Angela Davis

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Angela Davis am 21. Juni 2010 in Leipzig

Angela Yvonne Davis (* 26. Januar 1944 in Birmingham, Alabama) ist eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin, Philosophin, Humanwissenschaftlerin und Schriftstellerin. In den 1970er-Jahren wurde sie zur Symbolfigur der Bewegung für die Rechte von politischen Gefangenen in den USA. Sie war in den Jahren 1980 sowie 1984, ohne Parteimitglied zu sein, hinter Gus Hall die Kandidatin der Kommunistischen Partei der USA für die US-Vizepräsidentschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angela Davis entstammt einer schwarzen Mittelschichtfamilie. Aufgrund ihrer Begabung bekam sie als 15-Jährige ein Stipendium des American Friends Service Committee für die Elisabeth Irwin High School (auch bekannt als „Little Red School House“), eine progressive Privatschule in New York. Hier kam sie zum ersten Mal mit dem Marxismus in Berührung und schloss sich dem kommunistischen Zirkel an ihrer Schule an.

Ab 1961 studierte sie an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts französische Literatur und ebenso ab 1962 ein Jahr in Frankreich an der Sorbonne.

Ihr elterlicher Wohnbezirk in Birmingham wurde ab den 1960er-Jahren Ziel zahlreicher Bombenanschläge gegen schwarze Bürgerrechtler („Dynamite Hill“). 1963 starben bei einem Brandanschlag des Ku-Klux-Klan auf die Baptist Church – dem sogenannten 16th-Street-Baptist-Church-Bombing – in Birmingham vier Mädchen, die Davis kannte.

An der Brandeis University hörte Davis bei Herbert Marcuse und studierte auf dessen Vermittlung ab September 1965 in Frankfurt (Main) Philosophie und Soziologie, unter anderem bei Adorno und Horkheimer. In Frankfurt schloss sie sich dem SDS an und nahm an Protestaktionen gegen den Vietnamkrieg teil. 1965 schloss sie ihr Erststudium magna cum laude ab und wurde bei der Studentenverbindung Phi Beta Kappa aufgenommen.[1] Die sich zuspitzenden Kämpfe der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA veranlassten sie, im August 1967 in die USA zurückzukehren. Dort trat sie dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) bei und wurde kurzzeitig Mitglied der Black Panther Party. Im Juni 1968 wurde Angela Davis Mitglied im Che-Lumumba-Club, einer schwarzen Zelle der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA).

Davis folgte Marcuse an die University of California, San Diego und schloss ihr Studium 1968 ab. Sie musste gerichtlich ihre Zulassung als Dozentin erstreiten, doch wurde ihr Vertrag 1970 gekündigt, nachdem ihre Mitgliedschaft in der CPUSA bekannt wurde. Auch den SNCC verließ sie, da dort ebenfalls ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zum Problem wurde.

Anklage und Freispruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Honecker überreicht Davis am 11. September 1972 die Einladung für die Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 in Ost-Berlin

Dem bereits seit seinem 18. Lebensjahr in Haft sitzenden George Jackson, der im Gefängnis Mitglied der Black Panther Party wurde, schlug Davis vor, ein Buch über seine Haftbedingungen zu schreiben, was er mit Soledad Brother auch tat. Im August 1970 lieferte sich Jacksons Bruder Jonathan bei einem missglückten Befreiungsversuch in einem Gerichtssaal eine Schießerei mit der Polizei, bei der vier Menschen getötet wurden. Davis wurde vorgeworfen, die Waffe für diesen Überfall geliefert zu haben, da diese auf ihren Namen gekauft worden war.

Das FBI setzte Angela Davis daraufhin auf die Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der USA. Einige Wochen später wurde sie verhaftet. Ihr drohte wegen des Vorwurfs der „Unterstützung des Terrorismus“ die Todesstrafe. Gegen ihre Verhaftung entwickelte sich eine über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinausreichende Welle des öffentlichen Protests. So schickten ihr tausende Menschen aus der DDR unter dem Motto „Eine Million Rosen für Angela Davis“ Postkarten mit Rosen ins Gefängnis.[2] Nach zwei Jahren wurde Davis am 4. Juni 1972 in allen Punkten der Anklage freigesprochen. Anlässlich der entscheidenden Gerichtssitzung fand in der Bundesrepublik Deutschland in Frankfurt der Kongress „Am Beispiel Angela Davis“ statt.

Lehre und politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1975 bis 1977 lehrte Davis African American studies am Claremont College und später women’s and ethnic studies an der San Francisco State University.

1980 und 1984 bewarb Davis sich für das Amt der US-Vizepräsidentin mit dem kommunistischen Präsidentschaftskandidaten Gus Hall. Beide erreichten 0,05 bzw. 0,04 % der Stimmen.

1991 begründete Angela Davis zusammen mit anderen Linken (u. a. Pete Seeger) und ehemaligen CPUSA-Mitgliedern das Committees of Correspondence for Democracy and Socialism. Sie bezeichnet sich jedoch nach wie vor als Kommunistin.

Davis übersetzte das 1983 auf Deutsch erschienene Lichtblicke von Wolfgang Schivelbusch für die amerikanische Ausgabe Disenchanted Night.

Davis ist emeritierte Professorin an der University of California in Santa Cruz in den Fachbereichen Geschichte des Bewusstseins und Feministische Studien.[3]

In ihrem Wohnort Oakland (Kalifornien) unterstützt Davis seit Herbst 2011 die Occupy-Bewegung, so mit einer Rede anlässlich des Generalstreiks vom 2. November 2011. Anlässlich ihres Aufenthaltes in Berlin zur Verleihung des Preises zum Blue Planet Award am 18. November 2011 besuchte sie das Camp der Occupy-Bewegung auf dem Bundespressestrand. Außerdem ist sie Sprecherin der Kampagne gegen die Todesstrafe.

Im Dezember 2013 trat Davis die erste Angela-Davis-Gastprofessur für internationale Gender- und Diversity-Studies[4] an der Universität Frankfurt am Main an.[5]

Schwerpunkt ihrer Arbeit der letzten Jahre ist die Untersuchung des „Gefängnis-Industrie-Komplexes“, vor allem in den USA, die Verbindungen zwischen Unterdrückung aufgrund des Geschlechts, der Rasse und der Klasse nachzuweisen sucht.

Umgang mit dem Schicksal von Dissidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der russische Dissident und Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn kritisierte Davis’ Sympathie für die Sowjetunion und bezichtigte sie der Blindheit gegenüber der Misshandlung politischer Gefangener im Ostblock, unter anderem in ihrer Rede vor dem AFL-CIO (dem US-Gewerkschaftsverband) vom 9. Juli 1975 in New York. Ihm zufolge hatte eine Gruppe tschechischer Dissidenten an sie appelliert. Davis weigerte sich, für diese einzutreten. Davis habe geantwortet: „Sie verdienen das, was sie bekommen. Lasst sie im Gefängnis bleiben.“[6] Angela Davis bestritt diese Anschuldigung.[7]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angela Davis lebt offen lesbisch. Sie erwähnte ihre Homosexualität 1997 im Gespräch mit der Zeitschrift Out.[8]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • If They Come in the Morning: Voices of Resistance. 1971
  • Frame Up: The Opening Defense Statement Made. 1972
  • Angela Davis. An Autobiography. 1974
  • Women, Race & Class. 1981
    • Rassismus und Sexismus. Schwarze Frauen und Klassenkampf in den USA. Elefanten Press, Berlin 1982, ISBN 3-88520-093-7.
  • Violence Against Women and the Ongoing Challenge to Racism. 1985
  • Women, Culture and Politics. 1989
  • Blues Legacies and Black Feminism. Gertrude „Ma“ Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday. 1999
  • The Angela Y. Davis Reader. 1999
  • Are Prisons Obsolete? 2003
    • Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse? Der gefängnisindustrielle Komplex der USA. Schwarzerfreitag 2004, ISBN 3-937623-32-9.
  • Abolition Democracy – Beyond Empire, Prisons, and Torture. 2005

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Davis, der Kampf geht weiter. (OT: Angela Davis, le combat continue.) Dokumentarfilm, USA, Frankreich, 2010, 40:10 Min., Buch und Regie: Shola Lynch, Produktion: De Films en Aiguille, REALside Productions, arte France, deutsche Erstsendung: 9. März 2014 bei arte, Inhaltsangabe von arte.
  • Angela Davis – Eine Legende lebt. Dokumentarfilm, Deutschland, 1998, 79 Min.
  • Angela Davis – Portrait of a Revolutionary. Dokumentarfilm, USA, 1972, 60 Min., Buch und Regie: Yolande Du Luart, Inhaltsangabe von NYT.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angela Davis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angela Yvonne Davis: Waters. In: Angela Davis: An Autobiography. International Publishers, New York City March 1989, ISBN 0-7178-0667-7.
  2. Goethe-Universität Frankfurt: Angela Davis lehrt an Goethe-Uni. In: Frankfurter Rundschau vom 4. Dezember 2013.
  3. Website der UC, Santa Cruz, abgerufen am 26. Januar 2014.
  4. [1]
  5. Veranstaltungsprogramm, bei Uni Frankfurt
  6. Aleksandr Solzhenitsyn: Warning to the West. Farrar, Straus and Giroux, New York 1976, ISBN 0-374-51334-1, S. 60–61.
  7. Angela Davis, Q&A after a speech: Engaging Diversity on Campus: The Curriculum and the Faculty. East Stroudsburg University, Pennsylvania, 15 October 2006.
  8. Katherine E. Horsley: Angela Davis (englisch, auch auf Deutsch verfügbar) FemBio. 24. Januar 2014. Abgerufen am 9. Juli 2015.
  9. Auskünfte einer marxistisch Geprägten. In: RotFuchs, September 2012, S. 7. (PDF, 1,2 MB)