Flughafen Amsterdam Schiphol

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Luchthaven Schiphol
Flughafen Schiphol logo.svg
Ankunftsbereich: Eingang zur Bahnhofshalle
Kenndaten
ICAO-Code EHAM
IATA-Code AMS
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 10 km südwestlich von Amsterdam
Straße A4 E19 A9
Bahn NS Nederlandse Spoorwegen, Thalys
Nahverkehr Connexxion, Schiphol Sternet, Amsterdamer Verkehrsbetriebe (GVB)
Basisdaten
Eröffnung 1916
Betreiber Schiphol Group
Fläche 2787 ha
Terminals 1 mit 3 Hallen und 8 Piers
Passagiere 54.978.023 (2014)
Luftfracht 1.633.195 t (2014)
Flug-
bewegungen
452.687 (2014)
Beschäftigte 57.600
Start- und Landebahnen
04/22 Oostbaan / Fokkerbaan 2014 m × 45 m Asphalt
06/24 Kaagbaan 3500 m × 45 m Asphalt
09/27 Buitenveldertbaan 3453 m × 45 m Asphalt
18C/36C Zwanenburgbaan 3300 m × 45 m Asphalt
18R/36L Polderbaan 3800 m × 60 m Asphalt
18L/36R Aalsmeerbaan 3400 m × 45 m Asphalt

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Der Luchthaven Schiphol (dt. Flughafen Schiphol) [ˈsxɪpɦɔl] (IATA-Code: AMS, ICAO-Code: EHAM) ist der internationale Verkehrsflughafen der niederländischen Hauptstadt Amsterdam. Mit ca. 55 Millionen Passagieren im Jahr 2014 ist er der viertgrößte Flughafen Europas (nach London Heathrow, Paris-Charles-de-Gaulle und Frankfurt am Main) und liegt im weltweiten Vergleich auf Rang 14.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Tower im Februar 1960
Vierzig Jahre Schiphol, niederländische Kinonachrichten von 1960
Pier E vom Tower aus gesehen
Check-in-Bereich in Halle 3

Schiphol wurde am 16. September 1916 als Militärbasis in Betrieb genommen. Hierbei dienten kleinere Hangars als Flughafengebäude und eine Grasfläche als Start- und Landebahn. Seit der zivilen Luftfahrtnutzung, die am 17. Dezember 1920 begann, heißt der Flughafen Schiphol. Die Ortsbezeichnung Schiphol ist spätestens seit 1447 ("Sciphol") nachgewiesen. Über die Bedeutung des Namens Schiphol gibt es eine Vielzahl verschiedener Theorien, wobei der Ursprung nicht feststeht. Einer dieser Hypothesen nach bedeutet Schiphol so viel wie „Schiffsloch“ und sei darauf zurückzuführen, dass in dem früher an der Stelle des heutigen Flughafens gelegenen Binnensee Haarlemmermeer regelmäßig Schiffe sanken. Bereits 1935 besaß der Flughafen vier asphaltierte Pisten. Im Jahr 2003 kamen als fünfte und sechste die Pisten 18L/36R (Aalsmeerbaan) und die bislang längste Piste 18R/36L (Polderbaan) hinzu. Zwischen der Zwanenburgbaan und der Polderbaan verlaufen die Verbindungsautobahn A5 und der Kanal Hoofdvaart, die von den Flugzeugen überflogen werden; des Weiteren befindet sich dort der Friedhof Gan Asjalom Hoofddorp der Liberalen Jüdischen Gemeinde von Amsterdam.

Architekten beziehungsweise Planer für den Flughafen Schiphol sind seit 1988 Benthem Crouwel Architects.

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Schiphol liegt südwestlich von Amsterdam auf dem Gebiet der Gemeinde Haarlemmermeer. Mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa drei Metern unter dem Meeresspiegel ist er der am niedrigsten gelegene Flughafen Europas.

Der Flughafen ist mit dem Bahnhof Schiphol direkt an das europäische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz angebunden. Es bestehen umsteigefreie Verbindungen mit den NS nach Amsterdam, Utrecht, Leiden, Rotterdam, Eindhoven und Den Haag. Der Thalys verkehrt mehrmals täglich nach Antwerpen, Brüssel und Paris.

Im ÖPNV ist Schiphol durch die Busse der Amsterdamer Verkehrsbetriebe (GVB) an das Straßenbahn- und Busnetz der niederländischen Hauptstadt angebunden.

Die Autobahn A4 (Amsterdam–Den Haag) hat eine Ausfahrt zum Flughafen.

