Andreas de Maizière

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Carl Ulrich Andreas de Maizière[1] [də mɛˈzjɛʀ] (* 8. Juni 1950 in Hannover) ist ein deutscher Bankmanager.

Biografie[Bearbeiten]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Andreas de Maizière studierte von 1971 bis 1976 Betriebswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften an der Universität Köln. Während des Studiums nahm er in New York an einem Seminar der Chase Manhattan Bank teil und arbeitete beim Brokerhaus Bache. 1976 stieg er nach seinem Abschluss zum Diplomkaufmann bei der Commerzbank AG als Trainee ein und übernahm später die Leitung der Filialen Paris, Bremen und Hamburg. Von 1999 bis 2005 war er Mitglied des Vorstandes in Frankfurt für das Firmenkundengeschäft der Bank, anschließend übernahm er die Funktion des Chief Operating Officer[2] für Personal (Arbeitsdirektor), Organisation, Transaction Banking und IT. .[3]

Andreas de Maizière ist heute Vorsitzender der Aufsichtsräte der Arenbergischen Gesellschaften, Düsseldorf. Dazu zählen: die Grundkredit- und Bodenverwaltung GmbH, die Arenberg Recklinghausen GmbH, die Arenberg Schleiden GmbH und die Rheinische Bodenverwaltung AG. Er ist außerdem Mitglied des Aufsichtsrats der Eisen- und Hüttenwerke AG (Andernach) und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Fürstlich Castell’schen Bank[4], Credit-Casse AG (Würzburg) und der ZEAL NETWORK SE (London). Er ist weiterhin Partner und Senior-Adviser der Doertenbach & Co. GmbH (Frankfurt am Main).[5] Zuvor war Andreas de Maizière unter anderem Mitglied des Aufsichtsrats der ABB Deutschland AG, MAN AG und der ThyssenKrupp Steel AG.[6]

Ehrenamt[Bearbeiten]

Ehrenamtlich engagiert war Andreas de Maizière viele Jahre in evangelisch-kirchlichen Aufgaben (Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer und EKHN-Stiftung) und ist unverändert stellvertretender Vorsitzender des Stifterrats und Vorsitzender des Finanzausschusses der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,[7] stellvertretender Präsident der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft[8] Vorsitzender des Vorstandes des Hessischen Kreises e.V.[9], Mitglied des erweiterten Vorstands der Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie e.V.[10] sowie Kuratoriumsmitglied in der Kulturstiftung der Länder.[11]

Die Commerzbank-Affäre[Bearbeiten]

2005 wurde die Commerzbank mit Vorwürfen zu angeblichen Geldwäschehandlungen konfrontiert: Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen elf Betroffene, darunter vier Commerzbank-Mitarbeiter, wegen des Vorwurfes pflichtwidrigen Handelns im Zusammenhang mit der Privatisierung russischer Telekomfirmen in den 1990er Jahren.[12] Die Ermittlungen betrafen auch den damaligen Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller, der in den 1990er Jahren das Osteuropa Geschäft verantwortet hatte. De Maizière übernahm von ihm anschließend von 1999 – 2002 die Zuständigkeit für diese Region.

De Maizière trat im Juli 2005 offiziell „aus persönlichen Gründen“ zurück, auch wenn der Rücktritt im Zusammenhang mit Commerzbank-internen Geldwäsche-Ermittlungen gegen verschiedene Mitarbeiter der Bank stand.[13][14][15] Dass auch gegen de Maizière und Klaus-Peter Müller ein Anfangsverdacht im Zusammenhang mit den Geldwäscheermittlungen der Staatsanwalt Frankfurt bestand, war ihm zum Zeitpunkt seines Rücktritts nicht bekannt.[16] „De Maizière hat mit seinem Rücktritt auch Verantwortung für Fehler von Mitarbeitern seines Zuständigkeitsbereichs übernommen“, sagte eine Sprecherin der Bank damals. De Maizière und anderen ist seinerzeit von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgeworfen worden, sie hätten versäumt, die bankinterne Überwachungsstelle einzuschalten.

