Amische

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Kinder einer amischen Gemeinde auf dem Weg zur Schule (2006).

Die Amischen (englisch Amish ['aːmɪʃ]) sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Die Bezeichnung leitet sich vom Namen ihres Begründers Jakob Ammann (1644–1730) ab. Die Amischen haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas, vor allem der Schweiz und Süddeutschlands. Von der Hauptgruppe der Mennoniten trennten sich die Amischen 1693.

Im Jahre 2015 lebten etwa 300.000 Amischen in 32 Staaten der USA sowie im kanadischen Ontario in etwa 500 Siedlungen und 2.200 Gemeindedistrikten.[1]

Wenn heute von Amischen gesprochen wird, sind fast immer die "Amischen alter Ordnung" gemeint. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spalteten sich die Amischen jedoch in verschiedene Untergruppen auf, von denen die Amischen alter Ordnung nur etwa ein Drittel ausmachten. Der größte Teil der anderen Untergruppen hat jedoch im Lauf der Zeit seine amischen Eigenarten verloren und sich an die amerikanische Mehrheitsgesellschaft assimiliert. Neben den Amischen alter Ordnung haben sich jedoch die "Kauffman Amish Mennonites", die "Beachy Amish" und die "Amischen neuer Ordnung" ("New Order Amish") Teile der alten Amischen Kultur erhalten. Die Amischen alter Ordnung sind heute in mehr als 40 Untergruppen aufgeteilt, die sich teilweise ganz erheblich unterscheiden.

Amische alter Ordnung führen ein stark in der Landwirtschaft verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie bestimmte moderne Techniken ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Prüfung der Auswirkungen akzeptieren. Die Amischen legen großen Wert auf eine Familie mit klar vorgegebenen Geschlechterrollen,[2] Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Wie andere täuferische Kirchen praktizieren die Amischen ausschließlich die Bekenntnistaufe und lehnen entsprechend der Bergpredigt Gewalt und das Schwören von Eiden ab. Sie stammen überwiegend von Südwestdeutschen oder Deutschschweizern ab und sprechen untereinander meist Pennsylvaniadeutsch.

In den letzten Jahrzehnten wurden die Amischen ein beliebtes Thema der Populärkultur, wobei vor allem die Massenmedien ein von der Wirklichkeit oft stark abweichendes Bild der Amischen zeichnen. Bestes Beispiel einer stark verzerrten Darstellung der Amischen ist die Fernsehserie Amish Mafia.[3][4][5]

Namen

Der Name „Amische“ bzw. „Amish“ entwickelte sich aus dem Nachnamen von Jakob Ammann, der Ältester (Gemeindeleiter) einer Mennonitengemeinde im Elsass war und sich 1693 mit Gleichgesinnten vom Hauptzweig der Mennoniten abtrennte.

Im Englischen werden die Amischen als Amish bezeichnet, wobei das „A“ wie das deutsche A ausgesprochen wird.[6]

Geschichte

Entstehung der Täufer

Die Vorgeschichte der Amischen ist in der Reformationszeit verankert. Neben dem bekannten Reformator Martin Luther gab es noch weitere, wie Ulrich Zwingli, in dessen Umfeld in Zürich die Täuferbewegung begann. Luthers Aufbegehren gegen das Papsttum gab die Initialzündung für andere Personen, sich ebenfalls aktiv für eine Kirchenreform einzusetzen. So sind sowohl die Reformatoren Thomas Müntzer, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin zu nennen als auch die zeitgleich aufkommende radikal-reformatorische Täuferbewegung (despektierlich auch Wiedertäufer genannt) mit ihren eigenen Reformatoren wie z. B. Felix Manz, Konrad Grebel oder Menno Simons.

Aus der Täuferbewegung entstand im Laufe der Zeit die evangelische Religionsgemeinschaft der Mennoniten, zu denen im 17. Jahrhundert auch die Gemeinden zählten, die sich in der Schweiz als Reste der verfolgten Täufer als Schweizer Brüder bezeichneten. Diese hatten das Dordrechter Bekenntnis der Mennoniten der Niederlande und Norddeutschlands 1632 angenommen, praktizierten aber den dort genannten Gemeindebann nicht so streng.

Entstehung der Amischen

Ende des 17. sorgte die strenge Interpretation des mennonitischen Ältesten Jakob Ammann für Unruhe in den Schweizer und nahen elsässischen Gemeinden. Jakob Ammann stritt sich mit dem mennonitischen Ältesten Hans Reist über die Frage, wer gerettet werden könne, wer also in den Himmel käme.

Viele Nichtmennoniten halfen damals verfolgten Mennoniten, indem sie sie versteckten oder andere Hilfe zukommen ließen, und retteten ihnen dadurch das Leben. Hans Reist meinte, dass diese so genannten „Treuherzigen“ auch gerettet werden könnten, obwohl sie nicht in die „Gemeinde Gottes“ eintraten; die eigene Gemeinde wurde als die einzige richtige Gemeinde verstanden. Viele dieser „Treuherzigen“ standen auch den mennonitischen Glaubenslehren sehr nahe, doch die Umstände hinderten viele daran, sich ihnen anzuschließen, etwa die Angst vor dem Verlust des Lebens.

Ammann sah dies viel rigoroser: Er verlangte einen vollständigen Übertritt zum Mennonitentum mit allen Konsequenzen. Die wahren Gläubigen sollten „das Kreuz auf sich nehmen wie das Vorbild“ und hätten dann eine „lebendige Hoffnung auf Rettung“, während Zweifler und Unentschlossene, die „diese Welt eben doch noch mehr lieb haben als den Herrn“, keine Gnade erwarten können. Dies war einer der Hauptpunkte des Streites.

Im Pferdewagen (Buggy)

Daneben hatte Ammann unter anderem spezifische Ansichten über das Aussehen des Gläubigen wie über die Handhabung der Gemeindezucht und betonte sehr strenge Kleidungsregeln und den Bart. Wegen Ammanns Betonung starker Äußerlichkeiten kamen viele strenge Elemente in die sich neu formende Gruppe hinein. Begründet fand er diese Punkte zum Beispiel in dem Bekenntnis von 1632, aber auch in der Heiligen Schrift, wo von einem demütigen Lebenswandel gesprochen wird und deren Worte er dann zeitbezogen so auslegte, dass zum Beispiel kein Oberlippenbart erlaubt sei, weil er an Militärpersonen erinnere.

All diese Streitpunkte endeten in einer Spaltung. Es entstanden die „ammannschen Leute“, die Gemeinde Ammanns, die sich als die rechte Gemeinde ansah. Dabei ging die Spaltung von Ammann aus: Wer mit Ammann nicht übereinstimmte, den bannte er und forderte von der Gemeinde, den Kontakt mit ihm abzubrechen (Meidung). Dies galt auch innerhalb der Familie: Mann und Ehefrau hatten sich fortan ihres ehelichen Geschlechtslebens zu enthalten und dürfen nicht am selben Tisch essen. Später kam er zu der Einsicht, dass seine Verfahrensweise zu rigide war, und bannte zur Strafe sich selbst.

Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Spaltung schon zu weit verfestigt, als dass sie hätte rückgängig gemacht werden können. So gab es im süddeutschen, elsässischen und schweizerischen Raum ab 1693 zwei getrennte Formationen der Schweizer Brüder oder Mennoniten.

