Amerikanische Kermesbeere

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Amerikanische Kermesbeere
Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae)
Unterfamilie: Phytolaccoideae
Gattung: Kermesbeeren (Phytolacca)
Art: Amerikanische Kermesbeere
Wissenschaftlicher Name
Phytolacca americana
L.

Die Amerikanische Kermesbeere[1] (Phytolacca americana), auch Amerika-Kermesbeere[2] und Zehnmännige Kermesbeere[2] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Kermesbeeren (Phytolacca) innerhalb der Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet befindet sich in Nordamerika, sie ist in einigen Gebieten Eurasiens ein Neophyt. In Gebieten Süddeutschlands ist sie auf dem Weg, sich als invasive Art massiv zu verbreiten (Stand 2013).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Phytolacca" stammt aus "Phyto" (Pflanze) und "Lacca" sei eine lateinamerikanische Form von "Lack". Tatsache ist, dass der ur-amerikanischer Name "Po-Keweed" kommt von dem Wort "Pokon", das sich bei den Shawnee Indianern aus Virginia auf die Färbepflanzen bezieht, deren roter Saft an Blut erinnert ("Pok").[4]

Die französischen Siedler, die in Nord-Amerika mit den indianischen Stämmen der Shawnee aus Virginia in Kontakt standen, haben die Pflanze in ihre Färbekunde und Kräuterapotheke aufgenommen und deshalb auch später auf europäischem Boden eingeführt.

Die Shawnees verzehrten sie traditionell im "Poke Cooked Salat" (junge Blätter, mehrmals in Wasser gekocht, wobei das Wasser nach jedem Kochen erneuert werden muss. Mangels dieser Maßnahme wird über tödliche Vergiftungen berichtet).

Die Wurzel wurde in niedrigen Mengen intern verwendet, um verschiedene Atemwegsinfektionen, Angina, Arthritis und Rheuma zu behandeln. Als Salbe oder Umschlag wurden dermatologische Probleme wie Pilzinfektionen, Akne oder Krätze behandelt. Schließlich wurde angenommen, dass es entzündungshemmende, antivirale und mitogene Eigenschaften hat.

Spätestens 1615 wurde die Pflanze nach Europa eingeführt, da sie im selben Jahr in der Liste der Arten des Kew Royal Botanic Garden in England erwähnt wurde[5]. Es wurde auch von Parkinson 1640 erwähnt.[6]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Phytolacca americana erfolgte 1753 durch Carl von Linné.[7]

Es werden seit 1990 zumindest zwei Varietäten unterschieden:[7]

  • Phytolacca americana L. var. americana
  • Phytolacca americana var. rigida (Small) Caulkins & R.E.Wyatt

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus J. Theodore Descourtilz, M. E. Descourtilz: Flore médicale des Antilles, ou, Traité des plantes usuelles, 1827, Tafel 312
Ausschnitt eines Blütenstandes mit radiärsymmetrischen Blüten
Fruchtstände

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amerikanische Kermesbeere ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 1 bis 3 Metern erreicht. Ihr kräftiger und gefurchter Stängel wächst aufrecht, die Basis kann etwas verholzen. Die Stängel sind oft purpurfarben und gabelig verzweigt. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist eiförmig-lanzettlich und von matt-grüner Farbe.[8]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Es werden mehr oder weniger bogig überhängende bis hängende, traubige Blütenstände und Fruchtstände gebildet. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünfzählig. Die fünf grünlichen bis blass-rosafarbenen Kelchblätter sind breit-eiförmig.[8] Kronblätter fehlen. Es sind meist zehn Staubblätter vorhanden. Die meist zehn Fruchtblätter sind mindestens bis zur halben Länge verwachsen.[7]

Die unreifen Früchte sind abgeplattet kugelig und zehnfach gefurcht, die reifen Früchte sind schwarz-purpurfarbene, kugelige, glatte und ungefurchte Beeren.[8]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.[9]

Inhaltsstoffe und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Phenole, die sie auch über die Wurzeln im Boden verbreitet, ist sie in der Lage, andere Arten am Keimen zu hindern, sodass auch eine Gefahr für die natürliche Erneuerung von Wäldern gesehen wird.[10]

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom östlichen Kanada bis zu den südlichen Vereinigten Staaten.[11] In Mitteleuropa kommt sie als Kulturpflanze vor, nur in südlichen Weinbaugebieten auch verwildert. Im südlichen Europa und in Gebieten Asiens ist sie verwildert.[12] In Österreich tritt die Amerikanische Kermesbeere in der Südsteiermark zerstreut und lokal eingebürgert auf. In Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Kärnten, Salzburg und Nordtirol sind nur seltene und unbeständige Vorkommen bekannt.[8]

Die Amerikanische Kermesbeere ist eine wärmeliebende, wenig frostharte, aber sonst anspruchslose Pflanze, die in direkter Sonne und im Halbschatten gedeiht.[13] Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie z. B. Resistenz gegen verunreinigte Böden / Umweltverschmutzung[14], pyrophile[15], antiviralen[16] und antimykotischen Eigenschaften, geben Aufschluss über ein hohes invasives Potential.[17]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach verschiedenen Quellen muss diese Pflanze als stark giftig bezeichnet werden[18][19][20]

Rohe oder nicht fertig gekochte Pflanzenteile sind giftig, da sie stark schleimhautreizende Saponine und giftige Lektine enthalten. Der Verzehr führt zu Erbrechen, blutigen Durchfällen, Schwindel und Blutdruckabfall. In schweren Fällen treten Krämpfe auf, die zum Tod durch Atemlähmung führen können.[13]

Die Beeren wurden jedoch früher in Frankreich, Spanien und Portugal zum Färben von Rotwein verwendet. Der rote Fruchtsaft wurde zum Färben von Zuckerfarben, als nicht sehr lichtechter Textilfarbstoff und als wenig permanente Tinte benutzt. Der Farbstoff Betacyan ähnelt dem der Roten Bete. Gekochte junge Schösslinge und Blätter wurden früher ähnlich wie Spargel und Spinat gegessen, und abgekochte Früchte als Küchenzutat verwendet. Aus dem Wurzelstock kann Seife gewonnen werden. In Nordamerika wurde Phytolacca americana auch als Brech- und Abführmittel eingesetzt. Sie wurde gegen Rheuma, andere Autoimmunerkrankungen, Drüsenschwellungen, Ulkus, Bronchitis und Krebs eingesetzt. Die getrockneten Wurzeln und Beeren haben schmerzstillende, entzündungshemmende, antirheumatische, auswurffördernde und narkotisierende Wirkung. Die Anwendung im Bereich der antiviralen Therapie bei Grippe, Polio und HIV-Infektion wird erforscht (Stand 2000). In der Homöopathie wird sie als Mittel gegen Mandel- und Gelenksentzündungen und gegen grippale Infekte eingesetzt.[13]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Becker, Stefan John: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 2000, ISBN 3-8001-4134-5. S. 88
  • Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 367–368.
  • Y. Dumas, "Que savons-nous du Raisin d’Amérique (Phytolacca americana), espèce exotique envahissante ?" Synthèse bibliographique. Rendez-vous techniques ONF, 2011, p. 48 - p. 57. �(auf Frz) https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-00672349/document

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Name nach Becker, John: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa, S. 88
  2. a b Deutsche Namen nach Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 368
  3. Deutschlandfunk, Sendung Forschung Aktuell am 11. Oktober 2013, 16:40 Uhr, Beitrag zur Kermesbeere, .
  4. Mitich L., "The Intriguing World of Weeds — Common Pokeweed. Weed Technology, 1994 ; 8 : 887-890
  5. "Hortus Kewensis; Or, A Catalogue of the Plants Cultivated in the Royal Garden of Kew" by Jonas Dryander, Robert Brown,und William Townsend Aiton, 1789
  6. John Parkinson , Theatrum Botanicum, 1640
  7. a b c Mark A. Nienaber, John W. Thieret: Phytolaccaceae.: Phytolacca americana, S. 3 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 4 – Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 1, Oxford University Press, New York und Oxford, 2003. ISBN 0-19-517389-9.
  8. a b c d Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 367–368.
  9. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 355.
  10. Deutschlandfunk, Sendung Forschung Aktuell am 11. Oktober 2013, 16:40 Uhr, Beitrag zur Kermesbeere, .
  11. Phytolacca americana im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 30. Mai 2009.
  12. Dequan Lu, Kai Larsen: Phytolaccaceae.: Phytolacca americana S. 436 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi & Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 9 – Pittosporaceae through Connaraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2003. ISBN 1-930723-14-8.
  13. a b c John Becker: Farbatlas Nutzpflanzen in Mitteleuropa, S. 88
  14. in et al.2006 ; Peng, 2008 ; Kim et al. 2005
  15. Glasgow et al., 2007
  16. Mitich, 1984
  17. Y. Dumas, "Que savons-nous du Raisin d’Amérique (Phytolacca americana), espèce exotique envahissante ?" Synthèse bibliographique. Rendez-vous techniques ONF, 2011, p. 48 - p. 57. hal-00672349�(auf frz.) s. https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-00672349/document
  18. Jacob L. Heller, MD, MHA, Emergency Medicine, Virginia Mason Medical Center, Seattle, Washington, "Pokeweed poisoning", 2013. Also reviewed by David Zieve, MD, MHA, Isla Ogilvie, PhD, and the A.D.A.M. Editorial team.
  19. Pokeweed poisoning: MedlinePlus Medical Encyclopedia. Abgerufen am 7. Juli 2019 (englisch).
  20. Eine wissenschaftliche Studie, die 1962 in Oklahoma durchgeführt wurde, kam zu dem Schluss, dass die orale letale Dosis von frischen Taschenbeeren bei Mäusen "etwa 300 gm/kg Körpergewicht und bei den trockenen Beeren etwa 100 gm/kg Körpergewicht zu betragen schien" und dass der "Flüssigextrakt von Taschenbeeren bei intraperitonealer Injektion etwa 80 mal so giftig war wie bei oraler Verabreichung". Siehe Ogzewalla, Mossberg, Beck, Farrington (1962). "Studien zur Toxizität von Poke Berries" (PDF). Verfahren der Okla. Akad. der Wissenschaft: 54-57 Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien