Andrea Nahles

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Andrea Nahles 2011
Andrea Nahles 2010

Andrea Maria Nahles (* 20. Juni 1970 in Mendig) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie war von 2009 bis 2013 Generalsekretärin der SPD, zuvor war sie von 2007 bis 2009 stellvertretende Bundesvorsitzende. Von 1995 bis 1999 war sie Bundesvorsitzende der Jusos. In der aktuellen Großen Koalition (Kabinett Merkel III) ist sie Arbeits- und Sozialministerin. Üblicherweise wird Nahles, nicht zuletzt aufgrund ihrer Ablehnung gegenüber der Agenda 2010, dem linken Parteiflügel zugeordnet.

Herkunft und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrea Nahles wuchs als Tochter eines Maurermeisters im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz in der Vulkaneifel auf. 1989 absolvierte Nahles am Megina-Gymnasium Mayen ihr Abitur. In der Abiturzeitung gab sie als Berufswunsch „Hausfrau oder Bundeskanzlerin“ an.[1] Sie studierte Politik, Philosophie und Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Den Abschluss Magistra Artium in den Fächern Neuere und Ältere Germanistik sowie Politikwissenschaft erreichte sie bei Jürgen Fohrmann.

Während ihres Studiums war sie Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten. 2004 wurde sie Doktorandin am Germanistischen Seminar, der Arbeitstitel ihrer geplanten Doktorarbeit lautete Walter Scotts Einfluss auf die Entwicklung des historischen Romans in Deutschland. Mit ihrem Wiedereinzug in den Bundestag 2005 stellte Nahles jedoch die Arbeit an ihrer Promotion ein.

SPD-Politikerin seit 1988[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrea Nahles trat als 18-jährige Gymnasiastin in die SPD ein, 1989 gründete sie in Weiler den Ortsverein der SPD. Mehrere Jahre war sie Vorsitzende des Juso-Unterbezirkes Mayen-Koblenz. 1993 bis 1995 hatte sie den Vorsitz der Jusos in Rheinland-Pfalz inne. 1995 wurde sie zur Bundesvorsitzenden der Jusos gewählt. „Die neue Juso-Chefin, die gern auch auf ihre frauenpolitische Arbeit verweist, legt Wert auf die Feststellung, dass sie keinem der beiden großen Lager – Stamokap und Reformsozialisten – innerhalb der Jusos angehört. Allerdings wurde sie am Wochenende mit den Stimmen der traditionalistischen Linken gewählt, deren Kandidat, Ex-Juso-Chef Thomas Westphal, nicht mehr angetreten war“, schrieb die Tageszeitung.[2]

Mitglied im SPD-Parteivorstand ist sie seit 1997, seit 2003 gehört sie dem SPD-Präsidium an. Sie leitete die Projektgruppe Bürgerversicherung des SPD-Parteivorstandes. Seit 2000 war sie Gründungsvorsitzende des Forums Demokratische Linke 21, das als ein Zusammenschluss von SPD-Linken an die Stelle des Frankfurter Kreises getreten ist. Den Vorsitz übergab sie am 15. Februar 2008 an Björn Böhning. Von 2002 bis 2003 war sie im IG-Metall-Verbindungsbüro Berlin beschäftigt. Bereits bei der Diskussion um die Agenda 2010 wurde sie zu den führenden parteiinternen Kritikern der Politik von Gerhard Schröder gezählt.

Am 31. Oktober 2005 setzte sie sich im Parteivorstand in einer Kampfabstimmung um die Nominierung zur Generalsekretärin mit 23 zu 14 Stimmen gegen Kajo Wasserhövel durch, der vom damaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering vorgeschlagen worden war. Deswegen kandidierte Franz Müntefering nicht mehr für den Parteivorsitz. Nahles wurde von Teilen der SPD heftig kritisiert; sie verzichtete schließlich auf die Kandidatur zur Generalsekretärin und lehnte auch das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden ab, für das Matthias Platzeck sie vorgeschlagen hatte.

Im Mai 2007 wurde Nahles gemeinsam mit Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier vom SPD-Parteivorstand für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden nominiert und am 26. Oktober 2007 von 74,8 % der Parteitagsdelegierten in dieses Amt gewählt. Am 30. Juni 2009 nahm der Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, Nahles in sein Schattenkabinett für die Bundestagswahl 2009 auf und übertrug ihr den Zuständigkeitsbereich Bildung.[3]

Am 13. November 2009 wurde sie SPD-Generalsekretärin; nach der von der SPD verlorenen Bundestagswahl übernahm sie das Amt von Hubertus Heil.[4] Sie wurde auf dem Parteitag in Dresden mit 69,9 % der Stimmen gewählt und 2011 in diesem Amt für zwei weitere Jahre mit 73,2 % aller Delegiertenstimmen bestätigt.[5] 2013 wurde sie wiedergewählt, erzielte aber mit 67,2 % ihr bis dahin schwächstes Ergebnis.[6] Nachdem Nahles Ende 2013 zur Bundesministerin für Arbeit und Soziales berufen worden war, wurde Yasmin Fahimi auf einem Sonderparteitag am 26. Januar 2014 zu ihrer Nachfolgerin als Generalsekretärin gewählt.[7]

Abgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahles war erstmals von 1998 bis 2002 und ist erneut seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie von 1998 bis 2002 sowie von 2005 bis 2007 stellvertretende Sprecherin der Fraktionsarbeitsgruppe Arbeit und Sozialordnung bzw. Arbeit und Soziales; seit November 2007 ist sie deren Sprecherin. Seit Januar 2008 gehört sie auch dem Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion an. Nahles zog stets über die Landesliste Rheinland-Pfalz in den Bundestag ein. 2006 wurde Angela Marquardt ihre Mitarbeiterin.

