Amurleopard

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Amurleopard
Amurleopard

Amurleopard

Systematik
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
Gattung: Eigentliche Großkatzen (Panthera)
Art: Leopard (Panthera pardus)
Unterart: Amurleopard
Wissenschaftlicher Name
Panthera pardus orientalis
(Schlegel, 1857)

Der Amurleopard (Panthera pardus orientalis) ist eine Unterart des Leoparden, die ehemals im Nordosten Chinas, dem nördlichen Korea und im Südwesten der russischen Region Primorje heimisch war. Seit 1996 wird der Amurleopard auf der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) geführt; im Jahr 2007 gab es in freier Wildbahn nur noch 14–20 erwachsene und 5–6 Jungtiere. Außerhalb Russlands war die Art ausgestorben.[1] Durch Bemühungen von Tierschützern und nach der Ausweisung großer Schutzgebiete in Russland hat sich der Bestand des Amurleoparden inzwischen etwas erholt; zu Beginn des Jahres 2015 wurden in Russland bei einer großflächigen Zählung wieder 57 wildlebende Exemplare nachgewiesen. Hinzu kommen etwa 12 bis 15 Tiere, die über Russland wieder nach China gelangt sind. Damit hat sich der Bestand des Amurleoparden in der Wildbahn seit 2007 mehr als verdoppelt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amurleoparden unterscheiden sich von anderen Unterarten durch ein dichtes Fell, das kräftig und einheitlich gezeichnet ist. Leoparden vom Flussbecken des Amur, den Bergen im Nordosten der Volksrepublik China und der koreanischen Halbinsel haben besonders im Winter blasse cremefarbene Felle. Die Rosetten auf den Flanken sind 5 × 5 cm groß, bis zu 2,5 cm weit auseinander und bestehen aus dichten, geschlossenen Ringen, die in der Mitte dunkler sind.[2]

Ihr Fell ist weich und besteht aus langem, dichtem Haar. Die Haare auf dem Rücken sind im Sommer 20–25 mm und im Winter 50 mm lang. Das Winterfell variiert von hellgelb bis gelblich-rot mit goldfarbener Tönung oder rostfarben bis rötlichgelb. Das Sommerfell ist leuchtender und intensiver gezeichnet. Im Körperbau sind sie recht klein. Sechs männliche Tiere waren 107–136 cm lang mit einem 82–90 cm langen Schwanz und einer Schulterhöhe von 64–78 cm. Sie wogen 32,2–48 kg. Weibliche Tiere wogen 25–42,5 kg.[3]

Verbreitungsgebiet und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühere Verbreitungsgebiet ist zusammengeschrumpft auf den roten Bereich
Amurleopard im Pittsburgh Zoo

Amurleoparden waren ehemals im Nordosten Chinas und auf der koreanischen Halbinsel, wahrscheinlich bis nach Peking beheimatet. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war ihr Verbreitungsgebiet in Russland auf den äußersten Süden der Ussuri-Region beschränkt und erstreckte sich ab 44°N von der Küste des Japanischen Meeres nach Süden bis 43°10’N entlang der Küste, von dort in westlicher Richtung bis zum Norden des Suchan-Flussbeckens, umfasste die Quelle des Ussuri und zwei der rechten Nebenflüsse in dessen Oberlauf. Von dort erstreckte sich das Verbreitungsgebiet bis zum Chankasee. In den 1950ern sind Leoparden 50 km nördlich von Wladiwostok und im Kedrowaja-Pad-Naturreservat beobachtet worden. Sie halten sich vorwiegend in den Bergen auf und in Gebieten, in denen wilde Sikahirsche leben oder wo landwirtschaftliche Wildhaltung praktiziert wird. Im Winter bleiben sie in schneefreien felsigen Südhängen.[3] In den 1970ern wurde die russische Population in drei unabhängige, kleine Unterpopulationen zersplittert.

Bis zum Jahr 2000 sank die Zahl der weltweit lebenden Amurleoparden weiter, besonders ausgeprägt war der Rückgang in China. Viele Populationen waren so stark geschrumpft, dass es zu Inzucht und Degenerationserscheinungen kam. In China und auf der koreanischen Halbinsel gelten Amurleoparden seit 2007 als ausgestorben.[1] Laut der letzten Zählung aus dem Jahr 1998 lebten weniger als zehn Tiere in der Provinz Jilin und möglicherweise einige wenige in der Provinz Heilongjiang. Die Individuen waren so weit zerstreut, dass Partnersuche und Fortpflanzung nur noch schwer möglich waren.

Seit der Jahrtausendwende befindet sich die weltweit letzte, überlebensfähige und wilde Population der Art im Südwesten der russischen Region Primorje in einem Gebiet von etwa 3000 km2 entlang der Grenze zwischen China und Nordkorea.[4] Laut WWF wurden in Russland inzwischen 70 % dieses Lebensraums als Nationalpark ausgewiesen, innerhalb von 15 Jahren verdoppelte sich die Zahl der dort lebenden Leoparden auf heute rund 60 Tiere.[5] Auf Initiative von Tierschutzorganisationen hat die russische Regierung seit 2013 mehrere Programme ins Leben gerufen, die die Leoparden-Population dort weiter stabilisieren sollen, unter anderem durch Auswilderung von in Zoos geborenen Tieren und eine Vergrößerung der geschützten Zonen. Laut WWF zeigen die Bemühungen erste Erfolge und ihre Zahl steigt langsam weiter an. Inzwischen überquerten einige Leoparden die russisch-chinesische Grenze, sodass die Art nun auch wieder in China heimisch ist.

