Amtlicher Gemeindeschlüssel

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Der Amtliche Gemeindeschlüssel (AGS), früher auch Amtliche Gemeindekennzahl (GKZ), Gemeindekennziffer oder Gemeindeschlüsselzahl, ist eine Ziffernfolge zur Identifizierung politisch selbständiger Städte, Gemeinden oder gemeindefreier Gebiete in Deutschland.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland dient der Amtliche Gemeindeschlüssel vor allem statistischen Zwecken und wird von den Statistischen Ämtern der einzelnen Bundesländer einheitlich vergeben. Alle Statistiken mit regionalem Bezug verwenden in Deutschland diesen Schlüssel, aber auch die Verwaltung nutzt den AGS, z.B. bei der Suche nach der zuständigen Meldebehörde.

In den alten Bundesländern wurden mit einer Ausnahme die „Gemeindeschlüsselzahlen“ im Laufe des Jahres 1955 eingeführt, zunächst um Fehler im Einwohnermeldewesen bei Gemeinden gleichen oder ähnlichen Namens zu vermeiden. Ein entsprechender Vorschlag wurde Ende 1953 von Schleswig-Holstein unterbreitet, das die Gemeindekennziffern bereits vorher versuchsweise eingeführt und damit gute Erfahrungen gemacht hatte. Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden in Bayern die Gemeindeschlüssel am 1. Juli 1972 völlig neu vergeben.

Die zweistelligen, später wieder geänderten Länderschlüssel bzw. die darauf aufbauenden fünfstelligen Kreisschlüssel wurden spätestens anlässlich der Volkszählung vom 13. September 1950 vergeben.[1]

Der Gemeindeschlüssel ist zum Beispiel beim Wohnungswechsel auf der Abmeldung bzw. Anmeldung anzugeben. Er wird jedoch in der Regel vom jeweiligen Einwohnermeldeamt im Rathaus eingetragen.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amtliche Gemeindeschlüssel (AGS) besteht aus insgesamt acht Schlüsselstellen, die sich wie folgt zusammensetzen:

  • Die ersten beiden Schlüssel bezeichnen das Bundesland (siehe untenstehende Tabelle).
  • Der dritte bis fünfte Schlüssel identifiziert den Landkreis bzw. die kreisfreie Stadt, dem die Gemeinde angehört. Die ersten fünf Stellen werden daher auch als Kreisschlüssel bezeichnet. Dabei zeigt die dritte Schlüsselstelle bei Ländern, in denen Regierungsbezirke bestehen oder in der Vergangenheit bestanden haben, in der Regel den Bezirk an, während sie in anderen Ländern 0 ist. In Baden-Württemberg zeigt die vierte Schlüsselstelle außerdem an, zu welchem Regionalverband die Gemeinde gehört.
  • Die letzten drei Schlüssel schließlich unterscheiden die Gemeinden innerhalb eines Landkreises. Bei kreisfreien Städten stehen an dieser Stelle drei Nullen.

Beispiele:

03 2 54 021 = Hildesheim

  • 03 Niedersachsen
  • 2 ehemaliger Regierungsbezirk Hannover
  • 54 Landkreis Hildesheim
  • 021 Stadt Hildesheim

12 0 64 340 = Neuhardenberg

  • 12 Brandenburg
  • 0 (in Brandenburg gibt es die Verwaltungseinheit Regierungsbezirk nicht)
  • 64 Landkreis Märkisch-Oderland
  • 340 Gemeinde Neuhardenberg

08 1 11 000 = Stuttgart

  • 08 Baden-Württemberg
  • 1 Regierungsbezirk Stuttgart
  • 1 Region Stuttgart
  • 1 Stadtkreis Stuttgart
  • 000 (Stuttgart erhält als Stadtkreis die Gemeindeschlüsselendung 000)

Regionalschlüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerdem gibt es den zwölfstelligen Amtlichen Regionalschlüssel (ARS), der ähnlich aufgebaut ist, in den aber im Vergleich zum AGS vor den letzten drei Ziffern vier Stellen zur Verschlüsselung der Gemeindeverbände eingefügt sind.[2][3] Der AGS ist also in den ARS integriert. Angaben auf der Gemeindeverbandsebene (in der EU: LAU 1-Ebene) werden zunehmend für den innereuropäischen und internationalen Vergleich von Eurostat benötigt und von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder eingefordert. Die Amtliche Statistik in Deutschland strebt langfristig die Ablösung des achtstelligen AGS durch den zwölfstelligen Regionalschlüssel an.

