Amtsgericht Biedenkopf

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Hauptgebäude des Amtsgerichts (2015)
Nebengebäude des Amtsgerichts (2011)

Das Amtsgericht Biedenkopf ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit im mittelhessischen Biedenkopf und eines von fünf Amtsgerichten im Bezirk des Landgerichts Marburg. Seinen Sitz hat das Gericht in der Hainstraße 70–72 in Biedenkopf.

Gerichtsbezirk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage des Amtsgerichtsbezirks Biedenkopf in Hessen
Lage des Amtsgerichtsbezirks Biedenkopf in Hessen

Zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Biedenkopf gehören folgende Städte und Gemeinden:
Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Dautphetal, Gladenbach sowie Steffenberg.

Zuständigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Amtsgericht Biedenkopf sind neben fünf Richtern und sechs Rechtspflegern drei Gerichtsvollzieher, sechs Beamte im einfachen und mittleren Dienst sowie 13 Angestellte beschäftigt. Direktor am Amtsgericht Biedenkopf ist seit dem 1. November 2009 der Richter Mirko Schulte. Für Handels- und Vereinsregistersachen, Insolvenzsachen sowie für Strafsachen, die vor dem Schöffengericht verhandelt werden, ist das Amtsgericht Marburg zuständig. Für das gerichtliche Mahnverfahren ist in Hessen ausschließlich das Amtsgericht Hünfeld zuständig.
Das Amtsgericht ist in einzelne Abteilungen untergliedert, welchen wiederum bestimmte Sachgebiete zugeordnet sind. Die Abteilungen setzen sich wie folgt zusammen:
Beratungshilfe, Familienabteilung, Grundbuchamt, Nachlassabteilung, Strafprozessabteilung, Verwaltungsabteilung, Vormundschaftsabteilung, Zivilprozessabteilung, Zwangsversteigerungsabteilung sowie Zwangsvollstreckungsabteilung.[1]

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke (um 1900)

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Biedenkopf“ war daher von 1821 bis 1867 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Biedenkopf. In den standesherrlichen Gebieten der Provinz Oberhessen bestanden weiterhin Justizkanzleien für Gerichtsfälle zweiter Instanz in Büdingen und Hungen, die dem Hofgericht nachgeordnet waren.

Landgericht Biedenkopf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Einführung der Verfassung im Großherzogtum Hessen 1820 erfolgte auch die Trennung von Verwaltungs- und Justizbehörden. Von 1821 bis 1867 gab es in Biedenkopf und Gladenbach jeweils eigenständige Landgerichte (für das Landgericht Gladenbach siehe Amtsgericht Gladenbach). Diese stimmten in ihrer Zuständigkeit von 1821 bis zur Auflösung mit den Landratsbezirken Battenberg und Gladenbach überein und deckten ab 1832 den daraus gebildeten Landkreis Biedenkopf ab. Sitz war in Gladenbach das Gebäude in der Marktstraße 9, in Biedenkopf in der Hainstraße 12.

Amtsgericht Biedenkopf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1867, nach dem Deutschen Krieg, wurden die Königlich-Preußischen Amtsgerichte eingeführt. In beiden Bezirken wurden repräsentative Neubauten errichtet, 1893 in Biedenkopf am jetzigen Standort des Gerichts sowie 1908 in Gladenbach in der Gießener Straße 27. Nach Ende des Krieges wurden die Gerichte 1945 zu Hessischen Amtsgerichten.

Das Amtsgericht Gladenbach wurde 1968 Zweigstelle des Amtsgerichtes Biedenkopf, bevor auch diese 2003 aufgelöst und vollständig in die Räumlichkeiten des Amtsgerichts Biedenkopf eingegliedert wurde.

Instanzenzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übergeordnetes Gericht war zur Zeit des Großherzogtums das Hof- und Appellationsgericht Gießen. Unter preußische Verwaltung war das Gericht ab 1867 zunächst dem Kreisgericht Dillenburg und dem Appellationsgericht Wiesbaden untergeordnet. Mit dem Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze 1877 war das Landgericht Marburg das Gericht zweiter Instanz. 1944 wurde das Gericht kurzzeitig dem Sprengel des Landgerichts Limburg zugeordnet, bevor es am 1. Januar 1949 wieder zum Landgericht Marburg kam.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landgericht Biedenkopf war zunächst in der Hainstraße 12 untergebracht. 1893 zog das Gericht in den Neubau in der Hainstraße 72 um. In der Hainstraße 12 zog zunächst das Katasteramt ein, bevor das Haus 1932 in Privatbesitz überging.

