Amfepramon

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Strukturformel
Strukturformeln der Amfepramon-Enantiomere
1:1-Gemisch aus (R)-Form (oben) und (S)-Form (unten)
Allgemeines
Name Amfepramon
Andere Namen
  • Diethylpropion
  • 2-Diethylamino-1-phenylpropan-1-on
  • Diethylcathinon
Summenformel C13H19NO
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
PubChem 7029
Wikidata Q2356505
Arzneistoffangaben
ATC-Code

A08AA03

Eigenschaften
Molare Masse 205,30 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

168 °C (Hydrochlorid, Zersetzung)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​312​‐​332
P: 280 [2]
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Amfepramon (auch Diethylpropion) ist eine synthetische chemische Verbindung aus der Gruppe der Phenethylamine. Als Amphetaminderivat zählt es dort zu den Cathinonen und ähnelt in seiner Struktur dem Antidepressivum Bupropion.

In Deutschland ist es als Arzneistoff zur unterstützenden Behandlung von Patienten mit Übergewicht zugelassen.

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amfepramon wirkt als ein indirektes alpha-Sympathomimetikum sowohl systemisch auf das Herz-Kreislauf-System und bestimmte Organe, als auch zentralnervös über eine Durchquerung der Blut-Hirn-Schranke auf die Gehirnaktivität. Es kann somit zu den Psychostimulanzien gezählt werden.

Der Wirkstoff unterdrückt Bedürfnisse wie Schlaf, Appetit, Durst und Harnausscheidung (Diurese). Es steigert für die Dauer der Wirkung die psychische und physische Leistungsfähigkeit, erhöht Konzentrationsvermögen, Aufmerksamkeit und Wachheit. Im Körper verursacht die Substanz die indirekte Ausschüttung der Katecholamine Noradrenalin und Dopamin, welche hauptsächlich verantwortlich für die resultierenden Wirkungen sind. Blutdruck und Herzfrequenz erhöhen sich, die Lunge wird stärker durchblutet.

Im Gehirn blockiert die Substanz jedoch weder die Dopamintransporter, noch die Transporter von Noradrenalin. Stattdessen entfaltet sie ihre Wirkung als Prodrug zu wirksamen Metaboliten, hauptsächlich Ethcathinon und Diethylnorpseudoephedrin.[4] Ethcathinon bewirkt überwiegend eine starke Ausschüttung von Noradrenalin, weshalb es als norepinephrine releasing agent (NRA) eingestuft wird.[5] Weitere wirksame Metabolite entstehen durch Reduktion der Ketogruppe.[4]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amfepramon wird in Deutschland nur noch selten zur kurzzeitigen Behandlung der Adipositas verwendet. Es ist verschreibungspflichtig und ist in Form von retardierten und nicht-retardierten Kapseln erhältlich. Es wird somit therapeutisch als zentralnervös wirkendes Anorektikum genutzt und unterscheidet sich hinsichtlich seiner Pharmakodynamik vollständig von dem häufiger verordneten Orlistat.

Amfepramon besitzt wie viele niederpotente Phenethylamin-Derivate zusammen mit anderen Stimulanzien, auch höheren Mengen Coffein, ein nicht unerhebliches Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, weshalb es in Deutschland in Anlage 3 des Betäubungsmittelgesetzes eingetragen wurde. Von speziellen Verordnungsvorschriften nach der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung sind hier Zubereitungen unterhalb einer festgelegten Dosisgrenze ausgenommen.[6]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Regenon (D), Tenuate Retard (D)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diethylpropion Hydrochloride, Material Safety Data Sheet (PDF). Spektrum Laboratory, Stand 8. November 2006.
  2. a b Datenblatt Diethylpropion hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 4. Dezember 2014 (PDF).
  3. a b c Eintrag zu Amfepramon in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  4. a b Fachinformation Regenon (Hormosan Pharma), Stand August 2015.
  5. Richard Rothman, Michael Baumann: Therapeutic Potential of Monoamine Transporter Substrates. In: Current Topics in Medicinal Chemistry. Band 6, Nr. 17, S. 1845–1859, doi:10.2174/156802606778249766 (eurekaselect.com [abgerufen am 21. Dezember 2016]).
  6. Anlage III Verkehrsfähigen und verschreibungsfähige Betäubungsmittel (Abgabe nach BtMVV).