Andermatt

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Andermatt im Kanton Uri, zu weiteren Begriffen siehe Andermatt (Begriffsklärung).
Andermatt
Wappen von Andermatt
Staat: Schweiz
Kanton: Uri UR
Bezirk: (Der Kanton Uri kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1202i1f3f4
Postleitzahl: 6490
Koordinaten: 688534 / 165279Koordinaten: 46° 37′ 58″ N, 8° 35′ 41″ O; CH1903: 688534 / 165279
Höhe: 1'447 m ü. M.
Fläche: 62,15 km²
Einwohner: 1386 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 22 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
21,8 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.gemeinde-andermatt.ch
Andermatt

Andermatt

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Andermatt («an der Wiese», rätoromanisch  Ursera?/i) ist eine politische Gemeinde der Talschaft Urseren des Kantons Uri in der Schweiz und liegt am Fusse des Oberalppasses.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andermatt liegt im Urserental an der Reuss. Die Gemeinde ist Hauptort des Urserentals und reicht bis hinauf zum Oberalppass, der die Kantonsgrenze zu Graubünden bildet.

Nur 2 % der Gemeinde ist Siedlungsfläche. Bedeutender ist die Landwirtschaftsfläche mit einem Anteil von 41 %. Darunter befinden sich zahlreiche Alpgebiete. Wegen seiner hohen Lage sind nur 5,5 % des Gemeindeareals von Wald und Gehölz bedeckt. Unproduktives Gebiet (Gewässer und Gebirge) bedecken mit 52 % mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets.

Andermatt grenzt im Westen an Hospental, im Norden an Göschenen und Gurtnellen, im Osten an die Bündner Gemeinde Tujetsch und im Süden an die Tessiner Gemeinde Airolo.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine steinerne Pfeilspitze (um 4000 v. Chr.) und einige römische Münzen (300 v. Chr.) sind die spärlichen Zeugen aus der Frühgeschichte des alpinen Längstales. 1203 wurde Andermatt erstmals urkundlich erwähnt. Walser aus dem früheren germanischen Stammesverbund der Alemannen gründeten im Urserntal Kolonien, so auch in Andermatt (An der Matte). Bereits seit dem Jahre 800 hatte das Benediktinerkloster Disentis hier Grundrechte, diese wurden erst 1649 abgelöst. In den Jahren 1818 bis 1830 wurde der Gotthardpass fahrbar gemacht, später der Oberalp- und der Furkapass. Andermatt lebte als Handels-, Ferien- und Kurort auf. Die Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels 1882 war dann allerdings ein «wirtschaftlicher Tiefschlag» für den Ort. Seit 1885 ist Andermatt Waffenplatz. In den Jahren 1920 und 1946 wurden von der Bevölkerung Stausee-Projekte erfolgreich bekämpft: das ganze Hochtal sollte in einen einzigen Stausee verwandelt werden.[3]

Lawinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als trotz des Schutzwaldes stark lawinengefährdeter Ort wurde Andermatt oft von Lawinen heimgesucht; Siedlungen, Verkehrswege und Wintersportanlagen sind des öfters davon bedroht. Im Lawinenwinter 1951 kamen in mehreren Grosslawinen über ein Dutzend Menschen zu Tode.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahl schwankte 1850 bis 1888 zwischen 657 und 746 Personen. Anschliessend verdoppelte sie sich bis 1941 mit einer Wachstumspause zwischen 1910 und 1920. Nach einem Rückgang in den 1940er-Jahren wuchs sie in den 1950er-Jahren kräftig und erreichte 1970 den Rekordwert von 1589 Bewohnern. Zwischen 1970 und 2000 verlor Andermatt 20 % der Einwohner. Seither hat sich die Lage stabilisiert.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 677
1888 712
1900 818
1910 993
1920 986
1941 1496
1950 1231
1970 1589
1980 1545
1990 1404
2000 1395
2005 1316
2010 1361

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Logo für Öffentlichkeitsarbeit der «Skiarena Andermatt/Sedrun»

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 95,24 % Deutsch, 1,01 % Portugiesisch und 0,86 % Italienisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 1105 Personen waren katholisch (86,19 %). Daneben gab es 10,14 % evangelisch-reformierte Christen und 2,73 % Konfessionslose. 5 Personen (0,39 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 1264 Bewohnern waren 1167 (92,33 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen aus Mitteleuropa (Deutschland und Österreich), Südeuropa (Portugal, Italien und Spanien) und dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien-Montenegro und Kroatien). Bei der Volkszählung 2000 waren 1220 Personen (95,16 %) Schweizer Bürger; davon besassen 59 Personen die doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andermatt
Pfarrkirche St.Peter und Paul
Andermatt 1900
Andermatt auf einer Aufnahme von Eduard Spelterini, undatiert, um 1903

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an älteren Leuten. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren nur 21,44 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind 25 % Senioren (60 Jahre und älter). Dies ist eine Folge der Abwanderung von jungen Leuten ins Unterland im Zeitraum von 1970 bis 2000.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und älter
Anzahl 93 149 33 115 312 259 259 62
Anteil 7,25 % 11,62 % 2,57 % 8,97 % 24,34 % 20,20 % 20,20 % 4,84 %

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. Sie tritt meistens zweimal jährlich zusammen.