Verbreitung in Europa im 18. und 19. Jahrhundert

Neben der Schweiz lebte im frühen 17. Jahrhundert ein beachtlicher Teil der Amischen im Elsass. Dieses Gebiet geriet ab 1648 allmählich unter französische Kontrolle. Ludwig XIV., der König von Frankreich, duldete keine anderen Bekenntnisse neben der römisch-katholischen Kirche, so dass ein Teil der Amischen aus dem französisch gewordenen Elsass in die reichsdeutschen Gebiete Mömpelgard, Lothringen, Saarland und Bayern auswanderten, sowie in die Pfalz, wo schon seit 1688 Mennoniten lebten, die nach 1693 Amische wurden.[7]

Erste Auswanderungswelle nach Amerika

Bereits 1683 hatten deutschsprachige Mennoniten mit Germantown (Deitscheschteddel) eine Siedlung in Pennsylvania gegründet. Im Jahre 1709 begann dann eine Auswanderungswelle von Pfälzern nach Nordamerika, die erst mit der Französischen Revolution endete.[8] Mit dieser Welle aus der Pfalz kamen etwa 500 Amische, das heißt etwa 100 Familien, nach Pennsylvania, wo eine eigene deutsche Kultur mit einem eigenen, pfälzisch geprägten Dialekt entstand, die Kultur der Pennsylvania-Deutschen, die englisch "Pennsylvania Dutch" genannt werden. Die ersten dieser Amischen Einwanderer, die dokumentiert sind, kamen im Jahre 1737 mit dem Schiff Charming Nancy in Philadelphia an.[9] Insgesamt kamen in dieser ersten Auswanderungswelle etwa 500 Amische nach Pennsylvania, wo der Quäker William Penn Glaubensfreiheit garantierte und sie somit günstigere Bedingenen vorfanden, als in Europas, wo Religionsfreiheit im Wesentlichen erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde.[10]

Zweite Auswanderungswelle nach Amerika

Eine zweite Auswanderungswelle begann 1817, nachdem die Wirren der Napoleonischen Kriege ausgeklungen waren und dauerte bis zum Ersten Weltkrieg an. Nach 1860 kamen aber nur noch sehr wenige Amische nach Amerika, so dass das Ende dieser Welle oft um 1860 angesetzt wird. Die Einwanderer dieser zweiten Welle kamen nicht mehr nur aus der Pfalz, sondern auch aus der Schweiz und dem Elsass und den oben genannten Gebieten. Weil nicht selten fast vollständige Gemeinden auswanderten, lösten sich die zurückgebliebenen Restgemeinden nicht selten auf, beispielsweise in Hessen und Bayern.[11]

Entstehung der Amischen alter Ordnung

Zwischen den Jahren 1862 und 1878 kam es in Nordamerika zu sogenannten Dienerversammlungen, das heißt Versammlungen von amischen Gemeideleitern, um Fragen der Modernisierung zu erörtern und die Einheit der Amischen zu bewahren. Diese Versammlungen scheitern aber im Jahre 1865 insofern, als kein Kompromiss mit den Traditionalisten gefunden werden konnte, so dass diese sich aus den Versammlungen zurückzogen und sich in den nächsten Jahrzehnten als "Amische alter Ordnung" organisierten. Die Modernisierer dagegen, die etwa zwei Drittel der Amischen ausmachten und sich "Amish Mennonites" nannten, bewegten sich zunehmend in Richtung der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft und vereinigten sich vor allem im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit den Mennoniten, nachdem sie schrittweise alle amischen Besonderheiten verloren hatten.[12]

Der Prozess der Teilung war ein langsam Prozess des Sortierens und es dauerte etwa 50 Jahre bis sich alle Amischen gemäß ihrer Einstellung auf die verschiedenen amischen Gruppen verteilt hatten.[13]

Im Verlauf dieses Prozesses entstanden weitere amische Untergruppen, beispielsweise die Egli-Amisch und die Stuckey-Amisch, die sich schließlich ebenfalls völlig assimilierten, sowie die Kauffman-Amisch, die dem "Schlafprediger" Johannes D. Kauffman (1847–1913) folgten und sich als einzige der amischen Modernisierer weitgehend ihre amische Kultur erhalten haben. Eine Mittelgruppe zwischen Modernisierern und Traditionalisten entwickelte sich langsam zu sehr konservativen Mennoniten, die nur teilweise assimiliert sind. Sie gründeten im Jahre 1910 die "Conservative Amish Mennonite Conference", die im Jahre 1957 das Wort "Amish" aus ihrem Namen strich.[14]

Die meisten der Einwanderer des 19. Jahrdhunderts schlossen sich den Modernisierern an, nur wenige aus der Schweiz und dem Elsass wurden Amische alter Ordnung. Zu diesen wenigen gehören die Amischen im Adams und Allen County in Indiana mit ihren Tochtersiedlungen, die heute noch Schweizer bzw. elsässische Dialekte sprechen. Diese sogenannten "Swiss Amish", die nicht Pennsylvania-Deutsch, sondern Dialekte ihrer alten Heimat sprechen, stellen heute etwa sieben Prozent der Amischen.

In Europa fand keine entsprechenden Teilung mit dem Auszug der Traditionalisten statt. Hier bewegten sich alle amischen Gemeinden in Richtung der Mehrheitsgesellschaft und schlossen sich früher oder später den lokalen Mennoniten an oder wurden zu Mennoniten-Gemeinden. Die letzte amische Gemeinde in Deutschland bestand bis 1937 in Ixheim, die letzte in Europa befand sich bis 1941 in Luxemburg. Beide Gemeinden schlossen sich schließlich auch Mennoniten-Gemeinden an.[15]

Nordamerika heute

Amische in Pennsylvania benutzen statt Fahrrädern häufig Tretroller

Die größten Siedlungen der Amischen bestehen heute in Lancaster County in Pennsylvania, in Holmes County, Wayne County, Tuscarawas County, Stark County und die nächstgrößere Siedlung in Geauga County, (Ohio) sowie LaGrange County, Indiana. Mittlerweile sind Amische in über dreißig US-Staaten und in den kanadischen Provinzen Ontario, Manitoba und Prince Edward Island zu finden. Außerhalb Nordamerikas gab es Versuche, in Mittelamerika und in Paraguay Siedlungen zu bilden, diese waren aber meist nicht von langer Dauer.

Die Amischen leben nicht in geschlossenen Siedlungen bzw. Dörfern. Zwar gibt es Gebiete, in denen es viele Amische gibt und wo sie die Landschaft prägen, aber fast immer leben sie neben „englischen“ Nachbarn.

In den Siedlungen fällt allgemein auf, dass bestimmte Nachnamen überwiegen. Dies lässt darauf schließen, dass ganze Sippen mit ihren Namensträgern von den Erstsiedlungen auszogen. Damit ist auch ihr Genpool mitgewandert. So überwiegt in Lancaster County zu 25 Prozent der Name Stoltzfus (alternative Schreibweise: Stoltzfoos), dann kommen die Namen Byler, Fisher, Petersheim, Lapp und King. In LaGrange, Indiana, überwiegen Borntrager, Miller und Schrock, in den schweizerdeutschen Siedlungen in Allen County, Adams County, Indiana die Nachnamen Graber, Grabill/Kraybill oder Schwartz.

In den Jahren 1862 bis 1878 entstanden innerhalb der amischen Gemeinschaft zwei unterschiedliche Gruppen. Etwa ein Drittel der Amischen wollte die alte Ordnung nicht aufgeben und hielt an einem traditionellen Lebensstil fest, etwa zwei Drittel waren bereit, sich stärker gegenüber der nordamerikanischen Gesellschaft zu öffnen. Die erste Gruppe wird heute zusammenfassend als Old Order Amish (Amische alter Ordnung oder Altamische) bezeichnet und prägt bis heute das mediale Bild der Amischen. Die amischen Mennoniten (Amish Mennonites) hingegen haben im Laufe des 20. Jahrhunderts in fast allen Fällen ihre amische Identität verloren und sich der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft angepasst, lediglich etwa 2.000 getaufte Mitglieder sehen sich heute noch als amische Mennoniten.

Verteilung der Amischen auf die US-Bundesstaaten im Jahre 2015

Im Folgenden die Staaten mit mehr als 1000 Amischen:[16]

  1. Ohio: 69.255
  2. Pennsylvania: 68.820
  3. Indiana: 50.955
  4. Wisconsin: 17.665
  5. New York: 17.280
  6. Michigan: 14.495
  7. Missouri: 11.230
  8. Kentucky: 11.010
  1. Iowa: 8.785
  2. Illinois: 7.280
  3. Minnesota: 4.535
  4. Tennessee: 2.750
  5. Kansas: 2.025
  6. Delaware: 1.500
  7. Maryland: 1.485
  8. Virginia: 1.080

Insgesamt gab es 2015 etwa 300.000 Amische.

