Andamanen und Nikobaren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Andamanen und Nikobaren
Status: Unionsterritorium
Hauptstadt: Port Blair
Fläche: 8.249 km²
Einwohner: 379.944 (2011)
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km²
Amtssprache: Hindi, Englisch
Gouverneur: A. K. Singh
Website: www.and.nic.in
ISO-Code: IN-AN
Nordteil von Arunachal Pradesh: de-facto Indien - von China beansprucht Teilgebiete von Uttarakhand: de-facto Indien - von China beansprucht de-facto China - von Indien beansprucht de-facto China - von Indien beansprucht de-facto Pakistan - von Indien beansprucht de-facto Pakistan - von Indien beansprucht Siachen-Gletscher (umkämpft zwischen Pakistan und Indien) Jammu und Kashmir: de-facto Indien - von Pakistan beansprucht Malediven Sri Lanka Indonesien Afghanistan Nepal Bhutan Bangladesch Pakistan China Myanmar Thailand Tadschikistan Delhi Goa Dadra und Nagar Haveli Tamil Nadu Kerala Andhra Pradesh Arunachal Pradesh Assam Bihar Chhattisgarh Gujarat Haryana Himachal Pradesh Jammu und Kashmir Jharkhand Karnataka Madhya Pradesh Maharashtra Manipur Meghalaya Mizoram Nagaland Orissa Punjab Rajasthan Sikkim Tripura Uttarakhand Uttar Pradesh Westbengalen Andamanen und Nikobaren LakshadweepKarte
Über dieses Bild
Karte der Andamanen und Nikobaren mit Details von Port Blair

Die Andamanen und Nikobaren (Hindi: अंडमान और निकोबार द्वीप समूह; englisch: Andaman and Nicobar Islands) sind ein indisches Unionsterritorium, 1.255 km südöstlich von Kolkata und 1.190 km östlich von Chennai.

Sie erstrecken sich von 6°45' bis 13°41' Nord, ungefähr entlang des 93. östlichen Längengrades westlich der thailändischen Küste und nordwestlich von Sumatra. Die am 10. Breitengrad verlaufende Zehn-Grad-Straße (engl.: Ten Degree Channel) trennt die nördlichen Andamanen von den südlichen Nikobaren. In der Hauptstadt Port Blair lebt etwa ein Viertel der etwa 356.152 Einwohner (Stand 2001).

Das Andamanische Meer mit dem Nord-Preparis-Kanal trennt das Territorium vom östlich gelegenen Myanmar. Zum Staatsvogel wurde die Andamanische Holztaube (Macropygia rufipennis) gewählt, das Staatstier ist der Dugong, der einheimische Padauk-Baum repräsentiert die Flora.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Territorium beider Inselgruppen ist seit prähistorischer Zeit besiedelt. Im späten 17. Jahrhundert wurden Teile der Andamanen von den Marathen annektiert. Europäisch kolonisiert wurden die Andamanen ab 1789 durch die Britische Ostindien-Kompanie. Auf die Inselgruppe der Nikobaren erhob Dänemark seit 1756 Anspruch. Parallel dazu war sie zwischen 1778 und 1784 österreichische Kolonie. 1869 wurde sie Teil von Britisch-Indien.

Vor der Unabhängigkeit Indiens dienten die Andamanen und Nikobaren aufgrund ihrer Abgeschiedenheit als Sträflingskolonien für Mitglieder der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Das in dieser Zeit in Port Blair erbaute Cellular Jail, eines der ersten Gefängnisse mit Einzelzellen, hält heute im Range eines Nationaldenkmals die Erinnerung an diesen Umstand wach. Das Gebäude mit seinen ehemals sieben radial angeordneten Zellentrakten diente später jedoch auch dem Strafvollzug an unpolitischen Delinquenten.

Die japanische Besetzung im Zweiten Weltkrieg verweist auf die militärstrategische Bedeutung der Inselkette. Indien trägt dem heute mit nicht geringer Präsenz von Marine, Luftwaffe und Armee (u. a. ein Gurkharegiment) Rechnung. Der regierende Repräsentant der Zentralregierung, der Vizegouverneur (Lieutenant Governor), ist in der Regel ein hochrangiger Militärangehöriger.

Am 26. Dezember 2004 wurden durch ein Erdbeben im Indischen Ozean (9,0 auf der Richterskala) und die dabei entstehenden Tsunamiwellen auf den Andamanen und Nikobaren verheerende Schäden angerichtet und tausende Bewohner getötet. Die Anzahl der Inseln hat sich dadurch verändert.

Geografie[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Port Blair

Es herrscht tropisches Klima vor, die Wassertemperatur beträgt ganzjährig etwa 24 °C, die der Luft schwankt zwischen 18 °C und 34 °C. Ein leichter Wind macht die hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 66 bis 85 %) erträglich. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge, bedingt durch den Monsun in Port Blair beträgt 3.180 mm an rund 150 Regentagen.