Abfertigungsgebäude[Bearbeiten]

Schiphol verfügt über ein Terminal mit den Hallen 1, 2 und 3, die über die zentrale Plaza, in der sich auch der Flughafenbahnhof befindet, miteinander verbunden sind. Jeder der Bereiche besitzt mehrere Piers (insgesamt 8), an denen insgesamt ca. 160 Flugsteige zur Verfügung stehen.

Halle 1 – Pier B und C[Bearbeiten]

Beide Piers der Halle 1 dienen ausschließlich dem Verkehr innerhalb des Schengenraums. In diesen Bereichen werden beispielsweise europäische Flüge der Star Alliance, darunter die der Lufthansa, abgefertigt.

Halle 2 – Pier D und E[Bearbeiten]

Pier D der Halle 2 dient auf zwei getrennten Ebenen der Abfertigung von Schengen- und Non-Schengen-Flügen, während Pier E ausschließlich für Non-Schengen-Flüge genutzt wird. Hauptnutzerin dieser Halle ist die hier beheimatete KLM.

Halle 3 – Pier F, G, H und M[Bearbeiten]

Die Piers F und G dienen ebenfalls ausschließlich Non-Schengen-Flügen. Die Piers H und M sind hauptsächlich für Billigfluggesellschaften, darunter easyJet, und deren Non-Schengen- beziehungsweise Schengen-Verbindungen vorgesehen.

Start- und Landebahnen[Bearbeiten]

Flughafendiagramm

Anders als auf vielen anderen Flughäfen üblich, haben alle sechs Bahnen Namen erhalten. Vier der Pisten (06/24, 09/27, 18C/36C und 18L/36R) beziehen ihren Namen von Ortschaften, die bei Nutzung der Bahnen überflogen werden. Piste 04/22 hat ihren aktuellen Namen Oostbaan von der geografischen Lage im Osten, der historische (und umgangssprachlich noch gebräuchliche) Name Fokkerbaan ist von den ehemaligen Fokker Flugzeugwerken abgeleitet. Der 2003 eröffneten Piste 18R/36L wurde von offizieller Seite der neutrale Name „Polderbaan“ zugeteilt.

Fluggesellschaften und Ziele[Bearbeiten]

Schiphol ist der Heimatflughafen der niederländischen Fluggesellschaften KLM, Corendon, Martinair, ArkeFly und Transavia. Darüber hinaus dient Schiphol als europäisches Drehkreuz für Delta Air Lines sowie als Basis für Vueling und seit 2014 für EasyJet [1] .

Schiphol ist von internationaler Bedeutung für den Luftverkehr und verfügt über zahlreiche europäische und interkontinentale Verbindungen im Passagier- und Frachtverkehr.

Im Personenverkehr waren 2014 die innereuropäischen Strecken nach London-Heathrow, Barcelona, Paris-CDG, Rom-Fiumicino und Kopenhagen die am stärksten genutzten Verbindungen, im Interkontinentalverkehr Dubai, New York-JFK, Atlanta, Detroit und Minneapolis-St. Paul.[2]

Aus dem deutschsprachigen Raum wird Amsterdam von allen größeren Flughäfen bedient. Die nachfragestärksten Verbindungen bestehen nach Frankfurt am Main (mit KLM und Lufthansa), München (ebenfalls mit KLM und Lufthansa), Zürich (mit KLM und Swiss) und Wien (mit KLM und Austrian).

Verkehrszahlen[Bearbeiten]

Jahr[3] Passagiere Fracht in t Flugbewegungen
1940 16.000 636 1.649
1950 356.000 10.637 40.876
1960 1.375.000 46.423 89.560
1970 5.172.000 172.323 135.520
1980 9.715.000 318.080 185.836
1990 16.471.000 604.485 246.504
2000 39.270.610 1.222.594 432.483
2001 39.531.123 1.183.208 432.101
2002 40.736.009 1.239.800 417.120
2003 39.960.400 1.306.155 403.800
2004 42.541.180 1.421.023 418.613
2005 44.163.098 1.449.855 420.736
2006 46.066.050 1.526.501 440.153
2007 47.794.994 1.610.282 454.361
2008 47.430.019 1.567.712 446.629
2009 43.570.370 1.286.372 406.975
2010 45.211.749 1.512.256 402.375
2011 49.755.252 1.523.806 437.083
2012 51.035.590 1.483.448 437.904
2013 52.569.200 1.531.089 440.057
2014 54.978.023 1.633.195 452.687

Schiphol Group[Bearbeiten]

Aktionäre der Flughafen-Betreiberin Schiphol Group sind der niederländische Staat mit 69,77 Prozent sowie die Städte Amsterdam und Rotterdam mit 20,03 respektive 2,2 Prozent, sowie Aéroports de Paris mit 8 Prozent.

