ams AG

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ams AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000A18XM4
Gründung 1981
Sitz OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Alexander Everke (CEO), Michael Wachsler-Markowitsch (CFO), Thomas Stockmeier (COO), Kirk S. Laney (Chief Strategist)
Mitarbeiter 2.100 Mitarbeiter weltweit[1]
Umsatz 623,1 Mio. EUR (2015)[2]
Branche Halbleiterhersteller / Elektronikindustrie
Website www.ams.com

ams AG ist ein multinationaler Halbleiterhersteller mit Hauptsitz in Premstätten in der Steiermark, Österreich. Die Haupttätigkeitsfelder sind Entwicklung und Herstellung von analogen integrierten Schaltkreisen und anwendungsspezifischen integrierte Schaltungen (ASICs).

ams AG entwickelt und produziert analoge Halbleiterbauelemente (Leistungshalbleiter) für Anwendungen bei Sensoren und Sensorschnittstellen, Power Management und Wireless. Das Unternehmen entwickelt analoge ICs (Integrierter Schaltkreis) für Kunden in den Märkten Consumer, Industrie, Medizintechnik und Automotive. Die mehr als 2.100 Mitarbeiter sind in 20 Ländern in der Forschung und Entwicklung in Österreich, in einem Center of Excellence für optische Sensoren in Texas (USA), in 16 weiteren Design Centern und in Produktionsanlagen in Österreich und auf den Philippinen tätig.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Austriamicrosystems-Hauptquartier
Logo bis Mai 2012

1978–2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1970er Jahre suchte die voestalpine AG nach geeigneten Branchen um die eigene Produkt- und Dienstleistungs-Palette zu erweitern. Man entschied sich letztendlich für die Halbleiterindustrie. Durch ihre Suche nach einem Gemeinschaftsunternehmen entstand die erste Verbindung mit American Micro Systems (AMI).

Schloss Premstätten

1981 wurde schließlich ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture), die American Micro Systems Incorporated-Austria GmbH (AMI-A), bei der AMI mit 51 % und die voestalpine mit 49 % beteiligt waren, gegründet. Bei der Standortsuche entschied man sich für das Schloss Premstätten in der damaligen Gemeinde Unterpremstätten. In Folge wurde das erste österreichische Halbleiterwerk errichtet, ebenso wurde mit dem Aufbau einer Verkaufsniederlassung für ROMs und Standardkomponenten in Europa begonnen.

1983 fand dann die offizielle Eröffnung des 100-mm-Wafer-Halbleiterwerks durch Bundeskanzler Fred Sinowatz statt, wo die Produktion mit anfangs 300 Mitarbeitern begann.[4]

Das Unternehmen wechselte 1987 vollständig in den Besitz der Voestalpine AG und im September desselben Jahres wurde die damalige AMI-A (American Micro Systems Incorporated-Austria GmbH) in AMS (Austria Mikro Systeme International GmbH) umbenannt.[4] Weitere Vertriebsniederlassung in Kalifornien und Deutschland wurden ebenfalls gegründet.

1991 war AMS "Expertronics" zufolge eines der 25 am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa,[5] 1992 wurde AMS zur „Top Fab of 1992“ (Quelle: Semiconductor International USA) gewählt. Im Juni 1993 wagte AMS als erstes Halbleiterunternehmen in Europa den Schritt an die Börse und wird an der Wiener Börse gelistet.[6]

1996 entschloss sich AMS auf neue Märkte auszudehnen und so entsteht auch die erste Vertriebsstelle in Asien. Das Unternehmen wurde nach ISO 14001:1996 und EMAS (EU-Standard für Umweltmanagement) zertifiziert.

Im Jahr 1997 erzielte AMS erste Erfolge im Bereich der "Deep Submicron"-Technologie (Strukturbreiten kleiner als 0,5 µm).

Die Weltraummission „Deep Space 2“ der NASA zum Mars hob 1998 mit der Hilfe der AMS ab. Zwei Chips wurden gemeinsam mit dem Flugzeugbauer Boeing entwickelt und waren für die gesamte Energieversorgung der Raumsonde zuständig. Das Unternehmen erhielt auch die Zertifizierung gemäß den Qualitätsstandards der amerikanischen und deutschen Autoindustrie QS 9000 bzw. VDA 6.1.