Ein Großteil der 572 Inseln mit insgesamt 8.249 km² (Andamanen 6.408 km², Nikobaren 1.841 km²) ist mit Regenwald bestockt. Die höchste Erhebung ist Saddle Peak auf North Andaman mit 730 m Höhe, sowie der Mount Thullier auf Groß Nikobar (642 m). Die größten Inseln sind Middle Andaman Island (1.536 km²), North Andaman Island (1.245 km²), South Andaman Island (1.210 km²) und Groß Nikobar (1.045 km²), das kleinste Ross Island mit 0,8 km². Die Inselkette stellt Gipfel eines untermeerischen Gebirgszuges dar, der Teil der alpiden Orogenese von den Pyrenäen bis nach Indonesien ist. Der Ursprung des stark gefalteten Sedimentgesteins reicht bis in die Kreidezeit zurück. Daneben gibt es einige Korallenatolle und zwei Inseln verdanken ihre Entstehung vulkanischen Ereignissen.

Strenge Fischerei- und Jagdvorschriften schützen die außergewöhnliche Artenvielfalt der Meeresfauna. Beachtenswert sind auch die Mangrovenvorkommen auf den Inseln. 27 der weltweit 60 Spezies wurden hier festgestellt und beschrieben.

Städte[Bearbeiten]

Städte (Stand: Volkszählung 2001)

Stadt Einwohner
Port Blair 100.186
Garacharma 9.431
Bombuflat 6.790

Bevölkerung[Bearbeiten]

Demografie[Bearbeiten]

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat das Unionsterritorium Andamanen und Nikobaren 379,944 Einwohner. Davon leben fast neunzig Prozent auf den Andamanen und gut zehn Prozent auf den Nikobaren. Nur 36 Inseln sind bewohnt, ein Drittel der Bevölkerung konzentriert sich allein auf die Hauptstadt Port Blair. Die Bevölkerungsdichte gehört mit 46 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den niedrigsten der indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien. 35,7 Prozent der Einwohner der Andamanen und Nikobaren leben in Städten.[1]

Ethnografie[Bearbeiten]

Die Urbevölkerung der Andamanen bilden die sprachlich, genetisch und kulturell miteinander verwandten Völker der Großandamaner, Jarawa, Onge und Sentinelesen. Sie sind dunkelhäutig und kraushaarig (sogenannte Negritos) und leben als Jäger und Sammler. Die Kontakte zu der Mehrheitsbevölkerung sind unterschiedlich stark ausgeprägt; die Sentinelesen leben gar in völliger Isolation und lehnen jeden Kontakt zur Außenwelt ab. Die Ureinwohner der Nikobaren, die Nikobaresen und Shompen, sind im Gegensatz zu den Andamanern von mongolider Erscheinung.

Seit 1981 hat sich die Einwohnerzahl hauptsächlich durch Immigration vom indischen Festland mehr als verdoppelt. So stellt die nicht-indigene Bevölkerung mittlerweile die große Mehrheit der Bevölkerung; Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes) machen laut der Volkszählung von 2001 nur noch 8,3 % der Einwohner des Unionsterritoriums aus. Während die andamanische Urbevölkerung vom Aussterben bedroht ist und nur noch wenige hundert Menschen zählt, stellen die Ureinwohner auf den Nikobaren noch fast zwei Drittel der Bevölkerung.

Sprachen[Bearbeiten]

Sprachen auf den Andamanen und Nikobaren[2]
Sprache Sprachfamilie Anteil
Bengali Indoarisch 26,0 %
Hindi Indoarisch 18,4 %
Tamil Dravidisch 17,8 %
Telugu Dravidisch 12,9 %
Malayalam Dravidisch 8,2 %
Nikobaresisch Austroasiatisch 8,0 %

Von den Sprachen der Urbevölkerung gehören die nikobaresischen Sprachen, die von den etwa 27.000 Nikobaresen gesprochen werden, zur Sprachfamilie der austroasiatischen Sprachen. Im Gegensatz zu früheren Erkenntnissen gehört auch die Sprache der Shompen zu den nikobaresischen Sprachen, ist also nicht isoliert. Die andamanischen Sprachen, die nur noch von wenigen hundert Ureinwohnern der Andamanen gesprochen werden, bilden eine eigene kleine Sprachfamilie, die nach heutigem Kenntnisstand zu keiner größeren Sprachfamilie gehört. (Siehe aber Indopazifische Sprachen.)

Als Ergebnis der Zuwanderung werden auf den Andamanen und Nikobaren heute mehrheitlich unterschiedliche Sprachen des indischen Festlandes gesprochen. Die meistverbreiteten Sprachen sind nach der Volkszählung 2001 Bengali (26,0 %), Hindi (18,4 %), Tamil (17,8 %), Telugu (12,9 %) und Malayalam (8,2 %). Nikobaresische Sprachen werden von 8,0 % der Bevölkerung gesprochen. Als Amtssprachen dienen Englisch und Hindi.

