Aminata Touré (Politikerin, 1992)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Aminata Touré (2021)

Aminata Touré (* 15. November 1992 in Neumünster) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2017 bis 2022 Mitglied und von 2019 bis 2022 Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages.[1][2] Seit dem 29. Juni 2022 ist sie Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung im Kabinett Günther II und damit Deutschlands erste afrodeutsche Ministerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Eltern flohen nach dem Putsch in Mali 1991 von Mali nach Deutschland.[3]

Nach dem Abitur 2011 an der Gemeinschaftsschule Faldera in Neumünster begann Touré ein Studium der Politikwissenschaft und Französischen Philologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das sie 2016 mit dem Bachelor abschloss.[4] Ein Auslandssemester verbrachte sie 2013/2014 an der Universität Complutense Madrid.

Seit 2018 ist Touré verheiratet.[5]

Politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wurde Touré Mitglied der Grünen Jugend Kiel, zu deren Sprecherin sie 2013 gewählt wurde. Von 2014 bis 2017 war sie Mitarbeiterin der grünen Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg. 2016 wurde sie als Beisitzerin in den Vorstand von Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein gewählt. Dieses Amt übte sie bis zur Landtagswahl 2017 aus.

Landtagsabgeordnete (2017–2022)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landtagswahl 2017 trat Touré im Landtagswahlkreis Neumünster für ihre Partei an.[6] Auf der Landesliste nahm sie Platz 11 ein. Bündnis 90/Die Grünen erzielten aufgrund ihres Zweitstimmenanteils zehn Sitze, die durchgängig durch die Landesliste zu besetzen waren. Nachdem Monika Heinold im Zuge der Ernennung zur Finanzministerin ihr Mandat niederlegte, rückte Touré nach.

In der 19. Wahlperiode agierte Touré als Sprecherin für Antirassismus, Flucht und Migration, Frauenpolitik und Gleichstellung, Queerpolitik, Religion sowie Katastrophenschutz und Rettungsdienste. Sie gehörte dem Innen- und Rechtsausschuss, dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss und als stellvertretendes Mitglied dem Petitionsausschuss an.

Vizepräsidentin im schleswig-holsteinischen Landtag (2019–2022)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Tourés Fraktionskollege Rasmus Andresen bei der Wahl des Europäischen Parlaments im Juni 2019 ins Europaparlament gewählt wurde und sein Amt als Vizepräsident des Landtags niederlegte, wählte der Landtag sie am 28. August 2019 zu seiner Nachfolgerin.[2] Sie hatte das Amt bis Juni 2022 inne und war damit die erste afrodeutsche und zugleich jüngste Vizepräsidentin eines deutschen Landtages.[7]

Landtagswahl Schleswig-Holstein 2022[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2021 benannten Bündnis 90/Die Grünen Touré und Heinold zum Spitzenduo für die Landtagswahl 2022. Heinold wäre bei einem Wahlsieg als Ministerpräsidentin vorgesehen gewesen.[8] Bei der Landtagswahl 2022 zog Touré schließlich über die Landesliste in den Landtag ein. Am 29. Juni 2022 wurde sie zur Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung im Kabinett Günther II ernannt. Im Zuge dessen legte sie ihr Landtagsmandat nieder.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asyl- und Migrationspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag ist Aminata Touré erklärte Gegnerin des Systems der Abschiebehaft.

Nach einer gescheiterten Bundesratsinitiative der schleswig-holsteinischen Jamaika-Regierung im Frühjahr 2021, um Abschiebehaft für Kinder zu verbieten, war das Land Schleswig-Holstein gezwungen gemeinsam mit Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern eigene Abschiebehafteinrichtungen in Glückstadt zu errichten. Zuvor hatte Schleswig-Holstein Menschen in Abschiebehafteinrichtungen anderer Bundesländer unterbringen müssen.[9]

Die Initiative fand große Unterstützung bei Pro Asyl, Landesflüchtlingsräten und weiteren Hilfsorganisationen.

Von einem Wechsel der Bundesregierung nach der Bundestagswahl 2021 erhoffe sich Touré einen Paradigmenwechsel in der Asyl- und Migrationspolitik.[10]

Jugendpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kabinett Günther II hat sich im Koalitionsvertrag im Abschnitt "Kinder und Jugendliche" zu zahlreichen konkreten Maßnahmen verpflichtet. Als Sozialministerin möchte Touré die Jugendbeteiligung im Land stärken. Dazu möchte sie eine jugendpolitische Strategie für Schleswig-Holstein entwickeln bei der "Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen".[11] Außerdem soll die Etablierung einer legitimierte Kinder- und Jugendvertretung im Landtag geprüft werden.[12]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wir können mehr sein. Die Macht der Vielfalt. Was in diesem Land anders werden muss. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-00061-0.

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Aminata Touré – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aminata Touré | Bündnis 90/Die Grünen. Abgerufen am 9. Juli 2017.
  2. a b Grüne Touré neue Vizepräsidentin des Kieler Landtags. In: Sueddeutsche.de. SZ, 28. August 2019, abgerufen am 28. August 2019.
  3. Die jüngste Abgeordnete im Landtag. In: rtlnord.de. RTL Nord, 28. November 2017, abgerufen am 21. Juni 2020.
  4. Aminata Touré – Grüne Jugend SH (Memento vom 8. Juli 2017 im Internet Archive)
  5. Yvonne Windel: Aminata Touré: Landtagsvizepräsidentin mit 26 Jahren. In: landtag.ltsh.de. 17. Juli 2020, archiviert vom Original am 10. März 2021; abgerufen am 28. Juli 2021.
  6. Aminata Touré wird Direkt-Kandidatin zur Landtagswahl 2017 (Memento vom 28. Juli 2018 im Internet Archive)
  7. Matthias Wyssuwa: Grünen-Politikerin Touré: „Ich bin nicht euer Feigenblatt“. In: faz.net. FAZ, 28. August 2019, abgerufen am 21. Juni 2020.
  8. Grüne: Heinold und Touré als designierte Doppelspitze vorgestellt NDR vom 3. November 2021
  9. Esther Geisslinger: Initiative von Schleswig-Holstein: Kein Kind in Abschiebehaft. taz, 27. Mai 2021, abgerufen am 27. Juli 2022.
  10. Aminata Toure: Aminata Toure zur Abschiebehaft in Glückstadt. In: Schleswig-Holsteinischer Landtag. 16. August 2021, abgerufen am 27. Juli 2022.
  11. Aminata Toure: „Wir wollen eine jugendpolitische Strategie für Schleswig-Holstein entwickeln“ - Pressemitteilung. In: aminata-toure.de. 7. Januar 2022, abgerufen am 27. Juli 2022.
  12. Jugendpolitische Fortschritte in Schleswig-Holstein. In: Jugendgerecht.de. Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, 30. Juni 2022, abgerufen am 27. Juli 2022.