Amt Blankenstein

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Das Amt Blankenstein (Landkreis Marburg-Biedenkopf, Hessen) war nahezu identisch mit dem 1237 erstmals genannten Gerichtsbezirk Gladenbach, der wiederum auf einen Hundertschaftsbezirk (Zentgericht) zurückgeht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst seit den 1380er-Jahren wird in Urkunden von einem Amt Blankenstein berichtet. Die Erhebung zum Amt muss in dieser Zeit erfolgt sein, denn als Johannes von Weitershausen 1398 als Verwalter bestellt wurde, nennt die Urkunde ihn bereits Amtmann. Bis in die 1370er-Jahre war der Gerichtsbezirk Gladenbach noch kein Amt. Der Verwaltungsbezirk war dem Obergericht in Marburg unterstellt und wurde von dort mitverwaltet.

Die in Gladenbach von da an eingerichtete Amtsverwaltung, erhielt ihren Namen von der Burg Blankenstein bei Gladenbach. Sie war Sitz des Amtmannes. Der Amts-/Gerichtsbezirk unterteilte sich in „Obergericht“ mit dem Vorort Hartenrod und „Untergericht“ mit dem Vorort Gladenbach. Etwa zeitgleich mit der Teilung des Verwaltungsbezirkes erfolgte auch die Ausgliederung des Kirchspiels Hartenrod (ca. Mitte des 14. Jh., 1367 starb Peter von Buchenau als Pfarrer in Hartenrod), das zuvor zu Gladenbach gehörte.

Nach einem Verzeichnis aller Hausbesitzer im Gericht/Amt Gladenbach, das um das Jahr 1400 erstellt wurde, gehörten nahezu alle Orte dazu, die heute zu den beiden Großgemeinden Bad Endbach und Gladenbach gehören. Im Einzelnen werden genannt: Ammenhausen (b. Gladenbach), Bellnhausen, Bottenhorn, Dernbach (unterstand als Adelssitz derer von Dernbach mit der Burg Neu-Dernbach nicht dem Gericht in Gladenbach), Diedenshausen, Endbach, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen, Gladenbach, Günterod (gehörte von 1354 bis 1443 den Herren v. Dernbach), Hartenrod, Hülshof (gehörte als Klosterhof von 1299 bis 1463 dem Kloster Altenberg bei Wetzlar), Kehlnbach, Krumbach, Mornshausen an der Salzböde, Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Runzhausen, Schlierbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Wommelshausen.

Zusätzlich bestand noch ein Justiz-Unteramt mit dem Grund Breidenbach, das sich in gerichtlichen Dingen an das Oberamt Gladenbach wenden musste. Der Breidenbacher Grund, wie er auch genannt wurde, umfasste die Orte Breidenbach, Achenbach, Breidenstein, Frechenhausen, Gönnern, Kleingladenbach, Lixfeld, Niederdieten, Niederhörlen, Niedereisenhausen, Oberdieten, Oberhörlen, Obereisenhausen, Quotshausen, Roth, Simmersbach, Steinperf, Wallau mit dem Hof Bellinghausen sowie Weifenbach.

Im Jahr 1771 wurde der Grund Breitenbach wie folgt beschrieben:[1]

  • Untergericht (Hessen-Darmstadt 38, von Breidenbach 28, von Breidenstein 18):
    • Das Gericht Melsbach mit Ittein, Klein Gladenbach, Wissenbach, Achenbach, Ober-Dieden, Weisenback, Wallau im Elsbach
    • Das Schmidtgericht mit Breidenbach hinter dem Kirchbof, Wallau unterm Weg, Wolzhausen
    • Das Erbgericht mit Wallau im Heimbach, Breidenbach vor dem Kirchhof, Nieder-Dieden, Quoteshausen, Nieder-Hörle
  • Obergericht:
    • Gericht Lirfeld (Hessen-Darmstadt 516, von Breidenbach 216, von Breidenstein 916) mit Simmersbach, ober-Hörle, Lixfeld, Frechenbausen, Gönnern
    • Gericht Ober-Eisenhausen (Hessen-Darmstadt 38, von Breidenbach 28, von Breidenstein 38) mit Ober- und Nieder-Eisenhausen und Steinperf
    • Gericht Roth (Hessen-Darmstadt 14, von Breidenstein 34) mit dem Dorf Roth

Das Amt wird Landratsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Verwaltungsreform im Großherzogtum Hessen vom 22. Dezember 1820 wurden die Ämter aufgelöst und zu Landratsbezirken zusammengefasst. Die Justiz wurde von der Verwaltung getrennt. Zusammen mit Teilen aus anderen Ämtern und Gerichten wurde das Amt Blankenstein (ohne den Ort Krumbach) in einen Landratsbezirk Gladenbach (insgesamt 48 Orte mit 13.590 Einwohnern) umgewandelt. Die Gerichtsfunktion wurde vom neu eingerichteten Landgericht Gladenbach wahrgenommen. Elf Jahre später ging der Landratsbezirk Gladenbach wiederum im Kreis Biedenkopf (auch: Hinterlandkreis) auf.

Obergericht – Untergericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Gerichtsbezirk Obergericht ist heute deckungsgleich mit der Gemeinde Bad Endbach. Der Verwaltungsbezirk Obergericht bedeutete nicht höheres Gericht, er lag am Oberlauf der Salzböde, daher oben und wurde somit Obergericht genannt. Das Untergericht umfasst das Gebiet der heutigen Stadt Gladenbach.

Ober- und Untergericht entsprachen den ehemaligen Kirchspielen Hartenrod und Gladenbach. Die Grenze verlief entlang der hessischen Inneheege (Mittelhessische Landheegen).

Interessanterweise gibt es zwischen dem Dialekt (Hinterländer Platt) im Untergericht und dem im Obergericht merkliche Unterschiede. Auch die ehemalige Frauentracht (siehe Hinterländer Trachten) zeigte Unterschiede, insbesondere bei der Kopfbedeckung. Im Untergericht trug man die "Schneppekapp", im Obergericht die "Dellmutsche", die auch im ehemaligen Amt Biedenkopf getragen wurde. Gab es hier alte unbekannte Verbindungen?

Amtmänner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Georg Zühl[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Blume, Jürgen Runzheimer: Gladenbach und Schloß Blankenstein. Hitzerroth, Marburg 1987, ISBN 3-925944-15-X.
  • Hans Friebertshäuser: Die Frauentracht des alten Amtes Blankenstein. Elwert, Marburg 1966. (Beiträge zur Volkskunde Hessens, Band 5)
  • Norbert Gebauer: Burg, Gericht und altes Recht: Der Gladenbacher Raum im 13. Jahrhundert. Region und Geschichte, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Hinterländer Geschichtsvereins e.V. Beiträge zur Geschichte des Hinterlandes, Band IX., Biedenkopf 2008, ISBN 978-3-00-024569-5, S. 97–107.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Friedrich Büsching: D. Anton Friderich Büschings neue Erdbeschreibung. Das deutsche Reich. Band 3. J.C. Bohn, 1771, S. 1262 (bei google books).
  2. Zühl, Johann Georg in der Hessischen Biografie

Koordinaten: 50° 46′ 0″ N, 8° 35′ 0″ O