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der siebenköpfige Gemeinderat bildet die Exekutive, derzeitige Gemeindepräsidentin ist Yvonne Baumann (CVP).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 gab es 22 Landwirtschaftsbetriebe, die 51 Stellen boten. Industrie und Gewerbe beschäftigten in 13 Arbeitsstätten 90, der Dienstleistungsbereich in 78 Betrieben 599 Personen (Beschäftigung auf Vollzeitstellen umgerechnet). Die Volkszählung 2000 ergab 25 Landwirtschafts- und Forstbetriebe mit 61 Beschäftigten. Die Betriebszählung 2001 kam auf 12 Industrie- und Gewerbebetriebe mit 91 und 83 Dienstleistungsunternehmen mit 609 Beschäftigten. Von den im Jahr 2000 660 erwerbstätigen Personen Andermatts arbeiteten 560 (84,85 %) in der eigenen Gemeinde. Insgesamt bot der Ort 780 Leuten Arbeitsplätze an, von denen 560 (71,79 %) Einheimische waren.

Wegpendler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 100 Wegpendler verrichten ihre Arbeit grösstenteils in anderen Gemeinden des Kantons Uri. Darunter 14 Personen in Altdorf, 12 in Göschenen, 11 in Erstfeld, 9 in Schattdorf, 7 in Hospental und 6 in Realp.

Zupendler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 220 Zupendler. Diese kamen hauptsächlich aus Hospental (44 Personen), Göschenen (30), Realp (25), Silenen (22), Altdorf (17) und Erstfeld (14).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfkirche St. Peter und Paul mit Friedhof
  • Talmuseum Ursern: Patrizierbau von 1786. Diente 1799 dem russischen Feldmarschall Suworow als Hauptquartier («Suworow-Haus»). Museum der Talgeschichte, Wohnkultur, Alpwirtschaft, des Säumerwesen und des Tourismus
  • Teufelsbrücke im Schöllenental: Errichtet 1828/1830 anstelle der 1303 urkundlich erwähnten «Stiebenden Brücke», der sagenumwobenen ersten Brücke über die Reuss im wilden Schöllenental
  • Suworow-Denkmal («Russendenkmal»): Errichtet 1898 in der Nähe der damals umkämpften Teufelsbrücke zur Erinnerung an Suworows Alpenfeldzug gegen die Franzosen im September 1799 und an die Gefallenen

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Chedi Andermatt

Andermatt ist ein Wintersportgebiet und Kurort. Das Skigebiet am Gemsstock (2963 m) wird von einer Seilbahn und einigen kleineren Anlagen erschlossen und ist ein bekanntes Zentrum des Freeridens.

Mit dem Tourismusprojekt des ägyptischen Multimilliardärs und Investors Samih Sawiris hofft man auf eine starke touristische Entwicklung. Mit seiner Firma Orascom Hotels and Development baut Sawiris in Andermatt auf einer Fläche von 1,46 Quadratkilometern ein Tourismusresort mit mehreren Hotels, Ferienhäusern und Ferienwohnungen, einem 18-Loch-Golfplatz, Geschäften sowie einem Sport- und Freizeitzentrum mit Eissporthalle und Hallenbad. Der Bundesrat als Besitzer des Waffenplatzgeländes, die Urner Regierung und die Gemeinde Andermatt stimmten dem Projekt zu.

Für die Planung und Realisierung gründete Sawiris 2007 die Andermatt Alpine Destination Company AADC. Der Spatenstich fand am 26. September 2009 statt. Am 31. August 2010 wurde im Rahmen eines Festaktes auf dem Baugelände ein Grundstein einbetoniert.[5] Im Dezember 2013 nahm das The Chedi Andermatt seinen Betrieb auf.[6][7]

Waffenplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Standort des Waffenplatzes Andermatt der Schweizer Armee. Zu diesem gehört auch das Kompetenzzentrum Gebirgsdienst der Armee (Komp Zen Geb D A) In diesem werden die Gebirgsspezialisten (Geb Spez) ausgebildet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andermatt verfügt über einen Bahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn, die von dort nach Disentis, Göschenen und Zermatt fährt.

Korporation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winterliches Andermatt

Andermatt gehört geschichtsbedingt nicht zur Korporation Uri, sondern bildet mit Hospental und Realp die Korporation Urseren. Im Rathaus zu Andermatt tagen noch heute die alten Geschlechter. Dort haben sie sogar ihr eigenes Gericht. Im Mai findet alljährlich die Talgemeinde in Hospental statt. Die Korporation ist Besitzerin fast aller Gewässer, Wiesen, Weiden und Berge im Tal.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist Andermatt für seinen charakteristischen Bannwald oberhalb des Dorfes, der seit Jahrhunderten streng geschützt ist und den Ort vor Lawinen bewahrt.

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der russischen Stadt Taldom.

Im Jahre 1963 wurde an einer Tankstelle bei Andermatt eine Szene des James Bond-Films Goldfinger gedreht. Des Weiteren entstanden in der Umgebung auch die Szenen mit der Verfolgung des Antagonisten in seinem Rolls-Royce Phantom III.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iso Müller: Geschichte von Ursern. Von den Anfängen bis zur Helvetik. Desertina-Verlag, Disentis 1984, DNB 890286019.
  • Thomas Brunner: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band 4: Oberes Reusstal und Urseren. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2008 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 114). ISBN 978-3-906131-89-4. S. 286–365.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andermatt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Andermatt – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. https://www.pxweb.bfs.admin.ch/Selection.aspx?px_language=de&px_db=px-x-0102020000_201&px_tableid=px-x-0102020000_201\px-x-0102020000_201.px&px_type=PX
  3. Schautafel im Ort
  4. Paul Föhn: Lawinen im Historischen Lexikon der Schweiz, Abgerufen am 2. Mai 2014
  5. Jetzt geht es in Andermatt richtig los. In: Basler Zeitung. 1. September 2010, abgerufen am 1. September 2010.
  6. 300-Millionen-Hotel in Andermatt öffnet die Türen In: Tages Anzeiger, 9. Dezember 2013, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  7. Startschuss für die neue Luxus-Ferienwelt In: Neue Zürcher Zeitung, 9. Dezember 2013, abgerufen am 21. Oktober 2014.