Andrij Melnyk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Andrij Melnyk (1914)

Andrij Atanassowytsch Melnyk (ukrainisch Андрі́й Атанасович Ме́льник; * 12. Dezember 1890 in Wolja Jakubowa, Bezirk Lemberg, Galizien, Österreich-Ungarn; † 1. November 1964 in Köln) war ein ukrainischer Offizier und Politiker. Er führte seit 1938 als Vorsitzender die 1929 in Wien von ihm mitgegründete Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN).[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melnyk wuchs im Galizien des Habsburgerreiches auf und begann 1912 ein Studium der Landwirtschaft in Wien. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges trat er als Freiwilliger der Ukrainischen Legion bei. Dort kämpfte er als Offizier mit seiner Einheit im Heer Österreich-Ungarns an der Ostfront und geriet 1916 in russische Kriegsgefangenschaft. Im Gefangenenlager bei Zarizyn gelang ihm 1917 mit einer Gruppe galizischstämmiger Offiziere, der u. a. Jewhen Konowalez angehörte, die Flucht. In Kiew stellten sie ein, vornehmlich aus Galiziern und Bukowinern bestehendes, Bataillon der Sitscher Schützen auf. Melnyk leitete ab 1919 als Stabschef die Armee der West-Ukrainischen Volksrepublik. Als Militärattaché wirkte er von 1920 bis 1921 in Prag und Wien. Ab 1922 wohnte Melnyk in Galizien und wurde später Mitglied der Organisation Ukrainischer Nationalisten. Jedoch kam es 1940 zur Spaltung innerhalb der Gruppierung und es wurde die OUN-B (unter der Leitung Stepan Banderas) und die OUN-M unter der Führung Melnyks gegründet.

Ebenso wie Bandera arbeitet er mit der Abwehr der Wehrmacht zusammen, von der er den Decknamen Konsul I erhielt.[2]

1941 wurde Melnyk von den deutschen Besatzern unter Hausarrest gestellt und später ins KZ Sachsenhausen deportiert, wo er bis 1944 inhaftiert war. Danach wurde er in das Hotel Ifen in Hirschegg verbracht. Dort setzte er seine politischen Aktivitäten fort, indem er beispielsweise Artikel über die Geschichte der Ukraine verfasste. Anfang Mai 1945 wurde er von der französischen Armee befreit.

Er verstarb 1964 in einem Krankenhaus in Köln und wurde in Luxemburg, wo er seit 1945 lebte, beerdigt.[3][4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andriy Melnyk – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Stöver: Die Befreiung vom Kommunismus: amerikanische Liberation Policy im Kalten Krieg 1947–1991, Köln 2002, ISBN 3-412-03002-3, S. 308. (eingeschränkte Vorschau Online bei Google Book Search).
  2. Der Nürnberger Prozeß, Hauptverhandlung, Sechsundfünfzigster Tag. Montag, 11. Februar 1946, Nachmittagssitzung. 11. Februar 1946, abgerufen am 11. Juli 2018 (deutsch): „..., hatte ich mit den im Dienste der deutschen Abwehr stehenden ukrainischen Nationalisten Fühlung und mit Angehörigen anderer national-faschistischer Gruppen Verbindung aufgenommen. Ich hatte unter anderem persönlich den Anführern der ukrainischen Nationalisten – Melnyk (Deckname, ›Konsul I‹) und Bandera – die Weisung gegeben, ...
  3. Eintrag zu Andrij Melnyk in der Enzyklopädie der Geschichte der Ukraine; abgerufen am 12. Dezember 2018 (ukrainisch)
  4. Artikel zu Melnyk, Andriy in der Internet Encyclopedia of Ukraine (Canadian Institute of Ukrainian Studies/University of Toronto); abgerufen am 12. Dezember 2018 (englisch)