Andres Bosshard

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Andres Bosshard (* 1955 in Zürich) ist ein Schweizer Musiker und Künstler im Bereich Klangkunst und Klangarchitektur. Er gilt als „eine internationale Koryphäe auf seinem Gebiet.“[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bosshard studierte Musik- und Kunstwissenschaft an der Universität Zürich. Danach war er langjährig als Querflötenlehrer tätig. Der Künstler begann als Maler und realisierte eine Reihe von Aktionen. Seit Mitte der 1980er-Jahre trat er in Improvisationsgruppen wie Planet Oeuf, Nachtluft oder Monsieur Jean Sextett auf, bevor er sich experimentellem Musiktheater zuwandte, Klanginstallationen realisierte, eigene live-elektronische Musikinstrumente entwickelte und als improvisierender Musiker auftrat. Für seine Projekte erhielt Andres Bosshard verschiedene Auszeichnungen und namhafte Werkbeiträge, etwa 2017 einen Schweizer Musikpreis.[1]

Musikprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andres Bosshard begann mit Klangexpeditionen die klingende Umgebung in allen ihren möglichen Raumtiefen zu erforschen und produzierte in der Folge mehrere umfangreiche, z.T. weltweit vernetzte Medienprojekte.

  • Staudamm in Fusio 1987 im Kanton Tessin: Der Staudamm wurde durch präzis positionierte kleine Lautsprecher zum gigantischen Klangreflektor.
  • Klangbrücke 1990 in Bern: eine multikanal-live Verbindung zwischen der Kunsthalle Bern und der Eisenbahnbrücke an der Lorraine
  • Telefonia 1991: ein Live-Simultankonzert via Satellit zwischen New York (Hall of Science), Winterthur und dem Gipfel des Säntis

Klangarchitekturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zusammenarbeit mit Architekten und Landschaftsplanern entstanden mehrere ständig betriebene Klangarchitekturen. Seit 2000 betreibt Andres Bosshard zudem Klangforschung im urbanen Aussenraum in einem wachsenden Netz von Klanggärten.

  • Klanginsel Tribschen 2013, im Park des Richard Wagner Museums in der Stadt Luzern: Choreophonie zum 200-jährigen Geburtstag Richard Wagners.
  • Wasserspuren 2000, externes Expoprojekt in Han. Münden: Klang-, Licht- und Wassergestaltung dreier Plätze in der historischen Altstadt.
  • Agora 2000, externes Expoprojekt in der Goitzsche bei Bitterfeld: Klang-Landart-Skulptur als Amphitheater für 1500 Personen.
  • Klangbrunnen 2001, Gutstrasse Galaxy Zürich: interaktiver Brunnen zur Sensibilisierung der akustischen Raumwahrnehmung für ein Schulhaus.
  • Giardino Sonoro La Limonaia dell' imperialino Firenze 2003–2005, ständiger Klanggarten in der Stadt Florenz: Gärtnermeister Stefano Passerotti, Lorenzo Brusci und Andres Bosshard sind die Begründer des GSLI-Teams, das internationale Klanggartenprojekte entwickelte.
  • Kassiopeia 2009, unterirdisches Klangfeld für die neue Sportanlage Heerenschürli in Zürich-Schwamendingen (permanent): Im Auftrag der Stadt Zürich entstand in enger Zusammenarbeit mit metallatelier.de ein wasserbetriebenes unterirdisches Hörlabyrinth, das die kilometerlangen Bewässerungsrohre der Sportanlagen zu Resonzkörpern macht.

Klangturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klangraumarchitektur für Klänge, die neuartigen Raum schaffen, um die vertikale Dimension besonders zu betonen. Im Innern des Turms entsteht eine kaleidophone Klangspirale. Aus der Umgebung werden Impulse aufgenommen, live-elektronisch verarbeitet und wieder radial abgestrahlt.[2]

  • Klangturm 1996–1999: Medienarchitektur für den Klangturm St.Pölten
  • Klangturm 2002 expo.02 Arteplage Biel: während 22 Wochen mit 40 Musikern – Klangstrom, Environment und Konzerte

World New Music Festival Stuttgart 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des World-New-Music-Festivals 2006 in Stuttgart wurde der Aussichtsturm im Höhenpark Killesberg von Andres Bosshard in Zusammenarbeit mit Lorenzo Brusci zu einem Klangturm umgestaltet. Sechs internationale Künstler hatten für den Höhenpark Killesberg Klangkunstwerke entwickelt. Sie hoben besondere Orte des Parks hervor, erzählten dabei dessen Geschichte und präsentieren die klanglichen Möglichkeiten der Neuen Musik. Die Installationen luden zum Hören und zum Sehen, zum Berühren und Ausprobieren ein.[3]

Klangturm Killesberg
Klangturm im Höhenpark Killesberg

Instrumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Navigation der Klänge im Raum entwickelt und baut Andres Bosshard seine eigenen live-elektronischen Instrumente und Lautsprecher.

  • Kassettenmaschinerie 1976–2000: Ursampler für 12 Kassettentonbandgeräte
  • Bosshard-Plexi 1987: drachenförmige Plexiglaslautsprecher, ideal für schwebende Aufhängung im Aussenraum.
  • Matrixmixer 1991: Plexiglasmischpult zur manuellen Bewegung der Klänge im Raum
  • Rotobossophon 1999: einarmige Klangschleuder zur mehrkanaligen Verwirbelung von Klängen
  • Klangkugeln 2000: wetterfeste Keramikkugeln als ideale Bodenlautsprecher im Freien. Kleine Versionen können hängend montiert werden. Die Klangkugeln zeichnen sich durch ein feines Nahfeld und sehr klare omnidirektionale Fernwirkung aus.
  • klanghimmel 2010: Netzbasiertes interaktives System für multiple Klangarchitekturen. Momentan aktive Klangarchitekturen können beliebig ferngesteuert, gewartet und kuratiert werden. Besonders geeignet für Gastkünstler, die sich im Klanghimmel frei bewegen und gleichzeitig ihre Klangvisionen realisieren können (klanghimmelmq Wien 2011). Software-entwicklung in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste und Roman Häfeli, Zürich.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andres Bosshard unterrichtet an verschiedenen Institutionen, so war er 2003 als Gastprofessor an der KHM Köln. Seit 2005 ist er Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste. Hier gestaltete er auch musikalisch die multimediale Vorlesung Heterotopia (Vortrag, Rundumprojektion, Sound) in Zusammenarbeit mit Ulrike Felsing (Design) und Till Nikolaus von Heiseler.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dominik Landwehr: Rotierende Lautsprecher schleudern Klänge durch die Luft. Ein Gespräch mit dem Klang-Künstler Andres Bosshard, In: Playground Robotics, Basel 2004, Merian Verlag. S.72-77 sowie S.116/117, ISBN 3-85616-224-0.
  • Andres Bosshard: Stadt hören. Klangspaziergänge in Zürich, Zürich 2009, Verlag Neue Zürcher Zeitung Nzz LIBRO, ISBN 978-3-03823-549-1.
  • Andres Bosshard: Stadtklang – Klangstadt. Klanggärtnerei, urbane Hörräume und mediale Stadt-Architekturen, In: Klangräume der Kunst, Heidelberg 2010, Kehrer-Verlag, S. 167-182, ISBN 978-3-936636-80-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Schweizer Musikpreis (Gewinner 2017)
  2. Homepage Klangturm Expo.02
  3. WNMF 2006 - Klangpark (Memento vom 10. Dezember 2013 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]