Amphitheater Pula

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Amphitheater in Pula von der Meeresseite her gesehen
Blick von der anderen Seite.

Das römische Amphitheater in Pula (Kroatien) (kroatisch: Pulska Arena) ist das sechstgrößte antike Amphitheater.[1] Im Endausbau (seit 81 n. Chr.) bestand es aus zwei übereinander angeordneten Arkadenreihen mit 72 Bögen aus weißem Kalkstein. Das Obergeschoss ist von 64 rechteckigen Fensternischen durchbrochen. Das Gebäude erreichte meerseitig eine Höhe von 32,45 Metern. Da sich der Bau im Osten an einen Hügel lehnt, ist die Fassade dort wesentlich niedriger und in der unteren Bogenreihe sind 32 Bögen als Anpassung an das Gelände teilweise oder ganz weggelassen worden. Im Inneren folgten die Sitzreihen der Hanglage. Damit bot es Platz für 26.000 Zuschauer.[1] In der Antike diente die Arena für Gladiatorenkämpfe und zeitweise für die Darstellung von Naumachien, also Seeschlachten.

Im Untergeschoss des Theaters zeigt ein Museum die Geschichte des Weinbaus in römischer Zeit. Auch die Stile und Verwendungen von Amphoren und die antiken Handelsbeziehungen Istriens werden dargestellt.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erbaut wurde es außerhalb der Stadtmauern in den Jahren 2 v. Chr. bis 14 n. Chr. unter Kaiser Augustus in Holz. Unter Kaiser Claudius wurde daraus ein kleiner Steinbau.[1] Kaiser Vespasian, der auch Auftraggeber des Kolosseums in Rom war, ließ das Oval im Jahr 79 weiter ausbauen, sein Sohn Kaiser Titus vollendete den Bau 81 in seiner heutigen Größe mit 132 mal 105 Metern.[1] Wie die Legende erzählt, wollte Vespasian damit seiner aus Pula stammenden Geliebten Antonia Caenis posthum einen Wunsch erfüllen.[2]

In der gleichen Zeit des Ausbaus des Amphitheaters wurde die Verbindungsstraße zu Triest (lateinisch Tergeste) und Aquileia, die Via Flavia, 78/79 unter Kaiser Vespasian, dem ersten Flavier, ausgeführt, an der das Amphitheater liegt.[1]

Kulturevents[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der jüngeren Vergangenheit war das Amphitheater Austragungsort eines Film-Festivals, 1993 wurde es vom Pula Film Festival und den Kulturevents des Histria Festivals abgelöst. Für Opern, Konzerte, Theater und Film ist die geschichtsträchtige Arena mit ihrer brillanten Akustik ein idealer Platz. Musiker wie Sting, Julio Iglesias, Luciano Pavarotti, Elton John, Zucchero, Anastacia, Norah Jones, Alanis Morissette und andere traten hier auf. 1962 diente das Bauwerk im italienischen Sandalenfilm Einer gegen Rom (Solo contro Roma) mit teils vollständig mit Statisten besetzten Rängen als Drehort für diejenigen Szenen, die Gladiatorenkämpfe zum Inhalt hatten.

Eishockey in der Arena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte September 2012 fanden in der Arena erstmals zwei Eishockeyspiele der Österreichischen Eishockey-Liga vor jeweils 7130 Zuschauern statt. Gastgeber KHL Medveščak Zagreb verlor das erste Spiel gegen HDD Olimpija Ljubljana. Drei Tage später wurden dann die Vienna Capitals aus Wien mit 4:1 geschlagen. Die Außentemperatur betrug jeweils 23 °C.[3] Die Eisfläche hatte die Dimensionen von 57x26 Meter und war damit um einen Meter länger als vom Internationalen Verband vorgeschrieben. Die Eisdicke lag zwischen sechs und acht Zentimetern. Damit es auch stabil blieb und nicht brach, waren 15.000 Liter Diethylenglycol und 30.000 Liter Wasser für den Gefrierprozess vonnöten.[4]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenpanorama des Amphitheaters

Pula, römisches Theater, Blick von innen
Löwe beim Eingang im Theater von Pula

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amphitheater Pula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Pula Arena #9, zitiert aus:
    1. Clifford Ando: The Matter of the Gods: Religion and the Roman Empire. University of California Press, 2008.
    2. M. Beard, S. Price, J. North: Religions of Rome: Volume 1, a History. Cambridge University Press, 1998.
    3. T. Cornell: The Beginnings of Rome: Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (c.1000–264 BC). Routledge, 1995.
    4. C. M. C. Green: Varro’s Three Theologies and their influence on the Fasti. In: Geraldine Herbert-Brown (Hrsg.): Ovid’s Fasti: historical readings at its bimillennium. Oxford University Press, 2002.
    5. John Scheid: Graeco Ritu: A Typically Roman Way of Honoring the Gods. Harvard Studies in Classical Philology, Band. 97. Integration, 1995.
    6. Barbette Stanley Spaeth: The Roman goddess Ceres. University of Texas Press, 1996.
    7. Barbette Stanley Spaeth: The Goddess Ceres and the Death of Tiberius Gracchus. In: Historia: Zeitschrift für Alte Geschichte, Band 39, Nr. 2, 1990.
    8. T. P. Wiseman: Remus: A Roman Myth. Cambridge University Press, 1995.
  2. Helmut Castritius: Die flavische Familie. Frauen neben Vespasian, Titus und Domitian. In: Hildegard Temporini-Gräfin Vitzthum (Hrsg.): Die Kaiserinnen Roms. Von Livia bis Theodora. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49513-3, S. 164–186, insbesondere 165–166.
  3. Caps verließen das Amphitheater als Verlierer. Abgerufen am 23. Mai 2015.
  4. Eishockey-Cracks statt Gladiatoren. Abgerufen am 23. Mai 2015.

Koordinaten: 44° 52′ 23″ N, 13° 51′ 1″ O