Die Schiphol Group, die etwa 2200 Mitarbeiter beschäftigt, ist auch Betreiberin der Flughäfen Rotterdam und Lelystad und ist mit 51 Prozent am Flughafen Eindhoven beteiligt. Zudem ist die Tochtergesellschaft Schiphol USA Inc. an der JFK IAT beteiligt (Terminal 4, New York JFK) und die Schiphol Australia Gesellschaft ist an der Brisbane Airport Corporation beteiligt.

Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft besteht seit Dezember 2008 eine Überkreuzbeteiligung mit dem Betreiber des Flughafens Paris-Charles de Gaulle, der neben Schiphol eines der Luftfahrt-Drehkreuze der Air France-KLM-Gruppe bildet.

Schiphol Telematics ist spezialisiert in Telekommunikationsdienstleistungen. Das Unternehmen selbst wurde 1991 als Joint Venture zwischen KLM, KPN und Schiphol Group gegründet und gehört seit 2006 zu 100 % der Schiphol Group. Angeboten werden Internet-, Voice-, LAN-, Wifi- und Carrier-Services.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • 1992 stürzte eine Frachtmaschine des Typs Boeing 747 der staatlichen israelischen Fluggesellschaft El Al kurz nach dem Start in Schiphol ab und schlug in einen Wohnblock in Amsterdam-Bijlmermeer ein, wobei 47 Menschen ums Leben kamen (siehe Hauptartikel El-Al-Flug 1862).
  • Bei einem Brand im Abschiebegefängnis des Flughafens Schiphol kamen in der Nacht zum 27. Oktober 2005 mindestens elf Menschen ums Leben.[4] 15 weitere wurden verletzt. Der Zellenkomplex fasst zurzeit 350 Gefangene, die mehrheitlich Abschiebehäftlinge, mutmaßliche Drogenschmuggler oder Personen sind, denen die Einreise in die Niederlande verweigert wurde. Im betroffenen Gefängnisteil hielten sich 43 Häftlinge und ihre Bewacher auf. Die Feuerwehr hatte das Feuer nach drei Stunden unter Kontrolle. Ein Teil des Gefängnisses wurde übergangsweise evakuiert. Am 7. November 2005 verhaftete die Kriminalpolizei einen der Häftlinge, der in dem völlig ausgebrannten Block inhaftiert war. Er steht unter Verdacht, das Feuer vorsätzlich gelegt zu haben.
  • Am 25. Februar 2009 stürzte eine Boeing 737-800 der Turkish Airlines mit der Flugnummer 1951 beim Landeanflug vor der Landebahn 18R ab. Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission stellte fest, dass ein defekter Funkhöhenmesser der Hauptgrund für den Unfall war.[5] Insgesamt kamen neun Menschen ums Leben, 86 wurden zum Teil schwer verletzt.[6]

Besonderes[Bearbeiten]

Der Flughafen beherbergt eine Außenstelle des Rijksmuseums Amsterdam, die bei freiem Eintritt wechselnde Ausstellungen präsentiert. Der Ausstellungsbereich liegt hinter der Passkontrolle und ist daher nur für Passagiere zugänglich.[7]

Seit Januar 2012 stehen den Reisenden aus China speziell gekennzeichnete chinesischsprachige Mitarbeiter zur Verfügung.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flughafen Schiphol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Flughafen Amsterdam Schiphol – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EasyJet erhält Basis auf Schiphol (ndl.), NOS, 17. Juli 2014, abgerufen 20. August 2014.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSchiphol Amsterdam Airport, Traffic Review 2014. Abgerufen am 3. Juli 2015.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSchiphol Group, Statistics. Abgerufen am 3. Juli 2015.
  4. BBC: Dutch ministers quit over blaze
  5. http://www.onderzoeksraad.nl/nl/search?s=turkish+rapport
  6. Flugzeugabsturz Amsterdam: Black Box nach Bruchlandung ausgewertet, Focus Online, 26. Februar 2009
  7. Angaben zum Museum auf der Seite des Flughafens (englisch), abgerufen am 7. April 2013
  8. Meldung auf xinhuanet.com vom 24. Januar 2012, abgerufen am 24. Januar 2012