasdelfin
Amazonasdelfin im Duisburger Zoo

Amazonasdelfin im Duisburger Zoo

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Amazonas-Flussdelfine (Iniidae)
Gattung: Inia
Art: Amazonasdelfin
Wissenschaftlicher Name
Inia geoffrensis
(Blainville, 1817)

Der Amazonasdelfin (Inia geoffrensis), auch Boto genannt, ist eine der drei in Südamerika verbreiteten Arten der Amazonas-Flussdelfine. Der ebenfalls im Amazonas auftretende Amazonas-Sotalia ist ein Vertreter der eigentlichen Delfine.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amazonasdelfine sind 2 bis 3 Meter lang. Ihre Farbe verändert sich mit dem Alter: Jungtiere sind silbergrau, ältere Amazonasdelfine werden rosa. Der Kopf ist rundlich, die lange Schnauze deutlich von ihm abgesetzt. Die Augen sind winzig und verkümmert, sind aber noch funktionsfähig. Einmalig unter allen Flussdelfinen ist die Behaarung der Schnauze, die mit steifen Borsten besetzt ist. Er erreicht ein Gewicht von 85 bis 160 Kilogramm. Seine Halswirbel sind nicht verwachsen, was ihn besonders beweglich macht. Auch ist sein Schultergelenk nicht in der für Wale und Delfine typischen Weise verwachsen. Eine Besonderheit des Amazonasdelfins ist, dass sein Gebiss nicht aus homogenen Zähnen besteht, sondern im hinteren Bereich der Schnauze wesentlich breitere Zähne vorhanden sind. Diese ermöglichen das Zerkauen großer Beutefische und das Brechen von Panzern.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einzelgängerisches Tier wird der Amazonasdelfin nur selten gemeinsam mit Artgenossen gesehen. Er meidet die großen Ströme und hält sich bevorzugt in den sumpfigen, stehenden Nebenarmen auf. Hier braucht er seinen ohnehin verkümmerten Gesichtssinn nicht, sondern verlässt sich ganz auf Echoortung bei der Suche nach seiner Beute, die vorwiegend aus kleinen Fischen besteht. Amazonasdelfine tauchen nur kurz und kommen etwa alle dreißig Sekunden zum Luftholen an die Oberfläche. Sie sind weniger aktiv als ozeanische Delfine und vollführen so gut wie nie Sprünge.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hellgrün, das Verbreitungsgebiet des Amazonasdelfins, blau das von Inia araguaiaensis, violett das von Inia boliviensis

Es gibt zwei verschiedene Unterarten, die beide in der Nordhälfte Südamerikas verbreitet sind:

  • I. g. geoffrensis, im Amazonas und vielen seiner Nebenflüsse
  • I. g. humboldtiana, auch als Tonina bezeichnet, im Orinoco und seinen Nebenflüssen

Der ehemals ebenfalls als Unterart betrachtete Inia boliviensis im Oberlauf des Rio Madeira, der zwar ein Nebenfluss des Amazonas ist, aber durch eine Serie von Stromschnellen und Wasserfällen von diesem getrennt ist, gilt inzwischen als eigenständige Art, die von I. geoffrensis vor etwa 2,8 Millionen Jahren isoliert wurde.[1]

Unter den Flussdelfinen gilt der Amazonasdelfin als am wenigsten bedrohte Art. Dennoch wird er von der IUCN als gefährdet geführt. Er verfängt sich gelegentlich in Fischernetzen oder gerät durch seine Neugier in Schiffspropeller. Regional wird er von Fischern getötet, die in ihm einen Konkurrenten beim Fischfang sehen. Auch durch Staudämme und Flussverschmutzung ist der Amazonasdelfin potenziell gefährdet.

Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Delfinart trägt neben dem gebräuchlichen Namen Amazonasdelfin noch eine Reihe weiterer Namen. Im Deutschen ist auch die Form Amazonas-Flussdelfin bekannt, die lediglich den Lebensraum beschreibt. Geläufiger sind die Formen Boto, Bofeo oder Tonina, die aus dem Amazonasgebiet stammen. Aus dem Englischen sind die Varianten Amazon River Dolphin, Pink River Dolphin, Pink Dolphin, Pink Freshwater Dolphin und Pink Porpoise bekannt. Andere Varianten sind Dauphin de l´Amazone, Boto Cor-de-rosa und Boto Vermelho. Alle Namen stehen für den Amazonasdelfin Inia geoffrensis.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amazonasdelfin ist eine eigenständige Art innerhalb der Amazonas-Flussdelfine (Familie Iniidae, Gattung Inia), die nach aktuellem Stand aus drei Arten besteht.

Die Systematik innerhalb der verschiedenen Flussdelfine ist umstritten. Während früher alle Vertreter dieser Gruppe als konvergent und nicht miteinander verwandt betrachtet wurden, geht man auch nach molekulargenetischen Untersuchungen heute davon aus, dass der La-Plata-Delfin und vermutlich auch der möglicherweise bereits ausgestorbene Chinesische Flussdelfin mit den Amazonas-Flussdelfinen verwandt sind.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amazonasdelfin

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei manchen indigenen Völkern hält sich der Glaube, dass ein ertrunkener Mensch zu einem Flussdelfin wird. Der Flussdelfin behält in diesem neuen Leben die Fähigkeit, sich bei gelegentlichen Landgängen zurück in einen Menschen zu verwandeln.

Einige Menschen am Rio Negro glauben, dass der Amazonasdelfin nachts als gut aussehender junger Mann im weißen Anzug mit Hut an Land kommt und Ausschau nach jungen Mädchen hält. Darum wird jeder fremde junge Mann erstmal misstrauisch angesehen. Der so verwandelte Delfin verführt das junge Mädchen und verschwindet dann am nächsten Morgen wieder im Fluss als Delfin. Das Mädchen wird schwanger und schließlich kommt das Kind zur Welt. Es gibt wirklich Geburtsurkunden, in denen als Vater „Boto Cor de Rosa“ eingetragen ist.

Haltung in Tierparks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Aquarien werden Amazonasdelfine seit 1975 außerhalb Venezuelas einzig im Zoo Duisburg gehalten. 2006 verstarb das Duisburger Tier Apure im Alter von fast 50 Jahren an Altersschwäche. Im Duisburger Zoo lebt nun nur noch ein Exemplar des Amazonasdelfins namens Butu.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • D. E. Wilson und D. M. Reeder: Mammal Species of the World. Johns Hopkins University Press 2005 ISBN 0-8018-8221-4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. Ruiz-García, S. Caballero, M. Martinez-Agüero, J.M. Shostell JM: Molecular differentiation among Inia geoffrensis and Inia boliviensis (Iniidae, Cetacea) by means of nuclear intron sequences. In: V.T. Koven (Herausgeber): Population Genetics Research Progress. Boca Raton, Nova Publishers 2008; S. 177–203.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inia geoffrensis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien