Angenrod

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Angenrod
Stadt Alsfeld
Koordinaten: 50° 45′ 44″ N, 9° 12′ 19″ O
Höhe: 290 (284–302) m
Fläche: 3,21 km²[1]
Einwohner: 608[2]
Bevölkerungsdichte: 189 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36304
Vorwahl: 06631

Angenrod ist ein Stadtteil von Alsfeld im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angenrod liegt etwa fünf Kilometer westlich vom Hauptort an der Antrift. Im Ort treffen sich die Bundesstraße 62 und die Landesstraße 3070. Der Ort liegt am Südende der Antrifttalsperre.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde urkundlich erstmals im Jahre 1272 unter dem Namen Ingerode erwähnt.[1] Ein früherer Ortsname war Ingerode. Er wird von dem Namen Ingo abgeleitet. Später tauchen auch die Namen Engerode, Angerrode, Angerrodt und Angenrodt auf. Im Flusstal stand die Wasserburg Angenrod. Sie wird noch 1645 genannt. Das alte Herrenhaus wurde, nach mehreren Besitzerwechseln, von der Stadt Alsfeld gekauft und zu Wohnungen umgebaut. Die heutige Kirche wurde an der Stelle des Vorgängerbaus im Jahr 1702 erbaut. Die jüdische Gemeinde erbaute 1797 eine Synagoge. Reste der Ruine wurden 1961 abgerissen. Der jüdische Friedhof wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Im Jahre 1880 wurde eine Schule errichtet, die später zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut wurde.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurde Angenrod im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Alsfeld eingegliedert.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Angenrod lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4][5]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Angenrod durch das Gericht Angenrod. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1839 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg, das heutige Amtsgericht, das für Angenrod zuständig war. Im Jahre 1839 wurden die Orte Angenrod und Billertshausen an das Landgericht Alsfeld abgetreten.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Alsfeld“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[10] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1961: 555 evangelische und 64 katholische Einwohner
Angenrod: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2006
Jahr  Einwohner
1834
  
554
1840
  
546
1846
  
609
1852
  
616
1858
  
569
1864
  
573
1871
  
589
1875
  
561
1885
  
568
1895
  
570
1905
  
573
1910
  
546
1925
  
517
1939
  
528
1946
  
838
1950
  
802
1956
  
689
1961
  
628
1967
  
622
1970
  
616
2006
  
581
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2006:[11]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Rußbergring werden vom MSC Angenrod betreute Grasbahnrennen ausgetragen.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vereinsleben im Ort prägen folgende Vereine:

  • der Gesangverein,
  • der Fußballsportverein,
  • die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer Jugendfeuerwehr,
  • der Wanderverein,
  • der Posaunenchor,
  • der Carnevalsclub,
  • die Gymnastikgruppe,
  • die Tischtennisgruppe,
  • der Motorsportverein,
  • die Jugendgruppe und
  • Gedenkstätte Speier Angenrod e. V.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Korell (1871–1935), Landtagsabgeordneter und 1927 bis 1933 Bürgermeister in Angenrod

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Angenrod, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Alsfeld: Alsfeld und seine Stadtteile, abgerufen im September 2015.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 49 ff. (Online bei google books).
  6. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 174, 256, 260 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (online bei Google Books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 422 (online bei Google Books).
  9. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 143 ff. (online bei Google Books).
  10. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  11. Stadtteil Angenrod im Internetauftritt der Stadt Alsfeld, abgerufen im Oktober 2017.
  12. Jüdische Geschichte. Vogelsberg. In: juedische-geschichte-vogelsberg.de. Förderverein zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg e.V., abgerufen im Oktober 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angenrod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien