Amerzone

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Amerzone
OriginaltitelL'Amerzone: Le testament de l'explorateur
StudioMicroïds
PublisherUbisoft
Leitende EntwicklerBenoît Sokal
KomponistDimitri Bodiansky
Erstveröffent-
lichung
18. März 1999
PlattformAndroid, iOS, Mac OS X, Microsoft Windows, PlayStation
Spiel-EnginePhoenix VR
GenrePoint-and-Click-Adventure
SpielmodusEinzelspieler
SteuerungTastatur & Maus
MediumCD-ROM, Download
SpracheDeutsch, Englisch, Französisch
Altersfreigabe
USK ab 0 freigegeben
PEGI ab 3 Jahren empfohlen

Amerzone (französischer Originaltitel: L'Amerzone : Le testament de l'explorateur, auf Deutsch etwa Amerzone: Das Vermächtnis des Erforschers) ist ein Point-and-Click-Adventure des belgischen Autors und Comiczeichners Benoît Sokal in Zusammenarbeit mit dem Spieleentwickler Microïds. Es handelt von einem Journalisten, der einem sterbenden Forscher verspricht, an seiner Stelle nach „Amerzone“ zu reisen, ein weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenes Land in Zentralamerika, um dort durch Vollendung eines geheimnisvollen Rituals eine alte Schuld zu begleichen.

Amerzone wurde im März 1999 zunächst für Microsoft Windows auf CD-ROM veröffentlicht. Nach Übernahme der Rechte durch Anuman Interactive erschienen ab 2011 technisch verbesserte Versionen des Spiels als Download auch für weitere, vor allem mobile, Plattformen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexandre Valembois

Im Jahr 1932 erforschte der Abenteurer Alexandre Valembois im Auftrag des Muséum national d’histoire naturelle eine weitgehend unbekannte Region des zentralamerikanischen Landes Amerzone. Dabei erfuhr er durch Ureinwohner von einem über Jahrhunderte gepflegten alten Ritual, bei dem einer ebenso seltenen wie mysteriösen Spezies weißer Vögel beim Schlüpfen aus ihren Eiern geholfen wird. Der in Europa völlig unbekannte Glaube an die heiligen weißen Vögel, die angeblich ihr gesamtes Leben in der Luft verbringen und nie landen, faszinierte Valembois so sehr, dass er schließlich das Vertrauen der Einheimischen missbrauchte. Er stahl eines der geheimnisvollen Eier und brachte es nach Europa. Dort schenkte man seinen Erzählungen allerdings keinen Glauben.

Die Spielhandlung setzt erst sechzig Jahre später ein. Amerzone ist noch immer ein weitgehend unerforschtes Land, das durch den herrschenden Diktator Antonio Álvarez von der Außenwelt abgeschnitten wird. Valembois ist inzwischen aber ein alter Mann und dem Tode nahe. Der Diebstahl des Eis belastet ihn, und er möchte das Unrecht gerne ungeschehen machen. An dieser Stelle wird er vom Spieler aufgesucht, der die Rolle eines jungen Journalisten übernimmt. Valembois bittet den Spieler, an seiner Stelle das offenbar noch fruchtbare Ei zurück nach Amerzone zu bringen, um dort den Kult um die weißen Vögel neu zu beleben. Mit Hilfe einer Erfindung Valembois', des Hydroflots, einer Art Amphibienflugzeug, gelangt der Spieler nach Amerzone. Dort gilt es dann, das Ei an seinen Bestimmungsort zu bringen und das von Valembois geschilderte Ritual zu vollenden.

Spielprinzip und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielumgebung mit Kameraschwenks

Amerzone ist ein Point-and-Click-Adventure. Das Spielgeschehen wird in einer 3D-Umgebung aus der Ich-Perspektive dargestellt. Die Kamera ist am Standort des Spielers fixiert und kann mit der Maus frei gedreht werden. Objekte, mit denen man interagieren kann, werden durch eine Veränderung des Cursors gekennzeichnet. Jeder Standort enthält Ausgänge, die wie Objekte angeklickt werden können. Der aktuelle Standort wird dann ausgeblendet und die Kamera wechselt auf eine neue Umgebung. Längere Wegstrecken werden mittels eines Multifunktionsfahrzeugs zurückgelegt, dem Hydraflot, das schwimmen, tauchen, fliegen und segeln kann. Mit der Maus erkundet der Spieler die jeweilige Umgebung, interagiert mit Objekten oder kombiniert Gegenstände, um damit Rätselaufgaben zu lösen oder der Haupthandlung zu folgen.