Religionen[Bearbeiten]

Unter den Einwohnern der Andamanen und Nikobaren stellen Hindus nach der Volkszählung 2001 mit 69,2 % die Mehrheit. Daneben gibt es eine größere Zahl von Christen (21,7 %) sowie eine kleinere muslimische Minderheit (8,2 %).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Neben der Förderung von Diamanten, Nickel, Gold, Selen und Sulfat ist vor allem der Export von tropischem Nutzholz als Wirtschaftsfaktor zu nennen. Mit der Chatham Sawmill befindet sich eines der größten Sägewerke Südasiens in der Nähe der Inselhauptstadt. Einzigartig dürften die Arbeitselefanten sein, die schwimmend ihre Einsatzorte auf den benachbarten Inseln erreichen.

Trotz des Anbaus von Reis, Kaffee, Bananen und Kokospalmen sowie Viehzucht ist der Archipel auf zusätzliche Versorgung vom Festland angewiesen. Außer der Landwirtschaft ist die Fischerei ein weiterer Erwerbszweig.

Tourismus[Bearbeiten]

Eine wichtige Einnahmequelle der Inseln ist der Tourismus, die Andamanen sind für Touristen zum Teil zugänglich, die Nikobaren nicht. [3]

Neben den Hauptinseln sind Havelock Island, Long Island, Mayabunder, Diglipur, Little Andaman und Rangat sowie für Tagesausflüge Jolly Bouy, South Cinque, Red Skin, Mount Harriet und Madhuban zugänglich.[4]

Es existieren neun Nationalparks: Saddle Peak National Park auf North Andaman Island, Campbell Bay National Park, Galathea Bay National Park, Mahatma Gandhi Marine (Wandoor) National Park, Middle Button Island National Park, Mount Harriet National Park, North Button Island National Park, Rani Jhansi Marine National Park, South Button Island National Park.

Verkehr[Bearbeiten]

Es bestehen regelmäßige Schiffs- und Flugverbindungen von Port Blair nach Kolkata und Chennai. Gelegentlich besteht auch eine Schiffsverbindung nach Visakhapatnam (Stand 2004).

Verwaltung[Bearbeiten]

Als bundesunmittelbares Gebiet haben die Andamanen und Nikobaren kein eigenständiges Parlament und keine Regierung. Die administrative Gewalt in exekutiver und legislativer Hinsicht wird vom Vizegouverneur (seit 2013 A. K. Singh) ausgeübt. Das Gebiet ist der Judikative des Calcutta High Court unterstellt, der in Port Blair eine Außenstelle unterhält.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Das Unionsterritorium Andamanen und Nikobaren ist in folgende drei Distrikte eingeteilt:[5][6]

Distrikt Verwaltungssitz Fläche Einwohner
(2011)
Bev.-
dichte
Nikobaren Car Nicobar 000000000001840.00000000001.840 km² 000000000036819.000000000036.819 000000000000020.000000000020 Ew./km²
North and Middle Andaman Mayabunder 000000000003252.00000000003.252 km² 000000000105539.0000000000105.539 000000000000032.000000000032 Ew./km²
South Andaman Port Blair 000000000002980.00000000002.980 km² 000000000237586.0000000000237.586 000000000000080.000000000080 Ew./km²

Strategische Bedeutung[Bearbeiten]

Am nördlichen Ende der Straße von Malakka gelegen, kommt den Inseln eine signifikante strategische Bedeutung zu. Indien verfügt auf den Inseln über Militärbasen,[7] von denen aus diese für China und andere asiatische Staaten wichtige Versorgungsroute im Konfliktfall blockiert oder der Seeverkehr zumindest beeinträchtigt werden könnte.[8] Die Inseln verschaffen Indien folglich einen strategischen Vorteil gegenüber dem mit dem Malakka-Dilemma konfrontierten China.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Provisional Population Totals - India - Rural-Urban Distribution. (PDF; 8,1 MB)
  2. Prozentuale Anteile nach der indischen Volkszählung von 2001
  3. Auswärtiges Amt: Indien - Reise- und Sicherheitshinweise (Stand:2012)
  4. Indien Aktuell: Das Unionsterritorium Andaman and Nicobar Islands
  5. Karte zur Verwaltungsgliederung (PDF; 203 kB)
  6. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 of 2011: Andaman and Nicobar Islands. (PDF; 104 kB)
  7. Daily News and Analysis: Andaman and Nicobar to become a major amphibious warfare base. Abgerufen am 1. Februar 2013.
  8. Felix F. Seidler: Maritime Machtverschiebungen im Indo-Pazifischen Raum: Geopolitische und strategische Trends, S. 7. Institut für Sicherheitspolitik CAU Kiel, abgerufen am 1. Februar 2013 (PDF; 590 kB).
  9. India Defence Update: China’s Malacca Dilemma Alternate Routes For Shipping. Abgerufen am 1. Februar 2013.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

(jeweils in englischer Sprache)

 Commons: Andamanen und Nikobaren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien