Ampelmännchen

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Dieser Artikel beschreibt das Fußgängersignal; zum Hörspiel siehe Die Ampelmännchen.
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Verschiedene Ampelmännchen

Der Begriff Ampelmännchen (auch Ampelmann) ist die allgemeinsprachliche Bezeichnung für das Fußgängersignal einer Ampel. Es zeigt in der Rotphase das Sinnbild eines stehenden und in der Grünphase das Sinnbild eines gehenden Fußgängers.

In den Niederlanden und Deutschland gibt es mancherorts Ampelfrauen (Ampelmädchen). Am Christopher Street Day 2015 soll München erstmals schwule Ampelmännchen und lesbische Ampelfrauen bekommen.[1]

In Wien gibt es seit 11. Mai 2015 an einigen Stellen Ampelpärchen – mit Herz u.ä. – in allen drei möglichen Kombinationen der zwei Geschlechter Mann und Frau.

Geschichte[Bearbeiten]

Fußgängerampel in den 1950er Jahren

Mit dem Beginn der Motorisierung nahm die Zahl an Fahrzeugen besonders in den Städten stark zu. Aufgrund fehlender Verkehrsregelung geschahen daraufhin häufig Unfälle zwischen Fahrzeugen und Fußgängern, die die Straße überqueren wollten. Um diese Gefahr zu verhindern, wurde 1933 die erste Fußgängerampel in Kopenhagen in Betrieb genommen. Berlin folgte 1937. Es handelte sich dabei um verkleinerte Fahrzeuglampen, die mit einem grünen und einem roten Leuchtfeld ausgestattet waren. In New York wurden 1952 Fußgängerampeln mit den Wörtern „Walk“ und „Don't Walk“ installiert, in Deutschland wurden vereinzelt diesem System folgend an Ampeln Leuchtfelder mit den Wörtern „Warten“ und „Gehen“ angebracht. Während des Betriebs zeigte sich, dass diese Ampeln von den Fußgängern schlecht akzeptiert wurden.[2] Die Nutzung der Farben Rot für Stehen und Grün für Gehen sowie die Darstellung eines symbolisierten Fußgängers in der stehenden bzw. gehenden Position setzte sich in Europa durch.

Darstellungsformen[Bearbeiten]

Sinnbild Euromännchen

Mit der weltweiten Anwendung des Ampelmännchens als Fußgängersignal hat sich ein breites Spektrum an unterschiedlichen Darstellungsformen entwickelt. In einigen Ländern, wie beispielsweise Frankreich oder Korea, besitzen die Sinnbilder ein sehr nüchternes Aussehen und stellen den Fußgänger nur vereinfacht dar. Andernorts, wie etwa in Österreich oder Belgien, erhielten die Fußgänger menschlichere Formen und werden mit Kleidung dargestellt. Kanada und die Vereinigten Staaten verzichten auf die Darstellung eines stehenden Männchens und zeigen stattdessen eine Handfläche. In manchen Ländern, wie etwa Spanien oder der Türkei, wird das Ampelmännchen im Laufschritt dargestellt, das gegen Ende der Grünphase beschleunigt.

In Europa ist man bestrebt, die Sinnbilder der einzelnen Mitgliedsstaaten zu vereinheitlichen. Zu diesem Zweck wurde das Euromännchen entwickelt, das in neue Ampelanlagen eingebaut wird. In Deutschland sind neben dem Euromännchen das alte westdeutsche Ampelmännchen und der Ost-Ampelmann verbreitet. Das Wiener Ampelmännchen leuchtet in weiß und ist von einem roten bzw. grünen Leuchtfeld umgeben, in der Schweiz findet sich überwiegend das Euromännchen.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Entwicklung der besonderen Ampelmännchen in der DDR[Bearbeiten]

Ost-Ampelmännchen

Der Verkehrspsychologe Karl Peglau schlug 1961 dem Verkehrsministerium der DDR vor, dass auch hier jede Verkehrsteilnehmergruppe eine eigene Ampel bekommen solle. Er entwickelte besondere Zeichen für Fußgängerampeln, die das Sinnbild eines stehenden bzw. gehenden Fußgängers zeigen. Besonders Kinder und ältere Menschen ließen sich von den anschaulichen Sinnbildern in ihrem Verhalten beeinflussen.[3]

Nach der Gestaltung durch Karl Peglau im Jahr 1961 wurden die Ost-Ampelmännchen nach jahrelangen verschiedenen fachlichen, wissenschaftlichen und staatlichen Prüfungen 1969 in Ost-Berlin an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße eingeführt. Im Jahr 1970 wurden sie als offizielle Fußgängersignale in den Lichtsignalstandard der DDR aufgenommen. Zur besseren Akzeptanz bei Kindern wurde im Fernsehen der DDR die Reihe Verkehrskompaß gesendet. Nach und nach kamen sie flächendeckend in der gesamten DDR zum Einsatz. Gefertigt wurden die Ampeln anfangs in Berlin vom VEB Leuchtenbau, danach von einer Dresdner PGH und der Firma Bergner & Weiser in Pößneck. Im Jahr 1974 bekam die Firma Schmidt KG im sächsischen Wildenfels (der spätere VEB Signaltechnik) den Auftrag zur Produktion und rüstete bis zur Wende die Fußgängerampeln mit diesen Ampelmännchen aus.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Ost-Ampelmännchen im Gebiet der ehemaligen DDR zunächst sukzessive gegen das westdeutsche Ampelmännchen ausgetauscht. Innerhalb der Bevölkerung kam es daraufhin zu Protesten, und das Ost-Ampelmännchen wurde etwas später in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen als zulässiges Sinnbild aufgenommen. In Berlin werden seit Januar 2005 auch in den Westbezirken Ost-Ampelmännchen an Lichtzeichenanlagen eingesetzt. Diesem Beispiel folgten verschiedene andere westdeutsche Städte; in der Stadt Hückeswagen bei Wuppertal haben sie vollständig die Fußgängersignalisierung übernommen.

Forscher ermittelten, dass das Peglau-Ampelmänchen besser erkannt wird als die „westlichen“ Ampelmännchen.[4]

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Besondere Ampelmännchen
Ampelmännchen in Fredericia (l.) und Ampelfrauen in Dresden (r.)

Varianten der Ampelmännchen[Bearbeiten]

Das Aussehen der Fußgängerampel-Sinnbilder ist in jedem Land in entsprechenden Vorschriften genormt, von denen vielerorts trotzdem abgewichen wird. Beispielsweise wurden an einigen wenigen Ampeln in Deutschland heimlich die Sinnbilder verändert, so dass Ampelmännchen mit Regenschirm oder Rucksack entstanden. In der dänischen Stadt Fredericia werden an verschiedenen Ampeln Soldaten als Ampelmännchen verwendet, um an die Schlacht von Fredericia im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1849 zu erinnern.[5]

Eines der Motive von Roman Týc, Prag 2007

Am 8. April 2007 ersetzte im tschechischen Prag Roman Týc (Künstlername anspielend auf "romantisch", David Brudňák, auch: David Hons), Gründer der Künstlergruppe Ztohoven ("(The way) Out of shit"), mit Stehleiter im roten Overall in 5 Stunden Arbeit bei Tag[6] die Standard-Ampelmännchen von 50 Fußgängerampeln durch weibliche, am Signalkreisrand angelehnte, einbeinige, stehpinkelnde, trinkende und andere menschliche Regungen zeigende Variationen, "um das Ampelmännchen von der Zwangsjacke zu befreien."[7][8] Das 4:48 Min. lange Video vom Symboletausch "Romantycke semafory"/Romantische Ampeln gewann den Publikumspreis beim Festival SidewalkCinema 2007 in Wien [9] Týc musste umgerechnet 3.300 Euro Schadenersatz für die Rückmontage an die Stadt zahlen, wurde zwar vom Vorwurf der Beschädigung und Betriebsgefährdung einer öffentlichen Anlage gerichtlich freigesprochen worden, doch sollte 2008 dennoch 2.500 Euro Strafe zahlen und ging stattdessen 2012 für 1 Monat ins berüchtigte Gefängnis Pankrác, in dem in Sowjetzeiten Regimekritiker festgehalten worden sind.[10][11]

In Erfurt kamen bereits in den 1980er Jahren städtische Angestellte bei der Wartung und Reparatur von Ampeln auf die Idee, das einheitliche Aussehen einzelner grüner Ampelmännchen zu verändern, so dass bis heute 14 der insgesamt 1400 Erfurter Fußgängerampeln ein abgewandeltes grünes Ampelmännchen zeigen (Wandersmann mit Rucksack und Wanderstock, Ampelmännchen mit Regenschirm, Ampelmännchen als Schulanfänger mit Zuckertüte u.s.w.). Diese überstanden sowohl die Einführung des bundesdeutschen Ampelmännchens nach der Wiedervereinigung als auch die Bestrebungen, ein EU-weit einheitliches Ampelmännchen zu etablieren.[12]

