Anandamayi Ma

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Sri Anandamayi Ma

Sri Anandamayi Ma (Bengalisch: আনন্দময়ী মা, Ānandamaẏī Mā; * 30. April 1896; † 27. August 1982) zählt zu den bekanntesten hinduistischen Frauengestalten Indiens des 20. Jahrhunderts. Sie war eine prominente charismatische Führerin in der kolonialen und post-kolonialen indischen Gesellschaft, in welcher – insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - weibliche Meisterinnen (guru) sozio-religiös wenig anerkannt waren[1]. Tausende wandten sich an sie, um Rat und Inspiration zu empfangen, darunter auch Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben wie Indira Gandhi[2]. Ihr weitreichender Einfluss auf die indische Gesellschaft zeigt sich bis heute an der Verehrung ihrer Grabstätte (samādhī) – eine Verehrung, die gewöhnlich männlichen Meistern vorbehalten ist[3].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ma wurde als Nirmala Sundari am 30. April 1896 in Kheora, Bengalen, geboren. Ihre Eltern waren Bipinbihari Bhattacharya und Mokshada Sundari Devi. Ihr Vater war ein bekannter Sänger und Anhänger des Gottes Vishnu.[4] Mit zwölf Jahren wurde sie verheiratet und zog 1914 im Alter von 18 Jahren mit ihrem Ehemann Bholanath zusammen. Er wurde 1922 ihr Schüler und starb 1938 als Sannyasin.[5]

Ma bereiste über 50 Jahre lang den indischen Subkontinent. Ihre Anhänger errichteten 28 Ashrams in Indien, Europa und den Vereinigten Staaten (Hawaii).[6] Sie gründeten die Shree Shree Anandamayee Sangha in Varanasi. Ma lehrte die Einheit aller Religionen und wurde von Moslems, Christen, Parsen, Sikhs, Jains, Hindus und Buddhisten verehrt.

Yogananda schrieb über sie in seiner Autobiographie eines Yogi. Sie soll ihm erklärt haben: "Mein Bewusstsein hat sich nie mit meinem Körper identifiziert. Ich war dieselbe, bevor ich auf diese Erde kam. Als kleines Mädchen war ich dieselbe. Als junge Frau war ich dieselbe. Als ich heiratete, war ich dieselbe. Jetzt vor dir bin ich immer noch dieselbe. Und nach meinem Tod werde ich dieselbe in der Halle der Ewigkeit sein."[7]

Am 27. August 1982 starb Ma im Kishenpur-Ashram in Nord-Indien (Dehradun). Ihr Körper wird im Mahasamadhi-Tempel in Haridwar am Ufer des Ganges in Nord-Indien aufbewahrt.[8]

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1917 begann sie ihr sechsjähriges Sadhana. Zuerst sprach sie den Namen des Gottes Vishnu "Hari" als Mantra, weil ihre Eltern Vishnuiten waren. Ihr Mann aber war ein Anhänger des Yogagottes Shiva, worauf sie zum Mantra "Shiva" überging. Sie tanzte zu den Mantras und verweilte anschließend in einer ruhigen Meditation. Nach einigen Monaten begann sie dann mit den Körperstellungen des Yoga, die ihr angeblich spontan einfielen, ohne dass sie sie je gelernt hätte. [9]

Ihre Körperstellungen (Asanas) übte sie aus dem Gefühl heraus. Sie praktizierte einen Weg des kreativen und intuitiven Hatha Yoga. Auch ihre geistigen Übungen machte sie kreativ und intuitiv. Sie übte jeweils die positiven Eigenschaften und die Vorbilder, die sie in dem jeweiligen Moment gerade brauchte. Nacheinander flossen die verschiedensten Gottheiten durch ihren Geist. Sie visualisierte ihre Formen, identifizierte sich mit ihnen, dachte ihre Namen als Mantra und versuchte dadurch die "Kundalini-Energie" in sich zu aktivieren. [10]

Der Legende nach soll Ma, nachdem sie ihren Körper und ihren Geist mit „spiritueller Energie aufgeladen hatte“, ab 1922 drei Jahre in der „großen Ruhe“ (Raja Yoga) geweilt haben. Sie soll dabei kaum gesprochen haben (Mauna), wenig gehandelt haben und überwiegend einfach nur dagesessen haben. Sie soll keine Übungen mehr gebraucht haben. Die „erwachte Kundalini-Energie“ soll von alleine ihren Körper, ihren Geist und ihre Seele gereinigt haben.[11]

Anandamayi Ma war eine Meisterin des Hatha-Yoga und entwickelte den „kreativen Yoga“.[12] Der kreative Yoga besteht aus Körperübungen (Hatha Yoga), geistigen Übungen (Bhakti-Yoga), Meditation (Raja Yoga) und dem Weg der umfassenden Liebe (Karma-Yoga). Der kreative Yoga hat Parallelen zum Yoga der Synthese von Swami Sivananda, der sie kannte und sehr verehrte.[13]

Weiter geht die Legende 1922: Ihr Mann soll ihr erklärt haben, dass es ohne die Einweihung durch einen Guru keinen tieferen Fortschritt auf dem spirituellen Weg gibt. Daraufhin soll sie ihr Zimmer feierlich geschmückt und Räucherstäbchen angezündet haben und sich anschließend selbst geweiht haben. Dabei soll sie sich mit ihrem „inneren Guru“ verbunden haben. Ein Mantra soll spontan in ihrem Geist aufgetaucht sein. Sie soll dann dazugehörige Mandala (Meditationsbild) auf den Boden gezeichnet haben und in der Folgezeit mit diesem Mantra meditiert haben.[14] Zum Abschluss ihres Sadhanas soll sie einen Zustand „großen inneren Glücks“ erreicht haben, der ihrem Namen „Glückselige Mutter“ entsprach. Sie soll danach den Wunsch gehabt haben, „Mögen alle Wesen diese unbeschreibliche Freude erfahren“.[15] Sie wollte ihre Erleuchtung mit der ganzen Welt teilen und wirkte deshalb den Rest ihres Lebens als spirituelle Meisterin in Indien.

Ma hielt keine Vorträge, antwortete aber auf Fragen. Ihre Ratschläge richteten sich meist individuell an den jeweiligen Fragesteller. Sie lehrte sowohl ein Leben der Entsagung als Yogi (Asket) als auch das spirituelle Leben in einer Familie. Sie empfahl aber jedem ohne Ausnahme, eine bestimmte Zeit täglich zu meditieren. Der Kern ihrer Lehre lautete: „Die höchste Berufung eines Menschen besteht darin, nach Selbstverwirklichung zu streben. Alle anderen Verpflichtungen sind zweitrangig.“ [16] Allen Menschen, die konsequent jeden Tag 15 Minuten spirituell üben, versprach sie ihren Segen. [17] Ihre Hobbys waren: Geschichten erzählen, singen, tanzen und lachen: "Wann immer ihr die Gelegenheit habt, lacht so viel ihr könnt.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anandamayi Ma: Worte der Glückseligen Mutter. Mangalam Verlag S. Schang, Rastede 1994, ISBN 3-922477-84-4.
  • Aymard, Orianne: "Ānandamayī Mā", in: Brill`s Encyclopedia of Hinduism, Brill Online 2016.
  • Bhaiji: Anandamayi Ma. Wie sie sich mir offenbarte. Mangalam Verlag S. Schang, Urach Vöhrenbach 1986, ISBN 3-922477-90-9.
  • Bithika Mukerji: Matri Lila. Shri Anandamayi Ma. Ihr Leben - Ihre Lehre. Mangalam Verlag S. Schang, Lautersheim 1999, ISBN 3-922477-05-4.
  • Hallstrom, Lisa Lassaell: Mother of Bliss-Ānandamayī Mā (1896-1982). Oxford, 1999.
  • S. Schang: Matri Darshan. Ein Photo-Album über Shri Anandamayi Ma. Mangalam Verlag S. Schang, Rastede 1983, ISBN 3-922477-87-9.
  • Swami Sivananda: Sadhana. Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit. Mangalam Verlag S. Schang, Lautersheim 1998, ISBN 3-922477-07-0.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Aymard, Orianne: "Anandamayī Mā.", in: Brill’s Encyclopedia of Hinduism, Brill Online 2016
  2. vgl. Hallstrom, Lisa Lasall: Mother of Bliss - Anandamayī Mā (1896-‐1982). Oxford, 1999; S. vii
  3. vgl Aymard, Orianne: "Anandamayī Mā.", in: Brill’s Encyclopedia of Hinduism, Brill Online 2016.
  4. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 21 ff.
  5. Bhaiji, Seite 173.
  6. Bhaiji, Seite 174 f.
  7. Anandamyai Ma: Worte der Glückseligen Mutter. Seite 9.
  8. Bhaiji, Seite 175.
  9. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 61 ff.
  10. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 61 ff.
  11. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 61 ff. Bhaiji, Seite 173 f. S. Chang: Matri Darshan.
  12. Anandamyai Ma: Worte der Glückseligen Mutter. Seite 90.
  13. Swami Sivananda: Sadhana. Seite 138 f.
  14. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 65 f.
  15. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 76.
  16. Yoga-Vidya: Anandamayi Ma Bhaiji, Seite 172. S. Schang: Matri Darshan.
  17. S. Schang: Matri Darshan. Bithika Mukerji: Matri Lila. Seite 324 ff.
  18. S. Schang: Matri Darshan.