Der Amtliche Regionalschlüssel gliedert sich wie folgt:

1.–2. Stelle   = Kennzahl des Bundeslandes 
3. Stelle      = Kennzahl des Regierungsbezirks; wenn nicht vorhanden: 0 
4.–5. Stelle   = Kennzahl des Landkreises 
6.–9. Stelle   = Verbandsschlüssel
10.–12. Stelle = Gemeindekennzahl 

Die Schlüsselstelle 6 im Verbandsschlüssel (das sogenannte t-Kennzeichen) weist durch die führende Ziffer auf die Art der Gemeinde hin:[4]

0 - verbandsfreie Gemeinde,
5 - verbandsangehörige Gemeinde
9 - gemeindefreies Gebiet.

Bei verbandsfreien Gemeinden wird im Verbandsschlüssel nach der 0 der 3-stellige Gemeindeschlüssel angegeben.

Beispiele des Amtlichen Regionalschlüssels einer Gemeinde:

12 0 64 5410 340 = Neuhardenberg

Der Amtliche Regionalschlüssel für Gemeindeverbände ist neunstellig (gekürzt um die drei letzten Stellen, die die Gemeinde kennzeichnen).

Beispiele des Amtlichen Regionalschlüssels eines Gemeindeverbandes:

12 0 64 5410 = Amt Neuhardenberg

  • 12 Brandenburg
  • 0 (in Brandenburg gibt es die Verwaltungseinheit Regierungsbezirk nicht)
  • 64 Landkreis Märkisch-Oderland
  • 5410 Amt Neuhardenberg

Aus dem Amtlichen Regionalschlüssel kann durch Weglassen der sechsten bis neunten Ziffer jederzeit der Amtliche Gemeindeschlüssel abgelesen werden. Umgekehrt funktioniert das in der Regel nicht, da der Regionalschlüssel zusätzliche Informationen (Zugehörigkeit zu einem Gemeindeverband) enthält, bzw. nur, wenn es sich um eine verbandsfreie Gemeinde handelt (hier durch Einfügen der Ziffernfolge 0000 vor der sechsten Ziffer des Amtlichen Gemeindeschlüssels).

Seit der Regionalschlüsselumstellung am 1. Januar 2009 wird die Ziffernfolge 0000 für verbandsfreie Gemeinden durch 0, gefolgt von einer Wiederholung der Stellen 10 bis 12 (Gemeindeebene) ersetzt.[5][6] Diese neue Verschlüsselung soll die flächendeckende Abgrenzung bzw. Ermittlung der Gemeindeverbandsebene bewerkstelligen. Damit sollen auch in Ländern, die nicht über eine Einteilung in Gemeindeverbände verfügen, verbandsfreie Gemeinden wie Gemeindeverbände behandelt werden.

Länder der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verschlüsselung erfolgt von Norden nach Süden (Nr. 01–09), in chronologischer Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland (Nr. 10–11) und in alphabetischer Reihenfolge (Nr. 12–16).

Die ursprünglich 1950 festgelegten Länderschlüssel waren nach Besatzungszonen geordnet (11 bis 14 Britische Besatzungszone, 15 bis 18 Amerikanische Besatzungszone, 21 bis 24 Französische Besatzungszone).

# Land
01 Schleswig-Holstein
02 Freie und Hansestadt Hamburg
03 Niedersachsen
04 Freie Hansestadt Bremen
05 Nordrhein-Westfalen
06 Hessen
07 Rheinland-Pfalz
08 Baden-Württemberg
09 Freistaat Bayern
10 Saarland
11 Berlin
12 Brandenburg
13 Mecklenburg-Vorpommern
14 Freistaat Sachsen
15 Sachsen-Anhalt
16 Freistaat Thüringen
Die ursprünglichen Länderschlüssel 1950:
# Land (1950)
11 Schleswig-Holstein
12 Freie und Hansestadt Hamburg
13 Niedersachsen
14 Nordrhein-Westfalen
15 Freie Hansestadt Bremen
16 Hessen
17 Württemberg-Baden
18 Freistaat Bayern
21 Rheinland-Pfalz
22 Baden
23 Württemberg-Hohenzollern
24 Lindau
30 West-Berlin

