Amt Ratingen-Land

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Das Amt Ratingen-Land war eine mittelgroße Verwaltungseinheit im ehemaligen Kreis Düsseldorf-Mettmann und bestand von 1929/30 bis zum 31. Dezember 1974 (1950 umbenannt in „Amt Angerland“).[1]

Umfang des Amtes[Bearbeiten]

Das Amt Ratingen-Land (preußische Rheinprovinz, Regierungsbezirk Düsseldorf) wurde am 1. August 1929 nach Auflösung des altbergischen Amtes Angermund gegründet. Teile des aufgelösten Amtes wurden nach Duisburg ausgegliedert (Huckingen, Mündelheim, Serm, Ehingen, Rahm, Großenbaum, Wedau, Bissingheim und Buchholz). Es gehörte zum 1929 ebenfalls neu begründeten Landkreis Düsseldorf-Mettmann. Das Amt Ratingen-Land bestand aus den Ortschaften: Lintorf, Angermund, Kalkum, Wittlaer, Bockum (nicht zu verwechseln mit Krefeld-Bockum). Gemäß Beschluss vom 7. März 1930 wurde das Amt Ratingen-Land um die Gemeinden Hösel, Breitscheid und Eggerscheidt erweitert. Laut alliiertem Beschluss wurde der Staat Preußen 1947 aufgelöst, das Amt Ratingen-Land wurde Teil des neuen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Verwaltung[Bearbeiten]

Erster Amtsbürgermeister von Ratingen-Land war der in Bonn geborene Verwaltungsjurist und Zentrumspolitiker Heinrich Hinsen (1885-1956), der am 9. Oktober 1930 in der Gastwirtschaft Reichen in Angermund für die Dauer von zwölf Jahren gewählt und am 31. Oktober 1930 vom Mettmanner Landrat Hans-Joachim Tapolski in seinem Amt bestätigt wurde. Ihm zur Seite waren gewählte, ehrenamtliche Beigeordnete sowie ein überschaubarer Verwaltungsapparat aus Beamten und Angestellten gestellt. Die einzelnen Gemeinden des Amtes wurden von ehrenamtlichen Ortsvorstehern und einem gewählten Gemeinderat geleitet. Die Verwaltung war zuständig für das Polizei-, Pass- und Meldewesen, für Straßen-, Wege und Wasserbau, Medizinal- und Veterinärwesen sowie für die Volksschulen. Nach 1939 zählte der Einsatz von Zwangsarbeitern und der Luftschutz zu den dringlichstenm Aufgaben der Amtsverwaltung, die ihren Sitz in Ratingen, Mülheimer Straße/Ecke Hauser Allee, hatte. Ab 1933 wurden die Befugnisse des Amtes stark beschnitten (1. Januar 1934: Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933; Umbenennung der Stadtgemeinden in Städte. 1. November 1934: Einführung des preußischen Amtsordnung vom 8. Oktober 1934. 1. April 1935: Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935; Umbenennung der Landgemeinden in Gemeinden). Bis zum 1. April 1934 trugen die Bürgermeister der einzelnen Gemeinden die offizielle Amtsbezeichnung „Gemeindevorsteher“, bis Ende März 1935 „Gemeindeschulze“ und seit dem 1. April 1935 „Bürgermeister“. Hinsen, der 1933 in die NSDAP eingetreten war, wurde 1945 von den Alliierten in den frühzeitigen Ruhestand versetzt (Entnazifizierung), obwohl er in dauerhaftem Gegensatz zur Düsseldorfer Gestapo, zur Kreisleitung Niederberg und örtlichen Nationalsozialisten und gleichzeitig in engem Kontakt zu christlichen Regimegegnern stand.

Nachkriegszeit und Auflösung[Bearbeiten]

Das Amt Ratingen-Land wurde 1950 in Amt Angerland umbenannt und nahm seinen provisorischen Verwaltungssitz zunächst in der Gaststätte Holtschneider am Lintorfer Markt, ab 1956 im neu errichteten Lintorfer Rathaus an der Speestraße. Das Amt hatte 1950 eine Bevölkerungszahl von 18.403 Einwohnern, 1962 von 22.550 Einwohnern. Als Amtsbürgermeister amtierten: Hermann Thiele (1945-1956), Heinrich Holtschneider (1956-1960), Johannes Overmans (Amtsdirektor 1960-1974) und Wilhelm Droste (1972-1974, als Amtsbürgermeister). Gemäß Beschluss des Landtages von Nordrhein-Westfalen vom 10. Juli 1974 wurde das Amt Angerland aufgelöst. Am 1. Januar 1975 wurden die Orte Angermund, Wittlaer, Kalkum und Bockum nach Düsseldorf und die Gemeinden Breitscheid, Eggerscheidt, Hösel und Lintorf nach Ratingen (Kreis Mettmann) eingemeindet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtarchiv Düsseldorf, Bestand 0-1-31. Abgerufen am 30. Januar 2010.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Vasen, J.: Das Amt Angerland. In: Die Quecke – Angerländer Heimatblätter. Nr. 26/27, 1956, S. 4 ff..
  •  Wisotzky, Klaus: Die Mittelstadt ist den Bewohnern noch eine richtige Heimat – Zur kommunalen Neuordnung der Jahre 1929/30. In: Die Quecke – Angerländer Heimatblätter. Nr. 63, 1993, S. 93 f..
  •  Hantsche, Irmgard: Atlas zur Geschichte des Niederrheins. 5., überarb. Auflage. Bottrop 2004.
  •  Kreis Mettmann (Hrsg.): Geschichte des Kreises Mettmann. bearb. von Ulrich Rauchenbichler. Mettmann 2001.

Siehe auch[Bearbeiten]