Sichtbare Merkmale der amischen Kultur

Ordnung: Verhältnis zur Technik und Lebensführung

Die Amischen alter Ordnung fahren Pferdekutschen, die je nach der Gruppe grau, schwarz, gelb, weiß oder braun sind, deren Räder meist Stahlreifen haben und keine Gummibereifung (einige Untergruppen erlauben dies), was ebenso übertragen wird auf den Einsatz von Traktoren (zumeist im stationären Betrieb), aber auch auf Fahrräder (verboten im Lancaster County, erlaubt in den meisten Siedlungen außerhalb Lancasters); erwachsene (getaufte oder verheiratete) Männer tragen einen Vollbart ohne Schnurrbart; Frauen tragen ein Häubchen aus filigranem Organzastoff (Cap oder Kappe genannt) und darüber beim Ausgehen noch eine meist schwarze Stoffhaube (Bonnet genannt). Die klassische Kopfbedeckung der Männer zur Arbeit und an Werktagen ist der Strohhut. Am Sonntag wird ein schwarzer Filzhut mit ähnlicher Form getragen. Für die Kleidung wird einfarbiges Tuch verwendet. Gemusterte Stoffe werden dagegen vermieden.

Amische Kleidung ist zumeist einfach, jedoch hochwertig gehalten. Knöpfe an Mänteln sind nicht gestattet, nur Kleidernadeln oder Haken mit Ösen. Es werden jedoch durchaus auch synthetische Stoffe vernäht, um zeitaufwändiges Bügeln zu reduzieren. Zumeist wird die Kleidung selbst gefertigt, wobei Hemden jedoch auch in Läden gekauft und Mäntel als Spezialarbeit von besonders fähigen Näherinnen bezogen werden.

Amische Haushalte besitzen, mit Ausnahme einiger New-Order-Gemeinden, keinen Anschluss an das Elektrizitätsnetz, sondern verwenden gasbetriebene Lampen oder erzeugen für einige Geräte eigene Elektrizität, meistens durch Dieselgeneratoren. Batterien sind teilweise erlaubt, in vielen amischen Untergruppen wird zum Antrieb von Geräten und Werkzeugen Hydraulik oder Pressluft genutzt, die durch Dieselgeneratoren erzeugt wird. Nach der Ordnung ist es verboten, sich vor der Kamera zum Fotografiertwerden zu präsentieren; nicht verboten ist es, das Fotografieren stillschweigend zuzulassen. Das Individuum herauszustellen, was als mangelnde Demut angesehen wird, wird abgelehnt.

Ein Beispiel für ein Verbot: Anfang des 20. Jahrhunderts kam langsam das Auto in Mode, weil es sich breitere Volkskreise mit dem relativ preiswerten Ford Modell T leisten konnten. Amische alter Ordnung reagierten darauf mit einem Verbot, weil das Auto „automatische Mobilität“ (nach Donald B. Kraybill in Das Rätsel der Amish) bedeutete und es dem Einzelnen erlaubte, einfach wegzufahren, außerhalb des Kontroll- und Sichtbereiches der Gemeinde zu verweilen, und weil die nahen Verbindungsstrukturen auseinanderzubrechen drohten. Zudem wurde das Auto als unnötiges Statussymbol angesehen, als ein weltliches „schnelles Element“. Autobesitz wurde also verboten, nicht aber die Nutzung von Autos eines anderen. Ein radikales Nutzungsverbot außer in Notfällen besteht nur bei den Swartzentruber Amischen und ähnlichen ultrakonservativen Gruppen.

Amisches Paar im Pferdewagen (Dachwägle) im ländlichen Holmes County, Ohio (September 2004)

Im Laufe der Zeit etablierte sich eine „Amish driver industry“, ein Fahrdienst durch „Englische“, die Amische gegen Geld dorthin fahren, wo es mit der Kutsche nicht möglich ist, beispielsweise zu Hochzeiten und Beerdigungen in entfernten Siedlungen. Eine in der Lebensführung verwandte Mennoniten-Gruppe, die „Horning“-Mennoniten Alter Ordnung (Weaverland Old Order Mennonites, auch Horning Church), erlaubten relativ bald Autos, verlangten aber anfangs eine gänzlich schwarze Lackierung, auch der Stoßstangen, als Zeichen der Demut.

Das Verbot des Autobesitzes und das Gebot der sorgsam abgewogenen Nutzung ist durch die frühe Entscheidung am Anfang des 20. Jahrhunderts in die Ordnung eingegliedert worden. Die Ordnung erlaubt bei Verstößen, das Gemeindeglied zuerst zu ermahmen und dann, falls sich keine Einsicht einstellt, aus der Gemeinde auszuschließen und zu meiden. Die meisten Amischen Alter Ordnung, die wegen Fragen zur Akzeptanz technischer Neuerungen die Amischen Alter Ordnung verlassen, schließen sich liberaleren Amischen (Beachy Amische) oder verwandten Mennoniten-Gruppen an.

Liberalere Amische Gruppen sind äußerlich noch immer als Amische zu erkennen, die Unterschiede sind zumeist nur für die Gruppen untereinander durch kleine Unterschiede in den Kleidungsschnitten, den Farbgebungen, den Arten der Kappen und wie weit diese über den Ohren getragen werden usw. zu erkennen. Beachy Amische Männer haben zum Beispiel einen getrimmten Vollbart.

Die Akzeptanz technischer Errungenschaften variiert von Gruppe zu Gruppe. Über eine Annahme oder Nutzung kann folgendermaßen entschieden werden: Sie wird ohne weiteres Aufsehen von der Gruppe akzeptiert, indem einer nach dem anderen ohne Widerspruch sich diese Neuerung zulegt, diese kann jedoch später, sollte Widerspruch aufkommen, verboten werden. Oder sie wird mit einem einstimmigen Gemeindebeschluss offiziell erlaubt. Bei von vornherein sinnlos oder gar gefährlich scheinenden Neuerungen, z. B. dem Fernsehen, kann eine Nutzung sofort verboten werden, ohne dass sie erst Eingang in die Gemeinschaft gefunden hat. Bei fehlender Einigung können neue Aufsplitterungen in liberalere (zumeist bei den Amischen) oder konservativere Gruppen (zumeist bei den Mennoniten alter Ordnung) entstehen.

Glaubensgründe für die Isolation und die Ordnung

Die selbst auferlegte Ordnung liegt zum einen darin begründet, dass die Amischen mit Bezug auf die Apostel Paulus und Johannes betonen, „in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt zu sein“ und damit immer wieder gefordert werden, zu erklären, was weltlich gesinnt sei und was nicht. Wichtig sind dabei vor allem folgende Bibelstellen: Römer 12,2 EU, 2 Kor 6,14-17 EU und 1 Joh 2,15-17 EU.

Es gibt für Andersdenkende durchaus nachvollziehbare Überlegungen zu der amischen Ordnung. Die Maxime ist: „Gruppenerhalt und Gruppenleben gehen vor individueller Verwirklichung“. So wird der Einfluss des Fernsehens und vieler Neuerungen auf das Familien- und Gruppenleben kritisch gesehen.

Religiöses Leben

Die Amischen treffen sich alle zwei Wochen reihum zu einem Hausgottesdienst (lediglich in Wilmington (Delaware) trifft man sich in einem Gemeindehaus). Das Haus wird für diesen über vierstündigen Gottesdienst am Sonntag zugerüstet, zum Beispiel Zwischenwände verschoben, die große Wohnküchenstube freigeräumt, die Bänke hineingebracht oder etwa im Sommer in der Scheune Platz geschaffen oder ein Keller genutzt.

Sonntagmorgen kommen die Gläubigen mitsamt ihren Kindern und Säuglingen mit dem „Dachwägle“ zum Haus des diessonntäglichen Gottesdienstbeherbergers und versammeln sich getrennt nach Geschlecht. Die Kutschen werden von den Männern angebunden, man geht in die Männerrunde und begrüßt sich reihum. Schließlich geht man in das Haus, legt die Hüte ab, setzt sich auf bestimmte Bänke, Männer und Frauen getrennt. Die Frauen haben die kleinsten Kinder bei sich, die auch teilweise unter den Bänken auf Decken schlafen, wenn sie müde werden.

Der Gottesdienst beginnt mit einem Lied aus dem Ausbund, dem ältesten täuferischen Gesangbuch; es folgt das Loblied. Während dieses Liedersingens kommen die Prediger hinzu. Die Predigt beginnt mit dem sogenannten „kleinen Teil“, der nicht spezifische Glaubensthesen thematisiert, sondern einen Rundumriss durch das Alte und Neue Testament zieht. Danach folgt der Hauptteil, eine Predigt, die meist über eine Stunde dauert. Dazwischen gibt es eine Schriftlesung des Almosenpflegers, dem katholischen Diakon vergleichbar. Insgesamt dauert das sehr gesangartige Predigen über zwei Stunden. Dabei werden die Lieder in extrem langsamen Tempo gesungen; teilweise ist die Melodie schwer zu erkennen. Traditionelle Amischgemeinden singen daher bis zu 25 Minuten an einem Lied mit zehn Strophen. Liberalere Amische singen schneller und sehr liberale, wie die Beachy Amischen, gehen auch wegen des Sprachwechsels zu ganz anderen Liedern über.

