Andrea Ablasser

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Andrea Ablasser (2014)

Andrea Ablasser (* 13. Juli 1983 in Bad Friedrichshall) ist eine deutsche Medizinerin (Immunologie).

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablasser studierte Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Staatsexamens-Abschluss 2008 und der Promotion 2010. Im Studium war sie auch einige Monate an der University of Massachusetts Medical School in Worcester. Den Arzt im Praktikum absolvierte sie an der LMU München und teilweise an der Harvard Medical School und der Universität Oxford. In ihrer Dissertation im Labor von Stefan Endres (ihrem Doktorvater) und Gunther Hartmann an der LMU München befasste sie sich mit Immuntherapie gegen Krebs. Danach wandte sie sich der immunologischen Forschung zu. Sie ist zurzeit (2013) Assistenzärztin und Junior-Forschungsgruppenleiterin am Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Universität Bonn im Labor von Veit Hornung. 2014 wurde sie Assistenzprofessorin an der École polytechnique fédérale de Lausanne.

Das angeborene Immunsystem besitzt Muster-Erkennungs-Rezeptoren (PRR) für körperfremde potentiell pathogene Elemente (PAMP) oder die durch diese ausgelöste Stressantwort des Körpers (DAMP).

Sie identifizierte dabei auch einen neuartigen Botenstoff (cGAMP(2′-5′)), der nach dem Erkennen von Viren bzw. Bakterien (über einen Rezeptor für deren DNA – cGAMP Synthase oder kurz cGAS – der den Botenstoff synthetisiert) Nachbarzellen in „Alarmbereitschaft“ versetzt. Der Botenstoff breitet sich über Gap Junctions zu Nachbarzellen aus und aktivieren im Endoplasmatischen Retikulum die STING-Rezeptoren, die wiederum die Immunantwort (wie Sekretion von Typ 1 Interferon) auslösen.

In den Makrophagen in der Lunge dienen cGas und Inflammasome dazu, fremde DNA wie die von Bakterien aufzuspüren. Das löst eine Immunantwort über Interleukine aus, die aber wiederum durch Interferon 1 gedämpft wird. Das Tuberkelbakterium sezerniert wie ihr Labor fand aktiv DNA um eine Dämpfung der Immunantwort über Interferon 1 zu erreichen.[1]

2013 erhielt sie den Jürgen Wehland Preis[2] und 2014 den Nachwuchspreis des Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preises für die Erforschung der Erkennung von Bakterien und Viren in der angeborenen Immunabwehr, gleichzeitig eines der Hauptforschungsthemen im Labor von Hornung. Ablasser befasste sich insbesondere mit der Identifizierung der PRR für virales und bakterielles Erbmaterial und konnte verschiedene Sensoren für virale DNA sowie den neuartigen Botenstoff (cGAMP(2′-5′)) identifizieren.

2015 veröffentlichte sie Untersuchungen darüber, wie Tuberkulose-Bakterien das Immunsystem täuschen.

2014 erhielt sie einen Starting Grant des Schweizer Forschungsverbands SNSF (vergleichbar einem ERC Starting Grant). Für 2018 wurden ihr der Nationale Latsis-Preis (Schweiz) für ihre Forschung zum angeborenen Immunsystem[3] und der Prix Zonta verliehen.[4] 2019 wurde Ablasser in die European Molecular Biology Organization gewählt. Für 2020 wurde Ablasser der William B. Coley Award zugesprochen, für 2021 der Deutsche Krebspreis, die EMBO Gold Medal[5] und der Dr. Josef Steiner Krebsforschungspreis.[6]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit M. Charrel-Dennis, F. Bauernfeind, G. Horvath, V. Hornung, D. R. Caffrey, E. Latz und K. A. Fitzgerald: AIM2 recognizes cytosolic dsDNA and forms a caspase-1-activating inflammasome with ASC. In: Nature. Band 458, 2009, S. 514–518.
  • mit F. Bauernfeind, G. Hartmann, V. Hornung, E. Latz und K. A. Fitzgerald: RIG-I-dependent sensing of poly(dA:dT) through the induction of an RNA polymerase III-transcribed RNA intermediate. In: Nature Immunology. Band 10, 2009, S. 1065–1072.
  • Filiz Civril, Tobias Deimling, Carina C. de Oliveira Mann, Andrea Ablasser, Manuela Moldt, Gregor Witte, Veit Hornung, Karl-Peter Hopfner: Structural mechanism of cytosolic DNA sensing by cGAS. In: Nature. Band 498, 2013, S. 332–337. (Abstract)
  • Andrea Ablasser, Marion Goldeck, Taner Cavlar, Tobias Deimling, Gregor Witte, Ingo Röhl, Karl-Peter Hopfner, Janos Ludwig, Veit Hornung: cGAS produces a 2′-5′-linked cyclic dinucleotide second messenger that activates STING. In: Nature. 498, 2013, 380–384. (Abstract)
  • Andrea Ablasser, Jonathan L. Schmid-Burgk, Inga Hemmerling, Gabor L. Horvath, Tobias Schmidt, Eicke Latz, Veit Hornung: Cell intrinsic immunity spreads to bystander cells via the intercellular transfer of cGAMP. In: Nature. Band 503, 2013, S. 530–534, (Abstract)
  • R. Wassermann, M. F. Gulen, C. Sala, S. Garcia-Perin, Y. Lou, J. Rybniker, J. L. Schmid-Burgk, T. Schmidt, V. Hornung, S. T. Cole, A. Ablasser: The ESX-1 secretion system of 'Mycobacterium tuberculosis' differentially regulates cGAS- and inflammasome-dependent intracellular immune responses. In: Cell Host & Microbe. 17, 2015, S. 1–12. doi:10.1016/j.chom.2015.05.003

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Wassermann, A. Ablasser u. a.: The ESX-1 secretion system of Mycobacterium tuberculosis differentially regulates cGAS- and inflammasome-dependent intracellular immune responses. In: Cell Host & Microbe. Band 17, 2015, S. 1–12.
  2. Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (Memento des Originals vom 6. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.helmholtz-hzi.de
  3. Latsis-Preis für EPFL-Forscherin | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. November 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch).
  4. Prix Zonta 2019 für zwei Frauen. In: Zentralplus. 21. Oktober 2019, abgerufen am 22. Januar 2020.
  5. Tilmann Kiessling: EMBO Gold Medal 2021 awarded to Andrea Ablasser. EMBO, Pressemitteilung vom 15. Juni 2021 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 15. Juni 2021.
  6. Dr. Josef Steiner Krebsforschungspreis 2021 geht an Immunologin. In: unibe.ch. Universität Bern, 17. September 2021, abgerufen am 17. September 2021.