Aus der Form des Ost-Ampelmännchens wurde 2004 das Sinnbild einer Ampelfrau (auch Ampelweibchen) erstellt und in Zwickau und Dresden versuchsweise in Betrieb genommen. Die Figuren-Leuchtfläche erhielt dazu Zöpfe und einen Rock. Vorteil dieses Sinnbildes ist die vergrößerte Leuchtfläche und damit eine bessere Auffälligkeit der Signalfarbe. Im Jahr 2010 erschienen die ersten Ampelfrauen in Bremen.[13]

Ampelmännchen als Marke:
Geschäft in den Hackeschen Höfen

Fußgängerampeln in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf sind als einzige ihrer Art in Deutschland mit einer kurzen Gelbphase vor dem Rot ausgestattet.

In Graz (A) erhielten um 2010 manche der quadratischen Signallichter für Fußgänger, wo neben einem Fußgängerübergang auch eine Radüberfahrt bodenmarkiert ist, neben dem Motiv "Fußgänger" noch ein schmales für Radfahrer dazugestellt. Damit wird Radverkehr zwar dargestellt, doch indem Radfahrende per Motiv dem Fussgängersignal zugeordnet werden, wird sein im Vergleich zu Gehenden flotteres Räumen der Kreuzung nicht berücksichtigt. Nur eine eigene Signalisierung für Radverkehr erlaubt die kürzere Räumzeit in eine entsprechend längere Grünphase umzulegen. Eine solcherart längere Grünphase wird seit etwa 3 Jahren durch eine eigene Lichsignalanlage mit kleinen übereinanderliegenden Lichtern in Brusthöhe an einer relativ langen Radüberfahrt entlang des Rings bei der Oper versuchweise angezeigt. Während das große Geld (>150 Mio. Euro) in den Bau des (fahrradfreien) Südgürtel-Tunnels fließen, wird derzeit kein Geld für Radampeln ausgegeben. Ähnliche niedrig montierte Radampeln aus den 1960er/70er-Jahren wurden an der peripheren Salzburgerstraße in Linz-Wegscheid wiederholt beschädigt, weil sich Radfahrende zurückgesetzt vorkommen, wenn in jeder Ampelroutine Grün gemacht wird für sehr selten von der Fahrbahn abbiegende Kfz, und dafür die Grünphase am getrennten, parallelen Radweg auf wenige Sekunden gekürzt wird.

Ampelpärchen in Wien[Bearbeiten]

In der österreichischen Bundeshauptstadt Wien wurden am 11. Mai 2015, anlässlich des Life Balls, des Eurovision Song Contests und der Regenbogenparade als Variante drei verschiedene Arten von "Ampel-Pärchen" mit Herz u.ä. (hetero, lesbisch, schwul) installiert. Diese Aktion der Stadt Wien war ursprünglich nur für bis Ende Juni, also während 7 Wochen gedacht. Nach weltweit beachtlichem positivem Medienecho, und der rasch artikulierten Forderung durch zahlreiche Menschen entschied Verkehrsstadträtin Vassilakou (Grüne) schon am 18. Mai, dass die Pärchen hängen bleiben werden: „Die Pärchen sind zum beliebten Fotomotiv geworden und haben jetzt schon Kultstatus – das ist großartig für die Akzeptanz von lesbischwulen Paaren und ein echtes neues Motiv für Touristen in Wien."

Ampel Pärchen lesbisch in Wien
Ampel Pärchen hetero in Wien

Für den Austausch der Ampeln an 120 Fußgängerübergängen bzw. 49 Ampelstandorten wurden Kosten von 63.000 € genannt. Die Facebook-Gruppe "Die Wiener Ampelpärchen sollen bleiben" jubelt am 19. Mai mit gut 20.000 Teilnehmern. Auch die Homosexuelleninitiative HOSI hatte das dauerhafte Belassen der Pärchen gefordert sowie der SPÖ-Tourismussprecher Max Unterrainer („als touristische Marke“). Die Ampelpärchen stehen für ein Miteinander, für ein weltoffenes Wien. Nach der MA 33 - "Wien Leuchtet" würde die StVO nur die Farbe vorschreiben, nicht jedoch das Motiv.

