Analytik

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Unter Analytik (vom griech. ἀναλύειν analyein ‚auflösen‘) versteht man die Durchführung einer systematischen Untersuchung eines Sachverhaltes oder eines Gegenstandes, indem dieser Gegenstand „aufgelöst“ erscheint in alle seine ihn bestimmenden Faktoren oder Komponenten. Der Untersuchungsprozess als solches ist die Analyse.

  • In der Mathematik stellt die analytische Geometrie eine „Auflösung“ geometrischer Gebilde wie Punkte, Gerade und Kurve in algebraische Beziehungen (Zahlenverhältnisse) dar. Sie erfolgt mit Hilfe eines Koordinatensystems. Gesucht wird dabei nach einer mathematischen Formel, mittels derer die verschiedenen voneinander abhängigen Zahlenwerte errechnet werden können. Solche Formelzusammenhänge ermöglichen eine konstruktive Darstellung geometrischer oder allgemeiner gesagt graphischer Gebilde und werden daher auch analytische Zuordnungen genannt. Analytik ist die Lehre von solchen formelhaften Schlüssen und Beweisen.[1]
  • In der Philosophie ist Analytik bei Aristoteles die Kunst der Begriffszergliederung, die Logik (analytike [techne]). Die transzendentale Analytik trägt nach Kant „die Elemente der reinen Verstandeserkenntnisse u. die Prinzipien vor, ohne welche überall kein Gegenstand gedacht werden kann“. (KrV B 87) Solche „allgemeine Elemente der reinen Verstandeserkenntnisse“ sind nach Kant die Kategorien (metaphysische Deduktion). (KrV B 95, 106, 159) Analytik ist ein Mittel der Beurteilung, kein Instrument zur Hervorbringung inhaltlicher Erkenntnis (Erläuterungsurteil). (KrV B 95 f.) Was die Prinzipien betrifft, so unterscheidet Kant zwischen empirischem und reinem Gebrauch von Begriffen. Der letztere erweist sich als unabhängig von aller Erfahrung und macht Erfahrungen erst möglich. Er wird von Kant als apriorisch bezeichnet. Kant bedient sich des Vergleichs mit juristischer Terminologie und bezeichnet den prinzipiellen Anspruch auf Erkenntnis als Frage quid juris (erkenntniskritische Deduktion), denjenigen, der die empirisch-konkreten Tatsachen betrifft als Frage quid facti. (KrV B 116 f.) - Analytische Philosophie ist eine in Fortsetzung des Neupositivismus in England entwickelte moderne Strömung der Philosophie, die vor allem in den USA und in einzelnen osteuropäischen Ländern Verbreitung gefunden hat.[2]
  • In der Psychologie wurden analytische Verfahren von der Elementenpsychologie verfolgt. Die Psychoanalyse und die Analytische Psychologie haben ähnliche Zielsetzungen verfolgt, indem sie einen Strukturzusammenhang bei seelischen Vorgängen annahmen. Den „Strukturalisten“ standen die „Funktionalisten“ gegenüber. Während die Strukturalisten einen analytischen Standpunkt einnahmen, verfolgten die Funktionalisten eine synthetische Betrachtungsweise.[3]
  • In der Chemie ist die Analytik ein Teilbereich, der sich um die Untersuchungstechniken zur Zusammensetzung von Stoffen kümmert (Analytische Chemie).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Knerr: Lexikon der Mathematik. Lexikographisches Institut München, 1984; zu Stw. „analytische Geometrie, analytische Zuordnung“: S. 24, 123, 133.
  2. Heinrich Schmidt: Philosophisches Wörterbuch (= Kröners Taschenausgabe. 13). 21. Auflage, neu bearbeitet von Georgi Schischkoff. Alfred Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-01321-5; S. 22 zu Lemmata „Analytik“ und „Analytische Philosophie“.
  3. Philip G. Zimbardo, Richard J. Gerrig: Psychologie. Pearson, Hallbergmoos bei München 2008, ISBN 978-3-8273-7275-8; S. 9 f. zu Stw. „Strukturalismus und Funktionalismus“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Analytik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen