Amelunxen (Beverungen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Amelunxen
Koordinaten: 51° 42′ 44″ N, 9° 20′ 37″ O
Höhe: 110 m ü. NN
Fläche: 14,31 km²
Einwohner: 1236 (2005)
Bevölkerungsdichte: 86 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 37688
Vorwahlen: 05273, 05275
Karte
Lage von Amelunxen in Beverungen
Amelunxen Panoramabild

Amelunxen ist eine Ortschaft in Nordrhein-Westfalen und gehört zur Stadt Beverungen im Kreis Höxter.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort mit seinen etwa 1250 Einwohnern liegt etwa 6 km nordwestlich der Kernstadt Beverungen und etwa 7 km südwestlich von Höxter.

Die Nethe fließt am Ort vorbei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 811 wurde der Ort erstmals als Amalung in einer Urkunde Karls des Großen erwähnt. Er war Stammsitz der Ritter von Amelunxen, die hier bis zum Ende des 17. Jahrhunderts saßen.

Während des Zweiten Weltkriegs waren in der Gemeinde keine deutschen Truppenteile stationiert. Im April 1945 wurde das Dorf durch eine unbekannte deutsche Einheit, verstärkt durch einige Pioniere, zur Verteidigung eingerichtet. Stellungen wurden ausgehoben, Panzersperren angelegt und die beiden Eisenbahnüberführungen und die vier Nethe-Brücken wurden zur Sprengung vorbereitet. Am Nachmittag des 5. April wurden die Verteidiger durch rund 130 Soldaten der Waffen-SS verstärkt. Amelunxen sollte als Brückenkopf am westlichen Weserufer unbedingt gehalten werden. Am Abend des 5. April fühlten die Amerikaner, von Ottbergen kommend, erstmals gegen den Ort vor. Sie zogen sich jedoch sofort zurück, als sie auf Widerstand stießen. Am Morgen des 6. April begann dann der Beschuss des Dorfes durch die Amerikaner. Anschließend kam es zu schweren Straßen- und Häuserkämpfen, in deren Folge die zur Sprengung vorbereiteten Bauwerke von den Deutschen zerstört wurden. Bei den Sprengungen wurden weitere Häuser von Amelunxen beschädigt bzw. zerstört. Gegen Mittag war nach anhaltend heftigen Straßenkämpfen das Dorf zu drei Vierteln von den Amerikanern besetzt. Als letztes Gebäude wurde das am östlichen Ortsausgang an der Straße nach Wehrden gelegene Wohnhaus der Familie Menke von den Amerikanern besetzt. In diesem Gebäude hatte sich seit den Nachmittagsstunden der Gefechtsstand der deutschen Verteidiger befunden. Bei den Kämpfen um Amelunxen waren 15 deutsche und 13 amerikanische Soldaten getötet worden.[1][2]

Die ehemals selbstständige Gemeinde im Amt Beverungen schloss sich auf Grundlage des Höxter-Gesetzes am 1. Januar 1970 mit zehn weiteren Gemeinden des Amtes Beverungen und der Stadt Beverungen zur neuen Stadt Beverungen zusammen.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1885 960 [4]
01.12.1910 955 [5]
1925 1091 [4]
1933 1159 [4]
1939 1077 [4]
06.06.1961 1269 [6]
31.12.1967 1275
31.12.1969 1256 [7]
1980 1295 [8]
1985 1298 [8]
1990 1270 [8]
1995 1350 [8]
1998 1316 [8]
2000 1325 [8]
2002 1296 [8]
2004 1258 [8]
2005 1236 [8]

Ortswappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort führt als inoffizielles Wappen das des Geschlechts derer von Amelunxen: In Rot zwei mit je viereinhalb blauen Eisenhüten belegte silberne Pfähle (Eisenhutfeh). Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken neun silberne Turnierlanzen mit wie der Schild bezeichneten Fähnlein.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Georgskirche in Amelunxen
Katholische St. Peter und Paul-Kirche in Amelunxen
  • Im Zentrum des Ortes befinden sich zwei Kirchen:
    • Die romanische Georgskirche wurde 1118 geweiht und im Jahr 1651, nach häufigem Besitzerwechsel zwischen beiden Konfessionen, endgültig evangelisch.
    • Die katholischen St. Peter und Paul Kirche wurde 1818 bis 1822 im Auftrag von Ferdinand von Lüninck erbaut.
  • Das Schloss Amelunxen wurde 1554 im Stil der frühen Weserrenaissance erbaut. Seine Innenräume sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.[9]
  • Auf dem Jüdischen Friedhof sind etwa 16 Grabsteine erhalten.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Amelunxen befindet sich eine Gemeinschaftsgrundschule, welche im Sommer 2014 und damit zum Schuljahr 2015 schließen musste[10], sowie ein Kindergarten für 50 Kinder.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus südlicher Richtung kommend verläuft die Landesstraße L 837 durch Amelunxen, die nördlich davon in die B 64 mündet.

Die Sollingbahn führt durch den Ort; an den Haltepunkten Amelunxen wird wie in Amelunxen West an der Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen nicht mehr gehalten.

Der Radweg R 2 führt, von Brakel kommend, durch Amelunxen über Godelheim bis zur Mündung der Nethe in die Weser, wo Anschluss an den Weserradweg (R 99) besteht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav von Ewers (1781–1830), Historiker, Staatsrechtslehrer, Rektor der Universität Dorpat, Kaiserlich-russischer Wirklicher Staatsrat, in Amelunxen geboren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz J. Blaschke, Alexander von Köckritz, Birgit Steinmann, Leopold Schütte, Nolte, Strassmann: Amelunxen, 1150 Jahre: Spurensuche - Aus Vergangenheit und Gegenwart des Dorfes Amalunxen. Huxaria, 1999, ISBN 978-3-9805700-6-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amelunxen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Amelunxen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hand Boelte: Der Kreis Höxter "in jenen Tagen" - Das Kriegsende 1945 zwischen Weser und Egge. 2. Auflage. Bussesche Verlagshandlung, Herford.
  2. Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939 - 1945, Band 16, Teil 2: Wehrkreise VII - XIII. Band 16, Nr. 2. Biblio-Verlag, Osnabrück 1996.
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 107.
  4. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. hoexter.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Gemeindeverzeichnis 1900: Landkreis Höxter
  6. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 158.
  7. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 104.
  8. a b c d e f g h i Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/kmu.gfwhoexter.deEinwohnermeldeamt Stadt Beverungen, aus Strukturatlas 2005 für den Kreis Höxter (PDF; 1,5 MB)
  9. Anna Bálint: Burgen, Schlösser und historische Adelssitze im Kreis Höxter. Hrsg.: Kreis Höxter. Höxter 2002, ISBN 3-00-009356-7, S. 30–31.
  10. Grundschule Almelunxen geschlossen, abgerufen am 11. Februar 2017.