2000 wurde der Grundstein für die neue 200-mm-Wafer-Fertigungslinie gelegt. Durch den Mehrheitsaktionär Permira verließ AMS die Börse wieder und durchlebte auch eine Namensänderung in austriamicrosystems AG.

2001–2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude der 200-mm-Wafer-Fertigungslinie

Der Probebetrieb der neuen Fertigungslinie auf 200-mm-Wafern begann im neuen Jahrtausend, gleichzeitig wurde auch ein Lizenzabkommen mit TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Ltd.), dem weltweit größten IC-Auftragsfertiger, getroffen. Nach erfolgreichem Probebetrieb startet 2002 die Serienfertigung in der neuen 200-mm-Wafer-Halbleiterwerk. In diesem Jahr wurde auch eine Verkaufsniederlassung in Singapur eröffnet sowie eine Erweiterung der Niederlassungen in Hong Kong, Japan und den Vereinigten Staaten vorgenommen.

2003 wurde austriamicrosystems als einziger europäischer Halbleiterproduzent von Silicon Strategies in die Top-Ten-Liste der Halbleiterauftragsfertiger (Foundry) eingereiht. austriamicrosystems führte ihre Expansionspolitzik mit neuen Verkaufsniederlassungen in Süd Korea, China (Suzhou), Finnland und Schweden weiter. Zusätzlich wurde in Bangalore, Indien ein Design Center für Multimedia-Playback-Applikationen eröffnet.

Im Jahr 2004 gelang austriamicrosystems der Börsengang an die SWX Swiss Exchange (heute SIX) in Zürich und ist hier seit 17. Mai 2014 (Ticker: AMS) gelistet.[7]

2005 wurden die Standardprodukte wie auch die Kapazität der Fertigung auf 200-mm-Wafern ausgeweitet, um die geschlossene Fertigung auf 100-mm-Wafern zu ersetzen.[8]

2006 wurde ein neues Prüfzentrum auf den Philippinen errichtet und in Indien entstand ein neues Entwicklungszentrum. Zudem wurde die Fertigungslinie mit 200-mm-Wafern weiter ausgebaut. Im selben Jahr konnte austriamicrosystems AG ihr 25-jähriges Bestehen feiern.

2007 wagte sich austriamicrosystems durch die Partnerschaft mit Mikromotorenhersteller New Scale Technologies in neue Geschäftsfelder vor. In diesem Jahr öffnete auch das neue Kafeteria-&-Konferenz-Zentrum, geplant von Architekt Reinhold Tinchon, seine Pforten.

Auch austriamicrosystems spürte 2008 und 2009 die Wirtschaftskrise und musste einen Teil seiner Belegschaft in Kurzarbeit schicken. Doch dank einer sich schnell verbessernderen Auftragslage erholte sich das Unternehmen binnen kürzester Zeit wieder und die Kurzarbeit konnte zu einem großen Teil wieder eingestellt werden. Im selben Zeitraum trat austriamicrosystems dem UN Global Compact bei, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und mittelfristig CO2-frei zu produzieren.[9] 2010 wurde mit 209,4 Mio. Euro ein Rekordumsatz erwirtschaftet.[10]

2011 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 gibt austriamicrosystems den Erwerb von 100 % der Anteile am US-Unternehmen Texas Advanced Optoelectronic Solutions, Inc. (“TAOS”), Plano, Texas (USA) bekannt. Der Kaufpreis der zu erwerbenden Anteile beträgt rund USD 320 Mio. (rund EUR 220 Mio.). TAOS ist im Bereich Lichtsensortechnologie tätig und liefert Displaymanagementlösungen für Hersteller von Smartphones, Tablets, High-Definition-Fernsehgeräten (HDTV) sowie Laptops und Notebooks[11]

Im Mai 2012 ändert austriamicrosystems seinen Markennamen in „ams“ und vereint damit die Marken austriamicrosystems und TAOS, den 2011 erworbenen Anbieter von Lichtsensoren.[12] Weiters wurde in diesem Jahr auch die IDS Microchip AG erworben und in das Unternehmen integriert.[13]

