Amidosulfonsäure

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Strukturformel
Struktur von Amidosulfonsäure
Allgemeines
Name Amidosulfonsäure
Andere Namen
  • Amidoschwefelsäure
  • Sulfamidsäure
  • Sulfamsäure
  • Sulfaminsäure
Summenformel H2NSO3H[1]
CAS-Nummer 5329-14-6
PubChem 5987
Kurzbeschreibung

farb- und geruchlose, orthorhombische Kristalle[2] oder Pulver[3]

Eigenschaften
Molare Masse 97,09 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

2,13 g·cm−3[4]

Schmelzpunkt

205 °C (Zersetzung)[4]

Dampfdruck

0,78 Pa (20 °C)[4]

pKs-Wert

~1[2]

Löslichkeit
  • leicht löslich in Wasser (213 g·l−1 bei 20 °C)[4], Ammoniak, Formamid und DMSO[2]
  • in den meisten organischen Lösungsmitteln schlecht löslich[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[5] ggf. erweitert[3]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​412
P: 305+351+338 [3]
Toxikologische Daten

3160 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Amidosulfonsäure ist eine farblose kristalline Substanz, die als Säureamid der Schwefelsäure aufgefasst werden kann. Ihre Salze werden Amidosulfonate oder Sulfamate genannt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herstellung von Amidosulfonsäure erfolgt mit Harnstoff, Schwefelsäure und Dischwefelsäure:[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amidosulfonsäure bildet farblose bis weißlich gelbe Kristalle, die bei 205 °C unter beginnender Zersetzung und heftiger Rauchentwicklung schmelzen und sich gut in Wasser lösen. Die Lösung reagiert sauer. Aufgrund der Säureeigenschaften wirkt sie bei Direktkontakt reizend und ätzend auf Augen und Haut. Amidosulfonsäure ist nicht hygroskopisch und daher als Urtitersubstanz einsetzbar.

Sulfaminsäure als Zwitterion (rechts)

Die Struktur der Amidosulfonsäure kann durch die Formel +H3N-SO3 beschrieben werden. Bei der Amidosulfonsäure handelt es sich somit um ein Zwitterion. Die tautomere Form H2N-SO2(OH) liegt im Festkörper nicht vor.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amidosulfonsäure (In Konzentrationen von 10–15 %, oft 14 % ) ist (meist neben Phosphorsäure oder Citronensäure) ein Bestandteil von Entkalkern und Sanitärreinigern, im Labor wird sie als Urtitersubstanz und zum Zerstören von Nitrit verwendet:

In der Galvanotechnik verwendet man Amidosulfonsäure zum Einstellen des pH-Wertes von Nickelsulfamatbädern auf pH 3,9 bis 4,2. Auch wird eine Lösung aus Amidosulfonsäure mit Natriumlaurylsulfat bei 35 bis 40 °C zum Aktivieren einer Nickelschicht benutzt.

Durch Reaktion von Amidosulfonsäure mit Cyclohexylamin wird Natriumcyclamat (ein künstlicher Süßstoff) hergestellt.

Das Ammoniumsulfamat ist ein wichtiges Flammschutzmittel.

Bestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gehalt einer wässrigen Amidosulfonsäurelösung kann mittels Titrationsanalyse bestimmt werden. Die Reaktionsgleichung dieser Säure-Base-Titration lautet wie folgt:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Georg Brauer: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearb. Auflage. Band I. Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 487.
  2. a b c d Eintrag zu Sulfamidsäure. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 30. Mai 2014.
  3. a b c d Eintrag zu Sulfamidsäure in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Januar 2017 (JavaScript erforderlich).
  4. a b c d Datenblatt Amidosulfonsäure (PDF) bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.
  5. Eintrag zu Sulphamidic acid im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.