Nahles ist Mitglied der Parlamentarischen Linken und der Denkfabrik in der SPD Bundestagsfraktion, eines Zusammenschlusses von überwiegend jüngeren linken SPD-Abgeordneten.[8]

Zwischen 1999 und 2009 gehörte Nahles dem Kreistag des Kreises Mayen-Koblenz an.

Gesellschaftliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahles war von 2000 bis 2004 als Vertreterin der SPD Mitglied im ZDF-Fernsehrat.[9] Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft (spw). Seit 2004 ist Nahles Vorsitzende des Fördervereins Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem sowie Vorsitzende des Beirats der Parteischule im Willy-Brandt-Haus. Ferner ist sie Mitglied der Gewerkschaft IG Metall, der gemeinnützigen Europäischen Sonnenenergievereinigung Eurosolar und von Attac.

Andrea Nahles bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages (2013)

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahles lehnt die von Horst Seehofer vorgeschlagene Pkw-Maut[10] und das ebenfalls von der CSU eingeführte Betreuungsgeld ab.[11] In den Koalitionsverhandlungen mit der CDU nach der Bundestagswahl 2013 forderte sie Steuererhöhungen für Spitzenverdiener.[12] In der Flüchtlingskrise in Europa 2015 erklärte Nahles in ihrer Funktion als Arbeitsministerin im September 2015 in einer Bundestagsdebatte, dass durch den Zustrom der Flüchtlinge die Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen werden.[13]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahles ist katholisch. Sie stammt aus der Eifel und bewohnt in Weiler (bei Mayen) einen Bauernhof, auf dem schon ihre Urgroßeltern lebten.[14][15] Wegen eines Hüftleidens nach einem Autounfall ist sie schwerbehindert (GdB 50).[16][17][18]

Ihr Lebensgefährte war von 1997 bis 2007 der VW-Arbeitsdirektor und ehemalige Audi-Vorstand Horst Neumann.[14] Von 2009 an war Nahles mit dem Kunsthistoriker Marcus Frings liiert, den sie am 18. Juni 2010 heiratete.[19] Am 18. Januar 2011 brachte sie eine Tochter zur Welt[20] und nahm acht Wochen nach der Geburt ihre Berufstätigkeit wieder auf.[21] Im Januar 2016 teilte das Ehepaar seine Trennung mit.[22]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist. Pattloch Verlag, München 2009, ISBN 978-3-629-02239-4.
  • Die Kamera sieht alles – Wie frau sich in Polit-Talkshows verhalten sollte. In: Sascha Michel, Heiko Girnth (Hrsg.): Polit-Talkshows – Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Bouvier, Bonn 2009, ISBN 978-3-416-03280-3, S. 174–176.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andrea Nahles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Andrea Nahles – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abiturzeitung Gymnasium Mayen 1989, S. 16.
  2. taz: Fit fürs Chaos. 12. September 1995, S. 11.
  3. Steinmeier zieht ohne Stars in den Wahlkampf. In: Spiegel.de. 30. Juli 2009, abgerufen am 17. November 2010.
  4. Gabriel und Nahles sollen es für die SPD nach der verlorenen Bundestagswahl richten.
  5. Ergebnis Andrea Nahles Ordentlicher SPD-Bundesparteitag 2011
  6. SPD-Parteitag: Schwaches Ergebnis für Hannelore Kraft. In: sueddeutsche.de. 15. November 2013, abgerufen am 13. Februar 2015.
  7. Neue Generalsekretärin: Frischer Wind für die Partei. In: Tagesschau.de. 26. Januar 2014, abgerufen am 26. Januar 2014.
  8. Die „Denkfabrik“ – Selbstdarstellung (abgerufen am 8. März 2010; PDF; 66 kB)
  9. ZDF-Jahrbuch 2003: Fernsehrat
  10. SPD gegen CSU: Nahles kritisiert Pläne für Pkw-Maut. In: rp-online.de. 9. November 2013, abgerufen am 13. Februar 2015.
  11. Andrea Nahles „Betreuungsgeld verschleudert Milliarden“ (Memento vom 23. November 2013 im Webarchiv archive.is) In: andrea-nahles.de
  12. afp: Erhöhungen für Spitzenverdiener sind unausweichlich. In: handelsblatt.com. 9. November 2013, abgerufen am 13. Februar 2015.
  13. Rheinische Post: Andrea Nahles rechnet mit mehr Arbeitslosen
  14. a b Horst Neumann: Erwartete Überraschung (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive), FTD, 14. November 2005
  15. Jens König, Stefan Reinecke: Zwei Leute-Versteher auf der Fahrt ganz nach oben. In: taz.de. 16. September 2005, abgerufen am 13. Februar 2015.
  16. Bettina Gaus: Der weiße Rabe. In: taz.de. 5. Oktober 2004, abgerufen am 13. Februar 2015.
  17. SPD Werlte zu Besuch in Schüttorf
  18.  Susanne Gaschke: Gesellschaft: Die Frauen und die Macht. In: zeit.de. 16. November 2006, abgerufen am 13. Februar 2015.
  19. Andrea Nahles heiratete in Weiler Kunsthistoriker Marcus Frings. In: Bild.de. 19. Juni 2010, abgerufen am 21. Juni 2010.
  20. Andrea Nahles: SPD-Generalsekretärin ist Mutter. In: Focus Online. 18. Januar 2011, abgerufen am 13. Februar 2015.
  21. SPD-Generalsekretärin zurück aus Babypause. In: nachrichten.rp-online.de. 19. März 2011, abgerufen am 13. Februar 2015.
  22. Liebes-Aus nach fünf Jahren Ehe: Andrea Nahles und ihr Mann trennen sich. In: focus.de. 15. Januar 2016, abgerufen am 16. Januar 2016.