Der Almosenpfleger, der aus der Schrift einen Teil vorliest, gibt in gewisser Weise das Predigtthema vor. Dieser Schriftteil wurde im Versammlungsraum der Dienerschaft, dem so genannten Abrat, ausgewählt. Man geht auch Vers für Vers den Schriftteil später durch, doch wird die ganze Predigt begleitet von Einfügungen aus erinnerten Bibelgeschichten, Verweisen auf das Verhältnis zur Welt draußen (dies ist eine Zentrallehre), der Notwendigkeit eines demütigen und einfachen Lebens und weiteres. Die Predigt ist anders strukturiert als etwa in deutschen Freikirchen, in denen die Gläubigen mit einer Bibel in der Hand zu Querverweisnachschlägen aufgefordert werden, der Prediger diese auch nennt, und in gewisser Weise Bibelstudium betrieben wird.

Nach dem Gottesdienst gehen zuerst die Männer hinaus, die Frauen bleiben drinnen und bereiten den Mittagsimbiss zu. Die Männer essen reihum zuerst, während die Frauen Wasser nachschenken, es geht in Gruppen hinaus und hinein zum Essen. Zuletzt essen die Frauen selbst und waschen ab. Danach fährt man entweder heim, geht andere besuchen oder geht wie die Jugendlichen zu sportlichen Veranstaltungen, die man selber gestaltet, etwa Baseball.

Das religiöse Leben zu Hause ist weniger intensiv. Man lebt stark nach Glaubensprinzipien, privates Bibelstudium findet jedoch nicht statt. Es wird aber jeden Tag aus der Bibel gelesen, beispielsweise beim Frühstück, abends liest man gemeinsam aus einem Gebetbuch. Hier variieren die Gebräuche der Familien deutlich. Indessen ist deutlich, dass eine private „Sonntagsschule“, ein tiefes schriftkundiges Studium nicht stattfindet, davon wird auch stark abgeraten.

Sozialisation

Bildung

Kinder der Amischen Alter Ordnung besuchen heutzutage zumeist keine öffentlichen Bildungseinrichtungen mehr, sondern gesonderte private Schulen, in denen sie von jungen, unverheirateten Frauen unterrichtet werden. Diese so genannten Ein-Raum-Schulen, in denen Kinder verschiedener Klassen- und Leistungsstufen gemeinsam unterrichtet werden, verteilen sich über das Siedlungsgebiet und werden durch Schulgelder der Eltern finanziert – nicht durch die amerikanischen Schulbehörden.

Die eigenen Schulen erlauben die Kontrolle der Unterrichtsinhalte und sozialisieren die Kinder stärker in Richtung des späteren Beitritts zur eigenen Gruppe. Auch sind solche Schulen für den Erhalt des Pennsylvania-Deutschen wichtig, das alle Kinder in der Schule beherrschen. In diesen Schulen werden Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt, nicht aber Biologie (besonders nicht Sexualkunde), keine wissenschaftlichen oder erdgeschichtlichen Lehren oder gar die Evolutionstheorie.

Hinsichtlich des Wissens über „die drei Rs“ (reading, writing, ’rithmetic = Lesen, Schreiben, Rechnen) können amische Schüler mit ihren amerikanischen Gleichaltrigen in öffentlichen Schulen mithalten. In amischen Schulen herrscht große Disziplin, vieles wird durch Stillarbeit erlernt. Auch Deutsch wird unterrichtet (wofür angepasstes Schulmaterial entwickelt wurde), damit die religiösen Texte gelesen werden können.

Das amische Schulwesen ist stark identitätsstiftend, einige Soziologen sehen in ihm sogar den größten Faktor für das Überleben der Amischen als eigene Gruppe, da Religion nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse in argumentative Beweisnot gerät und andere Lebensoptionen weder gezielt angesprochen noch gefördert werden (ähnlich verhält es sich mit dem zunehmenden amerikanischen „home-schooling“, das ebenfalls zumeist auf religiöse Gründe zurückzuführen ist).

Jugendzeit bis zur Taufe

Amische Jungen beim Baseball

Die Zeit zwischen der Vollendung des 16. Lebensjahrs und dem eventuellen Beitritt zur Gemeinde als Erwachsener ist als die Zeit des „Rumspringe“ (im Englischen meist rumspringa) bekannt. In dieser Zeit wird davon ausgegangen, dass die Eltern keine volle Kontrolle mehr über ihre Kinder haben. Die Gemeinde hat ebenfalls keine Handhabe gegen Nichtmitglieder, so dass amische Jugendliche in dieser Zeit etliche Freiheiten haben, beispielsweise, um ausgelassene Partys zu feiern.

Die Eltern sind meist nicht besonders glücklich über das wilde Treiben ihrer Kinder, vermeiden es aber weitgehend einzugreifen, um ihre Kinder nicht der Gemeinde ganz zu entfremden. Einige strengere Untergruppen haben jedoch genaue Regeln, bei welchen schweren Ausschweifungen die Eltern die Kinder des Elternhauses verweisen müssen. Das Vorkommen solcher schwereren Ausschweifungen ist aber auf wenige große amische Siedlungen beschränkt. In den kleineren Siedlungen gibt es nicht genügend Jugendliche, um ganz wilde Jugendgruppen zu bilden, weil die meisten Jugendlichen es doch nicht ganz so wild treiben.[17]

Der Dokumentarfilm Devil’s Playground von Lucy Walker befasst sich mit den Erscheinungen des „Rumspringes“. Mädchen sind in dieser Zeitspanne zumeist eher zurückhaltend. Die Tradition der Amischen erlaubt eine gewisse, begrenzte Freiheit für junge unverheiratete Paare, zu der bei traditionellen Gruppen auch das sogenannte Bundling gehört, bei dem das verliebte Paar ein Bett teilen darf, ohne jedoch völlig unbekleidet zu sein. Ebenfalls erlaubt ist das gemeinsame Sitzen auf einem Schaukelstuhl, wobei das Mädchen auf dem Schoß des Jungen sitzt. Allgemein wird jedoch Geschlechtsverkehr vor der Ehe als Makel empfunden.

Die meisten Jugendlichen entscheiden sich nach der Zeit des „Rumspringe“ für das Leben als Amische. Durch die Gläubigentaufe werden sie Mitglieder der Gemeinde und erkennen deren Regeln an. Dies bedeutet auch, dass von nun an Vergehen geahndet werden. Eine Rückkehr nach glaubhafter Reue ist jedoch immer möglich.

Erwerbsleben

Lancaster County, Pennsylvania, 1941. Ein amischer Vater stellt ein Pferde-Geschirr her, der Sohn sieht bei der Arbeit zu.

Nach ihrer Schulzeit arbeiteten die amischen Jugendlichen früher meistens auf der Farm ihrer Familie, bis sie heirateten. Sie übernahmen mit Hilfe der Eltern eine eigene „Bauerei“ oder blieben in der Landwirtschaft.

Heute hat sich das berufliche Spektrum der Amischen erweitert, da es nicht mehr genügend Farmen zu kaufen gibt und diese teilweise extrem teuer wurden, etwa in den alten Siedlungsgebieten, die stark vom Tourismus frequentiert werden, und in denen die Amischen mit Bauspekulanten und Hinzuziehenden um den vorhandenen erwerbbaren Boden in Konkurrenz treten.

Früher war man bei nicht vorhandenen Kaufmöglichkeiten von Farmen in andere Gebiete ausgewandert, so dass sich die Verbreitung der Amischen auf mehr und mehr Staaten erstreckte. Dies findet heute auch noch statt, allerdings ist diese Tendenz in den großen Siedlungen stark abnehmend. Die Amischen gelten in diesen Gebieten als sehr bodenverhaftet und wollen am heimatlichen Ort bleiben. Somit wich man aus in zuerst landwirtschaftsnahe Berufe, in denen eine Nische zu finden war, und erweiterte diese zunehmend bis zum Klein- und Großkaufmannswesen. Berufe wie Maurer, Schreiner, Holzwerker etc. werden nun vielfach durch Amische besetzt, sie arbeiten in so genannten „construction crews“, sind oftmals auf Montage. Daneben wächst die Schicht amischer Geschäftsleute, entweder im produzierenden Gewerbe oder im reinen Handel.