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere Nomenklaturen zur Abgrenzung von Gebieten sind beispielsweise die Postleitzahl aus dem Postleitzahlenverzeichnis der Deutschen Post oder der NUTS-Code (Nomenclature des unités terriotales statistiques gemäß EU Verordnung Nr. 1059/2003), den die europäische Statistik verwendet. Im Marketing werden auch Nielsengebiete verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Maier: Warum Gemeindeschlüsselzahlen? Bayern in Zahlen 06/1956, Seite 166–167
  • E. Krack-Roberg, H. Krajzar: Regionale Abgrenzungen für Deutschland. In: Arbeitsgruppe Regionale Standards (Hrsg.): Regionale Standards (= gesis-Schriftenreihe vom Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaften). Band 12, 2013, S. 67–85 (destatis.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreichischer Gemeindeschlüssel: Aufbau der Gemeindekennziffer (-kennzahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der österreichische Gemeindeschlüssel ist Bestandteil der Kennziffern für die territorialen Gliederungen. Sie wird auch als ÖSTAT-Nr. bezeichnet und setzt sich wie folgt zusammen:

Karte Österreichs mit dem Schlüssel der Bundesländer
Beispiele

3 25 21 = Rappottenstein

  • 3 Niederösterreich
  • 25 Bezirk Zwettl
  • 21 Gemeinde Rappottenstein

9 07 01 = Wien–Neubau

  • 9 Wien
  • 07 Neubau (7. Bezirk)
  • 01 –

Es kommen im amtlichen Wesen beide Benennungen, Gemeindekennziffer und Gemeindekennzahl vor. Nicht zu verwechseln sind diese Kennziffern mit der Katastralgemeindenummer (KGNR)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dänische Bezeichnung für den amtlichen Gemeindeschlüssel lautet „Kommunenummer“.

Dänische Kommunenummern sind dreistellig. Zwischen den dänischen Kommunalreformen von 1970 und von 2007 war es so, dass jedes einzelne Amt eine Kommunenummer hatte, die auf „50“ oder „00“ endete, und die Kommunen im Amt hatten Kommunenummern, die jeweils innerhalb der folgenden 50 Werte lagen. In jedem Amt wurden die Kommunenummern in der alphabetischen Reihenfolge der Kommunennamen vergeben. Nach der letzten Kommunalreform haben mehrere der zusammengelegten Kommunen neue Kommunenummern erhalten. Die Kommunenummer „000“ steht für das gesamte Land.

Beispiel: Københavns Amt hatte die Kommunenummer 150 und die Kommunen im Amt hatten Nummern zwischen 150 und 200. Die Albertslund Kommune hat Kommunenummer 165, da die Kommune früher Herstedernes Kommune hieß und deswegen zwischen Herlev Kommune (163) und Hvidovre Kommune (167) liegt.

Unterhalb der kommunalen Ebene sind Sogne und Byområder mit Schlüsselnummern versehen. Diese sind aufgebaut nach dem Muster <kkk-(n)nnnn>, wobei <kkk> die Kommunenummer darstellt und <(n)nnnn> die – vier- oder fünfstellige – Nummer des Sogn bzw. des Byområde. Erstreckt sich ein Sogn oder ein Byområde über mehrere Kommunen, so hat es auch mehrere Schlüsselnummern, die im <(n)nnnn>-Teil identisch sind. So erstreckt sich die Stadt Helsingør über die Helsingør Kommune (Kommunenummer 217) und einen kleinen Teil der Fredensborg Kommune (Kommunenummer 210). Die Stadt hat daher die Schlüsselnummern 217-10172 und 210-10172. Im gleichen Sinne hat das Grimstrup Sogn, das teils in der Esbjerg Kommune, teils in der Varde Kommune liegt, die Schlüsselnummern 561-8912 und 573-8912.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Systematiken in anderen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13.9.1950 (= Statistik der Bundesrepublik Deutschland, Band 33), S. 6
  2. Harry Krajzar: Gemeindeverzeichnis-Informationssystem (GV-ISys): Neuer Regionalschlüssel und Internetauftritt. In: Methoden – Verfahren – Entwicklungen. Nachrichten aus dem Statistischen Bundesamt, 1/2009, S. 23–24
  3. Dr. Thomas Helmcke: Regionalstatistik auf europäischer und nationaler Ebene. In: Wirtschaft und Statistik, 3/2008, S. 207–216
  4. Datei „Liesmich“ (Memento vom 19. Mai 2011 im Internet Archive)
  5. Gemeindeverzeichnis Deutschland (Link auf Microsoft Excel-Datei) (Memento vom 11. April 2009 im Internet Archive)
  6. Statistisches Bundesamt (Destatis): Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys. Gebietsänderungen ab 1990. Abgerufen am 25. September 2017.