Angelina Lauro (Schiff)

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Angelina Lauro
Anefo 911-4446 Ms. Oranje.jpg
Schiffsdaten
Flagge NiederlandeNiederlande Niederlande
ItalienItalien (Handelsflagge) Italien
andere Schiffsnamen
  • Oranje (1939–1964)
Rufzeichen IBHO
Heimathafen Neapel
Eigner Stoomvaart Maatschappij „Nederland“, Amsterdam
Bauwerft Nederlandsche Scheepsbouw Maatschappij, Amsterdam
Baunummer 270
Kiellegung 2. Juli 1937[1]
Stapellauf 8. September 1938
Verbleib Am 24. September 1979 gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
204,9 m (Lüa)
184,6 m (Lpp)
Breite 25,45 m
Tiefgang max. 8,8 m
Vermessung 24.377 BRT
Maschinenanlage
Maschine 3 × Sulzer Zwölfzylinder-Zweitakt-Dieselmotor
Maschinen-
leistung
37.500 PS (27.581 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
26,3 kn (49 km/h)
Propeller 3 × Festpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 6.427 tdw
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO-Nr. 5264077[2]

Die Angelina Lauro - bis 1964 „Oranje“ - war ein 1937 bis 1939 gebautes Passagierschiff. Es war bei seiner Ablieferung das leistungsstärkste Motorschiff der Welt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oranje wurde als Typschiff einer Dreierserie von der Amsterdamer Reederei Stoomvaart Maatschappij „Nederland“ in Auftrag gegeben. Der Bau bei der Nederlandse Scheepsbouw Maatschappij in Amsterdam begann 1937, der Stapellauf folgte am 8. September 1938. Am 15. Juli 1939 wurde das fertige Schiff an die Auftraggeber abgeliefert und kurz danach auf der Linie von Amsterdam über Kapstadt nach Batavia in Dienst gestellt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Oranje zunächst in Surabaya aufgelegt. Später wurde das Schiff der Royal Australian Navy zur Verfügung gestellt und diente nach einem Umbau 1941 als Hospitalschiff mit niederländischer Besatzung.

In den Jahren von 1947 bis 1957 war das Schiff erneut zwischen Amsterdam und Batavia eingesetzt. Am 6. Januar 1953 kollidierte die Oranje im Roten Meer mit der im selben Dienst fahrenden Willem Ruys, wobei keine Menschen starben, aber beide Schiffe größere Schäden im Vorschiff erlitten. 1958 und 1959 diente das Schiff auf der Route von Amsterdam und Southampton durch den Suezkanal über Singapur nach Australien. Am 7. September 1960 nahm das Schiff nach einer Überholung einen weltumspannenden Dienst von Amsterdam über Australien, Neuseeland, Panamakanal, Port Everglades, Bermuda und Southampton zurück nach Amsterdam auf, der vom 26. Februar 1961 bis zum 4. Mai 1964 in entgegengesetzter Richtung fortgeführt wurde.

Als Angelina Lauro in Tilbury, Juni 1976

Anfang der 1960er Jahre gingen die Passagierzahlen spürbar zurück, woraufhin das Schiff zusammen mit der Willem Ruys an die italienische Reederei StarLauro verkauft wurde. Diese betrieb vorher mit der Roma und der Sydney zwei deutlich kleinere Schiffe. Die Oranje wurde bei Tirreno Shipyards umgebaut, in Angelina Lauro umbenannt und erneut auf der Route zwischen Europa und Australien einsetzte. 1977 charterte Costa Crociere das Schiff für drei Jahre und betrieb es auf Kreuzfahrten aus Port Everglades in die Karibik. Am 30. März 1979 geriet das mittlerweile vierzig Jahre alte Schiff an der Pier in St. Thomas auf den Virgin Islands in Brand und brannte in den folgenden Tagen aus. Das Schiff wurde zum Totalverlust erklärt und am 2. Juli 1979 durch das Hamburger Schiffsverschrottungsunternehmen Eckhardt & Co. gehoben. Am 30. Juli 1979 begann die Schleppreise durch das japanische Schiff Nippon Maru zur Abbruchwerft in Kaohsiung. Am 21. September 1979 begann das Schiff Wasser zu nehmen und Schlagseite zu bekommen, woraufhin es am 24. September sank.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schiffbaulichen Pläne der Oranje stammten vom H. N. Prins, die Maschinenanlage entwarf A. H. Ijsselmuiden - beide Ingenieure bei der Stoomvaart Maatschappij „Nederland“. Das Schiff wies aus einer Reihe von Gründen eine besonders markante Rumpfform auf. Während die hohe Reisegeschwindigkeit einerseits eine scharfe Unterwasserform erforderte, musste das Unterwasserschiff andererseits eine gewisse Mindestbreite verfügen, da für den Hafenanlauf in Asien geringe Tiefgänge nötig waren. Gleichzeitig waren hohe aber nicht zu schwere Aufbauten vorgesehen, die in diesem Bereich ausschließlich Außenkabinen besaßen, weshalb Prins' den Rumpfquerschnitt auf den vier Decks oberhalb der Wasserlinie deutlich nach innen einzog. Als technische Besonderheiten der Passagiereinrichtungen waren zum Beispiel die Isolierung, Teilklimatisierung oder der Einsatz regelbarer Neonbeleuchtung zu nennen. Eine andere Neuheit waren die Schlingerkiele, die aus einer großen Anzahl hintereinander angeordneter Flossen bestanden. Die Oranje das erste Schiff mit dieser Bauform nach den beiden niederländischen Torpedobooten G.15 und G.16, an denen der Ingenieur W. Rösingh der Werft Wilton-Fijenoord deren neuartige Form erprobte.[4]

Die Antriebsanlage bestand aus drei in Winterthur gebauten Sulzer Zwölfzylinder-Zweitakt-Dieselmotoren mit einer Gesamtleistung von 37.500 PS. Die drei Motoren wirkten direkt auf drei Festpropeller. Auf der Probefahrt erreichte das Schiff im Juli 1939 eine Geschwindigkeit von 26,3 Knoten - seinerzeit die weltweit höchste Geschwindigkeit eines Passagierschiffs mit Motorantrieb. Die Bordenergie wurde von fünf, ebenfalls von Sulzer gelieferten, Hilfsdieseln mit jeweils 1.200 PS Leistung geliefert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Züblin: Die Hauptantriebsanlage des holländischen Dreischrauben-Motorschiffes „Oranje“. In: Werft*Reederei*Hafen. Vol. 20, Nr. 5, März 1939, S. 77–79.
  • Motorfahrgastschiff „Oranje“ der Stoomvaart Mij. „Nederland“, erbaut von der Nederlandsche Scheepsbouw Mij., Amsterdam. In: Werft*Reederei*Hafen. Vol. 20, Nr. 20, Oktober 1939, S. 316–323.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: IMO 5264077 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SMHD, Oranje (englisch)
  2. Lloyd's Register
  3. Nederland Line's new Ship in: The Singapore Free Press and Mercantile Advertiser, 14. Juli 1939, S. 10.
  4. W. Rösingh: Schlingerdämpfungs-Versuche mit Hr.Ms. Torpedobooten „G.15“ „G.16“. In: Werft*Reederei*Hafen. Vol. 20, Nr. 2, Januar 1939, S. 19–21.