Anaximenes von Lampsakos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Anaximenes von Lampsakos war ein antiker griechischer Rhetor und Geschichtsschreiber. Er lebte in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr.

Anaximenes, Sohn des Aristokles, war ein Schüler des Kynikers Diogenes von Sinope. Er soll ein Gegner des Theopompos von Chios gewesen sein. Wahrscheinlich nahm er am Feldzug Alexanders des Großen gegen das Perserreich teil. Er soll Alexander davon abgebracht haben, Lampsakos wegen angeblicher Perserfreundlichkeit zu zerstören.[1]

Anaximenes verfasste unter anderem Anklagereden und fingierte Reden als Lehrmittel. Er galt als hervorragender Redner, doch wurde schon in der Antike ein Mangel an Tiefgründigkeit kritisiert.[2] Wahrscheinlich war Anaximenes der Autor großer Teile der vermutlich im 1. Jahrhundert v. Chr. zusammengestellten Lehrschrift über die Rhetorik (Rhetorica ad Alexandrum), die lange Zeit Aristoteles zugeschrieben wurde.

Anaximenes verfasste auch mehrere historische Werke: eine griechische Geschichte (Hellenika) in 12 Büchern, die bis 362 v. Chr. reichte, eine Geschichte über Alexanders Vater Philipp II. (Philippika) in mindestens 8 Büchern sowie ein Werk über Alexander. Von den Geschichtswerken sind nur wenige Fragmente erhalten.[3] Die Anzahl der Bücher der Alexandergeschichte ist nicht verlässlich überliefert; das Werk dürfte nach Felix Jacoby umfangreich gewesen sein.[4] Anaximenes scheint Alexander in einem sehr positiven Licht dargestellt zu haben.

Die Alexandergeschichte hat nach Ansicht mancher Forscher keinen größeren Einfluss ausgeübt.[5] Sicherlich waren aber die Geschichtswerke des Anaximenes durchaus recht bekannt, denn in Alexandria wurde er in den Kanon der zehn berühmtesten griechischen Historiker aufgenommen.[6]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Fuhrmann: Anaximenis Ars rhetorica quae vulgo fertur Aristotelis Ad Alexandrum. Teubner, Leipzig 1966. 2. Auflage Saur, München 2000, ISBN 3-598-71983-3 (grundlegende Textausgabe)
  • Mary Frances Williams: Anaximenes of Lampsakos (72). In: Brill’s New Jacoby (mit englischer Übersetzung, Kommentar und umfassenden Literaturangaben).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Brzoska: Anaximenes 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 2086–2098 (veraltet).
  • Lionel Pearson: The Lost Histories of Alexander the Great (= Philological Monographs No. 20) American Philological Association, New York 1960, S. 243–245.
  • Manfred Fuhrmann: Untersuchungen zur Textgeschichte der pseudo-aristotelischen Alexander-Rhetorik (der "technē" des Anaximenes von Lampsakos). Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 1965
  • Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1990, ISBN 3-17-010264-8, S. 93f.
  • Waldemar Heckel: Who's Who in the Age of Alexander the Great. Prosopography of Alexander's Empire. Blackwell, Oxford u. a. 2006, ISBN 1-4051-1210-7, S. 27.
  • Carlo Scardino: Historiographie. In: Bernhard Zimmermann, Antonios Rengakos (Hrsg.): Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Bd. 2. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-61818-5, S. 617–677, hier: 635 f. (siehe auch S. 756–761 Evangelos Alexiou zur Rhetorica ad Alexandrum)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unzutreffend ist die Angabe der Suda (Alpha 1989), Anaximenes sei ein Lehrer Alexanders gewesen. Siehe dazu Heckel (2006), S. 27.
  2. Brzoska (1894), Sp. 2097–2098.
  3. Die Fragmente der griechischen Historiker, Nr. 72.
  4. Felix Jacoby: Die Alexandergeschichte des Anaximenes. In: Hermes 58 (1923), S. 457f.
  5. Meister (1990), S. 94.
  6. Brzoska (1894), Sp. 2096.