Am 13. Mai 2013 schied nach elf Jahren Unternehmensführung John Heugle als Vorstandsvorsitzender (CEO) mit sofortiger Wirkung aus. Kirk Laney, früherer CEO von TAOS Inc., wurde als interimistischer CEO des Unternehmens bestellt.[14][15]

Am 4. Juni 2014 gab ams den Erwerb von 100 % der Anteile an AppliedSensor, dem branchenführenden Anbieter von halbleiterbasierten Gassensorlösungen, bekannt.[16]

Am 25. Juni 2014 gab ams bekannt, eine Fusion unter gleichen mit Dialog Semiconductor zu planen. Den Verwaltungsrat sollte dabei ams stellen, den Vorstandsvorsitz Dialog Semiconductor. Die Aktien des neuen Unternehmens sollten ausschließlich an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden, eine Notierung an der Frankfurter Wertpapierbörse wie bisher bei Dialog Semiconductor sollte nicht erfolgen. Rechtlich gesehen hätte dabei ams Dialog Semiconductor übernehmen sollen.[17][18] Am 22. Juli 2014 wurde bekannt, dass die Fusion gescheitert ist.[19]

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finanz- und Mitarbeiterzahlen der vergangenen Jahre.[21]

Jahr Umsatz in Mio. € EBITDA in Mio. € Mitarbeiteranzahl
2007 193,9 48,6 1.071
2008 184,7 46,9 1.129
2009 137,2 2,8 1.087
2010 209,4 27,1 1.119
2011 275,7 43,1 1.193
2012 387,6 84,8 1.282
2013 377,8 63,9 1.394
2014 464,4 105,4 1.700
2015 623,1 147,7 2.100

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ams AG notiert seit 2004 an der SIX Swiss Exchange. Ca. 92 % sind in Streubesitz und ca. 8 % sind in Besitz des Management und ehemaliger TAOS-Anteilseignern.[22]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsfeld Consumer & Communications konzentriert sich die ams AG auf die Mobilkommunikation sowie tragbare und fest stehende Unterhaltungselektronik. Das Hauptaugenmerk liegt auf integrierten Schaltungen im Bereich Stromversorgungen und Beleuchtungstechnik wie beispielsweise mobile MP3-Player, Mobiltelefone, LCD-Fernseher und Kamerablitze mit Xenon-Gasentladungslampen oder mit Leuchtdioden.

Im Bereich der Industrie- und medizintechnischen Elektronik produziert die ams AG Sensoren und Sensorschnittstellen, die die Messung und Verarbeitung von kleinen Signalen auch unter Umweltbedingungen wie extremen Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Vibrationen ermöglichen.

Im Bereich Automotive bietet die ams AG vor allem die Entwicklung von Steuergeräten für Fahrzeugzugangs-, Sicherheits- und Komfortsysteme, sowie Sensor- und Sensorschnittstellenprodukte und Hochgeschwindigkeitsbussysteme an.

Die Auftragsfertigung von mikroelektronischen Bauteilen (englisch Foundry) richtet sich an Unternehmen ohne eigene Fertigung, wie sogenannte Fabless Companies, Designhäuser sowie Halbleiterhersteller (IDMs), die ihre eigenen integrierten Schaltungen entwickeln möchten, jedoch nicht über die Produktionsmöglichkeiten oder die dafür nötigen Technologien verfügen. Der Fokus liegt hierbei auf der Produktion von Analog- und Mixed-Signal-ICs, für die sehr oft komplexe Spezialprozesse benötigt werden.[23]

Prozentueller Umsatz der Geschäftsfelder:[24]

Geschäftsfelder 2015
Consumer & Communications 65 %
Automotive, Industrial, Medical 35 %

Forschung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2015 betrugen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung EUR 107,8 Mio., was einem Anteil von 17 % am Umsatz entspricht.[25]