Inzwischen geht man heute wieder von etwa 70 wildlebenden Amurleoparden aus, davon knapp 60 in Russland und 10 bis 12 in China.[6] Im Jahr 2011 lebten darüber hinaus 173 Amurleoparden in Zoos auf der ganzen Welt.[7]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amurleopard im Zoo Frankfurt

Das Revier von Amurleoparden liegt in der Regel in einem Flussbett und erstreckt sich bis an die natürlichen topografischen Grenzen des Gebietes. Das Revier zweier Individuen überlagert sich manchmal, aber nur geringfügig. Abhängig von Geschlecht, Alter und Größe der Familie variiert das Revier eines Individuums von 5000–30000 ha. Benachbarte Individuen benutzen über Jahre hinweg die gleichen Wildfährten, Migrationsstrecken und sogar Plätze, an denen sie sich ausruhen.[8]

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Amurleoparden in freier Wildbahn ist unbekannt. In Zoos wurden einzelne Exemplare über 21 Jahre alt; in der Wildbahn ist dieser Wert vermutlich um einiges niedriger. Amurleoparden sind nach zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Nach der Geburt bleiben Jungtiere zwischen eineinhalb und zwei Jahren bei der Mutter. Erwachsene Tiere leben und jagen alleine. Ausnahmen bilden nur die Paarungszeiten und, im Falle von Weibchen, die Aufzucht der Jungen.

Zu den Beutetieren des Amurleoparden zählen unter anderem das Sibirische Moschustier, Wildschweine, Elche oder Sibirische Rehe. In selteneren Fällen, beispielsweise bei Nahrungsknappheit, frisst der Amurleopard auch kleinere Tiere wie Hasen oder sogar Mäuse. Gejagt wird vor allem in den frühen Morgenstunden. Ein natürlicher Fressfeind und Konkurrent beim Kampf um Beute war früher vor allem der Sibirische Tiger, dessen Bestand heute aber ebenfalls stark zurückgegangen ist.

Bedrohungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da viele der Tiere bereits untereinander verwandt sind, sind Paarungen zwischen Geschwistern bzw. Nachkommen und Elternteilen eher die Regel als die Ausnahme geworden. Diese Inzucht kann im Extremfall zu Missbildungen bis hin zur Unfruchtbarkeit der Nachkommen führen.

Bis in die 90er-Jahre war auch die Bedrohung durch Wilderer eine Gefahr für den Fortbestand der Art.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zoologischen Gärten leben heute etwa 170 Amurleoparden, die auf neun Gründertiere zurückgehen. Allerdings ist die genaue Unterartzugehörigkeit eines der Gründermännchen nicht gesichert.

Die ALTA („Amur Leopard and Tiger Alliance“) ist eine Initiative russischer und westlicher Naturschutzorganisationen, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Bestand der freilebenden Amur-Leoparden und Amur-Tiger langfristig zu schützen. Dafür hat sich die Initiative das Ziel gesetzt, in Russisch-Fernost und im angrenzenden Nordosten Chinas wieder einen Bestand von etwa 100 Amur-Leoparden zu erreichen. Dazu ist geplant, eine zweite Population von etwa 60 Tieren an einer anderen Stelle des ehemaligen Verbreitungsgebietes aufzubauen.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • O. Uphyrkina, D. Miquelle et al.: Conservation Genetics of the Far Eastern Leopard (Panthera pardus orientalis). In: The Journal of Heredity. 93. (5), 2002, S. 303–311. online

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jackson, P., Nowell, K. 2008. Panthera pardus ssp. orientalis. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.2.
  2. Pocock, R. J. (1930). The panthers and ounces of Asia. Journal of the Bombay Natural History Society, 34: 64–82, 307–336.
  3. a b Geptner, V.G., Sludskii, A. A. (1972). Mlekopitaiuščie Sovetskogo Soiuza. Vysšaia Škola, Moskva. (In Russian; English translation: Heptner, V. G., Sludskii, A. A., Komarov, A., Komorov, N. (1992). Bars (Leopard). Seiten 203–273 in: Mammals of the Soviet Union. Volume II, Part 2: Carnivora (Hyaenas and Cats). Smithsonian Institute and the National Science Foundation, Washington DC).
  4. a b Michiel Hötte: Amur Leopard and Tiger Conservation in a social and economic context. Zoological Society of London, Tigris Foundation, Amur Leopard and Tiger Alliance (ALTA) 2003. Abgerufen am 4. Januar 2014.
  5. https://www.wwf.ru/resources/news/article/eng/13476
  6. http://www.wwf.de/2015/februar/mehr-amur-leoparden-in-russland/
  7. Panthera pardus orientalis auf isis.org
  8. Pikunov, D. G., Aramilev, V. V., Fomenko, V. V., Miquelle, D. V., Abramov, V. K., Korkishko, V. G., Nikolaev, I. G. (2000). Endangered species: The decline of the Amur leopard in the Russian Far East. Russian Conservation News 24 (PDF; 4,6 MB): 19−21.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]