Amt Runkel

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Karte des Amtes Runkel 1828

Das Amt Runkel war ein runkelscher und später nassauischer Verwaltungs- und Gerichtsbezirk. Es bestand seit dem Hochmittelalter und endete 1867.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Runkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herrschaft Runkel entstand mit dem Bau der Burg Runkel. Die Bildung eines Amtes Runkel erfolgte spätestens im 14. Jahrhundert. 1376 erwarben Siegfried und Dietrich von Runkel die Landeshoheit über die Orte Aumenau und Schupach sowie die Dörfer Ennerich, Steeden und Obertiefenbach als diezisches Lehen. Zur Verwaltung des Herrschaftsgebietes wurden Strukturen eines Amtes eingerichtet. 1396 wird der erste Amtmann in Runkel urkundlich erwähnt. Im Rahmen der Erbteilungen des Hauses Runkel wurden später die Ämter Schadeck und Villmar abgetrennt.

Das Amt bestand aus den Gerichten Runkel, Aumenau und Schupach. Das Gebiet des Amtes war zersplittert. Im Aumenauer Zentweistum vom 7. September 1495 und im Schupacher Zentweistum vom 16. September 1495 sind die Grenzen dieser Gerichte erstmals urkundlich beschrieben.

Am 9. Oktober 1596 wurde in einem Vertrag zwischen Graf Wilhelm von Wied-Runkel und dem Trierer Kurfürsten Johann VII. vereinbart, dass die Landeshoheit der Orte Villmar und Arfurt auf Kurtrier übergehen sollte.

Nassau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Beschlüsse in der Rheinbundakte und der Mediatisierung des Fürsten von Wied-Runkel kamen 1806 die Ortschaften rechts der Lahn zum Großherzogtum Berg und die Ortschaften links der Lahn zum Herzogtum Nassau. Nach dem Wiener Kongress (1815) kam das gesamte Gebiet zu Nassau. Unter der nassauischen Verwaltung wurde am 1. Juli 1816 das Amt Runkel um die ehemals trierischen Orten Villmar und Arfurt sowie den leinigen-westerburgischen Ort Schadeck erweitert.

Teilweise bestanden standesherrliche Vorrechte der bisherigen Landesherren fort. Der offizielle Name des Amtes war daher Herzoglich-Nassauisches und Fürstlich-Wied-Runkelisches Amt mit der Gräflich-Leiningen-Westerburgischen Herrschaft Schadeck.

1820 bestand das Amt aus 21 Gemeinde-Bezirken, davon einer Stadt, einem Flecken, 20 Dörfern und 28 Höfen und Mühlen. Im Amt wohnten 2.529 Familien oder 10.159 Einwohner. Davon waren 7.024 evangelisch, 2.693 katholisch, 20 Mennoniten und 422 Juden.

Nach der Märzrevolution 1848 wurde die Verwaltung neu geordnet. Mit Gesetz vom 4. April 1849 wurden in Nassau Verwaltung und Rechtsprechung auf unterer Ebene getrennt. Die Reform trat zum 1. Juli 1849 in Kraft.[1] Für die Verwaltung wurden 10 Kreisämter gebildet, die Ämter als Justizämter (also Gerichte der ersten Instanz) weitergeführt. Die Verwaltungsaufgaben des Amtes Runkel wurden vom Kreisamt Limburg wahrgenommen, die Rechtsprechung vom Justizamt Runkel. Die Reform wurde jedoch bereits am 1. Oktober 1854 wieder rückgängig gemacht, die Kreise wieder abgeschafft und die vorigen Ämter wiederhergestellt.[2]

Preußen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Deutschen Krieg wurde Nassau von Preußen annektiert. Am 22. Februar 1867 wurde der Oberlahnkreis aus den Ämtern Weilburg, Amt Runkel und Hadamar gebildet. Erst im Rahmen dieser Neuordnung werden Verwaltung und Rechtsprechung getrennt. Für die Rechtsprechung in erster Instanz, die bisher durch das Amt vorgenommen wurde, wurde, zunächst die richterlichen Beamte in den Ämtern zuständig und zum 1. September 1867 das Amtsgericht Runkel gebildet.[3]

Aber auch nach der Kreisgründung bleibt die bisherige Amtsstruktur erhalten. Die Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 regelte: „Die Amtsbezirke als engere Verwaltungsbezirke in ihrer bisherigen Begrenzung bestehen“[4] Die ehemaligen Ämter bilden die drei Bezirke des Kreises. Gemäß § 13 der Kreisverfassung entsendeten die Bezirke also die ehemaligen Ämter jeweils sechs Vertreter in den neuen Kreistag. Der Amtmann hatte die Aufsicht über die Ortspolizei und Organ des Landrates.

Mit der Verwaltungsreform von 1885/1886 wurden die Ämter endgültig aufgelöst.[5]

Amtmänner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Dyme von Langenau 1396–1397
  • Arnold Scherre von Waldmannshausen 1420–1424
  • Antonius Schütz von Holzhausen 1467–1489
  • Rulmann Waldbot von Pfaffendorf 1492–1509
  • Heinrich Riedesel 1512–1546
  • Wilhelm von Waldmannshausen 1549
  • Kuno Schütz von Holzhausen 1558–1570
  • Philipp von Schönborn 1573–1587
  • Adam von Stein 1590
  • Georg Zand von Merl 1594–1597
  • Johann Christof Becker 1635–1639
  • Johann Wilhelm von Walrabenstein 1650–1661
  • Georg Friedrich Strobel 1694–1700
  • Karl Ludwig Knisel 1808–1814
  • Johann Ludwig Braun 1814/1816–1819
  • Friedrich Ferdinand von Saint George 1819–1923
  • Philipp Freudenberg 1824–1834
  • Arnold von Sachs 1835
  • Friedrich Heusler 1836–1837
  • Ferdinand Vogler 1838–1848
  • Friedrich Knisel (1848–1849)
  • Cuntz (Justizamtsverwalter) 1849–1851
  • Wilhelm Usener (1851 Justizamtsverwalter) 1851–1854
  • Heinrich Langsdorff (1855–1857)
  • Heinrich Wilhelm Anton Güll (1858–1863)
  • Franz Winter (1864–1866)
  • David Christian Schütz (1867/1868–1872)
  • Albert Heinrich Hermann Wilhelm Stahl (1873–1877)
  • Hans Ernst Albrecht Graf von Carmer (kommissarisch) (1878–1883)
  • Hugo Max Ferdinand von Auer (1885–1886)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Hermann May: Territorialgeschichte des Oberlahnkreises, 1939, Seite 46, 51–65, 125–126, 141–145, 153–157, 166–168
  • Thomas Klein: Band 11: Hessen-Nassau, der Reihe: Walther Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945, 1979, ISBN 3-87969-126-6, S. 176–177

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesetz vom 4. April 1849 (VBl S. 87); Gesetz, die Vollziehung des Gesetzes über die Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung in der unteren Instanz betreffend vom 31. Mai 1849, (VBl S. 409)
  2. Gesetz vom 24. Juli 1854 (Bvl. S. 160)
  3. VO vom 26. Juni 1867, GS S. 1094
  4. Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 Beilage zum Intelligenzblatt für Nassau vom 11. März 1867, § 8 und 9
  5. GS 1885, S. 229