Amtsbezeichnung

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Dieser Artikel behandelt die Amtsbezeichnungen der Beamten und Richter. Zu den Bezeichnungen von Behörden siehe ebenda.
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Die Amtsbezeichnung gibt das statusrechtliche Amt eines Amtsträgers (Beamter oder Richter) in Deutschland an. Bei Soldaten entspricht die Amtsbezeichnung dem Dienstgrad. Im Vorbereitungsdienst, und bis zur Dienstrechtsreform 2009 auch in der laufbahnrechtlichen Probezeit, führen Beamte und Richter anstelle der Amts- eine Dienstbezeichnung.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Amtsbezeichnung wird mit der Anstellung und bei danach folgenden Beförderungen verliehen. Die Grundamtsbezeichnungen sind in der Bundesbesoldungsordnung bzw. in den Landesbesoldungsordnungen festgelegt. Der Beamte ist berechtigt, die Amtsbezeichnung innerhalb und außerhalb des Dienstes zu führen, es sei denn, dass ihm ein Ämterverbot auferlegt wurde. Der Missbrauch von Amtsbezeichnungen ist in Deutschland ein Vergehen gemäß § 132a StGB.

Ruhestandsbeamte und -richter dürfen die Amtsbezeichnung mit dem Zusatz a. D. (außer Dienst) verwenden, es sei denn, sie wurden disziplinarrechtlich entlassen oder ihnen wurde die Führung nach entsprechender Verurteilung in einem Strafverfahren nach Rechtskraft des Urteils kraft Gesetzes aberkannt. Die zuletzt genannte Aberkennung des Beamtenstatus und damit die Führung der Amtsbezeichnung findet auf aktive Beamte gleichermaßen Anwendung.

In den Besoldungsordnungen sind Amtsbezeichnungen festgelegt, die nur in dieser Form benutzt werden dürfen (Sonderamtsbezeichnungen), der übergroße Teil sind jedoch die Grundamtsbezeichnungen, die in der Regel nur mit einem die jeweilige Laufbahn kennzeichnenden Zusatz verwendet werden dürfen.

Weibliche Beamte und Richter führen die Amtsbezeichnung grundsätzlich in der weiblichen Form, sofern das möglich ist.

Die Ausnahme bilden die Bezeichnungen Amtmann/Amtfrau. Eine Zeit lang wurde statt Regierungsamtfrau auch die Bezeichnung Regierungsamtmännin in einigen Bundesländern verwendet. Diese Bezeichnung ist aber weitgehend verschwunden, z. B. konnte in der Bundeszollverwaltung bis 2011 noch immer die Bezeichnung Zollamtmännin alternativ zur Zollamtfrau gewählt werden. Ursprünglich ging die Einführung der Amtsbezeichnung z. B. Justizamtfrau in den 1980er Jahren von einer niedersächsischen Beamtin/Rechtspflegerin aus, die sich ein Jahr lang weigerte, die Beförderungsurkunde entgegenzunehmen, solange sie nicht in der weiblichen Form ausgestellt war.[1]

Amtsbezeichnungen der Beamten (ohne Staatsanwälte)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundamtsbezeichnungen der Beamten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Grundamtsbezeichnungen können Zusätze, die

  1. auf den Dienstherrn oder den Verwaltungsbereich
  2. auf die Laufbahn
  3. auf die Fachrichtung

hinweisen, beigefügt werden. Die Grundamtsbezeichnungen Rat, Oberrat, Direktor und Leitender Direktor dürfen nur in Verbindung mit einem entsprechenden Zusatz verliehen werden. Über die Beifügung der Zusätze zu den Grundamtsbezeichnungen entscheidet für den Bundesbereich der Bundesminister des Innern, in den Ländern ist dies ebenfalls meist der Innenminister oder die Landesregierung als Kollegialorgan.

Grundamtsbezeichnungen (Auswahl) nach Anlage I (zu § 20 Absatz 2 Satz 1) Bundesbesoldungsordnungen A und B sind in der Besoldungsgruppe

  • A 2 Aufseher, Oberamtsgehilfe, Oberbetriebsgehilfe, Schaffner, Wachtmeister
  • A 3 Hauptamtsgehilfe, Hauptbetriebsgehilfe, Oberaufseher, Oberschaffner, Oberwachtmeister
  • A 4 Amtsmeister, Betriebsmeister, Hauptaufseher, Hauptschaffner, Hauptwachtmeister, Oberwart
  • A 5 Betriebsassistent, Erster Hauptwachtmeister, Hauptwart, Oberamtsmeister, Oberbetriebsmeister
  • A 6 Betriebsassistent, Erster Hauptwachtmeister, Hauptwart, Oberamtsmeister, Oberbetriebsmeister, Obertriebwagenführer, Sekretär, Werkmeister
  • A 7 Obersekretär, Oberwerkmeister
  • A 8 Hauptsekretär, Hauptwerkmeister
  • A 9 (mittlerer Dienst) Amtsinspektor, Betriebsinspektor
  • A 9 (gehobener Dienst) Inspektor
  • A 10 Oberinspektor
  • A 11 Amtmann/Amtfrau (ganz selten: „Amtmännin“)
  • A 12 Amtsrat
  • A 13 (gehobener Dienst): Oberamtsrat
  • A 13 (höherer Dienst): Rat, Arzt, Pfarrer
  • A 14 Oberrat, Facharzt, Pfarrer
  • A 15 Direktor, Oberarzt, Dekan
  • A 16 Leitender Direktor, Leitender Oberarzt, Dekan

