Amtzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Amtzell
Amtzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Amtzell hervorgehoben
47.7061111111119.7480555555556556Koordinaten: 47° 42′ N, 9° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Höhe: 556 m ü. NHN
Fläche: 30,56 km²
Einwohner: 4020 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 132 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88279
Vorwahl: 07520
Kfz-Kennzeichen: RV
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 006
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Waldburger Straße 4
88279 Amtzell
Webpräsenz: www.amtzell.de
Bürgermeister: Clemens Moll (CDU)
Lage der Gemeinde Amtzell im Landkreis Ravensburg
Bayern Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Sigmaringen Achberg Aichstetten Aitrach Altshausen Amtzell Argenbühl Aulendorf Bad Waldsee Bad Wurzach Baienfurt Baindt Berg (Schussental) Bergatreute Bodnegg Boms Boms Ebenweiler Ebersbach-Musbach Eichstegen Eichstegen Fleischwangen Fronreute Grünkraut Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Horgenzell Hoßkirch Isny im Allgäu Kißlegg Königseggwald Königseggwald Leutkirch im Allgäu Ravensburg Riedhausen Schlier (Gemeinde) Unterwaldhausen Vogt (Gemeinde) Waldburg (Württemberg) Wangen im Allgäu Weingarten (Württemberg) Wilhelmsdorf (Württemberg) Wolfegg Wolpertswende BodenseeKarte
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Amtzell ist eine Gemeinde mit 124 Einzelgehöften und Weilern im württembergischen Allgäu und gilt als „Westliches Tor zum Allgäu“. In einer Beschreibung des Oberamts Wangen aus 1841 wird ausgeführt, dass die Gemeinde (damals noch Pfärrich) „die parzellirteste des ganzen Königreichs“ sei.

Mit der Stadt Wangen im Allgäu und der Gemeinde Achberg besteht eine Verwaltungsgemeinschaft.

Geographie[Bearbeiten]

Amtzell liegt etwa auf halber Strecke zwischen den Städten Ravensburg und Wangen im Allgäu an der Bundesstraße 32. Es liegt in einer typischen Moränenlandschaft des Voralpengebietes. Bei guten Wetterverhältnissen ist das Panorama der Schweizer und Vorarlberger Alpenketten hervorragend sichtbar. In den niedriger gelegenen Teilen des Gemeindegebietes wird auch Hopfen angebaut.

Nachbargemeinden sind Bodnegg, Neukirch, Vogt, Waldburg und die Stadt Wangen im Allgäu.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Innerhalb des Gemeindegebiets sind drei Naturschutzgebiete (Ebersberger Weiher, Herzogenweiher, Krottental-Karbach) sowie zwei Landschaftsschutzgebiete (Karbachtal, Jungmoränenlandschaft zwischen Amtzell und Vogt) ausgewiesen. (Stand: 1. April 2010)

Geschichte[Bearbeiten]

Es wurde noch bis vor kurzem vermutet, dass Amtzell eine Gründung des Klosters St. Gallen sei, worauf der Namensteil -zell (abgeleitet von cella) hindeute. Mundartlich werden die Einwohner häufig Zeller genannt. Lehnsgüter dieses Klosters in Pfärrich, Karbach und Schattbuch untermauerten die These. Der Ortsteil Karbach wurde zum Beispiel in einer Urkunde des Klosters St. Gallen 853 erstmals erwähnt. Neuere Forschungen stellen die sankt-gallische Abkunft in Frage. Erstmals 1275 wurde in einer Urkunde des Bistums Konstanz eine ecclesia in Annencelle erwähnt.

1257 schenkte Heinrich von Ravensburg den Ort dem Kloster Weißenau. 1360 wurden das Gericht und die Vogtrechte erworben. Danach ging er in den Besitz derer von Hartnang über. 1594 herrschten die Humpis von Waltrams, 1670 die Herren von Altmannshausen und ab 1749 die von Reichlin-Meldeggs über den Ort Amtzell. Die Parzellen des jetzigen Gemeindegebietes gehörten vielen Herrschaften, darunter dem Kloster Weingarten, dem Kloster Weißenau, der Deutschordenskommende Altshausen, den Truchsessen von Waldburg und einigen zu Vorderösterreich. 1806 kam Amtzell zum Königreich Württemberg und wurde als eigene Gemeinde dem Oberamt Altdorf zugeordnet, jedoch bereits 1810 wegen Auflösung dieses Oberamtes dem Oberamt Wangen zugeschlagen. 1826 erfolgte die Eingemeindung nach Pfärrich. Die Gemeindeverwaltung zog 1844 in das ehemalige Schloss in Amtzell, was dazu führte, dass sich der Gemeindename ebenfalls zu Amtzell wandelte, was wiederum jahrzehntelange Animositäten nach sich zog. 1938 wurden der Gemeinde mehrere zur damals aufgelösten Gemeinde Eggenreute gehörende Enklaven zugeordnet. Bei der Verwaltungsreform 1973 wurde das Thema der Ex- und Enklaven endgültig behoben. Bis zu seiner Auflösung am 1. Januar 1973 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Wangen.

