Anatomisches Theater der Tierarzneischule

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Das Anatomische Theater 2011, Seitenansicht

Das Anatomische Theater der Tierarzneischule (offizielle Bezeichnung: Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität zu Berlin) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude auf dem Gelände der früheren Königlichen Tierarzneischule bzw. Tierärztlichen Hochschule östlich der Luisenstraße im historischen Berliner Stadtquartier der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Es ist das älteste noch erhaltene akademische Lehrgebäude Berlins. Nach einer umfangreichen Sanierung wird es seit 2012 durch das Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik als Ausstellungsraum und für Veranstaltungen genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht 1909
Anatomisches Theater der Tierarzneischule – etwa 1800
Innenansicht 2012

Auf Anregung von Friedrich dem Großen erstellte 1768 dessen oberster Militärarzt Christian Andreas Cothenius das Konzept einer Tierarzneischule („Gedanken und Vorschläge zu einer aufzurichtenden Vieh-Artzeney-Schule oder Ecole veterinaire“), das jedoch zunächst aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden konnte.[1]

König Friedrich Wilhelm II. verfügt 1787, in Berlin eine solche Anstalt einzurichten, weil „der Schaden, der aus Mangel an guten Ross- und Viehärzten entstanden, für das Land und die Cavallerie von allertraurigsten Folgen“ sei.[2] Das frühklassizistische Gebäude für die neu gegründete Einrichtung wurde 1789/90 von Carl Gotthard Langhans in Anlehnung an Palladios Rotonda erbaut. Dabei verwendete er für den Kuppelbau erstmals eine später von David Gilly publizierte Bohlenbinderkonstruktion. Durch die glasgedeckte Öffnung der Kuppel drang ausreichend Tageslicht. Der Maler Christian Bernhard Rode schmückte die Wände zwischen den Fenstern an der Kuppelbasis mit Darstellungen von Landleuten und Tieren in Grisaille-Malerei. Der Seziertisch mit dem Tierkadaver konnte durch eine Bodenöffnung nach oben transportiert werden. Am 1. Juli 1790 begann der Lehrbetrieb.

Die Tierarzneischule wurde 1839–1840 unter ihrem Direktor Johann Christoph Albers mit einem ebenfalls noch erhaltenen spätklassizistischen dreigeschossigen Gebäude erweitert. 1934 wurde die spätere Tierärztliche Hochschule als Veterinärmedizinische Fakultät der Berliner Universität angegliedert und das Gebäude bis in die 1990er Jahre für Vorlesungen und andere Veranstaltungen genutzt.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 begann unter der Leitung von Müller Reimann Architekten am Anatomischen Theater mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Hermann Reemtsma Stiftung die Restaurierung der historischen Fassaden. Die Bohlenbinderkuppel wurde 2007 für die Auszeichnung als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland nominiert. Am 15. Oktober 2012 wurde das Tieranatomische Theater nach siebenjähriger Bauzeit feierlich wiedereröffnet.[3]

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Labor für forschende Ausstellungspraxis bietet das Tieranatomische Theater heute Raum für Ausstellungen im Dialog von Wissenschaft und Gestaltung. Das Ziel ist die Schaffung und praktische Erprobung von Schnittstellen zwischen der universitären Museologie und Wissenschaftsforschung, den Museen sowie der experimentellen Ausstellungspraxis. Im Zentrum des Profils stehen zeitgenössische Themenausstellungen, installative und performative Projekte, die neues Wissen über ihre Gegenstände vermitteln und Ausstellungen zugleich als Wissensanordnungen reflektieren.

Träger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tieranatomische Theater wird seit 2012 vom Hermann von Helmholtz-Zentrum (HZK), einem Zentralinstitut der Humboldt-Universität zu Berlin betrieben. Geschäftsführender Direktor ist seit 2012 Wolfgang Schäffner. Am HZK werden systematisch die Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlichen oder kulturellen Umbrüchen und technischen Neuerungen erforscht. Disziplinäres Wissen über materielle Objekte wird dort mit interdisziplinären Strategien zu historischen, aktuellen und zukünftigen Problemstellungen vernetzt. Die verschiedenen Abteilungen und Infrastrukturen des HZK bündeln Aktivitäten der Forschung zu materieller Kultur und zu Sammlungen. Dazu gehören der Sammlungsbeauftragte des Präsidiums der Humboldt-Universität zu Berlin (Jochen Hennig) und die Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen (Leitung Cornelia Weber, Geschäftsführerin HZK) und der Kurator des Tieranatomischen Theaters (Felix Sattler). Das HZK ist strukturell und inhaltlich unmittelbar mit dem Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ (Sprecher Wolfgang Schäffner und Horst Bredekamp) an der Humboldt-Universität verbunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens-Oliver Kempf: Die Königliche Tierarzneischule in Berlin von Carl Gotthard Langhans. Eine baugeschichtliche Gebäudemonographie. Gebr. Mann, Berlin 2008, ISBN 978-3-7861-2576-1, (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin Beiheft 23), (Zugleich: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2005).
  • E. P. Riesenfeld: Das alte Anatomiegebäude der Königlichen Tierärztlichen Hochschule in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 61 (1911), Sp. 537–550, Tafel 63. Digitalisat im Bestand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Campus um 1841
 Commons: Anatomisches Theater der Tierarzneischule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 31′ 30″ N, 13° 22′ 53″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Fritz Brumme und Eberhard Üecker, Tiermedizin in Berlin: Ein historischer Abriß, aus: VetMed-Hefte, 1993, Sonderdruck, S. 25ff.
  2. Richard Schneider (Hg.): Berlin um 1900. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004. ISBN 3-89479-164-0, S. 168.
  3. Die Schädelstätte des sezierenden Geistes in FAZ vom 17. Oktober 2012, Seite N5