Wie schon beschrieben, hat die Tendenz des „Aussiedelns“ abgenommen (im Gegensatz zu den Altmennoniten). Amische, die heutzutage aus den bestehenden Siedlungsgebieten noch aussiedeln und woanders nach preiswertem Land suchen, bringen entweder eine sehr starke Bindung an die Landwirtschaft mit oder wollen den liberalisierenden Tendenzen in den großen Siedlungen entfliehen, woanders unter einer strengeren, nach ihrem Ermessen gottgemäßeren Ordnung, mehr abgesondert von der „Welt“ leben. So kann davon gesprochen werden, dass das konservative Element vermehrt aussiedelt und noch immer den Pioniergeist früherer Generationen besitzt.

Viele der amischen Neusiedlungen sind nicht unbedingt erfolgreich. In dem Buch „Amish Settlement that Failed“ sind an die hundert Siedlungen aufgelistet und beschrieben, die in den letzten Dekaden nicht erfolgreich waren. Dabei gibt es sogar amische Siedler, die mehrfach in neue Siedlungen zogen.

Das ausgeweitete berufliche Spektrum wird durchaus kritisch und positiv gesehen. Einerseits verschafft es Amischen mehr und mehr Möglichkeiten, in ihrer Parallelgesellschaft zu verbleiben und dort ihre Einkäufe und Reparaturbedürfnisse zu befriedigen, ohne viel „Weltkontakt“ zu haben. So wird dies noch positiv bewertet in „The Riddle of Amish Culture“, andererseits gibt es mittlerweile eine amische „lunch bag-culture“, eine Kultur, in der der Vater morgens aus dem Hause geht, abends oder (bei Montagearbeiten) sogar erst Tage später nach Hause zurückkehrt und sein familiäres Leben und seine Einflussmöglichkeiten abnehmen (z. B. dem Sohn direkt ein Handwerk zu vermitteln). Darüber hinaus sind die vermehrt außerhalb Arbeitenden und die Geschäftsleute einem hohen Einfluss der Außenwelt ausgesetzt, was durchaus ihre Sichtweise der „Welt“ positiv beeinflusst, aber wohl auch das Gemeinschaftsgefühl und -leben auf einer tradierten Grundlage gefährdet.

Sprache

Die Amischen sind ursprünglich eine Religionsgemeinschaft, die mit den deutschen Einwanderern nach Amerika kam, einen Teil der „Pennsylvania-Dutch“-Kultur und -Volksgruppe bildete und nun fast gänzlich mit einigen zehntausend Anhängern von Mennonitengruppen alter Ordnung diese Volksgruppe bildet. Man kann heute sagen, dass Amische und Pennsylvania Dutch sehr ähnlich geworden sind, da der weltliche Teil sich ans Englische assimilierte und lediglich noch kulturelle Reste tradiert. Daher ist es rechtens, auch schon heute „the Dutch“ mit Amischen gleichzusetzen.

Die meisten Amischen alter Ordnung sind dreisprachig. Untereinander sprechen sie alle einen deutschen Dialekt, das sogenannte Pennsylvaniadeutsch, in einigen Countys Indianas auch Schweizerdeutsch, genauer eine Form des Berndeutschen im Adams County, sowie niederalemannisches Elsässisch im Allen County, sowie in den Tochtersiedlungen dieser beiden Counties.

Pennsylvaniadeutsch war früher die Alltagssprache des gesamten südöstlichen Pennsylvanias und umfasste rund 800.000 Personen bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts, danach assimilierten die meisten sich sprachlich und nur die konservativen Altamischen und altmennonitischen Gruppen verblieben beim Pennsylvaniadeutsch als Umgangssprache untereinander. Damit wurde die Sprache auch Abgrenzungsmittel zur Welt der "Englischen".

„Pennsylfaanisch Deitsch“ (so eine andere Schreibweise) basiert auf dem pfälzischen Deutsch und beinhaltet aufgrund der Vermischung der Sprachen viele englische Lehnwörter. So gibt es auch Eigenwortschöpfungen und direkte Übersetzungen in den Dialekt wie etwa „Ich geb nix drum!“ oder „Wie bischt?“ (How are you?).

Die wenigen erhaltenen Schweizerdeutsch und Elsässisch sprechenden amischen Gemeinden stammen aus Einwanderungsschüben im 19. Jahrhundert direkt aus dem Berner Oberland und dem Elsass und siedelten sich in Indiana in eigenen Gemeinden an. Gruppen dieser späten Einwanderer, die sich in gemischten Siedlungen mit Pennsylvaniadeutsch-Sprechenden niederließen, wurden von letzten assimiliert. Diese späten Einwanderer unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Gemeindeordnungen von Gruppen, die schon vorher in Amerika ansässig waren.

Während des Gottesdienstes benutzen Amische ein stark dialektal gefärbtes, gemischtes Hochdeutsch, welches auch englische Lehnwörter enthält: zum Beispiel „Wenn mir realize“ (gesprochen ri-ä-lei-ße).

Die englische Sprache gebrauchten Amische vormals lediglich, um mit der Außenwelt zu kommunizieren. Aufgrund zunehmender beruflicher Anbindung an die Außengesellschaft verstärkt sich jedoch der Gebrauch des Englischen, was sehr kritisch gesehen wird.

Eine Sprachprobe (obiger Absatz in Pennsylvaniadeutsch): Die englisch Sproch hen Amische ebbmols juscht ge’just far mit die outside Welt zu kommunikäte. Dieweil sie nau immer mehr mit die outside Welt verbunne sin, ischt der Use vun die englisch Sproch ge’wochse, was een Deel Leit critical sehne. Seit Mitte der 1990er Jahre verfassen zunehmend auch Mitglieder der Amischen Texte – Lyrik und Prosa – in Pennsylvaniadeutsch und veröffentlichen diese in der pennsylvaniadeutschen Zeitung Hiwwe wie Driwwe.

Kleidung

Die Kleidung der Amischen bringt deren Bescheidenheit und Abgeschiedenheit von der Außenwelt zum Ausdruck. Die Kleidung soll weder durch Schnitt noch Farbe die Aufmerksamkeit auf den Träger ziehen. Außerdem verleiht die schlichte Kleidung dem amischen Glauben Ausdruck. Die Amischen glauben, dass durch die schlichte Kleidung die Bindung zu Gott aufrecht gehalten wird. Darüber hinaus symbolisiert die Bekleidung die Zugehörigkeit der jeweiligen Gruppe.

Die Kleidung ist schlicht gestaltet und soll ihren Zweck erfüllen. Sie wird aus einfachen, meist dunkelfarbigen Stoffen genäht. Ebenfalls möglich sind violette, blaue, braune, graue und schwarze Farbtönungen. Hellere Farben werden von Kindern getragen, im Sommer aber auch von Erwachsenen.

Junge Männer sind immer gründlich rasiert. Von verheirateten Männern wird das Tragen eines Bartes jedoch verlangt. Schnurrbärte hingegen sind verboten, da diese an das Militär erinnern. Die Haare der Männer sind am Hinterkopf kurz und gerade geschnitten. Frauen tragen ihre Haare zu einem Zopf oder Dutt. Jegliche Art von Schmuck und Verschönerung ist untersagt, dazu gehört auch das Tragen von Ringen und Make-up.

Die Männer tragen traditionell geschnittene Anzugjacken mit Stehkragen. Während des Sommers legen sie diese Jacken ab und tragen Westen. Die Stoffwahl reicht von Baumwolle über Polyester und Gabardine, jedoch hängt diese auch von der jeweiligen Gruppe ab. Die Männer in Lancaster County tragen die Farbe Schwarz. In anderen Siedlungsgebieten bzw. Gruppierungen bestimmen braune, blaue, graue und andere Farbtönungen das Erscheinungsbild.