Siehe auch: Anlage 1 (zu § 9 Absatz 1) Bundeslaufbahnverordnung (BLV)

Zusätze Bundesbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bundesbereich sind die Zusätze nicht abschließend geregelt.

Im unmittelbaren Bundesbereich wird in der Regel der Zusatz Regierungs- für nichttechnische oder Technischer Regierungs- für technische Laufbahnen verwendet (z. B. Regierungssekretär, Technischer Regierungssekretär).

In speziellen Laufbahnen des unmittelbaren Bundesdienstes werden die Zusätze Wissenschaftlicher (nur im höheren Dienst bei forschenden Einrichtungen), Bibliotheks-, Zoll- und Zollschiffs- (beim Zoll), Schiff- (im nautischen Dienst) Post- (Deutsche Post AG und Deutsche Postbank AG), Fernmelde- (Deutsche Bundespost, Deutsche Telekom AG), Bundesbahn- (Bundeseisenbahnvermögen) und Betriebs- (für Laufbahn der Aufseher beim Bundeseisenbahnvermögen) verwendet.

Im mittelbaren Bundesbereich werden die Zusätze Verwaltungs- und Bundesbank- verwendet.

Amtsbezeichnungen und Laufbahnen der Bundesbeamten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsbezeichnung Abkürzung Besoldungsgruppe Laufbahngruppe Ausbildung
Staatssekretär StS B 11 höherer Dienst Master
Ministerialdirektor MD B 9
Ministerialdirigent MinDirig, MDg B 6
Ministerialrat MR B 3
Ministerialrat,
Leitender Regierungsdirektor
MR,
LRD
A 16
Regierungsdirektor RD A 15
Oberregierungsrat ORR A 14
Regierungsrat RR A 13 (Eingangsamt)
Regierungsoberamtsrat ROAR A 13 gehobener Dienst Bachelor
Regierungsamtsrat RAR A 12
Regierungsamtmann RA A 11
Regierungsoberinspektor ROI A 10
Regierungsinspektor RI A 9 (Eingangsamt)
Regierungsamtsinspektor RAI A 9 mittlerer Dienst Berufsausbildung
Regierungshauptsekretär RHS A 8
Regierungsobersekretär ROS A 7
Regierungssekretär RS A 6 (Eingangsamt)
Oberamtsmeister OAM A 5 einfacher Dienst Angelernte
Amtsmeister AM A 4
Hauptamtsgehilfe HAG A 3
Oberamtsgehilfe OAG A 2 (Eingangsamt)

Beispiele:

Zusätze Baden-Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsgrundlage: Verordnung des Finanzministeriums über die Beifügung von Zusätzen zu den Grundamtsbezeichnungen (1988 mit Änderungen)[2]

Beamte im Landesdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundamtsbezeichnung Zusätze

Oberwachtmeister
Hauptwachtmeister
Erster Hauptwachtmeister

Justiz-

Assistent
Sekretär
Obersekretär
Hauptsekretär

Bau-
Bibliotheks-
Eich-
Forst-
Gerichts-
Gesundheits-
Gewerbe-
im Justizvollzugsdienst
Justiz-
Justizbetriebsdienst-
Kartographen-
Landwirtschafts-
Regierungs-
Steuer-
Technischer
Vermessungs-

Inspektor
Oberinspektor
Amtmann
Amtsrat
Oberamtsrat

Archiv-
Bau-
Berg-
Bibliotheks-
Brand-
Eich-
Forst-
Gerichts-
Gewerbe-
im Justizvollzugsdienst
Justiz-
Kartographen-
Landwirtschafts-
Regierungs-
Sozial-
Steuer-
Technischer
Umwelt-
Vermessungs-

Rat
Oberrat
Direktor
Leitender Direktor

Archiv-
Astronomie-
Bau-
Berg-
Bibliotheks-
Biologie-
Brand-
Chemie-
Forst-
Geologie-
Gewerbe-
Kriminal-
Landwirtschafts-
Medizinal-
Pharmazie-
Polizei-
Psychologie-
Regierungs-
Studien-
Technischer
Vermessungs-
Veterinär-

Pfarrer
Dekan

im Justizvollzugsdienst

(* nur bei Inspektor und Oberinspektor)