Der Zweite Weltkrieg forderte viele Opfer unter den eingezogenen Soldaten, jedoch kaum unter Zivilisten. Am 19. Juli 1944 stürzte ein führerloses, vermutlich bei der Bombardierung von Friedrichshafen abgeschossenes Flugzeug der Alliierten auf den Hof Stahrenberg. Vier Personen kamen dabei ums Leben. Beim Vorrücken französischer Soldaten auf Wangen wurde Anfang Mai 1945 in Geiselharz Widerstand geleistet, was die Beschießung und Einäscherung der Siedlung zur Folge hatte.
siehe auch Ruine Pfaffenweiler

Religionen[Bearbeiten]

In Amtzell gibt es ein römisch-katholisches und ein evangelisches Pfarramt.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 brachte bei einer Wahlbeteiligung von 61,4 % (– 3,7) folgendes Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil + / –* Sitze
Unabhängige Liste (UL) 28,9 % + 3,2 4
Bürger für Amtzell und Pfärrich (BAP) 19,4 % 2
Christlich Demokratische Union (CDU) 34,0 % – 3,2 4
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 17,6 % – 0,1 2

* + / – : Differenz zur Kommunalwahl 2004; in der Landesstatistik werden die Wählergruppen zusammengefasst.

Schultheißen und Bürgermeister[Bearbeiten]

In der Gemeinde Pfärrich (bis 1844) und danach Amtzell amtierten folgende Bürgermeister (bis 1933 „Schultheißen“):

  • 1568–1599: Hans Huetter (aus Winkelmühle)
  • 1600–1601: Jerg Merlin (aus Ruzenweiler)
  • 1616–1632: Martin Weyhe (aus Ibele)
  • 1637–1652: Jakob Stüblin (aus Pfärrich)
  • 1652–1671: Gregorius Möhrlin (aus Pfärrich)
  • 1671–1687: Ludwig Phillipp Scherrich (aus Pfärrich)
  • 1687–1688: Georg Heinrich Mauch (aus Pfärrich)
  • 1688–1689: Michael Schedler (aus Hankelmann)
  • 1708–1735: Johann Jakob Schedler (aus Unterhelbler)
  • 1735–1752: Franz Anton Unold (aus Karbach)
  • 1752–1755: Peter Jocham (aus Bremen)
  • 1755–1767: Franz Anton Unold (aus Karbach)
  • 1767–1779: Johann Michael Renauer (aus Schnabelau)
  • 1779–1809: Johann Cornelius Unold (aus Karbach)
  • 1809–1811: Franz Xaver König (aus Pfärrich)
  • 1811–1837: Dominicus Pfleghar (aus Kugel)
  • 1837–1840: Michael Wucher (aus Oberhelbler)
  • 1840–1844: Josef Wucher (aus Büchel)
  • 1844–1860: ?? Mayr (aus Toblach/Tirol)
  • 1860–1876: Konrad Amann (aus Schnabelau)
  • 1876–1889: Josef Baptist König (aus Pfärricherhöf)
  • 1889–1913: Gallus Riedesser (aus Neuravensburg)
  • 1914–1933: Ludwig Steimle (aus Pfullingen)
  • 1933–1946: Julius Karle (aus Buchau)
  • 1946–1948: Josef Duller (aus Geiselharz)
  • 1948–1966: Gebhard Stilz (aus Amtzell)
  • 1966–1986: Walther Schmid (aus Leutkirch)
  • 1986–2010: Paul Locherer (aus Burgrieden)
  • seit 2010: Clemens Moll (aus Bad Saulgau)

Wappen[Bearbeiten]

