Andenpakt (CDU)

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Der Andenpakt (auch: Pacto Andino) ist ein geheimer konservativer westdeutscher Männerbund innerhalb der CDU.[1][2]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung 1979[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2003 wurde im Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Entstehungsgeschichte des Andenpakts publik. Der Spiegel veröffentlichte damals, dass:

...auf einem Nachtflug in einer Douglas DC-8 im Juli 1979 von Caracas nach Santiago de Chile (VA 930 / 25. Juli 1979), zwölf Nachwuchspolitiker der Jungen Union, während einer Bildungsreise der Konrad-Adenauer-Stiftung im jugendlichen Leichtsinn einen Pakt gegründet haben. Der Pakt fußte auf dem Grundsatz der absoluten Loyalität der Mitglieder untereinander. Die Gründung wurde mit einer Flasche zollfreien Whiskys der Marke Chivas Regal beschlossen. Als Gründungsurkunde diente eine Serviette der Fluglinie VIASA.

Die Gründungsmitglieder wollten die CDU unter Helmut Kohl erneuern und versprachen einander, dass niemals einer von ihnen gegen den anderen antreten werde.[3][4][5]

Struktur und Hierarchie im Andenpakt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizielle Äußerungen von Mitgliedern des Andenpaktes, zu dessen Existenz oder Zielen, gibt es nicht. Laut Spiegel haben Frauen im Andenpakt nichts verloren und Ostdeutschen CDU-Mitgliedern fehlt die rebellische Vergangenheit aus der Jungen Union. Andenpakt Mitglieder treffen sich diskret in vertraulichen Runden und organisieren gemeinsame Auslandsreisen. Ungeschriebene Regeln besagen, dass kein Mitglied des Paktes gegen ein anderes Mitglied kandidiert oder öffentlich dessen Rücktritt fordert.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Darstellung des Spiegels wurde in zahlreichen Medien übernommen und fand weite Verbreitung. Aus dem damaligen Spaßbündnis ist heute eine mächtige Seilschaft innerhalb der CDU geworden. Trotz des Medienechos liegen offizielle Stellungnahmen oder Erklärungen von Mitgliedern des Andenpaktes kaum vor. Vereinzelt wurde die Existenz eines Netzwerkes eingeräumt oder eine Mitgliedschaft dementiert (z. B. Ole von Beust[6]). Dem Andenpakt wurde gezielte Einflussnahme auf politische und personelle Entscheidungen in der CDU zugeschrieben; insbesondere habe man die Kanzlerkandidatur von Angela Merkel im Jahr 2002 verhindert, nachdem Merkel infolge der CDU-Spendenaffäre unerwartet CDU-Parteivorsitzende geworden war. Andere Quellen behaupten, dass die politischen Geschehnisse im Jahr 2002 auch ohne die Annahme eines Geheimbundes erklärbar seien.[7]

Neue Aufmerksamkeit erlangte der Andenpakt im Jahr 2010 durch den politischen Rückzug von Roland Koch, der in den Medien teils als Überraschung,[8] teils als strategischer Rückzug zur Stärkung von Christian Wulff als damaligem politischen Hoffnungsträger des Paktes gewertet wurde.[9] Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler am 31. Mai 2010 wurde Wulff am 30. Juni 2010 zum neuen Bundespräsidenten durch die 14. Bundesversammlung gewählt.[10][11][12]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1979 hat der Andenpakt neue Mitglieder aufgenommen. Als Mitglieder des Andenpaktes wurden im Spiegel in einer Infografik 17 Personen benannt:

In der FAZ vom 20. Februar 2016 wurde eine Traueranzeige für Bernd Huck veröffentlicht, die eine Liste der Mitglieder des Andenpakts darstellen soll. Neben den bereits bekannten Namen sind dort noch Klaus Evertz, Reinhard Göhner, Friedrich Merz und Claus Vogt genannt.[13][14][15] Seit 2019 besteht die Möglichkeit, dass im Rahmen seiner Vorsitzkandidatur auch Armin Laschet Teil des Andenpaktes ist. Dies stellt zum ersten Mal ein Nichteinhalten des Kandidaturverbots dar, da Friedrich Merz ebenfalls für den CDU Vorsitz kandidiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.welt.de/politik/deutschland/gallery13536315/Die-Mitglieder-des-Andenpakts.html
  2. Ralf Neukirch, Christoph Schult: Der Männerbund. In: Der Spiegel. Nr. 27, 2009, S. 38–46 (online)., vorangegangen war die Kurzmeldung Andenpakt. Das konspirative Netzwerk in der CDU. In: Spiegel Online. 28. Juni 2003, abgerufen am 25. Juni 2009.
  3. https://www.spiegel.de/video/cdu-was-ist-der-andenpakt-video-99022526.html
  4. Hajo Schumacher: Union: "Anden-Pakt" nimmt Friedrich Merz auf. In: Spiegel Online. 3. November 2005, abgerufen am 15. Mai 2020.
  5. https://de.nachrichten.yahoo.com/mogliches-ende-von-schwarz-grun-hessen-kippt-dann-die-stimmung-081642416.html
  6. Jens Meyer-Wellmann: Der fünfte Tag/Mexiko. (Stellungnahme von von Beust während einer Auslandsreise). In: Hamburger Abendblatt. 31. Oktober 2008, abgerufen am 21. Juli 2009.
  7. Peter Siebenmorgen: Der Andenpakt. In: Der Tagesspiegel. 30. Mai 2005, abgerufen am 20. Juli 2009.
  8. Hajo Schumacher: Der letzte Polarisierer, Die Welt, 26. Mai 2010
  9. Sven Afhüppe und Daniel Delhaes: Angst vor dem Andenpakt, Handelsblatt, 27. Mai 2010
  10. Entscheidung im dritten Wahlgang: Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. In: FAZ.NET. 30. Juni 2010, abgerufen am 9. Januar 2012.
  11. Sebastian Fischer: Biedermann für Bellevue, Spiegel-Online, 3. Juni 2010
  12. André Bochow: Alle gegen eine - Angela Merkel und der Andenpakt. In: Deutschlandfunk DLF-Magazin. 3. Juni 2010, abgerufen am 9. Juni 2010.
  13. Hajo Schumacher: „Anden-Pakt“ nimmt Friedrich Merz auf. In: Spiegel online. 3. November 2005, abgerufen am 20. Juli 2009.
  14. FAZ Traueranzeige
  15. Roland Tichy Blog