Qualitäts- und Umweltmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Zertifizierungen nach den neuesten internationalen Qualitätsstandard ISO/TS 16949 und ISO 13485 sowie nach ISO 9001, VDA6.1 und der Q1-Zertifizierung von Ford stellt ams die Einhaltung von Qualitätsanforderungen sicher.[26] ams wurde im Umweltmanagement nach ISO 14001 und EMAS zertifiziert und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Umweltberichte.[27] Weiters ist ams Teil des UN Global Compact, der weltweit größten Unternehmensinitiative für verantwortungsbewusstes Handeln und Nachhaltigkeit.[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ams Key Facts Kennzahlen. Abgerufen am 04. Februar 2016
  2. Financial News, PR v. 2. Februar 2016
  3. ams Key Facts Kennzahlen. Abgerufen am 04. Februar 2016
  4. a b Online Archiv des voestalpine Geschichteclubs. Website des Geschichteclub Stahl, Glimpfingerstraße 59, 4020 Linz, Austria. Abgerufen am 29. Juli 2010.
  5. Online Archiv des Defense Technical Information Center (DTIC®).. Website des Defense Technical Information Center (DTIC®), 8725 John J. Kingman Road, Suite 0944, Fort Belvoir, VA 22060-6218, USA. Abgerufen am 25. Juni 2014.
  6. Österreichische Industrieholding (Wikipedia)
  7. ams auf der SIX Swiss Exchange. SIX Swiss Exchange; abgerufen am 3. Juli 2014.
  8. austriamicrosystems dreht in die Gewinnzone. Boerse Express; abgerufen am 29. Juli 2010.
  9. Geschäftsbericht 2013 Verantwortung als Unternehmen, S.14. Abgerufen am 3. Juli 2014
  10. Leo Himmelbauer: austriamicrosystems flott gewachsen - Wieder Gewinne. In: Wirtschaftsblatt, 1. März 2011. Abgerufen am 26. August 2012. 
  11. Austriamicrosystems kauft TAOS. In: Der Standard, 16. Juni 2011. Abgerufen am 26. August 2012. 
  12. Aus austriamicrosystems wird ams. elektronikpraxis.vogel.de. 18. Mai 2012. Abgerufen am 26. August 2012.
  13. ams gibt Vollzug der Transaktion zum Erwerb des RFID-Designhauses IDS bekannt. ams.com. 13. November 2012. Abgerufen am 3. Juli 2014.
  14. ams-Chef abgelöst – Rätselraten bleibt. Wirtschaftsblatt, 14. Mai 2013; abgerufen am 2.Juni 2013
  15. AMS-CEO verlässt Unternehmen per sofort. Cash, 14. Mai 2013; abgerufen am 2. Juni 2013
  16. ams gibt Erwerb des privat gehaltenen Gassensorspezialisten AppliedSensor bekannt. www.ams.com. 4. Juni 2014. Abgerufen am 3. Juli 2014.
  17. Arash Massoudi, Bryce Elder: Dialog and AMS in ‘early stage’ merger talks. Financial Times, 25. Juni 2014, abgerufen am 26. Juni 2014.
  18. ams und Dialog Semiconductor sprechen über Fusion. In: Kleine Zeitung. 26. Juni 2014, abgerufen am 26. Juni 2014.
  19. Dialog Semiconductor bläst Fusion mit AMS ab. In: Der Standard. 22. Juli 2014, abgerufen am 22. Juli 2014.
  20. Management. ams AG, abgerufen am 11. Februar 2015.
  21. Geschäftsbericht 2013. Kennzahlen, Cover-Innenseite, abgerufen am 3. Juli 2014
  22. Shareholder Structure (englisch) ams.com. Abgerufen am 3. Juli 2014.
  23. Key-Facts. ams AG, abgerufen am 29. Juli 2010
  24. [file:///C:/Users/kbun/Downloads/ams_Annual_Report_2015_Full_25042016.pdf Annual Report 2015] ams Annual Report, S.2. Abgerufen am 23. May 2016
  25. Geschäftsbericht 2014 Forschung und Entwicklung, S.52. Abgerufen am 3. Juli 2014
  26. Qualitätsmanagement. ams AG, abgerufen am 29. Juli 2010
  27. 'Environmental Report 2013' ams Environmental Report 2013. Abgerufen am 4. Juli 2014
  28. 'Global Compact Netzwerk Österreich' Website des Global Compact Netzwerk Österreich. Abgerufen am 26. Juni 2014