Angelika Klüssendorf

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Angelika Klüssendorf auf der Leipziger Buchmesse 2018

Angelika Klüssendorf (* 26. Oktober 1958 in Ahrensburg) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angelika Klüssendorf wuchs in der DDR auf. Von 1961 an lebte sie in Leipzig, wo sie eine Ausbildung zur Zootechnikerin/Mechanisatorin absolvierte. 1985 übersiedelte sie nach Westdeutschland. Sie hat zwei Kinder; mit dem Vater ihres Sohnes[1], dem Journalisten und FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher, war sie verheiratet. Seit 2017 ist sie mit dem Schriftsteller Torsten Schulz verheiratet.[2]

Angelika Klüssendorf ist Autorin erzählender Werke und von Theaterstücken. 1989 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Seitdem stand sie mehrfach auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und erhielt verschiedene Literaturpreise, darunter den Preis der SWR-Bestenliste.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzählungsbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 veröffentlichte Angelika Klüssendorf ihr erstes Buch Sehnsüchte. Eine Erzählung, das großen Zuspruch im Feuilleton erfuhr.[4] Es folgte die Erzählung Anfall von Glück 1994 sowie 2004 und 2009 die Erzählungsbände Aus allen Himmeln und Amateure. In den Rezensionen zu Aus allen Himmeln wird Klüssendorfs großes Erzähltalent gelobt, ebenso wie ihre Fähigkeit, „virtuos unaufwendig“[5] zu konstruieren.[6]

Zum jüngsten Erzählungsband Amateure schreibt Meike Feßmann in der Süddeutschen Zeitung: „[Angelika Klüssendorf hat] einen Ton gefunden, der die Essenz der amerikanischen Shortstory glaubhaft in die deutsche Sprache überträgt, dorthin, wo in einer Sprache zwei verschiedene Mentalitäten aufeinander treffen.“[7] Die Verortung vieler Erzählungen in der DDR wird von der Kritik oft erwähnt, gleichzeitig wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Stärke ihrer Texte gerade in der übergreifenden Relevanz der Themen liege.[8]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angelika Klüssendorfs Werk umfasst vier Romane: Alle leben so von 2001 sowie eine Trilogie, beginnend mit Das Mädchen (2011), gefolgt von April (2014) sowie Jahre später (2018).

Alle leben so[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angelika Klüssendorfs erster Roman Alle leben so von 2001 wird häufig in direktem Zusammenhang mit ihren Erzählungen gelesen, da auch hier Erzählinstanzen wechseln und verschiedene Erzähler den Text bestimmen. Das Schicksal dieser verbindet sich auf immer neue Weise über die einzelnen Kapitel, der Roman bleibt aber trotzdem episodisch.[9] Für Kristina Maidt-Zinke (Süddeutsche Zeitung) handelt es sich um einen Roman voller Täuschungen und Verrätselungen, es spuke der Geist Franz Kafkas durch die Seiten.[10]

Das Mädchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mädchen markiert den Durchbruch Klüssendorfs als Autorin.[11] Der erste Band von Klüssendorfs Trilogie stand 2011 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Er erzählt vom Erwachsenwerden des „Mädchens“, das den gesamten ersten Band über namenlos bleibt und dessen Kindheit geprägt ist von Grausamkeiten und Schrecken: Der Vater trinkt, die Mutter ist eine Tyrannin, die ihre Wut an den Kindern auslässt – eine Familie ohne Liebe, und dies in der DDR der 70er Jahre, wo das Mädchen, das später im Kinderheim landen wird, ohnehin kein leichtes Leben hat. Von der Kritik wird der Roman hoch gelobt, so begeistern unter anderem Klüssendorfs Umgang mit sozialem Elend sowie das stille und trotzdem pointierte Erzählen die Rezensenten.[12] Die Zeit bezeichnet den Roman als „eine[n] der radikalsten und bewegendsten Adoleszenzromane deutscher Sprache“.[13]

April[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 setzt Angelika Klüssendorf die mit Das Mädchen begonnene Romantrilogie mit April fort, auch dieser Roman steht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Das Mädchen gibt sich nun nach einem Deep Purple-Song den Namen April,[14] sie ist erwachsen geworden und arbeitet als Bürohilfskraft in Leipzig. Sie wendet sich Kunst und Literatur zu,[15] versucht, ihre eigenen Grenzen auszuloten und reist 1985 in den Westen aus. Doch ihre Kindheit ist nicht vergessen, immer wieder holen sie Erinnerungen ein und sie kämpft mit den Erfahrungen der vergangenen Zeit. Die Kritik hebt bei diesem Roman die außergewöhnliche Sprache hervor, die „neben der Hauptfigur die eigentliche Heldin“[16] sei. Klüssendorf verstehe es, zu verdichten, gleichzeitig sei der Sog dieser Prosa aber enorm.

Jahre später[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahre später setzt im Jahr 1989 ein. Der letzte Band der Trilogie erzählt von den Ehejahren Aprils und seziert eine Beziehung, die sich schnell als enttäuschend erweist. April, die sich schon im gleichnamigen Roman der Literatur gewidmet hat, leidet unter einer Schreibblockade und verfällt in eine Depression. Für Heide Soltau „ist Angelika Klüssendorf mit Jahre später ein weiteres Meisterwerk gelungen. Verknappt in der Form und radikal im Inhalt bringt dieses Buch die Geschichte einer Ehe unerbittlich auf den Punkt“.[17] Mit dem Roman beende Klüssendorf einen Zyklus, „der nicht viel Worte machen muss, um die Bodenlosigkeit der Existenz auszuloten“, so Ijoma Mangold in Die Zeit. Auch darüber hinaus gilt der Roman vielen Rezensenten als gelungener Abschluss der Trilogie, in dem laut Christel Wester von Deutschlandfunk Kultur einerseits die Geschichte der anderen beiden Bände bruchstückhaft durchscheine, andererseits das Ganze zu einem komplexen Entwicklungs- und Künstlerinnenroman ausgeweitet würde, in dem die Literatur als Rettungsanker fungiere.[18] Stephan Wackwitz bezeichnet Klüssendorfs Trilogie in der taz dann auch als den „Anton Reiser der wiedervereinigten deutschen Republik“.[19]

Die Kritik zieht Parallelen zwischen Aprils Ehemann und Frank Schirrmacher, Angelika Klüssendorfs erstem Ehemann. Jens Bisky schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung: „Wer ihren Roman [...] wie eine Homestory liest, wird in ihm nur die Schatten eigener Vorurteile sehen und sich damit um ein großes intellektuelles Vergnügen bringen. „Jahre später“ ist ein kunstvoll konzentrierter, suggestiver, hochironischer Gesellschaftsroman, wenn man Gesellschaft im elementaren Sinn versteht, als ein Geflecht unwahrscheinlicher, instabiler Beziehungen.“[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autograph von Angelika Klüssendorf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angelika Kluessendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. [4]
  5. Nähe und Gewalt In: Der Tagesspiegel. 24. März 2004.
  6. Rezensionen zu „Aus allen Himmeln“ In: buecher.de. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2018.
  7. Rezensionen zu „Amateure“ In: buecher.de. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2018.
  8. Nähe und Gewalt In: Der Tagesspiegel. 24. März 2004.
  9. Filippo Smerilli: Angelika Klüssendorf, in: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – KLG, Richard Boorberg Verlag, München 2014 In: users.unimi.it. Zuletzt abgerufen am 20. Juni 2018.
  10. Rezensionen zu „Alle leben so“ In: buecher.de. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2018.
  11. Ein halb verschleiertes Verhängnis In: taz. 5. Februar 2018.
  12. Vorstellung des Buches auf der Seite des Verlages Kiepenheuer & Witsch In: www.kiwi-verlag.de. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2018.
  13. / Eine Heldin unserer Zeit In: Die Zeit. 22. November 2011.
  14. „Enthüllungen“ über Frank Schirrmacher? In: MDR Kultur. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2018.
  15. Frei flottierende Ängste In: NZZ. 24. September 2014.
  16. Vermintes Gelände der Gefühle In: Deutschlandfunk Kultur. 18. März 2014.
  17. Scheißreich, aber anständig In: Die Zeit. 24. Januar 2018.
  18. Bilanz einer toxischen Ehe In: Deutschlandfunk. 22. Februar 2018.
  19. Ein halb verschleiertes Verhängnis In: taz. 5. Februar 2018.
  20. Rezensionen zu „Jahre später“ In: buecher.de. Zuletzt aufgerufen am 21. Juni 2018.
  21. Preisträgerliste auf den Seiten der Stiftung Hermann-Hesse-Literaturpreis Karlsruhe
  22. .Benedikt Erenz: Belletristik und Sachbuch - Rezension in: Die Zeit Nr. 9, 24. Februar 2005.
  23. Gabriele Killert: Frauen in Halbtrauer. Rezension in: DIE ZEIT Nr. 20, 7. Mai 2009
  24. Zwischen Stabheuschrecke und Stelzvogel in: FAZ vom 20. August 2011, Seite Z5