Entwicklungs- und Veröffentlichungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung der Fauna von Amerzone

Ursprünglich sollte der belgische Verlag Casterman die Produktion übernehmen, bei dem Benoît Sokal auch schon seine Bücher und Comics publizierte.[1] Nachdem das finanziell aber nicht möglich war, gewann Sokal den französischen Computer- und Videospiele-Entwickler Microïds als Partner für sein Projekt. Nach Übernahme des ehemaligen Entwicklungsstudios durch Anuman Interactive Anfang des Jahres 2010 folgten ab 2011 Portierungen von Amerzone für Mac OS X, iOS und zuletzt Android. Die deutsche Fassung erhielt dabei teilweise den leicht abgewandelten Titel Amerzone: Das Testament des Forschungsreisenden. Amerzone war für Microïds ein signifikanter finanzieller Erfolg; in den ersten zwei Jahren nach Erscheinen wurden rund 500.000 Einheiten abgesetzt.[2]

Orte, Handlung und einige Charaktere basieren lose auf Canardo, einer Comicserie, die Sokal in den 1980ern geschaffen hatte. Vor allem in Band 5 (L'Amerzone) wird schon die spätere Spielwelt des Adventures skizziert. Mit Syberia und Syberia II schuf Sokal in den Jahren 2002 und 2004 zwei weitere Point-and-Click-Adventures, die auf die Amerzone-Spielwelt Bezug nehmen.

Die weißen Vögel aus Amerzone inspirierten Benoît Sokal zu Namen und Logo des von ihm im Jahr 2003 mit Jean-Philippe Messian, Olivier Fontenay und Michel Bams gegründeten eigenen Entwicklungsstudios White Birds Productions.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bewertungen
PublikationWertung
Adventure-Treff75 %[1]
Metawertungen
GameRankings73[3]

Amerzone erhielt größtenteils positive Bewertungen. Die Rezensionsdatenbank GameRankings aggregiert 9 Rezensionen zu einem Mittelwert von 73.[3]

Das Fachmagazin Adventure-Treff stellte heraus, dass der Spielcharakter namen-, gesichts- und sprachlos bleibe, was einerseits das Problem umgehe, einen Charakter zu erschaffen, mit dem man sich identifizieren müsse, andererseits aber in der Folge den Verzicht auf ein Dialogsystem bedeute. Das Magazin lobte die „faszinierende Story (...) voll mit Geschichten, Riten, Legenden und Verbindungen zwischen den Hauptpersonen“. Kritisiert wurden eine Linearität des Spiels speziell zum Ende hin sowie die Ähnlichkeit mancher Örtlichkeiten, die dazu führten, dass man sich leicht in der Spielwelt verlaufe.[1]

  • IGN: 5,5[4]
  • JeuxVideo: 18/20[5]
  • JustAdventure: A[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Amerzone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Adventure-Treff.de: Test: Amerzone. Abgerufen am 26. Mai 2021.
  2. Gamatomic.com: Microïds Canada : Interview Exclusive. Abgerufen am 1. April 2017.
  3. a b GameRankings.com: Amerzone: The Explorer's Legacy (Memento vom 10. März 2013 im Internet Archive)
  4. Amerzone. In: uk.ign.com. 1. Dezember 1999, abgerufen am 16. Juli 2016 (englisch).
  5. Test du jeu L'Amerzone sur PC. In: jeuxvideo.com. 22. Februar 1999, abgerufen am 16. Juli 2016 (französisch).
  6. JustAdventure.com: Throwback Thursday – Amerzone: The Explorer’s Legacy. Abgerufen am 11. Januar 2021.