André Spitzer

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André Spitzer (* 4. Juli 1945 in Timișoara, Rumänien; † 6. September 1972 in Fürstenfeldbruck) war Fechtmeister und Trainer der israelischen Fechtmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 1972. Er war einer der elf Sportler und Trainer, die bei der Geiselnahme von München als Geiseln genommen und anschließend von palästinensischen Terroristen ermordet wurden.

Spitzer war in Rumänien geboren und wanderte 1964 in die Niederlande aus, um dort als Fechttrainer zu arbeiten. Er verliebte sich in eine seiner Studentinnen, Ankie, und sie heirateten 1971. Sie zogen nach Israel, wo André eine nationale Fechtakademie gründete. Seine Tochter Anouk wurde nur wenige Monate vor den Olympischen Spielen geboren. Die Spitzers zogen mit der israelischen Mannschaft nach München und ließen ihre Tochter bei den Großeltern in den Niederlanden.

Während der Spiele mussten die Spitzers in die Niederlande zurückkehren, weil ihre Tochter ins Krankenhaus musste. André verpasste seinen Zug zurück nach München, doch seine Frau fuhr ihn schnell genug nach Eindhoven, damit er doch noch weiter bei den Spielen dabei sein konnte.

Etwa vier Stunden nachdem Spitzer angekommen war, drangen die Terroristen in die Quartiere der israelischen Mannschaft ein und töteten den Trainer Mosche Weinberg und den Gewichtheber Josef Romano. Spitzer wurde mit acht seiner Mannschaftskollegen als Geiseln genommen. Er wurde einmal während der Geiselnahme gesehen, als er am Fenster stand und mit den Unterhändlern sprach.

Nach 20 Stunden Verhandlungen wurden die Geiselnehmer und Geiseln mit einem Hubschrauber nach Fürstenfeldbruck geflogen. Dort sollte ein Flugzeug bereitstehen, um die Terroristen nach Ägypten auszufliegen. Stattdessen unternahmen die Bayerische Grenzpolizei und die Münchener Polizei einen schlecht vorbereiteten und chaotisch durchgeführten Geiselbefreiungsversuch. Nach zwei Stunden Beschuss musste Spitzer hilflos zusehen, wie vier seiner Mannschaftskollegen im Hubschrauber erschossen wurden und anschließend durch die Detonation einer Granate der Terroristen verbrannten. Kurz danach wurden Spitzer und die anderen vier Geiseln durch die Terroristen erschossen. Fünf Terroristen und ein Münchener Polizist wurden ebenfalls in dem Schusswechsel getötet.

Grabstätte auf dem Friedhof von Kiryat Shaul in Tel Aviv; Israel. (erstes Grab von links)

André Spitzer wurde mit vier seiner Mannschaftskollegen im Kiryat-Shaul-Friedhof in Tel Aviv beigesetzt. Ankie Spitzer leitete eine Initiative, die die deutsche Regierung zu einem Schuldeingeständnis für die fehlgeschlagene Befreiungsaktion bewegen sollte. Im Jahr 2003 wurde eine Entschädigungsvereinbarung zwischen der deutschen Regierung und den Familien der Opfer geschlossen. Ankie Spitzer hat später wieder geheiratet und ist Korrespondentin für das niederländische Fernsehen in Israel. Sie war neben Ilana Romano, der Witwe Josef Romanos, treibende Kraft bei der Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats im September 2017.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reeve, Simon: One Day in September: the full story of the 1972 Munich Olympic massacre and Israeli revenge operation 'Wrath of God'. New York 2000, ISBN 1-55970-547-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stroh, Kassian: "Es ist das erste Mal, dass ich in München lache" bei sueddeutsche.de, 6. September 2017 (abgerufen am 7. September 2017).