Anastasia (Buchreihe)

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Anastasia (russisch Звенящие кедры России, Swenjaschtschije kedry Rossii, deutsch Die klingenden Zedern Russlands, nach dem Titel des zweiten Bandes) ist eine Romanreihe des russischen Autors Wladimir Megre (* 1950 als Wladimir Pusakow) mit esoterisch-spirituellem Hintergrund. Bisher erschienen zwischen 1996 und 2010 in Russisch zehn Bände, die deutschen Übersetzungen aller zehn Bände erschienen zwischen 1999 und 2011.

Inhalt[Bearbeiten]

Die Titelfigur Anastasia wird in den Romanen als eine allein in der sibirischen Taiga auf einer Waldlichtung lebende Frau beschrieben. Sie ist als Vertreterin der alten Kultur der „Wedrussen“ dargestellt, die es bereits in der Alten Rus gegeben hätte und die auch heute als hochentwickelte, aber „nicht technokratische“ Kultur abgesondert von der restlichen Welt weiter bestehe. Der Autor beschreibt in der ersten Person, wie er auf einer Reise in die Taiga Anastasia kennenlernte und wie sie sein Leben verändert habe: Von ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten zeigt er sich immer wieder aufs Neue verblüfft. Die Bücher wollen direkte Hilfestellungen für den Alltag bieten. So postuliert Megre durch seine Figur Anastasia, die er als real existierende Person darstellt, seine Schlüsselidee, dass jede Familie auf einem Landsitz von etwa einem Hektar Fläche „in Harmonie mit der Natur“ leben und durch diesen versorgt sein solle. Weiten Raum nimmt auch die Erörterung der Weltreligionen, der globalen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung sowie der Geschichte ein, wobei Megre teils verschwörungstheoretische und geschichtsrevisionistische Konzepte vertritt (etwa der „Neuen Chronologie“).

Siedlungsform[Bearbeiten]

Für den Familienlandsitz in der Größe von einem Hektar gibt es in der Buchreihe klare Empfehlungen:

Als Umfriedung dient ein lebender Zaun, eine Hecke (Band 4, Seite 171). Auch ein Ringwall ist geeignet (Band 10, Seite 170). Die Hälfte bis drei Viertel des Hektars soll Wald sein. Als Tierarten werden Bienen, Hühner und Ziegen genannt. Zwischen dem Wald und der Freifläche soll eine weitere Hecke angelegt sein um den Gemüsegarten vor den Tieren zu schützen. Im Gemüsegarten soll ein seichter Teich in der Größe von zwei Ar angelegt sein (Band 4, Seite 177). Auf dem Landsitz sollen mehr als 300 bekömmliche Pflanzenarten wachsen (Band 7, Seite 72). Besonders erwähnt werden: Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Gurken, Tomaten, Erdbeeren, Äpfel, Süß- oder Sauerkirschen und Blumen. Es sollten wenigstens eine Sonnenblume sowie zwei Quadratmeter Getreide (Roggen und Weizen) und zwei Quadratmeter Gräser und Kräuter vorhanden sein (Band 1, Seite 86). Große Bedeutung wird einem gepflanzten Familienbaum beigemessen (Band 4, Seite 188). Die Siedlungsfläche soll wenigstens 150 Hektar umfassen (Band 5, Seite 108).

Unabhängig von der Buchserie gibt es in Sankt Petersburg eine Bewegung, die eine ähnliche Siedlungsform mit niedrigen Häusern und einzelnen Gartenparzellen anstrebt.[1]

Der Siedlungswasserwirtschaftler Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl hielt an der TUHH bei einem TEDx Event einen Vortrag über „neue Dörfer“, der in vielen Punkten der Siedlungsvision der Anastasia Buchreihe ähnelt.[2]

Politische Aktivitäten und Kritik[Bearbeiten]

In Russland, der Ukraine, Weißrussland und Deutschland entstand eine Bewegung, deren Anhänger versuchen, gemäß den Ideen Anastasias zu leben, vorwiegend durch Schaffung von Familienlandsitzen. Diese Bewegung ist auch politisch aktiv und hat sich in einer Reihe lokaler oder regionaler Organisationen konstituiert, die locker zusammenarbeiten. Während sich einige Politiker zu einzelnen Aspekten positiv äußerten, wie etwa der russische Präsident Medwedew (Die Idee der Familienlandsitze ist absolut positiv[3]), wird die Bewegung im Ganzen von Historikern und Religionswissenschaftlern sowie Vertretern der Russisch-Orthodoxen Kirche als totalitäre, destruktive Sekte[4] oder neuheidnische Bewegung, die sich unter dem Deckmantel ökologischer Lösungen an ihren Anhängern betrügerisch bereichern will[5], kritisiert. Gegen solche Vorwürfe wird jedoch darauf hingewiesen, dass man ohne juristische Feststellung der Betrugsvorwürfe von nichts Anderem als einer gewöhnlichen synkretistischen New-Age-Bewegung sprechen könne. Der Autor Wladimir Megre wies die Sektenvorwürfe mit einer Kurzgeschichte zurück, in der sich einzelne Menschen und Familien jeweils als eigene „Ich-Sekte“ bezeichnen.[6]

Bisherige Titel[Bearbeiten]

Hinweis zur Nummerierung: Gemäß dem Autor soll Band 9 im Lauf der Zeit aus Texten von Lesern und Bewohnern von Familienlandsitzen zusammengestellt werden. Dazu gibt es eine Textstelle im Band 6 auf Seite 60: Aber dein neuntes Buch wirst du nicht schreiben, Papa. Es wird von vielen Menschen, Erwachsenen und Kindern, geschaffen werden. Es wird ein lebendiges Buch sein. Es wird aus vielen herrlichen Kapiteln – paradiesischen Familienlandsitzen – bestehen. Die Menschen werden dieses Buch auf der Erde mit den lustigen Buchstaben ihres Vaters schreiben. Es wird ein ewiges Buch sein. (Wolodja, angeblicher Sohn von Wladimir Megre und Anastasia)

Nach Angaben auf der Webseite des Autors beträgt die Gesamtauflage der Bücher, die in 20 Sprachen übersetzt wurden, bisher 11 Millionen (Stand 2010). Die deutschen Übersetzungen erscheinen im Govinda- und Silberschnur-Verlag.

Im Jahr 2014 erschien im Govinda Verlag ein Schlagwortregister für die Buchreihe:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lowriseplanet - Planet niedriger Häuser englisch, russisch und deutsch, 2012
  2. Ralf Otterpohl Neue Dörfer, TEDx-Vortrag an der TUHH (englisch mit deutschen Untertiteln, 2013)
  3. Online-Interview mit Dmitri Medwedew (russisch, 2008)
  4. Abschlussdokument der Konferenz Totalitäre Sekten – Bedrohung des 21. Jahrhunderts, Nischni Nowgorod 2001 (russisch)
  5. Alexander Jarkow: Das barfüßige Mädel Nastja in Nesawissimaja Gaseta, 2. Juli 2008 (russisch)
  6. Wladmir Megre: Die ICH-SEKTE, russischer Originaltext von www.anastasia.ru, 2003 (Übersetzung von: Heidt), auch veröffentlicht in der Zeitschrift Taiga 1/2004, Verlag Silberschnur