Andreas Kossert

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Andreas Kossert (2014)

Andreas Kossert (* 1970 in Münden) ist ein deutscher Historiker, Autor und Kenner der Geschichte des östlichen Mitteleuropas.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kossert studierte Mittlere und Neue Geschichte, Politikwissenschaft und Slawistik in Freiburg im Breisgau, Edinburgh, Bonn und Berlin. An der Freien Universität Berlin promovierte er im Jahre 2000 über das Thema „Preußen, Deutsche oder Polen? Die Masuren im Spannungsfeld des ethnischen Nationalismus 1870–1956.“[1][2] Von 2001 bis 2009 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut in Warschau. Im Sommersemester 2007 hatte er eine Gastprofessur für Polnische Landes- und Kulturstudien an der Technischen Universität Dresden inne. Seit Januar 2010 ist er wissenschaftlicher Referent sowie Leiter des Bereichs Dokumentation und Forschung bei der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) in Berlin.

Die Historische Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, die Preußische Historische Kommission und die Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen e. V. zählen Kossert zu ihren Mitgliedern.[3][4]

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungsschwerpunkte von Kossert bilden unter anderem ethnische, konfessionelle und nationale Minderheiten im östlichen Europa, die deutsch-polnischen Beziehungen, europäische Zwangsmigration im 20. Jahrhundert, die Geschichte Polens, Ostpreußens und Masurens sowie Vertriebene in Deutschland nach 1945. Er publiziert in deutscher sowie polnischer und englischer Sprache.[5][6]

Der Historiker Kossert schuf mit Ostpreußen: Geschichte und Mythos eine Gesamtgeschichte dieser Provinz. Er führt den Leser durch die Geschichte des ehemals östlichsten Landesteils Deutschlands und zeichnet den Weg von der Besiedlung durch den Deutschen Orden mit verschiedenen Ethnien bis heute nach. Für den ARD-Dokumentarfilm Damals in Ostpreußen fungierte Kossert als Berater und schrieb das Begleitbuch.[6][7]

Mit Kalte Heimat: Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945 „erschüttert Andreas Kossert den Mythos der rundum geglückten Integration der Vertriebenen nach 1945“.[8] Der Titel weist darauf hin, dass Vertriebene nicht willkommen waren. Sie erfuhren Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Einheimischen zeigten sich wenig solidarisch und betrachteten die Flüchtlinge als Eindringlinge. Die „meisten Deutschen wollten das nicht sehen, nicht hören, nicht wissen“.[8] Das Anliegen des Werks beschrieb der Autor so: „Es ist an der Zeit, deutsche Vertriebenen endlich als Opfer zu begreifen, die nicht nur unter Flucht und Vertreibung gelitten haben, sondern auch unter der Hartherzigkeit ihrer Landsleute.“[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammelbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Christophe Duhamelle, Bernhard Struck (Hrsg.): Grenzregionen. Ein europäischer Vergleich vom 18. bis 20. Jahrhundert. Campus, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38448-1.
  • mit Uwe Neumärker (Hrsg.): „Das war mal unsere Heimat …“: Jüdische Geschichte im preußischen Osten. Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin 2013, ISBN 978-3-942240-11-6.

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Damals in Ostpreußen. Berater und Begleitbuch. Dokumentarfilm (ARD 2008) des Regisseurs Dr. Florian Huber
  • mit Thomas Grimm: Bahnsteig 1 – Rückfahrt nach Flatow[9]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gelungene Integration? Die Vertriebenen und die bundesrepublikanische Wirklichkeit. Evang. Akad. Baden, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-89674-558-3.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2008: Georg Dehio-Buchpreis für sein Buch Ostpreußen. Geschichte und Mythos[10]
  • 2008: Bad Herrenalber Akademiepreis für Die Vertriebenen zwischen Abschied und Ankunft – Die Geschichte eines politischen Drahtseilaktes[11]
  • 2009: Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/ Essayistik mit Kalte Heimat[12]
  • 2013: Neiße Filmfestival: Dokumentarfilm-Preis für Bahnsteig 1 – Rückfahrt nach Flatow von Thomas Grimm und Andreas Kossert[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andreas Kossert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gelungene Integration? In: Herrenalber Forum 57, Evangelische Akademie Baden, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-89674-558-3, abgerufen am 23. September 2015.
  2. Kossert, Andreas. In: Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 31. August 2015.
  3. Flucht und Vertreibung 1945. (Memento des Originals vom 31. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kulturkreis-badlauterberg.de In: Kulturkreis Bad Lauterberg, 13. März 2015, abgerufen am 21. September 2015.
  4. Mitglieder (Memento des Originals vom 17. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutsche-polen.de. In: Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen e. V., abgerufen am 21. September 2015.
  5. Böhmen, Pommern, Syrien. Die Zeit, 29. Januar 2015, Seite 16.
  6. a b Annette Großbongardt, Norbert F. Pötzl: Randlage mit Bollwerksfunktion. In: Der Spiegel, 25. Januar 2011, abgerufen am 18. September 2015.
  7. Armin Fuhrer: Literatur „Damals in Ostpreußen“. In: Focus, abgerufen am 31. August 2015.
  8. a b c Karl-Heinz Meier-Braun, Reinhold Weber: Einwanderungs- und Integrationsland Baden-Württemberg über Andreas Kossert: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945. In: Eberhard Karls Universität Tübingen, abgerufen am 18. September 2015.
  9. Dokumentarfilmpreis. In: 12. Neisse Filmfestival, NNF10 2013, abgerufen am 8. Oktober 2015.
  10. Georg Dehio Buchpreis 2008 vergeben. In: Deutsches Kulturforum östliches Europa, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  11. Badische Akademie zeichnet Historiker Andreas Kossert aus. In: EKD: Evangelische Kirche in Deutschland, 6. Oktober 2008, abgerufen am 31. August 2015.
  12. Nominierungen und Preisträger 2009 (Memento des Originals vom 24. Juni 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.preis-der-leipziger-buchmesse.de. In: Preis der Leipziger Buchmesse, abgerufen am 8. Oktober 2015
  13. Dokumentarfilmpreis. In: 12. Neisse Filmfestival, NNF10 2013, abgerufen am 8. Oktober 2015.