Andreas Wild

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Andreas Wild (* 1963 in Duisburg) ist ein deutscher Politiker (AfD). 2016 wurde er in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt und im Juli 2017 aus der AfD-Fraktion ausgeschlossen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wild wuchs am Bodensee auf und arbeitet als privater Arbeitsvermittler.[1] Vor der AfD war er Mitglied der CDU und FDP.[2] Wild war bis Dezember 2016 stellvertretender Bezirksvorsitzender im einflussreichen AfD-Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf. Er soll maßgeblich am Richtungswechsel der Berliner AfD-Parteispitze vor der Landtagswahl 2016 beteiligt gewesen sein.[3] Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2016 wurde er in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt und sitzt dort im Integrationsausschuss. Laut Medienberichten hat die AfD die Nominierung Wilds als Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Berlin-Neukölln kurz vor Ende der Einreichungsfrist zurückgezogen[4] und stattdessen Frank-Christian Hansel nominiert.[5] Am 18. Juli 2017 wurde Wild aus der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus ausgeschlossen.[6][7]

Wild lebt im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf und ist gläubiger Katholik.[1]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wild gilt innerhalb der AfD als „Rechtsaußen“. Olaf Sundermeyer sieht ihn als „radikal“ mit bürgerlichem Auftreten an.[1] Wild ist bekennender Unterstützer des thüringischen AfD-Landessprechers Björn Höcke, der dem völkischen Spektrum der AfD zugeordnet wird.[8] Nach dessen Rede im Ball- und Brauhaus Watzke im Januar 2017, die von Wissenschaftlern und Journalisten mit den Reden der Nationalsozialisten verglichen wird, erklärte Wild, er habe Höckes Rede „klasse“ gefunden. Nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, auch die Kaiserzeit und Martin Luther gehörten zur deutschen Geschichte, die zu wenig beachtet werde. Das Problem sei der „Schuldkult der Deutschen“.[9]

Wilds Staatsbürgerschaftsverständnis basiert auf dem Abstammungsprinzip: Deutsch sei, „wer deutsche Eltern hat“. Gegenden wie der Berliner Bezirk Neukölln sollten „wieder deutsch“ werden.[10] Wild sieht die AfD als „Pegida-Partei“, die eine „Zeitenwende“ in Deutschland herbeiführen solle.[1]

Bundesweit bekannt wurde Wild durch eine Rede in Erfurt im Mai 2016.[2] Darin plädierte er unter anderem dafür, Flüchtlinge in „Lagern aus Bauholz“ in „entlegenen Gegenden“ unterzubringen, rumänische Roma sollten auf eine „griechische Insel“ verbannt werden.[1] Weiter äußerte er, Menschen, die nicht lesen und schreiben könnten, in den Arbeitsmarkt integrieren zu wollen, sei „als ob ein Migrant bei Ihnen einbricht und sich an Ihrem Sofa festkrallt“ und verglich das muslimische Gebet mit öffentlichem Urinieren. Der Berliner AfD-Vorsitzende, Georg Pazderski, distanzierte sich von Wilds Wortwahl. Vier Tage später relativierte Wild einige seiner Aussagen.[11]

Im November 2016 äußerte Wild, Bundeskanzlerin Angela Merkel gehe es darum, Deutschland „umzuvolken“, sie begehe „Verrat am eigenen Volk“; außerdem erklärte er auf Facebook, er wolle sich „nicht länger von verantwortungslosen Unfruchtbaren regieren lassen“. Der Parteisprecher Ronald Gläser distanzierte sich zwar auf Nachfrage von dieser Wortwahl, bezeichnete es jedoch als „zugespitzte Formulierung“. Wild selbst strich daraufhin in seinem Text das Wort „Unfruchtbaren“.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Olaf Sundermeyer: AfD: Von Neukölln aus an die Macht. In: zeit.de. 31. Januar 2017, abgerufen am 2. Februar 2017.
  2. a b Maria Fiedler, Fabian Leber, Karin Christmann, Felix Hackenbruch: Diese AfD-Politiker sitzen bald im Parlament. In: Der Tagesspiegel, 19. September 2016.
  3. Die Strippenzieher aus dem Berliner Südwesten. In: rbb-online.de. 5. Januar 2010, abgerufen am 2. Februar 2017.
  4. Felix Hackenbruch: Berliner Abgeordnetenhaus: AfD geht langsam auf Distanz zu Andreas Wild. In: tagesspiegel.de. 13. Juli 2017, abgerufen am 13. Juli 2017.
  5. Wild verliert Wahl zum Neuköllner AfD-Direktkandidaten. Abgerufen am 18. Juli 2017.
  6. https://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/07/berlin-abgeordnetenhaus-afd-fraktion-schliess-andreas-wild-aus.html
  7. http://www.tagesspiegel.de/berlin/umstrittener-politiker-afd-wirft-andreas-wild-aus-der-fraktion/20076714.html
  8. Jan Thomsen: Canan Bayram schlägt Kurse für "integrationsunwillige Deutsche" vor. In: Berliner Zeitung. 29. Januar 2017, abgerufen am 29. Januar 2017.
  9. Ulrich Kraetzer: Nach der Hetz-Rede von Höcke schweigt die Berliner AfD. In: Berliner Morgenpost. 20. Januar 2017, abgerufen am 29. Januar 2017.
  10. Die Stunde der Populisten. In: rbb-online.de. 31. Januar 2017, abgerufen am 2. Februar 2017.
  11. Tina Friedrich: Berliner AfD-Chef kritisiert Rede von Parteifreund Wild. In: RBB, 22. Mai 2016.
  12. Robert Ide: Berliner AfD geht auf Distanz zu ihrem Abgeordneten Wild. In: Der Tagesspiegel, 20. November 2016.