De Maizière ist der einzige aus der damaligen Führungsriege, der persönliche und berufliche Konsequenzen aus der umstrittenen Commerzbank-Affäre zog. 2010 deutete de Maizière an, dass sein Rücktritt auf Druck der BaFin erfolgte, um einen Verantwortlichen auf oberster Ebene zu benennen.[17]

Gegen Klaus-Peter Müller wurde das Verfahren im Mai 2006, das gegen Andreas de Maizière 2007 gemäß § 170 Abs. II StPO eingestellt , weil hinreichende Feststellungen zu dem angeblichen Geldwäschetatverdacht nicht getroffen worden waren.[18][19]

Familie[Bearbeiten]

Andreas de Maizière entstammt einer traditionsreichen Hugenottenfamilie, die Ende des 17. Jahrhundert Lothringen verließ und sich in Brandenburg niederließ. Sein Vater war der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Ulrich de Maizière, seine Mutter war die Bildhauerin Eva de Maizière. Sein jüngerer Bruder Thomas de Maizière übernahm am 3. März 2011 das Amt des Verteidigungsministers und ist seit 17. Dezember 2013 erneut Bundesminister des Innern. Seine Schwester Barbara Pieper ist Sozialwissenschaftlerin und Feldenkrais® Practitioner; seine Schwester Cornelia von Ilsemann war Senatsdirektorin im Bildungsministerium von Bremen und ist Preisträgerin des Erich-Hylla-Preises 2014. Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR, ist sein Cousin.[20] Andreas de Maizière und seine Ehefrau Christiane haben zwei erwachsene Töchter und zwei erwachsene Söhne und leben in Bad Homburg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Schumann, Andreas: Familie de Maizière – Eine deutsche Geschichte Verlag Orell Füssli, Zürich 2014, ISBN 978-3-280-05531-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vollständige Namensangabe als Aufsichtsratsmitglied der Conergy AG; abgerufen am 2. Dezember 2010
  2. CV bei Doertenbach & Co.; abgerufen am 2. Dezember 2010
  3. Commerzbank: Streit um die Betriebsrenten beendet; abgerufen auf Stern.de am 2. Dezember 2010
  4. Homepage der Fürstlich Castell'schen Bank; abgerufen am 2. Dezember 2010
  5. [1]; Doertenbach & Co. Senior Advisors; abgerufen am 23. Juli 2015
  6. [2] Bloombeg Business, abgerufen am 23. Juli 2015
  7. [3] [Deutsche Stiftung Denkmalschutz], abgerufen am 23. Juli 2015
  8. [4] Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft, abgerufen am 23. Juli 2015
  9. [5], Hessischer Kreis e.V.
  10. [6] Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie e.V., abgerufen am 23. Juli 2015
  11. [7] [Kulturstiftung der Länder], abgerufen am 23. Juli 2015
  12. Commerzbank erntet viel Aktionärslob, Börsen-Zeitung vom 18. Mai 2006, S. 5
  13. Rücktritt wegen Geldwäsche, Stern, 25. Juli 2005
  14. Andreas de Maizière scheidet aus, Pressemitteilung der Commerzbank AG vom 18. Juli 2005
  15. Verdacht der Geldwäsche hr-online, 25. Juli 2005
  16. Andreas de Maizière 60; Boersen-Zeitung.de; abgerufen am 2. Dezember 2010
  17. Andreas de Maizière 60; Boersen-Zeitung.de; abgerufen am 2. Dezember 2010
  18. [8] Pressemitteilung der Commerzbank AG vom 17. Mai 2006: Ermittlungen gegen Klaus-Peter Müller eingestellt
  19. [9]Commerzbank-Geldwäsche-Verfahren: Frankfurter Verteidigerriege erreicht Einstellung nach sieben Jahren, JUVE Verlag für juristische Information GmbH, abgerufen am 23. Juli 2015
  20. Bericht über die Familienverhältnisse auf Spiegel.de; abgerufen am 2. Dezember 2010