Bei folgenden Amtsbezeichnungen wird die Zulassung des Zusatzes Regierungs- in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt:

  • Amtsinspektor
  • Amtsrat
  • Oberamtsrat

Beamte bei Gemeinden, Kreisen und sonstigen landesunmittelbaren Anstalten, Körperschaften und Stiftungen des öffentlichen Rechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundamtsbezeichnung Zusätze
Wart

Oberwart
Hauptwart

Betriebs-
Assistent

Sekretär
Obersekretär
Hauptsekretär
Amtsinspektor

Bau-

Bibliotheks-
Forst-
Gemeinde-
Gesundheits-
Gewerbe-
Justiz-
Kartographen-
Landwirtschafts-
Stadt-
Verbands-
Vermessungs-
Verwaltungs-
Technischer

Inspektor

Oberinspektor
Amtmann
Amtsrat
Oberamtsrat

Archiv-

Bank-
Bau-
Bibliotheks-
Brand-
Forst-
Gemeinde-
Gewerbe-
Justiz-
Kartographen-
Kreis-
Landwirtschafts-
Sozial-
Sparkassen-
Stadt-
Technischer
Vermessungs-
Verbands-
Verwaltungs-

Rat

Oberrat
Direktor
Leitender Direktor

Akademischer

Archiv-
Astronomie-
Bank-
Bau-
bei der Landeskreditbank
bei der Sparkasse
Bibliotheks-
Biologie-
Brand-
Chemie-
Forst-
Geologie-
Gewerbe-
Landwirtschafts-
Medizinal-
Pharmazie-
Psychologie-
Rechts-
Sparkassen-
Technischer
Vermessungs-
Verwaltungs-
Veterinär-

Zusätze Saarland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundamtsbezeichnung Zusätze
Aufseher

Oberaufseher

Forst-
Oberwart

Hauptwart

Eich-
Wachtmeister

Oberwachtmeister
Hauptwachtmeister
Erster Hauptwachtmeister

Justiz-
Assistent

Sekretär
Obersekretär
Hauptsekretär
Amtsinspektor

Bibliotheks-

Eich-
Forst-
Gemeinde-
Gesundheits-
Gewerbe-
im Justizvollzugsdienst
Justiz-
Kartographen-
Kreis-
Regierungs-
Stadt-
Stadtverbands-
Steuer-
Universitäts-
Verwaltungs-
Vermessungs-

Assistent

Sekretär

Vollstreckungs-
Inspektor

Oberinspektor
Amtsmann
Amtsrat
Oberamtsrat

Archiv-

Bau-
Bergrevier-
Bergvermessungs-
Bibliotheks-
Brand-
Datenverarbeitungs-
Eich-
Fernmelde-
Forst-
Gartenbau-
Gemeinde-
Gewerbe-
Justiz-
Kartographen-
Kreis-
Obstbau-
Regierungs-
Sozial-
Stadt-
Stadtverbands-
Steuer-
Universitäts-
Vermessungs-
Verwaltungs-

Rat

Oberrat
Direktor
Leitender Direktor

Archiv-

Bau-
Berg-
Bergvermessungs-
Bibliotheks-
Biologie-
Brand-
Chemie-
Eich-
Forst-
Gartenbau-
Geologie-
Gewerbe-
Gewerbemedizinal-
Kriminal-
Landwirtschafts-
Medizinal-
Pharmazie-
Polizei-
Psychologie-
Regierungs-
Universitäts-
Vermessungs-
Verwaltungs-
Veterinär-
Wirtschafts-

Ohne Zusatz werden folgende Amtsbezeichnungen verwendet:

  • Oberamtsgehilfe
  • Hauptamtsgehilfe
  • Amtsmeister
  • Oberamtsmeister
  • Oberbetriebsgehilfe
  • Hauptbetriebsgehilfe
  • Betriebsmeister
  • Oberbetriebsmeister
  • Betriebsassistent
  • Werkmeister
  • Oberwerkmeister
  • Hauptwerkmeister
  • Betriebsinspektor

Rechtsgrundlage: Verordnung über die Festsetzung von Amtsbezeichnungen vom 18. Januar 1977 (Amtsblatt 77,109), zuletzt geändert durch Gesetz Nr. 1327 (4. RBG) vom 26. Januar 1994 (Amtsbl. 94,509).

Amtsbezeichnungen der Richter und Staatsanwälte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Amtsbezeichnungen der Berufsrichter und Staatsanwälte siehe Besoldungsordnung R.

Die Dienstbezeichnung der Richter auf Probe im Richterdienst ist Richter, im Staatsanwaltsdienst Staatsanwalt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine Beamtin ist eine Frau und keine Männin, Hamburger Abendblatt, 22. Mai 1986
  2. Grundamtsbezeichnungs-Verordnung - GrbezVO. In: Landesrecht BW Bürgerservice. Finanzministerium Baden-Württemberg, 28. Januar 1988, abgerufen am 16. Juli 2017.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]