Die Hosen haben keine Falten oder Hosenaufschläge. Da Gürtel verboten sind, trägt man Hosenträger. Vorne besitzen die Hosen eine klappenartige Öffnung, die man mit Knöpfen verschließt, um den Gebrauch eines Reißverschlusses zu vermeiden. Die amischen Hausfrauen schneidern Hosen aus Mischfaserstoffen, die aus Polyester, Baumwolle und Viskose bestehen. Diese Gewebe sind haltbarer als reine Baumwolle und daher für Arbeitskleidung besser geeignet.

Auch Hemden sind nicht aus reiner Baumwolle, sondern haben einen hohen Polyesteranteil, der das Waschen, Trocknen und Bügeln erleichtert, weniger Fäden zieht und weniger knittert. Knöpfe sind bei den Amischen nicht erlaubt. Daher schließen sie Anzugjacken und Westen mit Haken und Ösen, Kleider und Schürzen mit Stecknadeln. Werktags werden die Kleider häufig mit Druckknöpfen geschlossen.

Frauen in einfarbigen Kleidern und weißen Schürzen

Die Frauen tragen traditionelle, einfarbige Kleider (meist Pastellfarben) mit langen Ärmeln und einer schwarzen, passenden, kontrastierenden oder weißen Schürze. Die Kleider sind niemals ärmellos, jedoch erlauben weniger konservative Gruppen kurze Ärmel. Gemusterte Kleider sind nicht gestattet. Die Schnittdetails und Länge der Kleider wird durch die Kleiderordnung der jeweiligen Gemeinde vorgegeben. Sie variiert zwischen Knie- und Knöchellänge. Am Sonntag tragen die Frauen ein gedecktes Kleid mit weißer Schürze.

Strümpfe und Schuhe sind schwarz. Vor allem Kinder gehen während der Sommermonate barfuß. Frauen tragen flaches Schuhwerk.

Die typische Kopfbedeckung der männlichen Amischen sind steife, breitkrempige Filzhüte. Die Breite der Krempe und die Form der Hutspitze variiert von Gruppe zu Gruppe. Im Sommer tragen die meisten Männer Strohhüte. Frauen tragen Häubchen, die in Lancaster County z. B. aus filigranem Organzastoff hergestellt werden. Die Größe des Häubchens und die Art, wie es getragen wird, bestimmt die jeweilige Gruppenordnung. Eine amische Frau verlässt das Haus nicht ohne Kopfbedeckung. Schon im Teenageralter fangen die Mädchen an, die Häubchen zu tragen. In vielen Siedlungsgebieten werden weiße Häubchen getragen. Ledige Frauen bis ca. 40 Jahren tragen sonntags schwarze Häubchen.

Früher wurde sämtliche Oberbekleidung von den Frauen selbst hergestellt. Die Stoffe kauften sie für gewöhnlich im Dorfgeschäft, welches von einer Frau der Kirchgemeinde geführt wird. Die Amischen lehnen Geschäfte, die aktuelle Mode verkaufen, ab. Die Fabriken produzieren für den großen Absatzmarkt, daher gibt es nur wenige Lieferanten, die Stoffe an Amische liefern. Heute gibt es Firmen, wie zum Beispiel Weaver`s Apparel, die sich auf die Herstellung von Kleidung für Amische spezialisiert haben. So müssen die Amischen nicht alle Kleider selbst herstellen. Die meisten nähen nur noch ihre Sonntagskleidung selbst.[18]

Das Gewicht der Stoffe ist von großer Bedeutung. Sie dürfen nicht zu schwer, aber auch nicht zu dünn sein. Es wird darauf geachtet, dass die Kleidung gut anliegt und schön fällt.

Mennoniten und Amische

Die Mennoniten süddeutsch-schweizerischer Herkunft und die Amischen teilen miteinander die gleichen historischen Wurzeln und vertreten die gleichen theologischen Positionen bei Glaubenstaufe, Ablehnung des Eides und Militärdienst-Verweigerung. Das Spektrum der Amischen Gruppen ist grundsätzlich strenger in der Handhabung des Glaubens und was die Nutzung technischer Neuerungen angeht.

Es gibt aber auch unter Mennoniten ein ganzes Spektrum von Gruppen, das von extrem konservativ auch hin bis zu extrem liberalen Gruppen reicht. So gibt es beispielsweise Gruppen von Mennoniten alter Ordnung (Noah Hoover Mennoniten und Orthodox Mennonites), die was moderne Technik anbetrifft, so konservativ sind wie einige der strengsten Amischen, wie etwa die Swartzentruber. Insgesamt ist aber die Hauptmasse der Mennoniten wesentlich weniger konservativ als die Amischen.

Da jede Gemeinde, sofern sie nicht in einer Konferenz organisiert ist, über ihre eigenen Belange entscheidet, bildeten und bilden sich immer neue Gruppen, auch besonders durch viele Spaltungen. Insofern existieren sehr liberale und auch sehr konservative Gemeinden.

Zuweilen werden bestimmte Mennonitengruppen mit den Amischen verwechselt, dazu gehören besonders jene, die wie die Amischen alter Ordnung mit Pferdefuhrwerken fahren. Im Englischen bezeichnet man diese Mennonitengruppen als "Old Order Mennonites" (im Deutschen als Mennoniten alter Ordnung, auch Altmennoniten nach Mary Ann Horst, was aber keine eindeutige Bezeichnung ist). Diese Gruppen erreichen zum Teil Mitgliederzahlen von bis zu 10.000, es gibt aber auch eine ganze Anzahl kleinerer Gruppen, die sich ebenfalls als eigenständige Kirchen verstehen. Die größte dieser Gruppen ist die Groffdale Conference (auch Wenger Mennonites).

Eine deutliche Unterscheidung der Amischen und Mennoniten findet sich in der Örtlichkeit ihrer Gottesdienste. Amische treffen sich dazu fast durchweg im Wechsel in ihren Häusern, Scheunen oder Werkstätten, wohingegen Mennoniten meist Versammlungshäuser errichten. Gemeinden, die noch nicht ihre volle Größe erreicht haben, versammeln sich in ihren Wohnhäusern, doch sobald die Gemeinde eine bestimmte Größe erreicht hat, wird ein Versammlungshaus errichtet. Wird eine amische Gemeinde zu groß, teilen sie sich, um weiterhin die Treffen in den Wohnhäusern abhalten zu können. Diese Gemeinden (die sich zwar teilen, jedoch nicht voneinander spalten) leben dann „in fellowship with each other“ (in Gemeinschaft miteinander). So tauschen sie zum Beispiel Prediger aus oder erlauben das Heiraten untereinander.

Gegenwart

Im Jahre 2017 gab es 318,000 Amische alter Ordnung, die in über 500 Siedlungen in 32 Bundesstaaten der USA und drei kanadischen Provinzen leben.[1] Es gibt viele Dutzende amische Gemeinschaften, die sich voneinander unterscheiden, insbesondere durch die unterschiedlich hohe Akzeptanz technischer Neuerungen oder auch durch die Handhabung der „strengen Meidung“ (Verhalten gegenüber Ausgeschlossenen, z. B. Transaktionsverbot von Geschäften). Einige sind nur regional vertreten und haben keine bundesstaatweiten Verbindungen. Die Vielfalt der Gruppen kann verwirren und ist zudem schwer zu erfassen.

Von extrem konservativ bis sehr liberal gibt es (in Auswahl) folgende Gruppen:

Nebraska Amish/White-top Amish/Old School Amish (mehrere Untergruppen); Swartzentruber Amish; Andy Weaver Amish – diese Gemeindegruppen repräsentieren überwiegend den ultrakonservativen Flügel der Amischen; die Old Order Amish/Altamische/Amische alter Ordnung bilden dagegen die konservative Hauptrichtung der Amischen in Nordamerika; als eher „progressiv“ und liberal gelten hingegen die kleineren amischen Sondergruppen der New Order Amish, New Order Fellowship oder der Beachy Amish/Byler Amish.

Es gibt auch Mennonitengruppen mit historischen Amisch-Ursprüngen. Diese waren zumeist liberale Abspaltungen, die immer liberaler wurden, dann den Namen „Amish“ als einengend ablegten und sich mennonitischen Positionen näherten wie etwa die Western Ontario Mennonite Conference; Association des églises évangéliques mennonites de France.

