American Petroleum Institute

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Das American Petroleum Institute (abgekürzt API) ist der größte Interessenverband der Öl- und Gasindustrie einschließlich der petrochemischen Industrie in den USA. Dem API mit Sitz in Washington, D.C. gehören ca. 600 Unternehmen an.[1]

Arbeitsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut äußert sich zu Themen wie der Ausbeutung von Lagerstätten, Ölverbrauch, Steuern, Handel, Umwelt- und Arbeitsschutz. Ein wichtiges Arbeitsgebiet ist die Erarbeitung von technischen Richtlinien und Standards.[2] Der Einfluss des API geht weit über die USA hinaus.

Die vom API herausgegebenen technischen Richtlinien sind vergleichsweise umfassend und anspruchsvoll. Die Richtlinien werden nicht von unabhängigen Einrichtungen, sondern von Fachleuten aus dem im Verband zusammengeschlossenen Unternehmen erarbeitet.

Vom API liegen Spezifikationen für Motoröle vor (siehe: Schmieröl). Andere Richtlinien beschäftigen sich beispielsweise mit der Ausführung von Maschinen, Öltransport auf Schiffen, Wartung von Apparaten und der Ausführung von Sicherheitseinrichtungen.

Organisierte Klimawandelleugnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das API wusste seit den 1950er Jahren von den Gefahren, die durch Globale Erwärmung infolge der Verbrennung fossiler Energieträger drohten, bestritt diese aber in der Öffentlichkeit. Schon 1954 hatte API-Mitarbeiter herausgefunden, dass die Verbrennung fossiler Energieträger zu einem Anstieg des CO2-Anteils in der Atmosphäre geführt hatte, und damit mehrere Jahre vor Veröffentlichung der Keeling-Kurve.[3] 1959 hielt der Physiker Edward Teller auf einem vom API organisierten Symposium anlässlich des 100. Geburtstages der US-Ölindustrie einen Vortrag, in dem er auf negative Folgen der globalen Erwärmung wie z. B. steigende Meeresspiegel hinwies.[4] 1965, drei Tage nachdem Wissenschaftler den damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson in einem Bericht über die Gefahren des Klimawandels informiert hatten, wurde dieser Bericht auf der Jahreshauptversammlung des American Petroleum Institutes besprochen. Dort richtete der damalige API-Präsident Frank N. Ikard folgende Worte an die versammelten führenden US-Industrielle[3]:

“This report unquestionably will fan emotions, raise fears, and bring demands for action. The substance of the report is that there is still time to save the world’s peoples from the catastrophic consequence of pollution, but time is running out. One of the most important predictions of the report is that carbon dioxide is being added to the earth’s atmosphere by the burning of coal, oil, and natural gas at such a rate that by the year 2000 the heat balance will be so modified as possibly to cause marked changes in climate beyond local or even national efforts. The report further states, and I quote: „…the pollution from internal combustion engines is so serious, and is growing so fast, that an alternative nonpolluting means of powering automobiles, buses, and trucks is likely to become a national necessity.”

„Dieser Bericht wird zweifellos Emotionen schüren, Ängste wecken und Forderungen nach Taten bewirken. Die Kernaussage des Berichts ist, dass noch Zeit bleibt, um die Völker der Welt vor den katastrophalen Folgen der Verschmutzung zu bewahren, aber die Zeit läuft ab. Eine der wichtigsten Vorhersagen des Berichts ist, dass der Erdatmosphäre durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas Kohlendioxid in einer solchen Menge zugeführt wird, dass bis zum Jahr 2000 die Wärmebilanz so verändert wird, dass möglicherweise deutliche Klimaänderungen eintreten, die über lokale oder gar nationale Anstrengungen hinausgehen. Im Bericht heißt es weiter, und ich zitiere: “....die Verschmutzung durch Verbrennungsmotoren ist so gravierend und wächst so schnell, dass ein alternatives umweltfreundliches Mittel zum Antreiben von Autos, Bussen und Lastwagen wahrscheinlich zu einer nationalen Notwendigkeit wird.“

Frank N. Ikard, Präsident des American Petroleum Institute auf dessen Jahreshauptversammlung, 1965.[5]

1968, und damit rund zwei Jahrzehnte vor der Öffentlichkeit, wurde das API schließlich auch vom Stanford Research Institute darüber informiert, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid durch die Verbrennung fossiler Energieträger erhebliche Gefahren für die Erde bergen würde. Unter anderem warnten Wissenschaftler das API davor, dass der menschengemachte Klimawandel u. a. zu einem Abschmelzen der Arktis sowie einem Meeresspiegelanstieg führen würde. In der Öffentlichkeit bestritt das API hingegen jahrzehntelang, dass die Existenz des Klimawandels wissenschaftlich fundiert sei.[6]

Stattdessen untergrub das API wie auch andere Lobbyorganisationen und Unternehmen der Branche der fossilen Energien zur Wahrung der eigenen Geschäftsziele die Klimaforschung und Klimapolitik vorsätzlich. Unter anderem finanzierte das API klima"skeptische" Wissenschaftler, konservative Denkfabriken, die die Existenz der globalen Erwärmung leugneten, und diverse Frontorganisationen der organisierten Klimawandelleugnung, darunter die Global Climate Coalition. Diese wurde zunächst auch von William O'Keefe vom American Petroleum Institut geleitet und engagierte sich sehr stark im Kampf gegen die US-amerikanische Ratifizierung des Kyoto-Protokolls. Es spielte jedoch auch eine entscheidende Rolle bei den Angriffen auf den IPCC-Leitautoren Benjamin D. Santer, die die Diskreditierung des Zweiten Sachstandsberichts des IPCC sowie des Weltklimarats insgesamt zum Ziel hatten; im Nachhinein stellten sie sich als unbegründet heraus.[7]

Zu den gesponserten Personen zählt Willie Soon, dessen Arbeiten von vielen Klima"skeptikern" als Beleg gegen die menschengemachte globale Erwärmung angeführt werden, von Klimaforschern aber wegen schwerer methodischer und inhaltlicher Mängel abgelehnt werden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. American Petroleum Institute . In: Desmogblog, Abgerufen am 20. November 2018.
  2. n-tv Nachrichtenfernsehen: Bohrungen in der Arktis verboten: Obama fährt Trump in die Öl-Parade. In: n-tv.de. (n-tv.de [abgerufen am 21. Dezember 2016]).
  3. a b Benjamin Franta: Early oil industry knowledge of CO2 and global warming. In: Nature Climate Change. 2018, doi:10.1038/s41558-018-0349-9.
  4. On its 100th birthday in 1959, Edward Teller warned the oil industry about global warming. In: The Guardian, 1. Januar 2018. Abgerufen am 3. Januar 2018.
  5. Zit nach: Benjamin Franta: Early oil industry knowledge of CO2 and global warming. In: Nature Climate Change. 2018, doi:10.1038/s41558-018-0349-9.
  6. Oil industry knew of 'serious' climate concerns more than 45 years ago. In: The Guardian, 13. April 2016. Abgerufen am 15. April 2016.
  7. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. 148–150.
  8. Deeper Ties to Corporate Cash for Doubtful Climate Researcher. In: The New York Times, 21. Februar 2015. Abgerufen am 21. April 2016.