Angelo Poliziano

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Angelo Poliziano – Detail aus einem Fresko von Domenico Ghirlandaio in der Cappella Tornabuoni in Santa Maria Novella
Angelo Poliziano mit Giuliano de’ Medici auf einem Fresko von Domenico Ghirlandaio in der Cappella Sassetti in Santa Trinita (Florenz)
Ein eigenhändiger Brief Polizianos an Lorenzo il Magnifico. Basel, Öffentliche Bibliothek der Universität, Autographen-Sammlung Geigy-Hagenbach

Angelo Poliziano (eigentlich Agnolo Ambrogini, lateinisch Angelus Politianus, Angelus Ambrosini, deutsch auch Politian; * 14. Juli 1454 in Montepulciano; † 29. September 1494 in Florenz) war ein italienischer Humanist und Dichter der Renaissance. Seine Werke waren maßgeblich für die Entstehung des humanistischen Lateins.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polizianos Name ist von seinem Geburtsort Montepulciano (lateinisch Mons Politianus) abgeleitet. Er wurde in Florenz erzogen und war dann als Kanzler und Erzieher der Söhne des Florentiner Staatsmannes Lorenzo il Magnifico tätig. Sein Vater, Benedetto Poliziano, ein Rechtsanwalt, stand in Beziehung zu einer der wichtigen Familie von Florenz den Medici. Er starb, als Poliziano erst zehn Jahre alt war, wahrscheinlich durch ein Gewaltverbrechen von Verwandten eines Mann ausgeführt, der durch sein juristisches Handeln verurteilt worden war.[1]

Poliziano wendete sich als Philologe ab 1477 fast ausschließlich klassischen Studien zu. Als typischer Vertreter des Humanismus wurden Fragen zur Antike mittels der Dichtung, der gelehrten Abhandlung und dem Dialog - auch briefliche, wie z.B. an den Literaturkritiker in Rom, Paolo Cortesio [2] - aufgeworfen und versucht zu klären. 1480 erhielt er den Lehrstuhl der griechischen und lateinischen Literatur an der Universität Florenz. Sein hervorragender Ruf zog Studenten aus ganz Italien und anderen europäischen Ländern an. Zu seinen Hörern zählten Michelangelo, Johannes Reuchlin und die englischen Humanisten Thomas Linacre und William Grocyn. Eines seiner ersten literarischen Werke war das berühmte Versepos "Le stanze per la giostra" (ca. 1476) in dem das Turnierspiel von Giuliano di Piero de Medici aus dem Jahre 1475 verherrlicht wird. Einigen Einfluss hatte er auf die Werke des Malers Sandro Botticelli, den er in Fragen der literarischen Quellenauswahl für seine Bilder Primavera und Geburt der Venus beraten hatte [3].

1485 wurde er Kanonikus der Kathedrale zu Florenz. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Markus-Kirche von Florenz.

Angelo Poliziano und Hermolaus Barbarus gelten als diejenigen, die den Begriff Encyclopaedia Ende des 15. Jahrhunderts als erste benutzten.[4]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurzepos Stanze per la giostra (Der Triumph Cupidos), 1475–1478
  • Apologie Pactianae coniurationis commentarium (Kommentar zur Pazzi-Verschwörung), 1478
  • Schauspiel Fabula di Orfeo (Die Tragödie des Orpheus), 1494
  • Omnium Angeli Politiani operum (quae quidem extare novimus) tomus ... Badius, Parrhisiis 1519 (Digitalisat)

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Livia Castano Musicò (Hrsg.): Angelo Poliziano: Commento inedito alle Georgiche di Virgilio. Olschki, Firenze 1990, ISBN 88-222-3844-3 (kritische Edition)
  • Lucia Cesarini Martinelli, Roberto Ricciardi (Hrsg.): Angelo Poliziano: Commento inedito alle Satire di Persio. Olschki, Firenze 1985, ISBN 88-222-3357-3 (kritische Edition)
  • Francesco Lo Monaco (Hrsg.): Angelo Poliziano: Commento inedito ai Fasti di Ovidio. Olschki, Firenze 1991, ISBN 88-222-3878-8 (kritische Edition)
  • Filippomaria Pontani (Hrsg.): Angelo Poliziano: Liber epigrammatum Graecorum (= Edizione nazionale dei testi umanistici, Bd. 5). Edizioni di Storia e Letteratura, Rom 2002, ISBN 88-8498-053-4
  • Otto Schönberger (Hrsg.): Angelo Poliziano: „Rusticus“. Einleitung, Text, erste deutsche Übersetzung und Anmerkungen. Königshausen & Neumann, Würzburg 1992, ISBN 3-88479-735-2
  • Charles Fantazzi (Hrsg.): Angelo Poliziano: Silvae. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 2004, ISBN 0-674-01480-4 (lateinischer Text und englische Übersetzung)
  • Otto und Eva Schönberger (Übersetzer): Angelo Poliziano: Vorworte und Vorlesungen. Einleitung, deutsche Übersetzung und Anmerkungen. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011, ISBN 978-3-8260-4596-7
  • Luigi Silvano (Hrsg.): Angelo Poliziano: Appunti per un corso sull'Odissea. Editio princeps dal Par. gr. 3069. Edizioni dell'Orso, Alessandria 2010, ISBN 978-88-6274-196-5 (kritische Edition)
  • Shane Butler (Hrsg.): Angelo Poliziano: Letters. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts) 2006 ff. (lateinischer Text und englische Übersetzung)
  • Angelo Polizianos Tagebuch (1477-1479): mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren. Diederichs, Jena 1929 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Baier, Tobias Dänzer, Ferdinand Stürner (Hrsg.): Angelo Poliziano: Dichter und Gelehrter. Narr Francke Attempto, Tübingen 2015.
  • Emilio Bigi: Ambrogini, Angelo, detto il Poliziano. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 2 (Albicante–Ammannati), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1960.
  • Tobias Leuker: Angelo Poliziano: Dichter, Redner, Stratege. Eine Analyse der „Fabula di Orpheo“ und ausgewählter lateinischer Werke des Florentiner Humanisten (= Beiträge zur Altertumskunde 98). Teubner, Stuttgart 1997, ISBN 3-519-07647-0
  • Ida Maïer: Ange Politien. La formation d'un poète humaniste (1469–1480). Droz, Genève 1966

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angelo Poliziano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Giorgio Bàrberi Squarotti: Storia e antologia della letteratura. Vol. 2, Dall'Umanesimo alla Controriforma, Atlas, Bergamo 2005, ISBN 978-88-268-1131-4, S. 56.
  2. Angelo Poliziano: Über die literarische Nachahmung, in:. Die Kultur des Humanismus. Hrsg.: Nicolette Mout. Beck, München 1998, S. 42–43.
  3. Nikolai Rubinstein: Youth and Spring in Botticelli's Primavera. JSTOR:751233.
  4. Jürgen Henningsen: „Enzyklopädie“. Zur Sprach- und Bedeutungsgeschichte eines pädagogischen Begriffs. In: Archiv für Begriffsgeschichte 1966, S. 271–356, hier: S. 233.