Der Zuwachs der Amischen belief sich von 2007 auf 2008 auf etwa sechs Prozent, alle 18 bis 20 Jahre verdoppelt sich ihre Mitgliederzahl. Einige amische Gemeinden wie zum Beispiel die Swartzentrubers haben 12 bis 16 Kinder pro Familie, also rund 57 Geburten auf 1.000 Einwohner pro Jahr und verdoppeln sich alle 15 Jahre. (Zum Vergleich: Deutschland hat 9 Geburten auf 1.000 Einwohner pro Jahr.)

Prognosen

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Frühere Prognosen, die Amischen würden im „melting pot“ aufgehen, erwiesen sich als falsch, allerdings findet eine gewisse Anpassung an die Umgebungsgesellschaft statt. Es gibt gegenwärtig in den großen Siedlungen Tendenzen des Aufbruchs der Strukturen. Der Soziologe Donald B. Kraybill legte dar, dass seiner Ansicht zufolge der zunehmende Wohlstand der Amischen die größte Herausforderung sein werde

  • im eigenen geschäftlichen Bereich: fortschrittlicherer Maschinenpark, etwaig von außen kommende Elektrizität doch zu akzeptieren, wenn es wirtschaftlicher ist usw.,
  • hinsichtlich der Doktrin von der Trennung von der Außenwelt, denn ihre Kunden bleiben bei längerem Kontakt nicht nur die „Englischen“, sondern werden teilweise zu engen Freunden, man sieht auch das Gute draußen, man ist mit anderen Werten und Gedanken konfrontiert und bekommt andere Gedankenanstöße etc.,
  • in dem, was ein Mensch braucht und haben könnte, denn ihre zunehmende Akkumulation von geldlichen Werten fördert den Wunsch nach Konsum, wie etwa in Bezug auf „pleasure trips“, „amusement trips“, von denen eigentlich abgeraten wird.

Die amische Gemeinschaft war früher grundsätzlich agrarisch geprägt, dies wird oft noch heute betont, doch nimmt die Schicht der Landwirte immer mehr ab, so dass andere Erwerbsbereiche, die gezwungenermaßen einen viel offeneren Umgang mit der Außenwelt pflegen müssen, zunehmen.

Gesundheit

Eine amische Farm in Pennsylvania

Die Amischen schließen prinzipiell keine Versicherungen ab. Auch von der unter dem US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama eingeführten Krankenversicherungspflicht wurden die Amischen 2012 ausgenommen.[19] Anfallende Gesundheitskosten werden ausschließlich durch Spenden der Amischen untereinander getragen. In der Regel ist es zunächst die Familie, die für die Gesundheitskosten eines Familienmitgliedes aufzukommen bemüht ist. Werden diese zu hoch, wird das Anliegen dem Diakon der Gemeinde vorgetragen. Dieser verkündet die anstehenden Kosten an einem Sonntag öffentlich und sammelt in der nächstfolgenden Woche die Spenden ein. Reicht dies noch immer nicht, werden eventuell Nachbargemeinden angesprochen. Nachbarliche Hilfe geschieht nicht nur durch Geld, sondern besonders durch emotionale Unterstützung. Bisher hat diese Form der Subsidiarität gut funktioniert. Mittlerweile haben sich aber auch amische Selbsthilfeorganisationen wie Amish Aid gegründet, um beispielsweise Krankenkosten, die ein enormes Maß erreichen, zu decken.

Unter den plain-people-Gruppen (dazu gehören auch ähnlich konservativ ausgerichtete Mennoniten- und Brüdergemeinden) hat sich das Powwowing oder der Gang zum „Brauchdoktor“ noch immer teilweise erhalten. Aus dem alten Europa mit herübergenommen, gibt es noch immer Heilpraktiker, die mit Hilfe von Gebeten, dem Wegsprechen und überlieferten Heilrezepten Patienten behandeln. Dies findet aber im Verborgenen statt und ist heute fast ausgestorben. Daneben nutzen die Amischen die homöopathischen Heilverfahren.

Allerdings gibt es unter den Amischen verschiedene, doch auffällig auftretende erbliche Gendefekte. Da fast alle modernen Amischen von wenigen Gründerfamilien (es gibt insgesamt nur um die 130 amische Nachnamen und in den verschiedenen Siedlungen treten davon nur eine bestimmte Menge auf) aus dem 18. Jahrhundert abstammen, treten durch die Fortpflanzung untereinander viele mitgetragene, rezessive Gendefekte auf, das heißt, gleiche Erbträger (Konduktoren) zeugen gemeinsame Kinder, bei denen Erbkrankheiten, die durch die Fortpflanzung Nichtverwandter meist unterdrückt blieben, nun manifest werden.

Die enge Verwandtschaft innerhalb der Amischen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Träger des gleichen Gendefekts Kinder bekommen, die dann mit Behinderungen geboren werden. Dieser „Gründereffekt“ hilft Gen-Forschern, die genetische Ursache für diese sonst seltenen Erbkrankheiten zu finden.[20] Einige dieser Störungen sind sehr selten, wie etwa die Hirschsprung-Krankheit, oder sogar einzigartig und gravierend genug, um die Sterblichkeitsrate unter amischen Kindern zu erhöhen. Die Mehrheit der Amischen akzeptiert dies als „Gottes Wille“ und kümmert sich integrierend um diese kranken Menschen.

Da die Amischen nur untereinander heiraten und dies zumeist nur innerhalb der eigenen Siedlung, stellen sie wie einige europäische Gebirgstäler für Genforscher eine Möglichkeit zur Forschung über genetische Krankheiten dar. Viele Erkenntnisse über Erbkrankheiten sind daher gewonnen worden, doch hat dies nicht unbedingt Auswirkungen auf ihr Heiratsverhalten, denn dieses bedingt innerhalb der eigenen Gruppe zu heiraten (auch außerhalb der Siedlungen, solange andere Gemeinden mit ihnen in „fellowship“ sind und es „im Herrn“ bleibt). Dem wachsenden Bewusstsein unter den Amischen, dass Exogamie genetischen Krankheiten vorbeugen kann, stehen nach wie vor einengende Heiratsvorschriften gegenüber. Wo sich Erkrankungen auf eine Gemeinde oder eine Siedlung beschränken, kann das bedeuten, dass an anderen Orten die Inzucht noch nicht so ausgeprägt ist. Im Zeitalter der wachsenden Mobilität werden auch Autofahrten zum Verwandtenbesuch in anderen Siedlungen organisiert. Allerdings erschwert auch hier die räumliche Distanz dauerhaften Kontakt. Generell wählen amische Jugendliche ihre Ehepartner noch immer zumeist in der nächsten Umgebung, aus der nahen „Peer group“, die zu den gleichen „Singings“ geht.

Unter den Amischen ist es durch die Gemeindeordnung verboten, Cousins und Cousinen zu heiraten. Erst deren Kinder könnten dies tun, dadurch sind sie erst durch dieselben Urgroßeltern verwandt. Einige Siedlungen sind zudem völlig miteinander unverwandt, so beispielsweise die Gründerfamilien der Lancaster County Amish mit den Gründern der Perth-County-Amish-Siedlung in Kanada. Räumliche Distanz und teilweise unterschiedliche Glaubensvorstellungen (eine andere Gemeindeordnung erlaubt keine Heirat untereinander) lassen aber diese exogame Heiratmöglichkeit innerhalb der amischen Gruppen nicht zu.

Die Säuglingssterblichkeit ist weder höher noch geringer als in der nicht-amischen ländlichen Bevölkerung der Region.[21]

Filmografie

Spielfilme

Über die Amischen wurden fast ausschließlich in den USA Spielfilme gedreht:

Filme mit teilweise dokumentarischem Charakter

  • How much Wood would a Woodchuck chuck… – Beobachtungen zu einer neuen Sprache, 1976, 44 Min., von Werner Herzog. In dieser für das deutsche Fernsehen produzierten Dokumentation stellt der Regisseur das Leben der Amischen den Vorgängen einer Schnellsprechweltmeisterschaft von Viehauktionatoren gegenüber.
  • Penn’a Du, 1982, 60 Min., ein Filmessay des deutschen Regisseurs Georg Brintrup. In diesem für den WDR produzierten Film geht es besonders um die Sprache, das Pennsylvaniadeutsch. 1982 trat zum ersten Mal ein amischer Schullehrer vor eine Filmkamera.

