American Institute for Economic Research

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Das American Institute for Economic Research (AIER) ist eine libertär bzw. marktliberal[1][2] ausgerichtete Denkfabrik mit Sitz in Great Barrington, Massachusetts. Sie wurde 1933 von Edward C. Harwood, einem Wirtschaftswissenschaftler und Investitionsberater, gegründet und ist als eine gemeinnützige Organisation vom Typ 501(c)(3)[3] eingestuft. Sie arbeitet u. a. mit dem Atlas Network und anderen von Charles Koch finanzierten Denkfabriken zusammen.[4]

Der derzeitige Präsident des Instituts ist Edward Stringham, ein der Österreichischen Schule anhängender Wirtschaftswissenschaftler und Professor für Wirtschaftswissenschaften am Trinity College in Connecticut.[5]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberst Edward C. Harwood war Absolvent der United States Military Academy und diente im Army Corps of Engineers. In den 1920er Jahren begann er, freiberuflich Zeitschriftenartikel zu wirtschaftlichen Themen zu schreiben. Mit zweihundert Dollar, die er durch Verkauf seiner Artikel angespart hatte, gründete Harwood das AIER.[6]

Finanzierung und Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das AIER ist Eigentümerin der American Investment Services Inc., deren privater Fonds, der im Jahr 2020 einen Wert von rund 285 Millionen US-Dollar hatte, Beteiligungen an einer Vielzahl von Unternehmen im Bereich der fossilen Brennstoffe umfasst, darunter Chevron und ExxonMobil sowie an dem Tabakgiganten Philip Morris International, an Microsoft, Alphabet Inc. und vielen anderen.[7]

Während ein großer Teil der Finanzierung der AIER aus den Investitionen stammt, hat sie Berichten zufolge auch 68.100 US-Dollar von der Charles Koch Foundation erhalten[7] und unterhält ein Netzwerk an lokalen „Bastiat Society“-Ortsvereinen, das mit dem Atlas Network, dem Ayn-Rand-Institut, dem Cato Institute, dem State Policy Network, dem Charles-Koch-Institut und anderen von Koch finanzierten Denkfabriken zusammenarbeitet.[8][9]

Beiträge und politische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben ist das Institut der „puren Freiheit“ verpflichtet und wünscht sich die „Rolle des Staates [...] stark eingeschränkt“ zu sehen.[2]

Es existieren Verbindungen zur Klimawandelleugnerszene.[10][7] In Stellungnahmen und Publikationen des AIER werden die Risiken des Klimawandels immer wieder marginalisiert und als überschaubar dargestellt,[7], unter anderem mit Titeln wie „Was Greta Thunberg über den Klimawandel vergisst“, „Der wahre Grund, warum niemand Umweltaktivisten ernst nimmt“ und „Brasilianer sollten ihren Regenwald weiter abholzen“.[11] Das Institut finanzierte ferner einen Forschungsbeitrag, die die Vorteile von Sweatshops für die dort arbeitenden Menschen anpries, welche multinationale Unternehmen beliefern.[2][12] Im Rahmen der COVID-19-Pandemie argumentierte das AIER in einem Artikel gegen die Effektivität von Mund-Nasen-Masken. Der Artikel wurde von Scott Atlas im Oktober 2020 auf Twitter geteilt. Twitter entfernte diesen Beitrag, da er gegen die Richtlinien über Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie verstoßen habe.[13] Am AIER entstand die Great-Barrington-Erklärung.[14][2]

The Guardian ordnete die Beiträge zum Klimawandel und zur COVID-19-Pandemie des Institutes in eine Reihe von Versuchen rechtsgerichteter marktliberaler Institute ein, den wissenschaftlichen Konsens zu diskreditieren, Verwirrung über die zu ergreifenden Maßnahmen zu verbreiten und der Reputation wohlgemeinter Politik zu schaden.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NEWS ANALYSIS: Disputed 'Great Barrington Declaration' issued by free-market think tank (en-US). 6. Oktober 2020. Abgerufen am 12. Oktober 2020. 
  2. a b c d e The pursuit of herd immunity is a folly – so who's funding this bad science?. In: The Guardian, 18. Oktober 2020. 
  3. Charity Navigator - Rating for American Institute for Economic Research (en) Abgerufen am 12. Oktober 2020.
  4. Nafeez Ahmed: Koch-Funded PR Agency Aided Great Barrington Declaration Sponsor (en) 3. Oktober 2020. Abgerufen am 13. Oktober 2020.
  5. Staff: American Institute for Economic Research names new president. In: The Berkshire Eagle, 7. Juni 2017. 
  6. Frederick C. Harwood, Murray: The Golden Constant: American Institute for Economic Research: 75 Years of Free Thinking on the Free Market (1933-2008). Charles, American Institute for Economic Research 2008, ISBN 9780913610626.
  7. a b c d Nafeez Ahmed: Climate Science Denial Network Behind Great Barrington Declaration (en) 9. Oktober 2020. Abgerufen am 11. Oktober 2020.
  8. Nafeez Ahmed: Koch-Funded PR Agency Aided Great Barrington Declaration Sponsor (en) 3. Oktober 2020. Abgerufen am 13. Oktober 2020.
  9. Lucio Saverio-Eastman: Partnerships and Agreements for Our Chapters (en-US) Abgerufen am 13. Oktober 2020.
  10. Erklärung mit Hintergedanken. In: Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2020. Abgerufen am 29. Oktober 2020.
  11. Terry Cowgill: 'Great Barrington Declaration' and AIER feeling heat on both sides of the Atlantic. In: The Berkshire Edge, 13. Oktober 2020. Abgerufen am 16. Oktober 2020. 
  12. Benjamin Powell, David Skarbek: Sweatshops and third world living standards: Are the jobs worth the sweat?. In: Journal of Labor Research. 27, Nr. 2, 1. Juni 2006, ISSN 1936-4768, S. 263–274. doi:10.1007/s12122-006-1006-z.
  13. Khaleda Rahman: Twitter Removes White House Adviser's Tweet Saying Masks Do Not Prevent COVID-19. In: Newsweek, 18. Oktober 2020. Abgerufen am 25. Oktober 2020. 
  14. A Viral Theory Cited by Health Officials Draws Fire From Scientists. In: The New York Times, 19. Oktober 2020. Abgerufen am 29. Oktober 2020.