Am 8. August 1891 erwarb die Justizverwaltung das 1508 m² große Grundstück (damals am Stadtrand gelegen) für 6718,50 Mark. Der Neubau wurde zeitnah umgesetzt, so dass das Gericht vom 19.–23. Juli 1893 das neue Gebäude beziehen konnte.

Da der Raumbedarf im Amtsgericht stieg, wurde 1964/65 ein Anbau errichtet. Der Anbau wurde für das Grundbuchamt genutzt. 1977 wurde es durch Übernahme des Nebengebäudes Hainstraße 70 (ehemalige Buderus-Villa) noch einmal erweitert,[2] das ab dem 1. Juli 1977 durch das Amtsgericht genutzt wurde.

Dort sind nun die Familienabteilung und die Bewährungshilfe untergebracht.[3] Beide Gebäude sind als Kulturdenkmal geschützt (Ensembleschutz).[4]

Richter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1867 bestanden zwei Richterstellen am Amtsgericht.

  • 1821–1824: Landrichter Karl Friedrich Klingelhöffer
  • 1824–1836: Landrichter Ernst Philipp Fröhling
  • 1836–1848: Landrichter Karl Ferdinand Schulz
  • 1850–1873: Landrichter (ab 1867: Amtsrichter, ab 1868: Oberamtsrichter) Wilhelm Klingelhöffer
  • 1873–1875: (Ober-)Amtsrichter Dilthey
  • 1875–1879: (Ober-)Amtsrichter Borck
  • 1879–1887: Amtsrichter Wilhelm Winter
  • 1879–1913: Amtsrichter Hugo Hatzfeld (spätere Beförderungen bis zum geheimen Justizrat)
  • 1887–1898: Amtsrichter Colnot (ausgeschieden als Amtsgerichtsrat)
  • 1898–1923: Amtsrichter Karl Fuchs (spätere Beförderungen bis zum geheimen Justizrat)
  • 1913–1945: Amtsrichter Karl Gerstenberg (ausgeschieden als Amtsgerichtsrat)
  • 1926–1943: Amtsrichter Karl Wagener (ausgeschieden als Amtsgerichtsrat)
  • 1941–1945: Arnold Freiherr von Breidenbach
  • 1945–1948: Amtsgerichtsrat Walter Weitze
  • 1947: Amtsgerichtsrat Werner Massengeil
  • 1948–1949: Amtsgerichtsrat Otto von Sethe
  • 1949–1960: Amtsgerichtsrat Ernst Wolff
  • 1952–1974: Beauftragter Richter Helmut Schemel
  • 1961–1962: Amtsgerichtsrat Hans Kumpe
  • 1962–: Amtsgerichtsrat Helmut Forst
  • 1968–: Oberamtsrichter Wilhelm Dörr
  • 1975–: Richter a. Pr. Rainer Hagen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otfried Keller: Die Gerichtsorganisation des Raumes Marburg im 19. und 20. Jahrhundert. Marburg 1982, ISBN 3-9800490-5-1, S. 97–102, 171–172.
  • Georg Schmidt von Rhein: Zur Geschichte der Gerichtsorganisation im Landgerichtsbezirk Limburg. Nassauische Annalen, Bd. 99, 1988, S. 75–87.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amtsgericht Biedenkopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zuständigkeit des Amtsgericht Biedenkopf, 19. Februar 2008
  2. Historie des Amtsgericht Biedenkopf, 19. Februar 2008
  3. ag-biedenkopf.justiz.hessen.de: Amtsgericht Biedenkopf – Geschichte der Gerichtsbarkeit im Hinterland, Zugriff am 19. Februar 2011
  4. Amtsgericht Biedenkopf – Geschichte der Gerichtsbarkeit im Hinterland, auf ag-biedenkopf.justiz.hessen.de

Koordinaten: 50° 54′ 50,1″ N, 8° 31′ 24,69″ O