Im Jahre 2004/5 wurde eine Serie in den Vereinigten Staaten gezeigt, Amish in the City, die der Idee nachgehen sollte, ob die amischen „Rumspringer“ nicht letztlich im engen Kontakt mit Weltlichen doch lieber „den American Way of Life“ wählten. Jene amischen Jugendlichen standen zum Zeitpunkt der Aufnahmen aber nicht mehr vor dieser Frage, sondern hatten sich schon für die Außenwelt entschieden.

Am 2. Oktober 2006 erschoss ein Mann in der Schule der Amischen in Nickel Mines (Pennsylvania) fünf Mädchen und danach sich selbst. Die Amischen vergaben dem Täter und kümmerten sich auch um seine Witwe, die mit drei kleinen Kindern zurückblieb. Der Spielfilm Wie auch wir vergeben (englisch: Amish Grace) greift dieses Ereignisse auf und setzt sie in einem teilweise fiktionalen Spielfilm um.

Siehe Massaker an der Amischen-Schule von Nickel Mines

Dokumentarfilme

Es gibt eine Reihe von Dokumentationen über die Amischen:

  • Amish – Ein Bauernhof für unsere Kinder,

Produktion: ORF, 1998, 60 Min., von Eva Maria Berger. Diese Dokumentation behandelt explizit die Lancaster County Amischen und enthält soziologische Bewertungen durch Donald B. Kraybill. Siehe Donald B. Kraybill und Steven M. Nolt: Amish Enterprise – From Plows to Profits unter der Rubrik Literatur.

  • Die Amish – alte Werte in der neuen Welt,

3sat, 1999, von Wolfgang Wegner. Diese Dokumentation handelt ebenfalls von den Amischen in Lancaster County und enthält Interviews (z. B. mit dem Eisproduzenten von Lapp’s Valley Farm) mit Beach Amischen und New Order Amischen.

  • Amish People – Leben in einer anderen Welt. Dokumentation, Frankreich, 2005, 53 Min., Regie: Alexandre Fronty, Produktion: arte, Reihe: WunderWelten, Inhaltsangabe von arte
  • 3sat, 2009, Kreuz & Quer: Amish People von Alexandre Fronty, schildert das Leben der Amischen der alten und neuen Ordnung in einem Dorf in Pennsylvania

Amerikanische Dokumentarfilme sind unter anderem:

  • The Riddle of the Amish
  • Amish – A People of Preservation
  • The Amish and US
  • The Amish Riddle
  • The Devil’s Playground

Pseudo-Dokumentationen

  • Die Amischen sind gelandet, Originaltitel: Meet the Amish bzw. Amish: World's Squarest Teenagers, Dokusoap GB 2011. imdb.com, ebenfalls eine gestellte „Dokumentation“.

Trivia

Ein recht bekanntes Lied mit dem Titel Amish Paradise stammte von Weird Al Yankovic. Dieses ist eigentlich eine Parodie auf Coolios Gangsta’s Paradise, wobei das Original von Stevie Wonder stammt und den Namen Pastime Paradise trägt. Weird Al ersetzte die Gangsta durch Amische und stellte ihren Lebensstil in einer recht humorvollen – nicht ganz ernstzunehmenden – Art und Weise zur Schau.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Ester: Die Amish People. Überlebenskünstler in der modernen Gesellschaft. Patmos, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-72487-2.
  • Hermann Hage: Amische Mennoniten in Bayern. edition vulpes, Regensburg 2009, ISBN 978-3-939112-45-7.
  • John A. Hostetler: Amish Society. 4. Auflage. The Johns Hopkins University Press, London 2008, ISBN 978-0-8018-4442-3 (Neutral gehaltene Einführung in das Leben der Amischen von einem Soziologie-Professor).
  • Elke Keppler-Bopp: Das Leben der Amisch. Francke, Marburg an der Lahn 2011, ISBN 978-3-86827-235-2.
  • Beverly Lewis, Elke Keppler-Bopp: Das Amisch-Kochbuch : Sitten, Gebräuche, Rezepte und Tischgebete. Francke, Marburg an der Lahn 2009, ISBN 978-3-86827-096-9. (englisch: Amish heritage cookbook.)
  • Donald B. Kraybill, Steven M. Nolt: Amish Enterprise – From Plows to Profits. 2. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2004, ISBN 0-8018-7805-5 (Über den wirtschaftlichen Wandel der Amish vom Soziologen Donald B. Kraybill, siehe Text oben).
  • Bernd G. Längin: Gottes letzte Inseln. Wie die Hutterer und Amischen leben. Pattloch, Augsburg 1996, ISBN 3-629-00674-4.
  • Bernd G. Längin: Die Amischen. Vom Geheimnis des einfachen Lebens. List, München 1990, ISBN 3-471-78049-1.
  • Silke Langwasser: Die Old Order Amish. Eine Glaubensgemeinschaft zwischen Beharrlichkeit und Entwicklung. Tectum, Marburg 2008, ISBN 978-3-8288-9586-7.
  • Barbro Lovisa: Old Order Amish in Illinois. In: Kirche an der Grenze. Bogen, Darmstadt 1993, ISBN 3-920606-07-8.
  • Steven M. Nolt: A History of the Amish. 2. Auflage. Good Books, Intercourse 2003, ISBN 1-56148-393-1.
  • Jodi Picoult: Die einzige Wahrheit. Roman. Piper TB, München/ Zürich 2005, ISBN 3-492-24524-2. (Roman über eine junge Amish-Bauernfrau in Lancaster County)
  • Rüdiger H. Schneider: Die Amish. Von Gewaltlosigkeit und Widerstand. Überleben in drei Jahrhunderten. Monsenstein und Vannerdat, Münster 2007, ISBN 978-3-86582-518-6.
  • Jürgen Weber: Die Altamischen in Kanada. Geschichte und sakralisierte Identität einer weltabgewandten religiösen Gemeinschaft. Kovač, Hamburg 1996, ISBN 3-86064-409-2 (Zugleich Dissertation an der Universität Tübingen 1995).

Weblinks

 Commons: Amische – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Amish Population Change 2010-2015. Young Center for Anabaptist and Pietist Studies, Elizabethtown College; abgerufen am 16. November 2017.
  2. Eva Stanzl: Pandora kriegt die Büchse nicht zu. In: Wiener Zeitung. 22. Februar 2012; abgerufen am 31. August 2014.
  3. Discovery Channel's next reality series: "Amish Mafia" – News. LancasterOnline.com. 5. Januar 2013. Abgerufen am 9. August 2015.
  4. Experts Dispute Existence of 'Amish Mafia' as Reality Show Debuts. Newsmax.com. 11. Dezember 2012. Abgerufen am 9. August 2015.
  5. Blog.pennlive.com: There is no Amish mafia' says Amish expert
  6. Merriam-Webster: Aussprache "Amish" (WAV; 6 kB)
  7. Hermann Hage: Amische Mennoniten in Bayern. Regensburg 2009, ISBN 978-3-939112-45-7.
  8. Leroy Beachy: Unser Leit, Seite 126.
  9. Karen M. Johnson-Weiner: New York Amish, Seite 15.
  10. Steven M. Nolt: A History of the Amish, 2. Auflage, Intercourse, PA 2003, Seiten 172-95.
  11. Steven M. Nolt: A History of the Amish, 2. Auflage, Intercourse, PA 2003, Seiten 118-156.
  12. Steven M. Nolt: A History of the Amish, 2. Auflage, Intercourse, PA 2003, Seiten 157-178.
  13. Steven M. Nolt: A History of the Amish, 2. Auflage, Intercourse, PA 2003, Seiten 174.
  14. Steven M. Nolt: A History of the Amish, 2. Auflage, Intercourse, PA 2003, Seiten 178-189.
  15. Steven M. Nolt: A History of the Amish, 2. Auflage, Intercourse, PA 2003, Seiten 193-230.
  16. Amish Studies: "Population Change 2010–2015"
  17. Tom Shachtman: Rumspringa: To Be or Not to Be Amish. New York 2006.
  18. nach:beverly lewis 2009.
  19. Donald B. Kraybill: Amische. In: Mennonitisches Lexikon. Band 5 (MennLex 5).
  20. Sascha Karberg: Goldgrube im Amish-Land. In: Bild der Wissenschaft. 2/2010, S. 19.
  21. L. S. Acheson: Perinatal, infant, and child death rates among the Old Order Amish. In: American Journal of Epidemiology. Band 139, Nr. 2, 15. Januar 1994, S. 173–183, PMID 8296784.