Das seit 1938 bestehende Wappen zeigt einen Bären als Symbol für die (heute eher umstrittene) frühere Zugehörigkeit zum Kloster St. Gallen, die Montfortfahne erinnert an die Herrschaft der Grafen von Montfort, die über Jahrhunderte mit ihren Residenzen in Tettnang, Bregenz und Feldkirch starken Einfluss ausübten.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

718 km bis Amtzell. Hinweisschild in Cosne d’Allier

Amtzell unterhält seit 1971 eine Gemeindepartnerschaften mit der französischen Gemeinde Cosne-d’Allier in der Auvergne. Darüber hinaus besteht seit 1993 eine Freundschaft mit Eichstetten am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg. Weitere freundschaftliche Beziehungen pflegt die Gemeinde mit Oberlichtenau, Ortsteil der Stadt Pulsnitz in Sachsen und mit der Marktgemeinde Kammern im Liesingtal, Steiermark (Österreich).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Johannes Evangelist & Mauritius
Die Wallfahrtskirche Mariä Geburt im Ortsteil Pfärrich
Horizontalsonnenuhr im Gemeindezentrum

Amtzell liegt an der Mühlenstraße Oberschwaben, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die bereits für das Jahr 1250 urkundlich belegte Pfarrkirche St. Johannes Evangelist & Mauritius ist eine spätmittelalterliche Basilika, die im Jahre 1758 barockisiert wurde. 1972/73 wurde die Kirche renoviert.

Östlich von Amtzell gelegen findet sich in Pfärrich die um das Jahr 1350 als Kapelle gegründete, 1386 zur Wallfahrtskirche geweihte Pfarrkirche Mariä Geburt. Sie ist ein frühes Beispiel für den barocken Wandpfeilerbau nach Vorarlberger Muster.

Vereine und Brauchtum[Bearbeiten]

Älteste Vereine sind die 1764 gegründete Musikkapelle Amtzell, die 1774 erstmals erwähnten Justinigrenadiere, die heutzutage als Bürgerwehr Amtzell auftreten und zusammen mit dem 1924 gegründeten Spielmannszug an der Kirchweih, der Fronleichnamsprozession sowie zusammen mit der 1911 gegründeten Blutreitergruppe Amtzell am Weingartener Blutritt teilnehmen.

1996 gründete sich zur Pflege des Brauchtums die Narrenzunft Amtzeller Ramseweible e.V. diese wurde 2006 in den Alemannischen Narrenring (ANR) aufgenommen. Außerdem gibt es seit 1993 den noch bis heute bestehenden Narrenverein Schlossgoischter e.V.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Narrensprung am „Bromigen Freitag“ (Freitag vor Fasnetssonntag)
Seit den 1960er Jahren wurde in Amtzell der "Narrensprung" veranstaltet, damals wurde er von den "Muckenspritzern" durchgeführt. Seit 1997 veranstaltet die Narrenzunft Amtzeller Ramseweible e.V. den Umzug mit durchschnittlich 55 Gruppen von Hästrägern und Musikkapellen aus der Umgebung sowie aus Vorarlberg und der Schweiz.
  • Ostermarkt am Samstag vor Palmsonntag
  • Justinifest am Pfingstmontag
  • Mauritiusfest am 3. Wochenende im September
  • Weihnachtsmarkt am Samstag vor dem 1. Adventssonntag

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ort Amtzell liegt an der Bundesstraße 32, die aber 1998 aus dem Ortskern in eine Umgehungsstraße verlagert wurde. Über Buslinien ist die Gemeinde u.a. mit Ravensburg und Wangen im Allgäu verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an. Zugang zum Autobahnnetz besteht über die A 96, die von München nach Lindau führt (Abfahrt Wangen-West). Von Amtzell nach Wangen gibt es einen Fahrradweg entlang der B 32.

Bildung[Bearbeiten]

Mit dem Ländlichen Schulzentrum Amtzell gibt es im Ort eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1954: Alfons Stübe, ehemaliger Ortspfarrer von Amtzell

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Frisch: Gemeinde Amtzell einst und jetzt. Selbstverlag, Amtzell-Buchreute 1974.
  • Georg Müller: Pfärrich. Geschichte einer Wallfahrtskirche. Arbeitskreis für die Geschichte der Gemeinde Amtzell, Amtzell 1991.
  • Georg Müller: Amtzell. Schloss und Ritterschaft. Arbeitskreis für die Geschichte der Gemeinde Amtzell, Amtzell 1994.
  • Walther Schmid (Hrsg.): Amtzell. Bilder aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb 1986, ISBN 3-924932-90-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amtzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)