Der Wiener FPÖ gingen in dieser kurzen Zeit der Entscheidungsfindung die Sujets "viel zu weit" und strebt die Strafverfolgung von Vassilakou wegen Verstoß gegen die StVO an und ortet "Steuergeldverschwendung". ÖVP-Landesparteiobmann und Stadtrat Manfred Juraczka findet die neuen Ampelmännchen-Paare "nicht gerade günstig" und bezeichnet die Diskussion darüber als "Volksverblödung". [14] [15] [16]

Eine Facebook-Gemeinschaft "Graz braucht Ampelpärchen", gegründet am 18. Mai, gewann binnen 24 Stunden 2000 Anhänger. Unterrainer geht am 19. Mai weiter und fordert Ampelpärchen für ganz Österreich, hält die Kosten für 1285 Euro pro Ampel für vertretbar, und sieht auch die Möglichkeit solcher Ampeln an stark frequentierten Skipisten.[17]

Ost-Ampelmännchen heute[Bearbeiten]

Dem Ostampelmännchen kommt eine besondere Eigenschaft zu, da es sich nach der Deutschen Wiedervereinigung zum Symbol der Ostalgie entwickelt hat.

Der Berliner Industriedesigner Markus Heckhausen vermarktet mit der Firma Ampelmann GmbH seit 1996 diverse Produkte rund um das Ampelmännchen.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Markus Heckhausen: Das Buch vom Ampelmännchen. Eulenspiegel-Verlag, 1997, ISBN 3-359-00910-X.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Xiaoluren, animierte Ampeldarstellung in Taiwan

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ampelmännchen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://wien.orf.at/news/stories/2711574/ Ampelpärchen als Exportschlager, ORF.at, 19. Mai 2015. Abgerufen 19. Mai 2015.
  2. Kurze Geschichte der Verkehrs- und Fußgängerampel
  3. Geschichte des Ampelmännchens
  4. Martin Vieweg: Sieg für das Ossi-Ampelmännchen, in wissenschaft.de vom 21. Juni 2013, abgerufen am 22. Juni 2013.
    Als Quelle dient: Claudia Peschke, Bettina Olk, Claus C. Hilgetag: Should I Stay or Should I Go – Cognitive Conflict in Multi-Attribute Signals Probed with East and West German ‘Ampelmännchen’ Traffic Signs in PLOS ONE, abgerufen: 22. Juni 2013
  5. Blog Zest for Life: „You know you are in Fredericia …“
  6. https://www.youtube.com/watch?v=BksSF4oQe4Y Portrait: Prager Kollektiv Ztohoven - Part 1 - arte Tracks vom 31. März 2011; Tom Klim, 6. April 2011, youtube.com, Video 6:53. Abgerufen 16. Mai 2015
  7. Sabotage in Prag – Ampelmann mit Pulle. auf: sueddeutsche.de, 11. April 2007
  8. Hans-Jörg Schmidt: Urinierende Ampelmännchen – Künstler verurteilt. auf: Welt Online. 6. Dezember 2011
  9. http://www.film.at/sidewalkcinema_2007/detail.html?cc_detailpage=full sidewalkCINEMA 2007, film.at, 2007. Abgerufen 16. Mai 2015.
  10. http://www.osteuropa-infoseite.de/verhaftet-politische-strassenkunst-in-prag/ Verhaftet: Politische Straßenkunst in Prag; Pavel, osteuropa-infoseite.de, 16. Februar 2012. Abgerufen 16. Mai 2015.
  11. http://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/ztohoven-kuenstler-wegen-befreiung-von-ampelmaennchen-verurteilt „Ztohoven“-Künstler wegen Befreiung von Ampelmännchen verurteilt; Christian Rühmkorf, Radio Prag, 22. Mai 2008. Abgerufen 16. Mai 2015.
  12. Erfurt ist Keimzelle des extravaganten Ampelmännchens. Thüringer Allgemeine, 13. Oktober 2011
  13. Erste Ampelfrauen: Vier erste Lichtzeichen wurden weiblich. auf: radiobremen.de, 19. Juli 2010; abgerufen am 26. Dezember 2010
  14. http://wien.orf.at/news/stories/2711435/ Ampelpärchen bleiben hängen, ORF.at, 18. Mai 2015. Abgerufen 19. Mai 2015.
  15. http://wien.orf.at/news/stories/2710936/ Homosexuelle Ampelpärchen sollen bleiben, ORF.at, 15. Mai 2015. Abgerufen 16. Mai 2015.
  16. http://wien.orf.at/news/stories/2710534/ Ampelpärchen erregen international Aufsehen, ORF.at, 13. Mai 2015. Abgerufen 16. Mai 2015.
  17. http://wien.orf.at/news/stories/2711574/ SPÖ für österreichweite Ampelpärchen, ORF, 19. Mai 2015. Abgerufen am 19. Mai 2015.
  18. Interview mit Markus Heckhausen über die Ampelmann GmbH – Die Entwicklung vom Verkehrszeichen zum Markenartikel